Ihr Vorkommen nördlich des Wiener Heeresspitals hat im 12-Monatsvergleich abermals deutlich zugelegt (plus 8,3 Prozent). Besonders am westlichen Rand, wo man die streng geschützten Nager besser heute als morgen loswerden will, um endlich bauen zu können.
Auf den Ausgleichsflächen brach der Bestand hingegen nahezu völlig zusammen (minus 71 Prozent). Ganze zwei Baue waren dort eventuell von Zieseln bewohnt. Diese ernüchternden Fakten mussten die Bauträger zuletzt an die Naturschutzbehörde MA 22 berichten [1, 2].
Angesichts des totalen Umsiedlungsfiaskos erhöhte man nun – vor den Augen der tatenlos zusehenden MA 22 – den Druck auf die wehrlosen Ziesel. Die zum Erhalt ihres Lebensraums notwendige Mahd wurde in noch weit größerem Ausmaß eingestellt. Um den ohnehin streichelweichen Bescheid von 2013 [4], laut dem die Pflege der Projektfläche erst dann unterbleiben darf, wenn die Akzeptanz der Ausgleichsflächen nachgewiesen ist [5], muss sich offenbar endgültig niemand mehr kümmern.
Wie jetzt zudem bekannt wurde, befinden sich Flächen nördlich des Heeresspitals im Eigentum der Stadt Wien. Doch selbst dort will die Stadt nicht mähen lassen, um so wenigstens auf öffentlichem Gut Ziesel-und Naturschutz durchzusetzen. Einen einstimmigen Antrag des Bezirksparlaments Floridsdorf wies die zuständige Stadträtin Ulli Sima zurück [3]. Die Flächen befänden sich im „physischen Besitz“ der Bauträger, so das Ohnmachtseingeständnis der selbsternannten „starken Stimme für aktive Umweltpolitik“ in Wien.
Jetzt gilt’s! Auf zum Ziesel-Wisch‘n am 30. Mai!
Setzen Sie ein Zeichen von Solidarität mit den tapferen Zieseln beim Heeresspital und kommen Sie zum Stammersdorfer Ziesel-Wisch’n !
Gemeinsam wollen wir öffentliche Flächen rund um den Lebensraum der streng geschützten Tiere von Müll und Unrat befreien. Denn Wind und Besucher haben dort auch im letzten Jahr wieder unschöne Spuren hinterlassen.
Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal lädt alle Zieselfreunde herzlich ein, mitzumachen. Müllsäcke und Handschuhe werden von uns zur Verfügung gestellt. Vielleicht treffen wir auch das eine oder andere Ziesel?
Nach getaner Arbeit ist für Ihr leibliches Wohl wieder bestens gesorgt! Auf jeden Teilnehmer wartet außerdem eine kleine Überraschung.
Die in Sachen Naturschutz seit vielen Jahren auf Tauchstation befindliche Wiener Umweltschutzbehörde MA 22 gab nun doch wieder ein Lebenszeichen von sich und zwar in Form des „Zieselaktionsplan Wien“.
Doch darauf hätte jene Tierart, die in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste rangiert, wohl gerne verzichtet. Denn ohne rechtliche Basis soll künftig de facto zwischen schützenswertenund wenig schützenswertenZiesel-Vorkommen unterschieden werden.
Für letztere wird, anstatt um deren Erhalt zu kämpfen, auch gleich ein uneingeschränkter Persilschein zum Setzen von „Ausgleichsmaßnahmen“ erteilt. Womit der profitablen Verwertung letzter ökologisch wertvoller Lebensräume durch multinationale Konzerne nichts mehr im Weg steht. Die Wiener Ziesel steuern hingegen auf eine vorprogrammierte Katastrophe zu.
Freie Bahn beim Heeresspital dank „teilweise mäßiger Prognose“
Wenig überraschend und wohl zur Freude der politisch bestens vernetzten Baulobby, ordnet der Aktionsplan die Ziesel beim Heeresspital unter die wenig schützenswerten Vorkommen ein und befindet eine „teilweise mäßige Prognose“.
Dabei zeigt das Vorkommen beim Heeresspital – trotz eiskaltem Gegenwind von Seiten der Stadtregierung und totalem Umsiedlungsflop – seit 2011 ein starkes, stetiges Wachstum! Nicht zuletzt durch konsequente Untätigkeit der Behörde kam es überhaupt so weit, dass man beim Heeresspital irrwitzige Millionenbeträge investierte und die Flächenwidmung, ohne Rücksicht auf das damals bereits amtsbekannte Habitat, festgesetzt wurde.
Es ist zu befürchten, dass sich die „mäßige Prognose“ mit Erlöschen der Heeresspital-Population (mit fast 1.000 Tieren eine der letzten großen in Österreich) als selbst erfüllende Prophezeihung erweisen wird und bald unverhohlen und in aller Freundschaft die Planungen für das riesige Areal innerhalb und rund um das Heeresspital publik gemacht werden. Ein feiner, unverkennbarer Geruch von Profit weht schon jetzt am nördlichen Wiener Stadtrand.
Benötigt MA 22 Auffrischung im Naturschutzgesetz?
Selbst korrektes Zitieren und Interpretieren des Wiener Naturschutzgesetzes wollte im Zieselaktionsplan nicht so recht gelingen. Anders als darin dargestellt, dürfen Ziesel selbstverständlich auch außerhalb der Fortpflanzungszeiten nicht absichtlich gestört werden.
Mit einem anderen Detail werden die Leser des Aktionsplans erst gar nicht belastet: Ausnahmegenehmigungen zum Artenschutz dürfen nach den Buchstaben des Gesetzes nämlich nur dannerteilt werden, wenn der Erhaltungszustand der Art in Wien günstig bleibt.
Was im Fall der Ziesel klarerweise nicht zutrifft. Nach aktuellen Erhebungen des Umweltbundesamtes hat sich der ohnehin schon misserable Erhaltungszustand des Ziesels in Österreich sogar noch weiter verschlechtert. Wenn also die MA 22 vorab grünes Licht für Ausgleichsmaßnahmen bei wenig schützenwerten Ziesel-Vorkommen signalisiert, zeugt dies jedenfalls von beachtlich kreativer Auslegung eines eigentlich klaren Gesetzestextes.
Zur Erinnerung: Selbst die jubelumwobene „sanfte Ziesel-Umlenkung“ beim Heeresspital, die sich als völliger Fehlschlag entpuppte, oder das Einfangen zu wissenschaftlichen Zwecken kamen nicht ohne Ausnahmebescheid aus. Offensiveres Vorgehen bedarf daher sicher eines solchen.
Wien isoliert sich im Ziesel-Schutz
Weniger ideenreich gibt sich die Behörde hingegen bei konkreten Vorhaben zum Schutz der Ziesel. Hier wird mit völlig unverbindlichen Formulierungen die bisherige zahnlose Praxis in Beton gegossen und nirgendwo angeeckt. Offenbar hat die Vermeidung von Konflikten mit anderen Ressorts der Stadtverwaltung und der Bauwirtschaft oberste Priorität.
Bereits 2013 hat die Europäische Kommission, die mittlerweile der Wiener Behörde rund um die eigenartigen Vorgänge beim Heeresspital genau auf die Finger sieht, einen mustergültigen europäischen Zieselaktionsplan initiiert.
Wien kocht aber auf Kosten der Steuerzahler lieber seine eigene Suppe. Das ist kaum verwunderlich, denn während die Kommission die Stabilisierung allerZiesel-Vorkommen zum obersten Ziel erklärt, will die selbsternannte Hauptstadt des Tierschutzes fortan Begehrlichkeiten im Weg stehende Lebensräume verschwinden lassen.
Informationsoffensive der IGL-Marchfeldkanal startet
Vor diesem Hintergrund braucht es dringend Positivmaßnahmen um die besondere Bedeutung und die beindruckende Vielfalt des ökologischen Paradieses beim Heeresspital im Norden Wiens am Marchfeldkanal einer breiten Öffentlichkeit vor Augen zu führen.
Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal startet daher eine breit angelegte Informationsoffensive. Unser erstes Angebot richtet sich in Form von fachkundigen Führungen an Wiener Schulen.
Details zu allen weiteren Veranstaltungen gibt es schon in Kürze!
Naturschutzgebiet statt Ziesel-Deals im Hinterzimmer
Angesichts der zwei Millionen Quadratmeter Bauland, die sich im Eigentum der Stadt Wien befinden, gibt es keinen vernünftigen Grund beim Heeresspital noch mehr Zeit und Geld an einem Standort zu verschwenden, wo auch in Zukunft nicht gebaut werden kann und darf. Durch einen simplen Grundstückstausch könnte die Stadt Wien Fehler der Vergangenheit korrigieren, involvierte Bau- und Finanzkonzerne von ihrer Misere erlösen und die drohende juristische Auseinandersetzung mit der EU-Kommission abwenden.
