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Archive for Juni 2012

Kürzlich erklärte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig in einem Interview mit dem „Standard“ einer staunenden Leserschaft, dass die Ziesel in Wien wieder vermehrt auftreten würden.

Tatsächlich stehen die Europäischen Ziesel in Österreich jedoch schon seit vielen Jahren auf Platz 1 der Roten Liste und die Prognosen sind negativ. Der landesweit schlechte Erhaltungszustand und die dramatischen Bestandsrückgänge lassen sich anhand einer Vielzahl einschlägiger Quellen zweifelsfrei nachvollziehen. Für den behaupteten positiven Trend in der Bundeshauptstadt fehlt hingegen ein objektiv nachvollziehbarer Beleg.

Trotz des begründeten strengen Schutzstatus der Ziesel, wurde beim Wiener Heeresspital 2010 der Lebensraum einer der letzten großen Ziesel-Kolonien kommentarlos teilweise für Wohnbau umgewidmet. Nun droht eine Absiedlung der sensiblen Tiere auf ominöse Ausgleichsflächen, deren Lage bislang – wenn überhaupt – nur die eingeschaltete PR-Agentur kennt.

Nachfolgend eine Zusammenstellung seriöser Quellen, die sich mit dem realen Erhaltungszustand der Ziesel in Österreich auseinandersetzen. Sie alle legen nahe, dass jeder vermeidbare Eingriff in Ziesel-Lebensräume ein unverantwortlicher ist.

EU-Biodiversitätsdatenbank: „Unfavourable Bad“

In der Biodiversitätsdatenbank der Europäischen Union sind für die nichtalpine biogeographische Region Österreichs lediglich vier Säugetierarten mit dem schlechtest möglichen Erhaltungszustand „U2 – Unfavourable Bad“ ausgewiesen. Neben dem Europäischem Ziesel (Spermophilus citellus) befinden sich drei Fledermausarten in diesem Status.

Ziesel in EU-Biodiversitätsdatenbank

Für Details klicken – Siehe Spermophilus citellus
(C) Eionet – European Topic Centre on Biological Diversity

Die zugrundeliegenden Daten wurden nicht etwa im fernen Brüssel geschätzt, sondern basieren auf authentischem Datenmaterial aus Österreich. Die Datenqualität ist dabei ausdrücklich als „Good“, d.h. basierend auf umfangreichen Erhebungen, ausgewiesen.

Sowohl Bestandszahlen als auch Habiatsgrößen zeigen substanzielle Einbrüche gegenüber den Vergleichswerten. Dazu kommt, dass die Zukunftsperspektive für die Ziesel in Österreich zusammenfassend als „Bad“ eingestuft ist.

Rote Liste des Lebensministeriums: Scharfe Kritik an Wien

Rote Listen gefährdeter Tiere Österreichs, Herausgeber LebensministeriumAuch in der der vom Lebensministerium herausgegebenen „Rote Listen gefährdeter Tiere Österreichs“ (2005) zeigt sich ein analoges Bild. Der Erhaltungszustand des Europäische Ziesel wird darin als „Endangered“ klassifiziert, d.h. es besteht sehr hohes Risiko, dass es in Österreich in naher Zukunft ausstirbt.

Sowohl hinsichtlich Bestands- als auch Habitatsentwicklung wird ein massiv negativer Trend dokumentiert und dringender Handlungsbedarf zum Erhalt der Art festgehalten.

Mit scharfen Worten kritisiert die Expertin Friederike Spitzenberger (renommierte Ziesel-Forscherin und ehemalige Leiterin der Säugetierabteilung des Wiener Naturhistorischen Museums) in den Erläuterungen zur Roten Liste den Wiener Umgang mit der „prioritär bedeutenden“ Art:

Obwohl das Ziesel in Anhang II der Flora-Fauna-Habitats-Richtlinie steht, wird es beispielsweise im Bundesland Wien, in dem die Art naturschutzrechtlich als ‚prioritär bedeutend‘ geschützt ist, von Flächen auf denen es ‚stört‘, auf andere ,transloziert‘. Derartige Umsiedlungen führten bisher immer zu großen Verlusten.

Prioritätenliste des Umweltdachverbands

Prioritätenliste der 50 bedrohtesten Tierarten ÖsterreichsIm Mai 2008 veröffentlichte der Umweltdachverband eine Prioritätenliste jener 50 Tierarten für deren Erhalt in Österreich der dringlichste Handlungsbedarf besteht. An erster Stelle dieser Aufstellung findet sich das Europäische Ziesel.

