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Archive for August 2011

Zieseln! Wer hat noch nicht, wer will nochmal?

Trotz der derzeit hochsommerlichen Temperaturen, kommen die Floridsdorfer Zieseln nicht zur Ruhe. Denn ein Verkauf von ersten für Wohnbau gewidmeten Teilflächen des Wiener Heeresspitals, auf denen pikanterweise auch die streng geschützten Zieseln leben, steht unmittelbar bevor. Ein erster Schritt für einen neuen Großstadtteil mit tausenden Wohnungen am und rund um das Heeresspital-Areal?

Laut Webseite der SIVBEG sollen Gebiete des Heeresspital-Geländes schon bald veräußert werden. Dabei handelt es sich konkret um Teile des hinteren Grünbereichs, die an jenes Feld angrenzen, wo das heftig diskutierte Großwohnbauprojekt „Nördlich des Heeresspitals“ mit fast 1.000 Wohnungen realisiert werden soll. Dort wurde erst kürzlich eine größere Population der vom Aussterben bedrohten und nach dem Wiener Naturschutzgesetz streng geschützten Ziesel entdeckt. Da just zu diesem Zeitpunkt die Landwirtschaft auf dem brachliegenden Acker wieder aufgenommen und die wehrlosen Tiere in ihrem Lebensraum massiv gefährdet wurden, war auch die Anteilnahme in der Bevölkerung und den Medien entsprechend groß.

Ob und in welcher Form eine Bebauung nördlich des Heeresspitals überhaupt stattfinden kann, ist nun völlig offen. Wo Zieseln leben, kann nicht gebaut werden.

Der Kaufvertragsentwurf für die Abtretung der ersten Heeresspitalsgründe kann auf der SIVBEG-Website (Google-Link) öffentlich eingesehen werden. In Summe sollen 2.786 Quadratmeter zu einem Preis von 683.500 EUR den Besitzer wechseln. Das Angebot richtet sich an die Wohnbaugenossenschaften Kabelwerk und Donaucity, denen auch bereits das Nachbargrundstück gehört.

10 Zieseln und ein Feldhase am Gelände des Heeresspitals

10 Zieseln und ein Feldhase am Gelände des Heeresspitals

Dass auf dem Gebiet des Heeresspitals eine sehr große Anzahl der Zieseln lebt, ist schon seit vielen Jahren bekannt. Kursierende Gerüchte, wonach deren Bestand in den letzter Zeit dort massiv zurückgegangen sein soll, entpuppen sich als völlig haltlos. Wie ein Foto vom Juni 2011 zeigt, herrscht auf den Grünflächen des HSP nach wie vor reges Treiben. Bei genauem Hinsehen können auf dem Schnappschuss erfreulicherweise nicht weniger als 10 (!) Zieseln ausgemacht werden, was auf einen idealen Lebensraum für die Nager hinweist. Es gibt wohl nur mehr sehr wenige Orte in Österreich, wo es gelingt, so viele der scheuen Tiere in freier Natur gemeinsam zu sichten.

Es stellt sich nun jedoch die Frage, warum die Präsenz des am meisten vom Aussterben bedrohten Säugetier Österreichs im Kaufvertragsentwurf mit keiner Silbe erwähnt wird. Dieser naturschutzrelevante Aspekt hat zweifellos erheblichen Einfluss auf den Verbauungswert des Grundstückes.

Wissen wirklich beide Seiten nichts von den Zieseln am Gelände des Heeresspitals? Ist den kolportierten Käufern der Umstand bekannt und greifen sie trotzdem zu? Was passiert dann mit den streng geschützen Zieseln?

Man darf also gespannt sein, ob das Geschäft tatsächlich zustande kommen wird und sich die Genossenschaften Kabelwerk und Donaucity so letztlich noch mehr Zieseln kaufen.

Startschuss für 6.000 Wohnungen?

Klar ist aber auch: Es können weitere Verkäufe von Flächen des Heeresspitals folgen. Entsprechende Medienberichte  über die Schließung des Heeresspitals gibt es ja schon. Insider sprechen von 6.000 Wohneinheiten, die dann in Summe am und um das Gebiet des ehemaligen Wiener Heeresspitals realisiert werden sollen.

Der „Ziesel-Sommerschlussverkauf“ ist also nur die leise Ouvertüre für einen neuen Mega-Stadtteil im Norden Wiens, den jedoch die schon oft versprochene U6-Verlängerung wohl nie erreichen wird.

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