Naturschutz ist keinesfalls verhandelbar. Daher erteilt die IGL-Marchfeldkanal Mauscheleien in Nobellokalen, gemeinsamer Sache mit PR-Agenturen und ungustiösen Deals mit der Bauwirtwirtschaft kategorisch eine Absage.
Vielmehr werden wir gemeinsam mit unseren Unterstützern weiterhin kompromisslos für ein Naturschutzgebiet beim Heeresspital und die lückenlose Einhaltung der Naturschutzgesetze kämpfen!
Zur Ziesel-Population nördlich des Wiener Heeresspitals liegen neue offizielle Zahlen vor. Demnach ist der Bestand gegenüber dem Vorjahr um enorme 41 Prozent angewachsen. Unverändert ist weiterhin nahezu das gesamte Areal von den bedrohten Nagern besiedelt.
Trotz dieser sehr erfreulichen Entwicklung, besteht, angesichts des scharfen Gegenwinds, weiterhin massiv Grund zur Sorge. Denn schon 2015 sollen erste Bauprojekte im derzeitigen Habitat der streng geschützten Tierart starten.
Weder die Wiener Behörden, noch die involvierten Bauträger nehmen zur Kenntnis, dass die Absiedlung der Ziesel auf sogenannte Ausgleichsflächen ein völliger Fehlschlag ist. Beharrlich vermitteln sie weiter das Bild, wonach die Umlenkung erfolgreich verlaufe und erste Teilflächen bereits „zieselfrei“ wären. Der aktuelle ökologische Bericht der Bauträger an die MA 22 belegt allerdings, dass die Realität im krassen Widerspruch zu den ventilierten Wunschvorstellungen steht.
Umweltstadträtin Sima reagiert auf Besitzstörung durch Bauträger
Auch auf der juristischen Front läuft es für die Bauträger nicht gut. Eine Verurteilung in erster Instanz wegen Besitzstörung ist mittlerweile rechtskräftig (Bezirksgericht Wien 21, Aktenzahl 28 C 712/14f – 6). Wie berichtet, liegt den Projektbetreibern zur Nutzung einer der eingereichten Ausgleichsflächen nicht das Einverständnis aller Grundeigentümer vor.
Dies veranlasste die zuständige, in der Ziesel-Causa jedoch befremdlich schweigsame, Stadträtin Ulli Sima zu einer bemerkenswerten Feststellung:
„Wenn er keine Ausgleichsflächen hat, wo die Ziesel hinwandern können, dann wird es keine Möglichkeit geben zu bauen, weil die Bescheidauflagen nicht erfüllt sind“.
Folgt man ihrer Aussage, müsste damit das Bauprojekt beim Heeresspital endgültig gestorben sein. Ob Simas klare Worte tatsächlich das nötige Gewicht haben, muss sich allerdings erst zeigen.
MA22 spricht Ziesel-Population die Überlebensfähigkeit ab
Das fortlaufende Monitoring durch die Ziesel-Expertin Dr. Ilse Hoffmann, Universität Wien, belegt schwarz auf weiß: Auch 2014 hat sich das Anwachsen der Ziesel-Population nördlich des Heeresspitals fortgesetzt.
Gegenüber dem Vorjahr wuchs die Population von 205 auf 289 genutzte Bausysteme an.
Im Vergleich zur ersten Erhebung im Jahr 2011 hat sich die Anzahl der genutzten Bausysteme sogar mehr als verdoppelt (+128 Prozent)!
Dieser eindeutig erkennbare Trend widerspricht der fragwürdigen Einschätzung der Wiener Naturschutzbehörde, die von einem ihrer Juristen im Umweltausschuss des Bezirksparlaments Floridsdorf dargelegt wurde.
Die MA22 geht davon aus, dass das Vorkommen beim Heeresspital langfristig nicht überlebensfähig ist und will ihre angeblichen Aktivitäten auf den Bisamberg konzentrieren. Der von EU-Kommission initiierte Ziesel-Aktionsplan, der angesichts anhaltender europaweiter Bestandsrückgänge die Absicherung aller bestehenden Populationen zum vorrangigen Ziel hat, kümmert die Behörde offenbar gar nicht.
Neueste wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch: Stimmen die Umweltfaktoren, sind schon Vorkommen ab 300 Individuen überlebensfähig. Präsentiert wurde das Forschungsergebnis, das von Dr. Hoffmann auch im neuen Bericht zitiert wird, auf der diesjährigen, von der Universität Wien organisierten EGSM-Konferenz.
Die Veranstalter durften sich übrigens über ein Sponsoring durch die MA 22 freuen. Ob die Behörde im Gegenzug auch die neuen Zahlen zur Größe lebensfähiger Ziesel-Populationen zur Kenntnis nimmt?
Aufregung um Rasenmäh-Prozesse
Im Juli dieses Jahres hat ein Team engagierter Naturschützer unter Anleitung des prominenten Starmagiers Tony Rei, der Obmann der Wiener Naturwacht ist, einen Teil des verbrachenden Areals nördlich des Heeresspitals gemäht. Tony Rei ist beeidetes Naturschutzorgan der Stadt Wien und hat in dieser Funktion den Ziesel-Bescheid der Stadt Wien an die Bauträger mit Sensen und Heugabeln umgesetzt. Der Bescheid besagt, dass die Projektfläche solange zu pflegen ist, als nicht mindestens die Ausgleichsflächen von gleich viel Zieseln besiedelt sind wie die Projektflächen. Da die Ziesel kurze steppenartige Grasvegetation als Lebensraum benötigen, war für die Tiere und ihr Habitat Gefahr im Verzug.
Zum „Dank“ wurden neben Tony Rei, die Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins, Dr. Madeleine Petrovic (Die Grünen), der stellvertretende Vorsitzende des Umweltausschusses im Wiener Gemeinderat, Ing. Udo Guggenbichler (FPÖ) und weitere Personen von den Bauträgern wegen Besitzstörung und auf Schadensfestellung verklagt.
Wie Kronen Zeitung und andere Medien berichten, nahm jedoch der Prozess gegen Tony Rei schon am ersten Verhandlungstag eine überraschende Wende. Das Gericht will sich nämlich davon überzeugen, dass der Naturwacht-Obmann tatsächlich amtliches Naturschutzorgan ist. Gelangt es zu dieser Erkenntnis, dann müssten die Bauträger eine Amtshaftungsklage gegen die Stadt Wien anstrengen. Über die laut Wiener Naturschutzgesetz für ein Naturschutzorgan formal erforderlichen Voraussetzungen, Dienstausweis und -abzeichen, verfügt Tony Rei jedenfalls.
Aufgrund der speziellen Eigentumsverhältnisse des Bauträger Kabelwerks, wäre damit schon das nächste bizarre Theater vorprogrammiert. Denn neben der STRABAG, ist u.a. auch die Stadt Wien am Kabelwerk beteiligt. Ein Großauftragsnehmer der Stadt Wien und die Stadt Wien selbst, verklagen die Stadt Wien.
Stadt Wien muss endlich handeln !
In Anbetracht der immer skurriler werdenden Sachlage und der von der EU unverändert drohenden Millionenstrafe, sollte die Stadt Wien nun endlich die Reißleine ziehen und den Bauträgern ein Ersatzgrundstück zur Verfügung stellen. Immerhin stehen immense 2 Mio. m2 an Bauland im Besitz der Gemeinde.
Durch Festsetzung des vom Bezirksparlament Floridsdorf eingeforderten Naturschutzgebiets rund um das Heeresspital würde auch der Fortbestand des Ziesel-Vorkommens nachhaltig gesichert werden.
Paukenschlag in der Ziesel-Causa: Am 3.9.2014 wurden die Bauträger am Bezirksgericht Floridsdorf wegen Besitzstörung verurteilt (Anm: Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig).
Auf einem Grundstück, das sie als Ausgleichsfläche für die Ziesel-Umsiedlung eingereicht hatten, wurden in ihrem Auftrag sogenannte Initialröhren zum Weglocken der Ziesel von der Projektfläche gebohrt. Zur Nutzung der Liegenschaft liegt jedoch nicht das Einverständnis aller Eigentümer vor.
Das Gericht ordnete an, binnen 14 Tagen den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Dies droht jedoch extrem schwierig werden, denn mittlerweile könnte mindestens eine dieser Röhren von Zieseln bezogen sein. Trifft dies zu, würden Beschädigungen der neuen Ziesel-Baue gegen das Wiener Naturschutzgesetz verstoßen und es wäre eine entsprechende Ausnahmebewilligung zu beantragen.
Offiziell steht nun auch fest, dass die Erfolgschancen der Lenkungsmaßnahmen praktisch Null sind. Denn in einem neuen Bericht an die MA 22 führt Ziesel-Expertin Ilse Hoffmann aus, dass die vollständige Evakuierung der Ziesel von der Projektfläche nördlich des Heerspitals „unmöglich“ erscheint.