„Österreichs biologischer Reichtum schwindet rasant“, warnte Umweltdachverbands-Präsident Gerhard Heilingbrunner anlässlich der Präsentation der Prioritätenliste im Rahmen einer Pressekonferenz eindringlich. Zugleich betonte man, dass es in Österreich vermutlich nur noch mehrere tausend Ziesel gebe, deren Lebensräume aber stark bedroht sind.

Dramatischer Rückgang in Wien seit 1970

Wie aus dem Standardwerk „Die Säugetierfauna Österreichs“ (F. Spitzenberger, 2001) hervorgeht, sind am Wiener Stadtgebiet zwischen den Jahren 1970 und 2000 eine große Anzahl der dokumentierten Ziesel-Populationen unwiederbringlich erloschen.

Einst kamen die Tiere in Alt-Floridsdorf, Kagran – Leopoldau, Neukagran, Aspern, im Prater, auf den Aspanggründen, im Erdberger Mais, auf der Simmeringer Haide, zwischen Matzleinsdorfer Platz und Wienerberg, am westlichen Laaer Berg, im Bereich Hetzendorf – Altmannsdorf – Alterlaa – Neusteinhof, Rodaun – Kalksburg, im Lainzer Tiergarten und am Roten Berg vor.

Nachfolgende Abbildung verdeutlicht augenscheinlich den dramatischen Rückgang der Wiener-Zieselpopulationen in den letzten Jahrzehnten. Die Rechtecke repräsentieren dabei die südwestlichen Eckpunkte der Geokoordinaten-Minuten-Intervalle (WGS 84) einstiger (rot), fraglicher (grau) und bestehender Vorkommen (grün), entnommen aus der Begleit-CD des Säugetier-Atlas.

Bestandsrückgang der Ziesel in Wien seit 1970 (Quelle: F. Spitzenberger)
Ziesel-Vorkommen in Wien:
Rot = Erloschen, Grün = Aktuell, Grau = Fraglich
Quellen: Die Säugetierfauna Österreichs (F. Spitzenberger), Uni Wien (I. Hoffmann)
Visualisierung: geoland.at

„Die geschützten Säugetiere Wiens“

Die geschützten Säugetiere WiensZur Gefährdungssituation der Ziesel in Wien findet sich auf den Internet-Seiten der Stadt Wien und der Wiener Umweltschutzabteilung MA 22 viel an Information.

So beschreibt etwa das Dokument „Die geschützten Säugetiere Wiens“ die Situation aller in Wien vorkommender geschützter Säugetiere.

Speziell für die Ziesel wird das Verschwinden zahlreicher Populationen in den letzten Jahrzehnten bestätigt und vor der aufrechten Bedrohung und deren Ursachen für den verbliebenen Bestand gewarnt:

Diese letzten Restvorkommen in Wien sind jedoch durch neue Bauvorhaben (Wohnbauten, Straßen, “gepflegte” Erholungslandschaften (keine Nahrungsgrundlage) weiter gefährdet; auch freilaufende Katzen und aktive Verfolgung (Fallen) wegen unerwünschter Grabetätigkeit tragen in machen Gebieten zum Erlöschen von Kolonien bei (z.B. Erholungsgebiet “Seeschlacht” bei Langenzersdorf).

Ziesel-Erhaltungszustand in Wien ungewiss

Anders als in Niederösterreich, wo durch die engagierte Initiative „Netzwerk Ziesel“ unter Führung des Naturschutzbund NÖ ein fortlaufendes Monitoring der Ziesel-Bestände stattfindet, liegen in Wien diesbezüglich keine aktuellen Zahlen vor.

Soweit bekannt, fanden die letzte Bestandserhebungen im Süden Wiens im Jahr 2002, im Norden in 2005 statt. Lediglich das, seit spätestens dem Jahr 2007 dokumentierte, dichte Vorkommen beim Wiener Heeresspital, welches dort bekanntlich einem, erst zeitlich später geplanten, Großbauvorhaben „im Weg steht“, wurde im Sommer 2011 kartiert.

Insbesondere die Daten zu den südlichen Populationen, die im Schnitt kleiner als jene im Norden und damit stärker gefährdet sind, erscheinen im Lichte dessen stark veraltet. Auch zur verbliebenen Population am Gelände der Pädagogischen Akademie, die 2001 nur zum Teil auf den Bisamberg abgesiedelt wurde, liegt kein aktuelles Monitoring vor. Dem Vernehmen nach könnte der Bestand dort stark zurückgegangen oder das Vorkommen gar Erloschen sein.

