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Archive for November 2013

Artenschutz-Kalender 2014Bezaubernde Fotos von Zieseln und Feldhamstern in ihrem natürlichen Lebensraum, stehen im Mittelpunkt des Artenschutzkalenders 2014, der ab sofort erhältlich ist!

Die atemberaubenden Bilder wurden freundlicherweise vom mehrfach preisgekrönten Floridsdorfer Fotografen Leopold Kanzler zur Verfügung gestellt, dessen Werke, weit über die Grenzen seines Heimatbezirks hinweg, große Anerkennung finden.

Für eine Mindestspende von 8 Euro ist der Artenschutzkalender 2014 in Wien-Floridsdorf in der Buchhandlung „Bücherei am Spitz“ und dem Bio-Nahversorger „Lebenskraft Natur“ erhältlich. Nähere Infos finden Sie auf der Kalender-Seite.

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Ziesel-Verbreitung nördlich Wiener Heeresspital - Stand Oktober 2013

Das Ziesel-Vorkommen nördlich des Wiener Heeresspitals ist deutlich angewachsen. Sowohl gemessen an Anzahl der Baue, als auch an beanspruchter Fläche. Nahezu das gesamte Feld, auf dem die Stadt Wien ein riesiges Bauprojekt durchpeitschen will, ist mittlerweile von den streng geschützten Tieren besiedelt.

Diese harten Fakten gehen schwarz auf weiß aus dem offiziellen Bericht hervor, der kürzlich der Wiener Naturschutzbehörde von den Bauträgern vorgelegt wurde. Zuvor penetrant lancierte Gerüchte, wonach die Ziesel-Absiedlung ein „Riesen-Erfolg“ wäre, sind damit als solche enttarnt. In Wahrheit ist das hochgejubelte Konzept einer „freiwilligen Abwanderung“ aus dem Projektgebiet ein völliger Fehlschlag.

Getarnt als „Bewirtschaftung“ sollen nun tonnenschwere Baumaschinen auffahren, um in der verbliebenen unbesiedelten Randzone den Oberboden abzutragen und dann zu planieren. Dabei will man nahe an bekannte Baue, worin wehrlose Ziesel bereits ihren Winterschlaf halten, herangehen. Zugleich wird riskiert, dass bislang unentdeckte Ziesel-Baue Schaden nehmen können. Denn zu dieser Jahreszeit kann selbst die involvierte Expertin nach eigenen Angaben nicht mit absoluter Sicherheit Mauslöcher von Ziesel-Bauen unterscheiden.

Offensichtlich wollte man vor Anrollen der Bagger durch gezielte Desinformation das Feld in den Köpfen der Menschen bildlich räumen. Die subtile PR-Offensive ist gescheitert und die Glaubwürdigkeit der handelnden Personen nachhaltig im Keller.

Zuletzt hat die EU-Kommission nach genauer Prüfung die massive Kritik der Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal aufgegriffen und verlangt nun von der Republik Österreich eine Stellungnahme zu den Vorgängen beim Heeresspital. Vor diesem ohnehin schon ernsten Hintergrund ist das unbeirrte Festhalten an der Zerstörung des wertvollen Lebensraums in hohem Maße unverantwortlich. Am Ende droht der Republik und damit den Steuerzahlern eine hohe Geldstrafe wegen eklatanter Missachtung des Gemeinschaftsrechts.

Inzwischen formiert sich auf Facebook ziviler Ungehorsam gegen die beabsichtigten Erdbewegungen am Rand des Ziesel-Habitats. Stehen einander dort bald engagierte Bürger und tonnenschwere Bagger gegenüber?