Auch bestätigte die Forscherin zuletzt auf Facebook, dass die bestehende Projektfläche besser als Ziesel-Lebensraum geeignet ist als die Ausgleichsflächen. Sie widerspricht damit ihren Auftraggebern, die stets behaupten, sie hätten „geeignetere“ Habitate geschaffen.
Indes berichtet ein leitender Journalist einer führenden österreichischen Tageszeitung auf Twitter , dass es einen „interessanten“ Interventionsversuch zu den Zieseln (Link zum Tweet) gegeben hat. Stehen derartige Interventionen bei anderen Stellen, die weniger Gegenwehr leisten, an der Tagesordnung? Zur Erinnerung: Aufgrund seiner Beteiligung am Kabelwerk, tritt Wien beim Heeresspital in Doppelfunktion als Bauträger und Naturschutzbehörde auf.
Die einst so penetrant bejubelten Ziesel-Lenkungsmaßnahmen sind also implodiert. Aufgrund der neuen Entwicklungen scheint klar: Weder Ausmaß noch Qualität der Ausgleichsflächen ist adäquat. Trotzdem geht der aussichtslose Eingriff in das geschützte Habitat weiter.
Daher sind die Behörde und die zuständige Stadträtin Ulli Sima gefordert, endlich ihr unerträgliches Schweigen zu brechen und energisch den Schutz jener Tierart durchzusetzen, die in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste steht. Wenn schon nicht aus Liebe zum Naturschutz, dann wenigsten zur Schonung der österreichischen Steuerzahler. Denn sollte es zu einer Verurteilung vor dem EuGH kommen, steht Österreichs Steuerzahlern wegen der Ziesel eine saftige Millionenstrafe in Haus.
Ausgleichsflächen-Konstrukt bricht zusammen
Aufgrund der festgestellten Besitzstörung, steht die jenseits des Marchfeldkanals gelegene und für die Ziesel-Umsiedlung bedeutsame, als A8 bezeichnete, Ausgleichsfläche (siehe Plan) nun offenbar nicht mehr zur Verfügung. Deswegen ist auch die angrenzende A7 nicht mehr erreichbar, denn dazu müssten die „freiwillig“ abwandernden Tiere genau jene A8 durchqueren.
Freilich ist bislang nicht nachgewiesen, dass jemals ein von der Projektfläche stammendes Ziesel die Brücke über den Marchfeldkanal überquert hätte.
Folgt man den ohnehin wohlwollenden Ausführungen des Amtssachverständigen der Naturschutzbehörde (Quelle: Download), stehen in Summe mit A2 und A3 nunmehr bloß 8.685 m2 an uneingeschränkt geeignetem Ersatzlebensraum zur Verfügung. Die anderen verbliebenen Teilflächen, darunter die Böschungen des Marchfeldkanals, bewertete der behördliche Gutachter lediglich als „bedingt geeignet“.
Zum Vergleich: Das Feld nördlich des Heeresspitals, von wo man die Ziesel vertreiben will, ist rund 74.000 m2 oder mehr als achtmal so groß.
Weiteres spannendes Detail: Im Zuge des behördlichen Bewilligungsverfahrens musste A8 von den Bauträgern nachgereicht werden, weil mit A2 bis A7 insgesamt nicht genug an geeigneter Ersatzsatzfläche zur Verfügung gestanden wäre.
Expertin der Bauträger: Evakuierung der Projektfläche „unmöglich“
In einem brandaktuellen Bericht (Quelle: Download) an die Naturschutzbehörde äußert die von den Bauträgern mit der Ziesel-Umlenkung beauftrage Expertin Dr. Ilse Hoffmann massive Zweifel am Gelingen des Vorhabens:
„Das Missverhältnis zwischen der Anzahl kartierter Baue und markierter Individuen lässt auf eine ausgeprägte Fangscheu der ansässigen Ziesel schließen, die eine vollständige Evakuierung der Projektfläche durch Einfangen und Umsiedeln unmöglich erscheinen lässt.“
Was bislang nur hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen wurde, liegt also erstmals auf Papier vor. Eine der landesweit letzten großen Ziesel-Populationen wird einem möglichen Risiko ausgesetzt, ohne dass reale Chancen auf Erfolg bestehen.
Ilse Hoffmann vs. Bauträger: Projektfläche besser als Ausgleichsflächen
Die mit bloßem Auge erkennbare, gegenüber dem heutigen Ziesel-Lebensraum schlechtere Qualität der Ausgleichsflächen, wird von Ilse Hoffmann auf Facebook ebenso bestätigt:
„Der gemähte Teil der Projektfläche ist derzeit besser als Ziesellebensraum geeignet als die Ausgleichsflächen.“
Die profunde Aussage der anerkannten Forscherin konterkariert damit die Beteuerungen ihrer Auftraggeber. Diese behaupten, man habe „für die Zieselpopulation geeignetere Habitate geschaffen“.
Wie bereits berichtet, wächst die Ziesel-Population nördlich des Heeresspitals unvermindert an, während bis dato kein Nachweis für Abwanderungen von der Projektfläche vorliegt. Ein Umstand, der die enorme Diskrepanz zwischen den Aussagen der Expertin und den Bauträgern zusätzlich untermauert.
Besiedelte Zieselröhre als Fallstrick für Wiederherstellung?
Das Gericht ordnete an, dass auf jenem Grundstück (A8), wo die durch die Bauträger getätigte Besitzstörung festgestellt wurde, binnen 14 Tagen wieder der ursprüngliche Zustand hergestellt werden müsse.
Das könnte in der Realität aber äußerst schwierig werden. Denn bereits im Juli 2014 teilte Ilse Hoffmann im Rahmen ihrer regelmäßigen Berichte der Naturschutzbehörde mit:
„Bei je einer neuen Öffnung auf A7 und A8 handelte es sich um offensichtlich von Zieseln erweiterte Initialröhren.“
Zweck der im Mai 2014 hergestellten Initialröhren war es, Ziesel zum Anlegen ihrer Baue zu motivieren. Mindestens eines der künstlichen Löcher auf A8 könnte nun tatsächlich von einem Ziesel besiedelt worden sein.
Der Nachweis, dass besagte oder weitere Röhren doch nicht Teil eines Ziesel-Baues sind, könnte sich allerdings schwierig gestalten. Denn zu dieser Jahreszeit haben bereits erste Tiere ihren bis zu acht Monate dauernden Winterschlaf angetreten.
Das Wiener Naturschutzgesetz untersagt für streng geschützte Arten, wie es das Ziesel ist, „jede Beschädigung oder Vernichtung der Fortpflanzungs- oder Ruhestätten“.
Somit dürfen also nur jene Röhren verschlossen werden, wo mit Sicherheit auszuschließen ist, dass sie Teil einer Fortpflanzungs- oder Ruhestätten sind. In allen anderen Fällen ist das Ansuchen um eine Ausnahmebewilligung nach dem Wiener Naturschutzgesetz unumgänglich.
Naturschutzgebiet für Ziesel jetzt!
Warnende Stimmen bezweifelten das Gelingen der Ziesel-Umlenkung von Anfang an. Nun stehen die „Umweltmusterstadt“ Wien und seine schweigsamen Behörden vor den Trümmern des praktisch gescheiterten Plans.
Obwohl beim Heeresspital ein dichtes Ziesel-Vorkommen schon vor Ankauf der Projektfläche amtsbekannt war und die Stadt über zwei Millionen Quadratmeter an Bauland besitzt, soll das absurde Theater weitergehen. In das Vorhaben fließen also weiter massiv Zeit und Geld, die im Wiener Wohnbau wohl anderwärtig besser investiert wären.
Die Europäische Kommission hat im Vorjahr die Wiener Ziesel-Causa aufgegriffen. Für den Fall einer Verurteilung vor dem EuGH, drohen der Republik Österreich und ihren Steuerzahlern eine hohe zweistellige Millionenstrafe und teure Wiederansiedelungsprogramme.
Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal unterstützt daher die Forderungen des Bezirksparlaments Floridsdorf:
Realisierung des Bauprojekts nördlich des Heeresspitals an einem anderen Standort.
Festsetzung eines Naturschutzgebietes auf den Grünflächen innerhalb und umliegend des Heeresspitals zum nachhaltigen Schutz der Ziesel.
Das Ziesel-Vorkommen nördlich des Wiener Heeresspitals, das einem profitablen Bauprojekt weichen soll, ist erneut deutlich angewachsen. Erstmals ist nun auch klipp und klar nachgewiesen, dass die herbeigeredete Abwanderung nicht stattfindet. Die streng geschützten Tiere wandern lieber in die Projektfläche hinein.
Freilich sind diese, an sich erfreulichen, Fakten nicht aufopfernden Pflegemaßnahmen der Bauträger zu verdanken. Und schon gar nicht den zuständigen Behörden. Denn seit heuer wird rund die Hälfte des Areals vorsätzlich nicht mehr gemäht, wodurch für die Ziesel ein Anreiz zum Abwandern gesetzt werden sollte.