Aufgrund von fehlendem aktuellen Datenmaterials, trotz aufrechter Gefährdungsfaktoren, ist eine objektiv nachvollziehbare Beurteilung des Ziesel-Erhaltungszustands und der Entwicklungstendenzen für das Wiener Stadtgebiet somit nicht möglich.

„Günstiger Erhaltungszustand“ notwendig für Ausnahmegenehmigung

Für die drohenden Eingriffe in den Lebensraum der Ziesel und Feldhamster beim Wiener Heeresspital ist die Gewährung einer Ausnahmegenehmigung nach dem Wiener Naturschutzgesetz erforderlich. Notwendige, aber freilich nicht hinreichende Voraussetzung zur Erteilung einer solchen Genehmigung ist, dass sich in Wien die Populationen beider Arten in einem günstigen Erhaltungszustand befinden.

Zum Nachweis des günstigen Erhaltungszustandes reicht jedoch nicht die bloße Behauptung, dass ein solcher gegeben wäre. Vielmehr ist dafür ein objektiv nachvollziehbarer Nachweis anhand anerkannter Kriterien erforderlich.

Unabhängig davon verpflichtet die FFH-Richtlinie die EU-Mitgliedstaaten den Erhaltungszustand der EU-weit geschützten Arten und Lebensräume innerhalb der jeweiligen Staatsgrenzen zu überwachen. Die Ergebnisse dieses Monitorings müssen gemeinsam mit den Informationen über die in den Natura 2000-Gebieten gesetzten Erhaltungsmaßnahmen und deren Auswirkungen alle sechs Jahre in Berichten der Europäischen Kommission vorgelegt werden.

5.550 Unterschriften für kompromisslosen Artenschutz

Viele Quellen dokumentieren also glaubhaft und übereinstimmend eine düstere Perspektive zum Fortbestand der Ziesel in Österreich. Dennoch droht nun beim Wiener Heeresspital die riskante Vertreibung der dort lebenden Ziesel aus ihrem funktionierenden Lebensraum. Auch einer größere Kolonie der ebenso streng geschützten Feldhamster wäre betroffen.

Die überparteiliche Bürgerinitiative IGL Marchfeldkanal fordert Priorität für den Schutz der Ziesel und Hamster, ohne Wenn und Aber! Daher treten wir gemeinsam mit bereits 5.550 Unterstützern für die Einrichtung eines Naturschutzgebietes auf sämtlichen unverbauten Flächen rund um das Wiener Heeresspital ein.

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Begleitet von großem PR-Rummel ließen die Bauträger Kabelwerk und Donaucity kürzlich verlauten, dass für die streng geschützten Ziesel nördlich des Wiener Heeresspitals Ausgleichsflächen gefunden seien und die Tiere freiwillig dorthin abwandern würden.

Just die wichtigste Information, nämlich die genaue Lage dieser Ausgleichsflächen, blieb man bis dato jedoch schuldig. Wie ein brisanter Bescheid der Naturschutzbehörde nahelegt, ist zudem zu befürchten, dass die Abwanderung der Tiere gar nicht so freiwillig vonstattengehen soll.

Hinter verschlossenen Türen scheinen schon jetzt Bewilligung und Erfolg der Lenkungsmaßnahmen festzustehen, denn der Bauträgerwettbewerb für das von den Zieseln bewohnte Biotop soll noch heuer starten.

Ziesel-Exodus über Marchfeldkanal-Brücke

Zwar stehen Ausgleichsflächen angeblich schon bereit, dennoch wurden konkrete Angaben zu deren Lage tunlichst vermieden. Durchgedrungen ist bislang lediglich, dass ein Teil der Ausgleichsflächen jenseits des Marchfeldkanals liegen soll.