Ein Bild des totalen Scheiterns

Die Karte (oben) zeigt die Ziesel-Verbreitung nördlich des Wiener Heeresspitals mit Stand Anfang Oktober 2013:

  • Jeder schwarzer Punkt entspricht einem verifizierten Ziesel-Bau.
  • Grün umrandet: Ausbreitung des Ziesel-Vorkommens nördlich des Heeresspitals mit Stand Oktober 2013.
  • Blau umrandet: Zum Vergleich die deutlich kleinere Ausdehnung des Ziesel-Vorkommens im Jahr 2012, also gut ein Jahr vor Beginn der Lenkungsmaßnahmen.
  • Violett schraffiert: Ziesel-Großpopulation innerhalb des Heeresspitals und südlich davon. Da nur durch einen Maschendrahtzaun getrennt, ist von einer intakten Verbindung zwischen den Teilpopulationen innerhalb und außerhalb des Heeresspitals auszugehen. Somit können Ziesel ungehindert vom Areal des Heeresspitals ins Umland auswandern.
  • Der einzelne Bau X1 befindet sich nicht auf einer Ausgleichsfläche.
  • Der einzelne Bau X2 liegt auf der Marchfeldkanal-Böschung. Die Tatsache, dass sich bloß ein Ziesel auf die einzige, unmittelbar angrenzende Ausgleichsfläche A4 verirrt hat, zeigt deutlich, wie wenig die Böschung tatsächlich als Ersatzlebensraum geeignet ist.
  • Der Bau X3 liegt einsam auf Ausgleichsfläche A2. Das Tier kann es sowohl aus dem Heeresspital, als auch von der nördlich gelegenen Projektfläche dorthin verschlagen haben.
  • Auf Fläche A3 befinden sich mehrere Ziesel-Baue (X4). Allerdings waren dort schon im Vorjahr mindestens ebenso viele Baue zu finden, wie eine Foto-Dokumentation vom April 2012 belegt.
  • X5 und X6 sind wiederum Einzelbaue, wo aufgrund der Nähe zum Großvorkommen am Heeresspital und südlich davon, kaum von einer Zuwanderung von der deutlich weiter entfernten Projektfläche auszugehen ist.

Bemerkenswert: Auf die jenseits des Marchfeldanal gelegenen Ausgleichsflächen, die für die Ziesel nur über eine schmale Brücke erreichbar sind, ist kein einziges Tier abgewandert.

Ziesel-Population hat um 12,6 Prozent zugelegt!

Stellt man die Daten aus dem Quartalsbericht von Oktober 2013 jenen aus dem Oktober 2012 gegenüber, so zeigt sich im Vergleichszeitraum eine Zunahme von 182 auf 205 auf verifizierte Ziesel-Bausysteme, was einem Anwachsen um 12,6 Prozent entspricht.

Hinweise auf bis zu 19 Ziesel- oder Feldhamsterbaue auf den Ausgleichsflächen will man gefunden haben. Zugleich müssen die Autoren jedoch eingestehen, dass ein großer Teil davon von Mäusen stammen könnte, da deren Löcher „im zweiten Halbjahr oberflächlich nicht eindeutig von Zieselbauen unterscheidbar sind“.

Wie weiter oben ausgeführt, dürften gerademal drei Tiere tatsächlich umgezogen sein. Die angestrebte Abwanderung von 50 Prozent, die mehr als 100 verifizierten Bauen auf Ausgleichsflächen entsprechen würde, wurde unübersehbar meilenweit verfehlt.

Außergewöhnliche Ziesel mit einzigartiger Fellfärbung

Ziesel mit ungewöhnlichem Farbschlag nördlich des Wiener Heeresspitals. Foto: Ilse Hoffmann, Uni Wien
Ziesel mit ungewöhnlichem Farbschlag nördlich des Heeresspitals. Foto: Ilse Hoffmann

Die Vermutung, dass die Zieseln beim Heeresspital einer bis dato unbekannten Unterart angehören könnten, ist noch immer aufrecht. Auch heuer wurden wieder Tiere gesichtet bzw. gefangen, deren Fell einen außergewöhnlichen Farbschlag aufweist, der nur bei dieser Population dokumentiert ist.

Baumaschinen im Anmarsch!