Obwohl die Projektbetreiber kraft eines gültigen Bescheids zur regelmäßigen Mahd des Lebensraums verpflichtet wären, werden die Wiener Behörden nicht aktiv. Es scheint als praktiziere man, vielleicht aus Rücksicht auf höhere Interessen, lieber Artenschutz-Mikado, dessen Motto da laute könnte: „Wer sich bewegt, hat verloren.“
Zuletzt haben im Juni rund 400 besorgte Bürger und zahlreiche lokale Politiker gegen die drohende teilweise Lebensraumzerstörung einer der letzten großen Ziesel-Vorkommen Österreichs protestiert und den Verantwortlichen energisch die rote Karte gezeigt. Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal dankt sehr herzlich für die zahlreiche Teilnahme!
Für besonderes Aufsehen sorgte die Ansprache des Gemeinderats und Umweltsprecher der Wiener Grünen, Rüdiger Maresch. Er kündigte an, die Einrichtung eines Naturdenkmals beim Heeresspital zum Schutz der Ziesel sei Thema in Verhandlungen für eine Fortsetzung der Rot/Grünen-Koalition nach der nächsten Wiener Wahl (Link zum Video).
Aber schon jetzt müssen seiner Botschaft dringend Taten folgen! Denn sollte der Wiener Ziesel-Skandal nicht bald ein für die Tiere glückliches Ende finden, droht den österreichischen Steuerzahlern enormes Ungemach. Eine Verurteilung durch den EuGH hätte eine hohe Millionenstrafe und sündteure Wiederansiedelungs-Programme zur Folge. Anders als in der Hypo-Causa, stünden die Verantwortlichen auch ohne Untersuchungsausschuss schon jetzt fest.
Massiver Absiedlungs-Flop nun Schwarz auf Weiß !
Noch kann die Ziesel-Population beim Heeresspital, entgegen der intensiven Bemühungen der Bauträger und ihrer Auftragsexperten, der Umlenkungsmaschinerie trotzen. In einem aktuellen Bericht an die Naturschutzbehörde musste man das erneute Anwachsen des Vorkommens eingestehen:
„Im Vergleich zum Maximalbestand 2013 (Quartalsbericht Jänner 2014: Tab. 1) entspricht dies einem Populationswachstum von insgesamt 6%.“
Ausgewertete Bewegungsdaten von Fang und Wiederfang markierter Zieseln zeigen ebenso ein eindeutiges Bild. Die Tiere wandern weiterhin in die Projektfläche hinein, während umgekehrt kein Nachweis für die Abwanderung auch nur eines einzigen Ziesels existiert.
„Dies weist auf Ortstreue und Langlebigkeit vor allem der männlichen Ziesel auf der Projektfläche hin. Was die in sechs Fällen nach Westen (Anm: in das Bauland) tendierende Verlagerung der individuellen Fangorte betrifft …“
Notwendige Fanggenehmigung im Juni 2104 abgelaufen !
Das absurde Theater am Marchfeldkanal ist zudem um eine Facette reicher. Den Bauträgern ist das Fangen und Markieren von Zieseln nicht mehr möglich, denn die dafür notwendige behördliche Erlaubnis war nur bis zum 30. Juni 2014 erteilt.
Um überhaupt Lenkungsmaßnahmen beginnen zu können, bedarf es der nachgewiesenen Akzeptanz der Ausgleichsflächen durch die Ziesel. Dazu müssten dort aber vom Feld nördlich des Heeresspitals stammende Tiere wiedergefangen werden – was nun mangels Genehmigung grob gegen das Wiener Naturschutzgesetz verstoßen würde.
Fortan muss also die Expertin der Uni Wien, Dr. Ilse Hoffmann, Wanderungen der Ziesel mit anderen Methoden belegen. Ob sie dabei auch auf Befragungen von Tieren mittels Imitierung ihrer Pfeiflaute zurückgreift, ist vorerst nicht bestätigt.
„Teilweise Bescheid-Konsumation“ als zweifelhafte Rechtfertigung
Ebenso eigenartig erscheint die auf der Facebook-Seite „Rettet die Ziesel“ gegebene Rechtfertigung der Forscherin, warum die Mahd auf der halben Projektfläche unterbleibt. Dies gehe für ihre Auftraggeber in Ordnung, da man den Bescheid der Naturschutzbehörde nur teilweise konsumiere.
Warum es allerdings in einem funktionierenden Rechtsstaat möglich sein sollte, aus einem behördlichen Bescheid zwar sämtliche erteilten Rechte zu konsumieren, ohne dabei alle auferlegten Pflichten zu erfüllen, lässt Frau Hoffmann vielsagend offen:
Zur Erinnerung: Die Naturschutzbehörde gab die Umlenkung der Ziesel nur unter der Auflage frei, dass diese gemäß den eingereichten Unterlagen durchgeführt wird. Die Einreichung sah jedoch vor, erst dann die Mahd einzustellen, wenn die Akzeptanz der Ausgleichflächen durch die Ziesel nachgewiesen ist. Bekanntlich existiert dafür bis dato kein Beleg.
Zaudernde Umweltanwaltschaft sieht keine rechtliche Handhabe
Trotz Aufforderungen vom Floridsdorfer Bezirksparlament und von Bürgern verharren MA22 und Wiener Umweltanwaltschaft in selbst auferlegter Tatenlosigkeit.
In einem Brief an den Floridsdorfer Bezirksvorsteher führt die Wiener Umweltanwältin aus, „keine ausreichende Grundlage“ zur Durchsetzung der zieselgerechten Pflege des Feldes nördlich des Heeresspitals zu sehen.
Anders als ihr Name vermuten lässt, geht die Umweltanwaltschaft Naturschutz-Konflikten offenbar lieber aus dem Weg. Das Schreiben der Wiener Umweltanwaltschaft steht hier zum Download.
Dabei wäre für die zaudernde Behörde gewichtige Rückdeckung gegeben. Denn wiederum auf Facebook hält Ilse Hoffmann nämlich fest:
„aus Sicht der Ziesel wäre eine zieselgerechte Pflege naturgemäß wünschenswert“
Wiener Grüne: Naturdenkmal für Ziesel ist Thema in Koalitionsverhandlungen
Schon mit Bekanntwerden der gefährdeten Ziesel-Population beim Heeresspital hat sich die Mehrheit der Wiener und der lokalen Floridsdorfer politischen Kräfte für den Schutz der Tiere stark gemacht. FPÖ, ÖVP und Junge ÖVP, NEOS sowie das Floridsdorfer WIFF unterstützen mit zahlreichen Initiativen
Ebenso traten die Floridsdorfer Grünen von Beginn an energisch für den vollständigen Erhalt des bedrohten Ziesel-Lebensraums ein.
Nun hat sich auch erstmals der Umweltsprecher der Wiener Grünen, Gemeinderat Rüdiger Maresch, mit deutlichen Worten positioniert. Anlässlich der Zieselwanderung im Juni 2014 erklärte er vor fast 400 Teilnehmern:
„Bei den nächsten Koalitionsverhandlungen, so die SPÖ mit uns wieder koalieren möchte im Jahr 2015, werden wir diese Geschichte so erledigen, dass hier nie wieder gebaut wird, sondern ein Naturdenkmal kommt. Das ist und muss unser Ziel sein.“
Die Rede von Rüdiger Maresch kann unter folgendem Link nachgelesen werden: Download Transskript
Keine heimische Tierart ist so massiv vom Aussterben bedroht wie das Ziesel. Wie der Naturschutzbund gegenüber dem „Kurier“ betont, befindet sich die einzig wirklich stabile Population Österreichs im Raum Krems.
Beim Wiener Heeresspital geht es, entgegen beharrlich lancierter PR-Märchen, um weit mehr als um eine Handvoll Ziesel. Vielmehr ist das Vorkommen, dass schon vor den im Rahmen des Bauprojekts getätigten Investitionen und Planungen amtsbekannt war, mit in Summe fast 1.000 Tieren eines der letzten nationalen Großvorkommen.
Eine Verurteilung der Republik Österreich durch den EuGH wegen groben Zuwiderhandelns gegen europäisches Naturschutzrecht steht im Raum.
Dem unschuldigen Steuerzahler käme das Debakel teuer zu stehen. Ein hoher zweistelliger Millionenbetrag und kostspielige Wiederansiedlungsprogramme drohen.
Daher fordert die Bürgerinitaitive IGL-Marchfeldkanal, so wie das Bezirksparlament Floridsdorf und viele Bürgerinnen und Bürger, die Realisierung des Bauprojekts an einem anderen Standort und die Festsetzung eines Naturschutzgebietes auf den Grünflächen in und umliegend des Wiener Heeresspitals.
Wenn Sie Ihren Hauptwohnsitz in Wien haben, unterstützen auch Sie bitte unsere Petition nach dem Wiener Petitionsgesetz!