Um aus eigener Kraft dorthin zu gelangen, müssten die Ziesel jedoch eine schmale Brücke über den Marchfeldkanal queren. Aus der Perspektive der am Feld nördlich des Wiener Heeresspitals lebenden Ziesel, sieht diese Brücke so aus:


Blick aus der Ziesel-Perspektive auf die Exodus-Brücke

Bislang existiert kein Nachweis, dass auch nur ein einziges Ziesel jemals diese Brücke über den Marchfeldkanal überquert hat, die bei schönem Wetter, wo die scheuen Tiere die meiste Oberflächenaktivität zeigen, auch von vielen erholungssuchenden Menschen frequentiert wird.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Marchfeldkanals zeigt sich ein ernüchterndes Bild. Entgegen der kommunizierten Darstellung, stehen für die Ziesel jenseits der Brücke offensichtlich keine geeigneten Ausgleichsflächen bereit. Keine Spur von den „vielfältigen Blumenwiesen mit vielen Arten von Gräsern und Blütenpflanzen“.

Brisant: Antrag auf Ziesel-Lenken ohne Ausgleichsflächen!

Seitens der Bauträger ist man bemüht zu betonen, dass die Ziesel freiwillig auf die Ausgleichsflächen abwandern sollen. „Alle Zeitpläne sind Spekulation, wir richten uns ganz nach den Tieren“, gibt man sich gegenüber der Kronen Zeitung geduldig.

MA22 Bescheid 593 2012Ein brisanter Bescheid der Wiener Naturschutzbehörde MA 22 nährt jedoch massiv Zweifel, ob den Zieseln nördlich des Wiener Heeresspitals überhaupt Zeit zum Abwandern gegeben werden soll. Denn bereits im Februar 2012 beantragten die Bauträger bei der MA 22 die Erlaubnis zum Lenken der Ziesel auf Ausgleichsflächen durch streifenweises Bearbeiten ihres Lebensraums.

 

Doch wie aus dem Papier hervorgeht, konnten die Bauträger auf behördliche Nachfrage nicht darlegen, wohin denn die streng geschützten Tiere gelenkt werden sollen! Folgerichtig lehnte die MA 22 das offensive Ansinnen ab. Jede andere Entscheidung hätte einen veritablen Naturschutzskandal bedeutet.

Zu befürchten ist also, dass jetzt, wo Ausgleichsflächen angeblich vorhanden sind, der freiwilligen Ziesel-Abwanderung mit schwerem Gerät nachgeholfen werden soll. Angesichts eines mächtigen Pflugs werden die kleinen Tiere zwar instinktiv, jedoch keineswegs freiwillig ihren Lebensraum verlassen.

Pflügen nördlich des Wiener Heeresspitals

Bauträgerwettbewerb bereits angekündigt

Beim Wohnfonds Wien dürften jedenfalls keine Zweifel hinsichtlich der positiven Erledigung des Naturschutzrechtlichen Verfahrens beim Wiener Heeresspital und auch der freiwilligen Akzeptanz der Ausgleichsflächen durch die Ziesel bestehen. Noch im Jahr 2012 soll der Bauträgerwettbewerb zur Verbauung und damit zur unwiederbringlichen Zerstörung jenes wertvollen Lebensraums starten, wo heute noch die Ziesel und weitere streng geschützte Arten leben.

Die entsprechende Ankündigung und erste Details zu den Bauplätzen finden sich bereits auf der Website des Wohnfonds Wien.

Auftragsforschung zum Zweck der Absiedlung

Obwohl ein Ziesel-Vorkommen im Gebiet zwischen Marchfeldkanal und Brünner Straße schon seit 2006 durch die MA 22 dokumentiert ist, widmete man in 2010 einen Teil des Lebensraums kommentarlos für Wohnbau um. Weder erfolgte eine Umweltprüfung, noch wurden Alternativen geprüft, noch angesichts des drohenden Konflikts präventive Maßnahmen zum Schutz der Population gesetzt. Bereits damals standen die Ziesel in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste.

Da passt es nur allzu gut in das traurige Bild, dass man sich erst jetzt, wo die inzwischen medial bekannten Tiere einem Großbauprojekt unübersehbar im Weg stehen, mit ihnen auseinandersetzen will. Die Beauftragung zur Erforschung der Ziesel-Population erfolgte aber letztlich nur mit dem zentralen Ziel, diese abzusiedeln

Unverständlicherweise beschränken sich die Untersuchungen dabei ausschließlich auf jene Ziesel, die nördlich des Heeresspitals leben. Der Rest der großen Kolonie rund um das Heeresspital wird ausgeblendet, obwohl die Auswirkungen des Bauvorhabens mit Sicherheit über die Grundstücksgrenzen hinweg reichen.