'Bewirtschaftung' der Zieselflächen nördlich des Wiener Heeresspitals. Stand Oktober 2013

Der Bericht der Bauträger an die Naturschutzbehörde MA22 führt das beabsichtigte Abtragen des Erdreichs in Randzonen detailliert aus. Durch euphemistische Titulierung als „Bewirtschaftung“, soll vermutlich die Tatsache ausgenutzt werden, dass die Behörde den Bauträgern für Bodenbearbeitungen am Ziesel-Feld freie Hand lässt, sofern diese nicht über eine Tiefe von 30 Zentimetern hinausgehen.

Details zu den Erdarbeiten

Versucht man auf diese Weise den MA22-Bescheid auszutricksen, wonach mit Bautätigkeiten auf den fünf Bauplätzen jeweils erst dann begonnen werden darf, wenn sich auf diesen nachweislich keine geschützten Tiere befinden?

Auch Zauneidechsen in Gefahr!

Zauneidechse am Feld noerdlich Wiener Heeresspital August 2013
Zauneidechse in Zone 1 am Feld nördlich des Heeresspitals im August 2013

Zum aktuellen Zeitpunkt ist jedenfalls jeder Bauplatz von Zieseln besetzt. Dazu kommen rund 15 andere geschützte Arten, darunter die europaweit streng geschützte Zauneidechse, deren häufiges Vorkommen am Projektfeld amtskundig ist. Tötung von Zauneidechsen-Individuen, die sich bereits  in Winterstarre befinden, sowie Beschädigung oder Zerstörung ihrer Ruhestätten würde zweifelsfrei einen Verstoß gegen die Naturschutzgesetze bedeuten.

Brüssel richtet Augen auf Floridsdorf

Heeresspital-Ziesel: EU-Kommission fordert Stellungnahme von WienInzwischen ist der Umgang der Stadt Wien mit der Ziesel-Population beim Heeresspital bis zu den obersten Naturschützern in Brüssel eskaliert. Am Ende droht der Republik Österreich und damit den Steuerzahlern eine saftige Geldstrafe wegen grober Verstöße gegen fundamentale Prinzipien europäischen Umweltrechts.

Wenn die Behörde jetzt zur Schaffung von vollendeten Tatsachen das Auffahren der Baumaschinen zulässt, nimmt sie eine zusätzliche Verschärfung der dramatischen Situation in Kauf. Wie will sie der Kommission erklären, dass in Wien die vorgenommenen „Bewirtschaftungen“, deren konkreter Nutzen nicht erkennbar ist, über das zweifelsfrei gegebene Schutzbedürfnis der europaweit unter Druck stehenden Ziesel gestellt wurde?

Naturschützer mobilisieren auf Facebook

Indes wollen viele engagierte Bürgerinnen und Bürgern die drohende, teilweise Zerstörung des wertvollen Lebensraums und die damit einhergehende mögliche Gefährdung streng geschützter Ziesel und anderer Arten nicht mehr schweigend hinnehmen. Die Behörde haben sich an die Buchstaben der Naturschutzgesetze zu halten, statt diese im Anlassfall kreativ auszulegen.

Geleitet von Berthold Brechts berühmten Worten, organisieren Natur – und Tierschützer in der Facebook-Gruppe „Rettet die Ziesel“ Protestaktionen gegen das Diktat der Bagger:

„Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!“

Quellen zu diesem Artikel

Quartals-Bericht ökologische Aufsicht 09.10.2013

Ausbreitungsareal Ziesel nördlich Heeresspital Stand 02.10.2013

Maßnahmen Bewirtschaftung 2013 nördlich Heeresspital Stand 07.10.2013

Quartals-Bericht ökologische Aufsicht 18.10.2012

Ausbreitungsareal (Ziesel- + potentielle Hamsterbaue) im Juni 2012

Foto-Dokumentation Ziesel-Baue auf Ausgleichsfläche A3 im April 2012

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