Ein neuer Bericht des Umweltbundesamts an die EU zeichnet ein düsteres Bild. Das Ziesel, das in Österreich an Platz 1 der Roten Liste steht, musste in den letzten sechs Jahren abermals bittere Bestandsverluste hinnehmen. Hauptgrund ist massiver Rückgang an verfügbaren Lebensräumen.
Nun droht auch den wehrlosen Zieseln beim Wiener Heeresspital die letzte Stunde zu schlagen. Denn trotz der dramatischen Bestandsentwicklungen hält Wien eiskalt daran fest, beim Heeresspital eine der letzten großen Ziesel-Kolonien – zugunsten profitabler Bauprojekte – aus ihrem Habitat zu vertreiben.
Mit Zustimmung der Wiener Naturschutzbehörde wurde nun die, für die Ziesel überlebensnotwendige, Pflege von Flächen rund um das Heeresspital eingestellt. Als fatale Konsequenz wird der Ziesel-Lebensraum sukzessive an Funktion verlieren und das – offensichtlich nur am Papier – streng geschützte Vorkommen zusammenbrechen.
Experten der Europäischen Kommission, die sich mittlerweile in den Konflikt eingeschaltet hat, sind sich sicher: Einstellung von Graslandbewirtschaftung ist die Hauptbedrohung für das Ziesel:
„The critical threats are connected either to lack of grassland management – such as low (insufficient) intensity of grazing or mowing, or a total absence of those – i.e. land abandonment“
Die drohende Millionenstrafe der EU wird jedoch nicht an den Verantwortlichen, sondern an den schuldlosen Steuerzahlern, hängenbleiben.
Allerletzte Chance ein bedrohtes Naturparadies kennenzulernen?
Vor diesem skandalösen Hintergrund lädt die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal herzlich ein, sich – vielleicht zum letzten mal – ein objektives Bild von der außergewöhnlichen Ziesel-Population beim Heeresspital und ihrem bedrohten Lebensraum zu machen.
Wann: Sonntag, 15. Juni 2014, 14:30 Uhr
Wo: Johann-Orth-Platz, 1210 Wien (Ecke Inge-Konradi-Gasse/Weilandgasse)
Dauer: ca. 1,5 Stunden
Anreise: Der Treffpunkt befindet sich nahe der Endstation der Straßenbahn-Linie 31 (Kurzer Fußweg siehe Karte). Falls Sie mit dem Auto anreisen, nutzen Sie bitte die Parkmöglichkeiten entlang der Johann-Weber-Straße. Am Johann-Orth-Platz ist das Parkplatzangebot nur gering.
Reichhaltiges Buffet: Vor und nach der Zieselwanderung ist für leibliches Wohl und Erfrischungen bestens gesorgt.
Tipp: Zum Beobachten der Ziesel bitte Fernglas mitnehmen! Aus Rücksicht auf die empfindlichen Tiere werden wir ihren Lebensraum nicht betreten.
Selbstverständlich findet die Führung bei jeder Witterung statt.
Zahlreiche Gäste aus Politik und Forschung !
Wir freuen uns über viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Forschung und dem gesamten politischen Spektrum, die auch zum offenen Meinungsaustausch über die bedrohten Ziesel beim Heeresspital zur Verfügung stehen werden.
Dr. Friederike Spitzenberger ist international anerkannte Ziesel-Expertin und wird einleitende Worte sprechen. Sie ist ehemalige Leiterin der Säugetierabteilung des Naturhistorischen Museums, Verfasserin des Standardwerks „Die Säugetierfauna Österreichs“ und Co-Autorin der Roten Listen Österreichs.
Dr. Madeleine Petrovic (Präsidentin Wiener Tierschutzverein und Landtagsabgeordnete der Grünen NÖ)
Gemeinderat Mag. Rüdiger Maresch (Umweltsprecher der Wiener Grünen)
Gemeinderat Ing. Udo Guggenbichler (Umweltsprecher FPÖ Wien)
Bezirksrätin Andrea Mayrhofer, MAS (NEOS)
Bezirksrätin Gabriele Tupy (Grüne Floridsdorf)
Bezirksrat Hans-Jörg Schimanek (Wir für Floridsdorf)
Vertreterinnen und Vertreter der Jungen ÖVP
Wiener Stadtregierung riskiert massive EU-Strafe
2 Millionen Quadratmeter Bauland befinden sich im Besitz der Stadt Wien und stünden als Alternative zur Verfügung. Die vom lokalen, demokratisch gewählten Bezirksparlament Floridsdorf mehrheitlich geforderte Verlegung der Heeresspital-Bauprojekte wurde jedoch von der Stadtregierung stets vom Tisch gewischt.
In ihrer Sturheit riskiert die Stadtregierung sogar eine hohe zweistellige Millionenstrafe durch den EuGH. Freilich wird diesen Betrag nicht die schweigsame Umweltstadträtin von ihrem Gehalt abzahlen müssen. Vielmehr werden sämtliche österreichischen Steuerzahler dafür zum Handkuss kommen.
Hinkommen und entschiedenes Zeichen gegen Naturzerstörung setzen !
Mit Ihrer Teilnahme an der Ziesel-Wanderung setzen Sie ein starkes Zeichen für Einhaltung der Naturschutzgesetze und konsequenten Schutz bedrohter heimischer Tierarten.
Zeigen wir gemeinsam, dass es in Wien keine Toleranz gegenüber Aushöhlung des Umweltschutzes zugunsten von Profit geben darf! Zeigen wir, dass es keine Steuergeldverschwendung zugunsten einflussreicher Lobbys geben darf! Zeigen wir, dass es, statt Aussitzen von Problemen, einen aktiven Tierschutz braucht!
Zeigen wir den Verantwortlichen gemeinsam die rote Karte!
Wieder einseitige PR-Offensive im Vorfeld ?
Es ist davon auszugehen, dass die von den Betreibern der Ziesel-Absiedlung engagierte PR-Agentur Unique Relations (Eigentümer ist ein ehemaliger SPÖ-Bundesgeschäftsführer) erneut versuchen wird, im Vorfeld der Veranstaltung „handverlesene“ Informationen zu streuen und die üblichen Stereotypen zu bedienen.
Deren Ziel war und ist klarerweise die öffentliche Meinung in eine Richtung zu steuern, die es den involvierten Akteuren ermöglicht, ein EU-weit bedeutsames Vorkommen einer vom Aussterben bedrohten Tierart ohne Gesichtsverlust loszuwerden.
Wenn hochbezahlte Profis in Krisenkommunikation (bis zu 350 Euro die Stunde !) losgeschickt werden, um Eingriffe in ein schützenswertes Habitat schönzureden, muss wohl ordentlich viel Geld im Spiel sein, aber noch weit mehr unliebsame Wahrheit im Busch.
Diese Wahrheit – und nur diese – gibt es bei der Zieselwanderung am 15. Juni zu sehen und zu hören – ganz ohne PR-Schlagseite.
Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal freut sich auf Ihr Kommen!
Sie stehen auf Platz 1 der Roten Liste und sind europaweit streng geschützt, doch die Stadt Wien behandelt eines ihrer letzten Großvorkommen absolut jenseitig. Die Rede ist von den Zieseln beim Wiener Heeresspital, die einem Mega-Bauprojekt im Weg sind. Obwohl die Kolonie dort schon lange amtsbekannt ist, wurde sie in Planung und Widmung einfach ignoriert.
Nachdem die penetrant schöngeredete Ziesel-Umsiedlung auf absurde Ausgleichsflächen völlig gefloppt ist und sich die Tiere am Bauland fast vollständig ausgebreitet haben, verschärft man nun die Gangart. Auf der halben Projektfläche wurde die, für den Fortbestand der Population unabdingbare, regelmäßige Mahd eingestellt. Wertvoller Lebensraum einer wehrlosen, massiv vom Aussterben bedrohten Art, wird absichtlich dem Verfall Preis gegeben.
Das verstößt zwar eindeutig gegen die ohnehin samtweichen Auflagen der Naturschutzbehörde, doch diese verleugnet mittlerweile – vielleicht aus Rücksicht auf SPÖ-Parteilinie und Baulobby – ihren eigenen Bescheid und schreitet nicht ein.
Heeresspital-Schließung und Teilverkauf im Laufen
Doch dem nicht genug: Wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren war, soll bereits mit Juli 2014 der Spitalsbetrieb im Heeresspital eingestellt werden. In der Folge will man Teile des Areals – entgegen bislang gegenteiliger Behauptungen – an zahlungskräftige Bauträger verkaufen. Dahinter steckt offenbar das naturschutzferne Kalkül, dass die Ziesel früher oder später ohnehin von selbst verschwinden werden. Schließlich zeigen SPÖ und Stadt Wien augenscheinlich kein Interesse, den Fortbestand der ansässigen, streng geschützten Ziesel-Population langfristig zu sichern. Hinweise zur kolportierten Heeresspitalschließung finden sich auch in aktuellen Wortspenden von Mitgliedern der Bundesregierung.