5.400 Unterschriften für würdigen Artenschutz

Nach Expertenmeinung des Lebensministeriums würde die Verbauung des Habitats gegen geltendes EU-Recht verstoßen. Dennoch droht nun, weichgezeichnet durch professionelle PR-Inszenierungen, die riskante Vertreibung der massiv vom Aussterben bedrohten Ziesel und der ebenfalls dort ansässigen, streng geschützten Feldhamster aus ihrem funktionierenden Lebensraum.

Die überparteiliche Bürgerinitiative IGL Marchfeldkanal fordert Priorität für den Artenschutz, ohne Wenn und Aber! Daher treten wir gemeinsam mit bereits 5.400 Unterstützern für die Einrichtung eines Naturschutzgebietes auf sämtlichen unverbauten Flächen rund um das Wiener Heeresspital ein.

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Ernst Gruber von InselTV hat der Bürgerinitiative IGL Marchfeldkanal freundlicherweise ein weiteres sehenswertes Video von der sensationell besuchten Ziesel-Mahnwache, die am Samstag den 2. Juni 2012 stattfand, zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür!

(C) Ernst Gruber, inseltv.at

Frau Dr. Ilse Hoffmann (Universität Wien) betonte gegen Ende der Veranstaltung in einem spontanen Statement (O-Ton), dass es beim Wiener Heeresspital definitiv zu keiner Ziesel-Umsiedlung kommen wird.

Es wird definitiv nicht umgesiedelt. Es gibt einen Aktenvermerk in der MA22, dass über Erfolge von Ziesel-Umsiedlungen zu wenig bekannt ist, vor allem gar nichts positives bekannt. Es wird nicht umgesiedelt.

„Umsiedeln“ meint jedoch nicht dasselbe wie „Umlenken“: Bereits im Vorfeld der Mahnwache wurden, begleitet von medialem Trommelwirbel, die Pläne zur Umlenkung der nördlich des Wiener Heeresspitals lebenden Ziesel und Feldhamster auf „Ausgleichsflächen“ bekräftigt. Wie sich zahlreiche Teilnehmer der ökologischen Führung persönlich überzeugen konnten, drängen sich geeignete Kandidaten für solche Ersatzflächen nicht mit freiem Auge auf.

Medienberichte

Weitere Berichte zur Ziesel-Mahnwache finden sich auf der Medienschau-Seite, wobei wir ganz besonders auf die eindringliche Kolumne von Frau Maggie Entenfellner hinweisen möchten.

Bemerkenswert an der Medienberichterstattung anläßlich der „Präsentation“ der Ausgleichsflächen durch die Bauträger ist außerdem, dass sich Frau Dr. Ilse Hoffmann von einigen Zitaten, die ihr in den Medien unterstellt wurden, mittlerweile in einem persönlichem Kommentar energisch distanziert hat.

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An die 400 Menschen waren am 2. Juni 2012 zur Ziesel-Mahnwache nach Stammersdorf gekommen um vor Ort gegen die drohende Verbauung eines der letzten Wiener Ziesel-Habitate zu protestieren. Die große Teilnehmerzahl an der von der überparteilichen Bürgerinitiative IGL Marchfeldkanal organisierten Veranstaltung unterstreicht eindrucksvoll, wieviele Wienerinnen und Wiener den empörenden Umgang mit den Zieseln am Marchfeldkanal nicht einfach hinnehmen wollen.

Zieselwache - Publikum vor Beginn; (c) IGL Marchfeldkanal

Neun hochkarätige Sprecherinnen und Sprecher beleuchteten in ihren interessanten Beiträgen die Problematik der Heeresspital-Ziesel aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. Die aufrüttelnden und teils sehr emotionalen Reden hatten die unabdingbare Notwendigkeit von Tier- und Naturschutz, das besondere Schutzbedürfnis der Ziesel, die aufklärungsbedürftigen Vorgänge rund um die Heeresspital-Flächenwidmung, Fehlentwicklungen in der Stadtplanung und Solidarität zwischen Bürgerinitiativen zum Inhalt. Allen gemeinsam war das eindringliche Plädoyer die Ziesel in ihrem angestammten Lebensraum zu schützen.