Am Ende aber, droht die haarsträubende Ziesel-Causa für die leidgeprüften österreichischen Steuerzahlern sehr teuer zu werden. Denn mittlerweile hat die EU-Kommission sich in die Sache eingeschaltet und die Republik mit beinharten Fragen bezüglich der Einhaltung des Naturschutzes konfrontiert. Eine Verurteilung Österreichs durch den EuGH hätte Strafen im hohen zweistelligen Millionenbereich und teure Wiederansiedlungsprogramme zur Konsequenz.
Herzliche Einladung zur Ziesel-Wanderung
Vor diesem dramatischen Hintergrund lädt die überparteiliche Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal sehr herzlich ein, sich am 15. Juni 2014 vor Ort persönlich ein Bild von der wahren Situation zu machen (Details am Ende des Artikels).
Erfahren Sie im Rahmen eines geführten Spaziergangs spannende Infos über die Besonderheiten von Fauna und Flora in dem bedrohten Biotop nächst dem Marchfeldkanal, alle Hintergründe zu den Bauprojekten und besuchen sie gemeinsam mit uns die großteils ungeeigneten Ausgleichsflächen.
Neben dem Ziesel haben noch weitere streng geschützte und seltene Arten wie Feldhamster, Zauneidechse, Wechselkröte und Neuntöter dort ein Rückzugsgebiet gefunden. Ein schützenswertes Naturjuwel, wo es vieles zu entdecken gibt, erwartet Sie!
Null-Toleranz für rücksichtslose Lebensraum-Zerstörung!
Mit Ihrer Teilnahme an der Ziesel-Wanderung setzen Sie ein starkes Zeichen für Einhaltung der Naturschutzgesetze und konsequenten Schutz bedrohter heimischer Tierarten.
Zeigen wir gemeinsam, dass es in Wien keine Toleranz gegenüber roter Aushöhlung des Umweltschutzes zugunsten von Profit geben darf! Zeigen wir, dass es keine Steuergeldverschwendung zugunsten einflussreicher Lobbys geben darf! Zeigen wir, dass es, statt Aussitzen von Problemen, einen aktiven Artenschutz braucht!
Zeigen wir den Verantwortlichen gemeinsam die rote Karte !!
Die Stadt Wien besitzt riesige zwei Millionen Quadratmeter an Bauland. Somit liegt eine Lösung im Sinne der Ziesel und der Naturschutzgesetze auf der Hand. Indem sie den Bauträgern gleichwertige Ersatzgrundstücke anbietet, könnte der dringend benötigte Wohnraum zeitnah anderenorts geschaffen und dem unrühmlichen Schauspiel ohne Gesichtsverlust ein Ende bereitet werden.
Zahllose dahingehende Mehrheitsbeschlüsse des Floridsdorfer Bezirksparlaments wurden jedoch von der Wiener Stadtregierung bislang ignoriert. Unverständlicherweise – denn es war immerhin das Wiener Magistrat, dem die Ziesel im Widmungsverfahren „unter den Tisch gefallen sind“.
Zahlreiche Gäste bei der Ziesel-Wanderung
Wir freuen uns auch dieses Jahr wieder zahlreiche Gäste aus Wissenschaft und Politik begrüßen zu dürfen:
Dr. Friederike Spitzenberger ist international anerkannte Ziesel-Expertin und wird einleitende Worte sprechen. Sie ist ehemalige Leiterin der Säugetierabteilung des Naturhistorischen Museums, Verfasserin des Standardwerks „Die Säugetierfauna Österreichs“ und Co-Autorin der Roten Listen Österreichs.
Dr. Madeleine Petrovic (Präsidentin Wiener Tierschutzverein und Landtagsabgeordnete der Grünen NÖ)
Gemeinderat Mag. Rüdiger Maresch (Umweltsprecher der Wiener Grünen)
Gemeinderat Ing. Udo Guggenbichler (Umweltsprecher FPÖ Wien)
Bezirksrätin Andrea Mayrhofer, MAS (NEOS)
Bezirksrätin Gabriele Tupy (Grüne)
Bezirksrat Hans-Jörg Schimanek (WIFF)
Vertreterinnen und Vertreter der Jungen ÖVP
Alle Infos zur Zieselwanderung
Wann: Sonntag, 15. Juni 2014, 14:30 Uhr
Wo: Johann-Orth-Platz, 1210 Wien (Ecke Inge-Konradi-Gasse/Weilandgasse)
Dauer: ca. 1,5 Stunden
Anreise: Der Treffpunkt befindet sich nahe der Endstation der Straßenbahn-Linie 31. Falls Sie mit dem Auto anreisen, nutzen Sie bitte die Parkmöglichkeiten entlang der Johann-Weber-Straße. Am Johann-Orth-Platz selbst ist das Parkplatzangebot nur gering.
Verpflegung: Vor und nach der Ziesel-Wanderung ist für ihr leibliches Wohl, Erfrischungen und natürlich auch reichlich Gesprächsstoff gesorgt.
Tipp: Zum Beobachten der Ziesel bitte Fernglas mitnehmen! Aus Rücksicht auf die empfindlichen Tiere werden wir ihren Lebensraum nicht betreten.
Selbstverständlich findet die Führung bei jedem Wetter statt.
Der Druck durch die IGL-Marchfeldkanal zeigte Wirkung. Die scharf kritisierten Baggerarbeiten im Ziesel-Lebensraum beim Wiener Heeresspital wurden vorerst abgesagt. „Man hätte das als Lenkungsmaßnahmen interpretieren können“, hieß es seitens der ökologischen Bauaufsicht gegenüber dem Kurier.
Doch die weitaus gefährlichere Bedrohung für die Ziesel ist weiterhin real!
Jenes Feld, wo die massiv vom Aussterben bedrohten Tiere einem lukrativen Bauprojekt im Weg stehen, soll fortan zur Hälfte verwildern. Da die streng geschützten Tiere auf kurze Grasvegetation als Lebensgrundlage angewiesen sind, ist dieser Plan fatal und verstößt zudem eindeutig gegen den zur Ziesel-Absiedlung erteilten Bescheid.
Angesichts des völligen Scheiterns der Umlenkung, scheint nun die Versuchung groß, von den eingereichten Plänen abzugehen. Daher darf die Behörde die widrige Einstellung der Mahd nicht einfach stillschweigend hinnehmen. Anderenfalls wäre der unfassbare Wiener Naturschutzskandal um eine beschämende Facette reicher und geschützte Arten endgültig Freiwild.
Indes betritt mit dem ÖVW ein weiterer Bauträger den Ziesel-Hexenkessel im Norden der Bundeshauptstadt. Just auf jenem Abschnitt, wo im Mai 2011 den weitgehend passiven Behörden erstmals Ziesel-Baue gemeldet wurden, soll noch dieses Jahr ein weiteres Bauprojekt starten.
Seit 2005 ist das Ziesel-Großvorkommen beim Heeresspital amtsbekannt, doch passierte in der Folge zu dessen Schutz, trotz des absehbaren Konflikts, schlicht gar nichts. Dabei hätte im Habitat jener Art, die in Österreich auf Platz 1 der roten Liste steht und europaweit streng geschützt ist, niemals auch nur ein Cent durch die Bauwirtschaft investiert werden dürfen.
Widerstand kommt weiterhin vom Bezirksparlament Floridsdorf. In einer einstimmig beschlossen Resolution fordern die Volksvertreter, im wertvollen Naturjuwel beim Heeresspital solange keine Bauprojekte durchzuführen, als dort streng geschützte Arten vorkommen. Leider hat die Stadtregierung bis dato sämtliche der beherzten lokalpolitischen Initiativen, selbst von eigenen Parteifreunden, konsequent ignoriert.
Wien hätte es aber in der Hand, den Ziesel-Irrsinn beim Heeresspital zu beenden und so doch noch der im Raum stehenden, empfindlichen EU-Strafe wegen groben Verstoßes gegen die europäische Naturschutzrichtlinie, zu entgehen.
Die Metropole besitzt nämlich zwei Millionen Quadratmeter an Bauland. Durch einen Grundstückstausch, wie von Floridsdorf und zigtausenden Wienern gefordert, wäre sowohl Bauträgern, als auch Ziesel & Co., nachhaltig geholfen.
Verbrachung verstößt eklatant gegen Bescheid der Naturschutzbehörde
Die April 2013 von der Naturschutzbehörde den Projektwerbern erteilte Genehmigung zur Absiedlung der Ziesel nördlich des Heeresspitals, erfolgte unter der Auflage, dass die in den eingereichten Unterlagen beschriebenen Maßnahmen zwingend einzuhalten sind:
Jedoch ist in Beilage 1 unmissverständlich definiert, dass die Pflegemaßnahmen am Bauland erst dann unterbleiben können, wenn gesicherte Hinweise auf Akzeptanz der Ausgleichsflächen vorliegen. Als fachliche Begründung argumentieren die Projektwerber, dass dadurch die ursprüngliche Ausdehnung des Ziesel-Lebensraums von 3,6 Hektar nie unterschritten werden könne:
Quelle: Bescheid MA 22 – 593/2012 – Beilage 1 ->Download
Behörde muss jetzt entschieden einschreiten
Bekanntermaßen gibt es den erforderlichen Nachweis hinsichtlich der Akzeptanz der Ausgleichflächen nicht und es wird ihn wohl auch niemals geben. Denn bislang hat gar keine Abwanderung auf die abgelegenen Ersatzwiesen stattgefunden. Ganz im Gegenteil ist die Population auf der Projektfläche im Vorjahr sogar signifikant angewachsen.
Wenn ab sofort – wie im aktuellen ökologischen Quartalsbericht offiziell kundgetan – die Hälfte des Projektgebiets nicht mehr gepflegt werden soll und somit verbrachen wird, verstößt dies eindeutig gegen den rechtskräftigen Bescheid der Behörde: Weder existiert ein gesicherter Nachweis über die Abwanderung der Ziesel, noch bleibt ein, quantitativ und qualitativ vergleichbares, Ausmaß an bereits akzeptiertem Lebensraum erhalten.
Die Naturschutzbehörde muss nun endlich ihre unnachvollziehbare Passivität überwinden und die korrekte Einhaltung des Ziesel-Bescheids wirkungsvoll durchsetzen. Andernfalls läuft Wien Gefahr, dass im Naturschutz endgültig Vorgehensweisen, hart an der Grenze zu Wildwest Sitten, einreißen.
Noch mehr Ziesel-Zoff durch weiteres Bauvorhaben
Als wäre die Situation nicht ohnehin schon verfahren genug, steigt nun das ÖVW als weiterer Player in die aufgeheizte Arena und will dort viel Geld in Wohnbau investieren – als ob dies nicht anderswo mit weitaus weniger Risiko möglich wäre.
Ausgerechnet dort, wo im Mai 2011 durch aufmerksame Bürger zahlreiche Zieselbaue entdeckt wurden, soll ein weiteres Großprojekt durchgezogen werden. Dessen Bauland grenzt unmittelbar an das schon länger bekannte, heftig umstrittene, Bauvorhaben der Bauträger Kabelwerk und Donau City an.
Obwohl die Behörden seinerzeit umgehend verständigt und seitdem wiederholt Pflegemaßnahmen bei der Wiener Umweltschutzabteilung urgiert wurden, passierte dort seither – gewollt oder ungewollt – nichts zum Schutz dieser Ziesel. Als frustrierende Konsequenz verbarcht das Teilhabitat seit seiner Entdeckung ungehindert. Dennoch finden sich im März 2014 zumindest entlang eines Trampelpfades, der durch das Grundstück führt, zahlreiche Hinweise auf Zieselbaue. Gewissheit über das Ausmaß der Besiedlung kann klarer weise erst nach Mahd der Brache erzielt werden.
Aber selbst dann, wenn auf der Projektfläche kein einziges Ziesel mehr leben würde, darf es für das Projekt kein grünes Licht geben. Denn der überwiegende Teil der vorgesehenen Baukörper liegt innerhalb eines 50-Meter-Puffers, gemessen vom Rand des angrenzenden Ziesel-Vorkommens zum Bauzaun. Dieser Puffer gilt Kraft des Bescheids für die bisher angesuchten Bauaktivitäten nördlich des Heeresspitals und muss ergo auch für den neuen Bauträger gelten.
Die Realisierbarkeit des ÖVW-Projekts ist also direkt abhängig vom Gelingen der benachbarten Ziesel-Absiedlung. Bekanntlich ist dieses Vorhaben aber zum Megaflop geraten und Gegenstand einer naturschutzrechtlichen Beschwerde, die von der EU-Kommission nach genauer Prüfung aufgegriffen wurde.
Bildmaterial aus 2011 belegt Ziesel-Vorkommen auf Projektfläche
Ein unscheinbares, am 18. Mai 2011 auf Youtube hochgeladenes Video und weiteres, zeitgleich angefertigtes, Material dokumentierten, dass bereits damals auf dem nun designierten Bauland Zieselbaue existierten und die Fläche augenscheinlich Teil des Gesamthabitats war.
Ziesel-Expertin Dr. Ilse Hoffmann (Uni Wien), die von uns um ihre fachliche Einschätzung ersucht wurde, macht in ihrer Antwort deutlich, dass auch sie auf dem historischen Material Bauöffnungen erkennen kann und 2011 dort selbst mindestens einen Zieselbau kartiert hat:
„Bei IMG_1060 bis _1072, IMG_1081 bis _1085 und den Videos 1, 2 und 4 handelt es sich m.E. um Bauöffnungen von Zieseln oder Hamstern. Besonders (ziesel)typisch das/die Bausystem/e in Videos 2 & 4 mit jeweils zwei relativ nahe beieinander liegenden Öffnungen.
Wie Sie erwähnen, habe ich 2011 auf gegenständlicher Fläche selbst mindestens einen Zieselbau festgestellt. Das Vorhandensein von Ziesel- bzw. Hamsterbauen wäre auch nicht weiter verwunderlich, da der Bewuchs zumindest zum damaligen Zeitpunkt durchaus mit naturnahen Lebensräumen vor der Mahd vergleichbar war.
Jetzt entschlossen für den Ziesel-Schutz handeln!
Wien im Jahr 2014: Rechtskräftige Bescheide sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind. Im Lebensraum, der am meisten vom Aussterben bedrohten Art, kommt es zu einer unverständlichen Inflation an Bauprojekten.
Während die EU-Kommission im Vorjahr einen ambitionierten Aktionsplan ins Leben gerufen hat, um die europaweit anhaltend drastischen Bestandsrückgänge in den Griff zu bekommen, geht Wien weiter seinen einsamen Weg, wo Profit Naturschutz eiskalt übertrumpft.
Forderungen des Floridsdorfer Parlaments werden von der Stadtregierung einfach vom Tisch gewischt, aber die Ziesel-Abwanderung bleibt ein reines PR-Märchen und die EU-Kommission stellt Österreich zu den Vorgängen beim Heeresspital zur Rede. Österreichs leidgeprüften Steuerzahlern drohten eine saftige Millionenstrafe aus Brüssel und die Finanzierung teurer Wiederansiedlungsprogramme.
Dennoch geben sich die Verantwortlichen optimistisch und pumpen sogar noch mehr Geld in die Projekte. Grund gibt es dazu freilich keinen, denn Dr. Hoffmann scherte zuletzt gegenüber dem Kurier aus der Schönwetter-Inszenierung aus. Es gäbe keine Garantie für den Erfolg der Absiedlung, denn die Ausgleichsflächen wären „nicht optimal“, weil sie nicht an das aktuelle Habitat angrenzen, so die Expertin.
In dieser trostlosen Situation ist nun die rot-/grüne Stadtregierung gefordert die Reißlinie zu ziehen. Floridsdorfs Lokalpolitik und schon viele tausende Menschen fordern, die Bauprojekte nördlich des Heeresspitals abzusiedeln und stattdessen ein Naturschutzgebiet zum dauerhaften Schutz der Tiere einzurichten. Mit zwei Millionen Quadratmetern besitzt die Stadt Wien genügend Ersatzbauland für den überfälligen Befreiungsschlag.
Bitte setzen auch Sie ein starkes Zeichen für die Respektierung des Naturschutzes und unterstützen Sie mit Ihrer Unterschrift die Petition zum Schutz der Ziesel!
Update: Wie Dr. Ilse Hoffmann (Uni Wien) auf Facebook mitteilte, wurden die Baggerarbeiten nördlich des Heeresspitals wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. „Man hätte das als Lenkungsmaßnahmen interpretieren können„, erklärte die mit der ökologischen Bauaufsicht beauftragte Expertin gegenüber der Tageszeitung Kurier.
Abbildung: „Bewirtschaftungsmaßnahmen“ im Ziesel-Habitat nördlich Heeresspital, Frühjahr 2014. Braune Flächen: Oberbodenabtrag, Rote Fläche: Verbrachung aufgrund Einstellung der Mahd (Quelle -> Download)
Beim Wiener Heeresspital bahnt sich ein bespielloser Naturschutzskandal und damit eine weitere Eskalation im Ziesel-Streit an, der bekanntlich mittlerweile in Brüssel angekommen ist.
Schon ab 15. März 2014 rollen tonnenschweren Bagger an, um am Rand des Ziesel-Habitats – tituliert als „Bewirtschaftung“ – den Oberboden abzutragen. Jedoch halten zu diesem Zeitpunkt noch die meisten der streng geschützten Nagetiere wehrlos ihren Winterschlaf.