Gabriele Krenn - IGL-Marchfeldkanal; (c) IGL Marchfeldkanal Dipl.-Ing. Herbert Loder - IGG Gerasdorferstr. 153; (c) IGL Marchfeldkanal Dr. Barbara Herzig - Zieselexpertin iR; (c) IGL-Marchfeldkanal

Mag. Elisabeth Thomas - Wiener Tierschutzverein; (c) IGL-Marchfeldkanal Mario Wanderer - Naturfotografie; (c) IGL Marchfeldkanal Rosemarie Schreiner-Lein - WHA Gerasdorferstr. 55; (c) IGL-Marchfeldkanal

Mag. Mathias Sturm, MAS - Initiative Mühlweg; (c) IGL Marchfeldkanal Mag. Evelyn Weber - Verkehrsinitiative Donaufeld; (c) IGL-Marchfeldkanal Mag. Helmut Bauer - IGL Marchfeldkanal; (c) IGL Marchfeldkanal

Unter dem Eindruck des Gesagten ergriff gegen Schluss sogar die anwesende Frau Dr. Ilse Hoffmann (Universität Wien) – sie ist von den Bauträgern mit der Evaluierung und Durchführung von Ziesel-Lenkungsmaßnahmen auf Ausgleichsflächen beauftragt – das Wort um sich mit Klarstellungen an das Publikum zu wenden.

Dr. Ilse Hoffmann - Universität Wien; (c) IGL-Marchfeldkanal   Dr. Ilse Hoffmann und Dr. Barbara Herzig; (c) Andrea Mayrhofer, MAS

Als musikalisches Rahmenprogramm wurde das Kindermusical „SoKo Ziesel“ uraufgeführt. Unter der Leitung von Mag. Renate Schütz, aus deren Feder sowohl Musik als auch Text des Werkes stammen, präsentierten rund ein Dutzend Kinder und Jugendliche dem Publikum eine durch und durch begeisternde Darbietung des außergewöhnlichen Stücks.

(C) Ernst Gruber, inseltv.at

Viele Anwesende nutzten die Möglichkeit sich am Infostand rund um das zentrale Thema der Veranstaltung zu informieren und zum Schutz der Ziesel und Feldhamster beim Wiener Heeresspital zu unterschreiben. Ein weiterer Publikumsmagnet war das IGL-Buffet, wo man sich gegen eine freiwillige Spende mit Kaffee, Kuchen und weiteren Köstlichkeiten stärken konnte. Zudem bot die Ziesel-Mahnwache auch ein ideales Forum sich in persönlichen Gesprächen zu vernetzen und Kontakte für künftige gemeinsame Aktivitäten zu knüpfen.

Mag, Birgitta Bauer - IGL Marchfeldkanal; (c) IGL Marchfeldkanal Zieselwache - Infostand; (c) IGL Marchfeldkanal Zieselwache - Buffet; (c) IGL Marchfeldkanal

Auch die abschließende ökologische Führung rund um das Habitat der Ziesel und Feldhamster fand regen Anklang. Eine Vielzahl der Besucher nutzte die Gelegenheit von fachkundiger Seite mehr über die ökologischen Besonderheiten des bedrohten Ziesel-Habitats und des Marchfeldkanals zu erfahren. Zum spontanen Gaststar geriet ein neugieriger Biber, der just in jenem Augenblick vorbeischwamm, als über ihn und seine Artgenossen gesprochen wurde.

Ökologische Führung - Inge Konradi Gasse; (c) Mario Wanderer Ökologische Führung - Marchfeldkanal; (c) Mario Wanderer Marchfeldkanal-Biber bei Ökologischer Führung; (c) Mag. Gerhard Jordan

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal bedankt sich bei allen Mitwirkenden sehr herzlich für die engagierte Unterstützung! Unser besonderer Dank gilt Frau Renate Schütz und ihrem jungen Team für die Aufführung von „SoKo Ziesel“. Ebenfalls bedanken möchten wir uns bei der Firma Ströck für die großzügige Gebäckspende, den Floridsdorfer Grünen für die Bereitstellung der Infrastruktur und organisatorische Unterstützung im Vorfeld sowie bei den zahlreichen Fotografen für die kostenfreie Bereitstellung ihrer Bilder.

Ganz speziell möchten wir uns natürlich bei jenen Menschen bedanken, die den allerwichtigsten Beitrag zum Erfolg der Veranstaltung geleistet haben, den teilnehmenden Bürgerinnen und Bürgern.

Ohne ihr Kommen wäre die Ziesel-Mahnwache nicht das geworden, was sie war: Ein unübersehbares Signal an die Wiener Politik die Ziesel und Feldhamster beim Wiener Heeresspital keinen weiteren Risiken auszusetzen und stattdessen das gesamte Biotop rund um das Heeresspital als Naturschutzgebiet zu widmen.

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