Auch will man fortan rund die Hälfte des Projektgebiets nördlich des Heeresspitals, trotz signifikantem Anwachsens der Ziesel-Population, verbrachen lassen. Für die Tiere ist dieser Eingriff fatal. Denn die massiv vom Aussterben bedrohten Ziesel benötigen zwingend kurze steppenähnliche Vegetation.
Die bevorstehende Offensive gegen das Ziesel-Habitat wurde seinerzeit weder beantragt, noch durch den Bescheid vom April 2013 autorisiert. Allem Anschein nach, will die Stadt Wien die Maßnahmen dennoch freundlich durchwinken. Das würde auch nicht weiter verwundern, denn als Naturschutzbehörde, Bauträger und Bereitsteller von abgelegenen Ausgleichsflächen, nimmt sie eine zweifelhafte Dreifachrolle in dem unwürdigen Schauspiel ein.
Am Ende werden den Skandal die ohnehin schon leidgeprüften österreichischen Steuerzahler ausbaden müssen. Sollte es nämlich zu einer Verurteilung der Republik Österreich wegen schwerwiegender Verstöße gegen die europäischen Naturschutzrichtlinien kommen, drohen Strafen im hohen zweistelligen Millionenbereich sowie sündteure Wiederansiedlungsprogramme. „Freuen“ wir uns also auf ein von Wien eingebrocktes Ziesel-Sparpaket!
Zwei Millionen m² Bauland befinden sich im Besitz der Stadt Wien. Daher sollte es der rot/grünen Stadtregierung nicht schwerfallen, der wiederholten Forderung des Floridsdorfer Bezirksparlaments nachzukommen, den Bauträgern ein Ersatzgrundstück anzubieten und so doch noch das drohende Desaster abzuwenden. Immerhin war das Ziesel-Vorkommen beim Heeresspital ohnehin schon vor Ankauf der Grundstücke und Beschluss der Flächenwidmung amtsbekannt.
Neuer ökologischer Bericht ist brisante Bombe
Aufgrund des im Jänner von den Bauträgern vorgelegten Berichts (-> Download), sollten bei der MA 22 eigentlich sämtliche Alarmglocken schrillen. Gleich mehrere brisante Punkte müssten die Behörde, sofern sie die Naturschutzgesetze wirklich ernst nimmt, zum Einschreiten veranlassen:
Seit Herbst 2012 ist die Ziesel-Population nördlich des Heeresspitals von 182 auf 216 benutzte Baue, also um fast 20 Prozent, angewachsen. Hingegen sind bis dato noch immer keine Abwanderungen auf Ausgleichsflächen, speziell über die Brücke auf die andere Seite des Marchfeldkanals, nachgewiesen. Die hochgejubelte Ziesel-Absiedlung funktioniert also in Wahrheit überhaupt nicht.
Der Zweck des als „Bewirtschaftung“ verkauften Abtragens der Humusschicht wird durch die Bauträger nicht dargelegt. Daher wären die Arbeiten bei Abwägung möglicher Risiken für das europaweit in schlechtem Erhaltungszustand befindliche Ziesel eindeutig zu untersagen.
Da nur mehr etwa die Hälfte des von Ziesel besiedelten Projektgebiets gemäht werden (80 Prozent von „Zone 2b“) und somit der Rest verwildern soll, bedeutet dies zweifelsfrei eine Verschlechterung der Habitatsqualität. Das steht aber eklatant im Widerspruch zur europäischen FFH-Richtlinie, deren primäres Ziel die europaweite Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustandes bedrohter Arten (darunter Ziesel, Feldhamster und Zauneidechse) und Lebensräume ist.
Zwar wird die unübersehbare Präsenz der europaweit geschützten Zauneidechse nun endlich zur Kenntnis genommen. Jedoch geht man wortwörtlich davon aus, dass „die meisten Vertreter dieser Art im März fluchtfähig sind“. Das heißt einerseits, dass im Rahmen der Erarbeiten die Flucht streng geschützter Tiere in Kauf genommen wird. Andererseits ist im Umkehrschluss davon auszugehen, dass manche Exemplare eben nicht fluchtfähig sein könnten und für diese ein mögliches Risiko ebenso in Kauf genommen wird. Klarerweise bedürften solche Maßnahmen einer Ausnahmegenehmigung, die im konkreten Fall jedoch nicht vorliegt.
Wir meinen, dass hier die Bauträger und die von ihnen bezahlten Auftragsexperten unter dem Deckmantel „Landwirtschaft“ versuchen könnten, soweit als möglich Fakten im Sinne des Bauprojekts schaffen zu wollen. Jedoch haben nach unser Kenntnis die Bauträger für die westliche Zone 1 bloß die Erlaubnis Sommergerste anzubauen, sofern dort keine Ziesel und Hamster vorkommen. Für Oberbodenabtrag, der ja den Zielen gängiger Landwirtschaft zuwider läuft, verfügen sie über keinen behördlichen Freibrief.
MA 22 an EU-Kommission: Halten an Bescheid unbeirrt fest
Wie berichtet, hat die europäische Kommission nach sorgfältiger Prüfung einer Beschwerde der IGL-Marchfeldkanal die Republik Österreich mit knallharten Fragen zum Ziesel-Vorkommen beim Wiener Heeresspital konfrontiert.
Bezeichnenderweise musste die Wiener Naturschutzbehörde auf unsere Anfrage hin eingestehen, dass man Brüssel in der Beantwortung keine Fakten, die inhaltlich über den Bescheid vom 10. April 2013 hinausgehen, mitteilen konnte. Sie gab also eindeutig zu verstehen, dass sie an ihrem Bescheid unbeirrt festhält. Es war aber gerade dieser zweifelhafte Bescheid, der die Kommission veranlasste, gegen Österreich aktiv zu werden.
Sollte die bislang zahnlose MA 22 nun sogar Maßnahmen zulassen, die sie Kraft des Bescheids gar nicht autorisiert hat, ist eine weitere Eskalation des Konflikts mit Brüssel absehbar. Selbstverständlich werden wir die obersten europäischen Naturschützer über die neuen, höchst unerfreulichen Entwicklungen umfassend unterrichten.
Schiefe Optik für Stadt Wien
Die Optik in der Ziesel-Causa ist für die Stadt Wien ganz besonders schief. Über die Wien-Holding ist sie nämlich an einem der beiden Bauträger, dem Kabelwerk, beteiligt. (Geschäftsbericht der Wien-Holding -> Download)
Der massive Interessenskonflikt für die Stadt Wien ist evident, denn als zuständige Naturschutzbehörde konnte sie sich den Bescheid zur Absiedlung der Ziesel nördlich des Heeresspitals selbst erteilen. Praktischerweise stellt die städtische MA 49 auch gleich den Großteil der (teils abgelegenen und ungeeigneten) Ausgleichsflächen bereit.
Vor diesem Hintergrund zieht es Umweltstadträtin Ulli Sima – nach Eigendarstellung starke Stimme für aktive Umweltpolitik und modernen Tierschutz – vor beharrlich zu schweigen. Ihre wenigen, vom Bezirksparlament Floridsdorf erzwungenen Äußerungen, sprechen jedenfalls für sich (-> Download):
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die erteile Genehmigung den Bestimmungen des Naturschutzgesetzes und den Vorgaben der FFH-Richtlinie entspricht und daher keine Maßnahmen durch den Wiener Gemeinderat zu treffen sind.
Rot-Grüne Stadtregierung jetzt unter Zugzwang
Vor den Augen der alarmierten Europäischen Kommission startet also ab 15. März für die Ziesel am Marchfeldkanal eine Horrorshow – jene Art die in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste steht. Mittels Baggern von links und Verbuschung von rechts, sollen wohl die Tiere zum „freiwilligen“ Verlassen ihres Lebensraums animiert werden. Möglich wird dies dank extremer Auslegung der Naturschutzgesetze und grenzwertiger „Bewirtschaftung“, wo fruchtbarer Habitatsboden nachhaltig ruiniert wird.
Das Bezirksparlament Floridsdorf und mittlerweile tausende Wienerinnen und Wiener fordern die Absiedlung des Bauprojekts an einen anderen Standort und die Festsetzung eines Naturschutzgebiets rund um das Heeresspital. Wie erwähnt, mangelt es der Gemeinde Wien nicht an Ersatzflächen für das Bauvorhaben.
Damit die Wiener Zieselvertreibung nicht zur internationalen Blamage und zur teuren Belastung für alle österreichischen Steuerzahler gerät, ist die Stadtregierung jetzt gefordert rasch zu handeln.
Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal wird jedenfalls für den Schutz der bedrohten Ziesel-Population am Marchfeldkanal vehement weiterkämpfen.
Das Ziesel-Vorkommen nördlich des Wiener Heeresspitals ist deutlich angewachsen. Sowohl gemessen an Anzahl der Baue, als auch an beanspruchter Fläche. Nahezu das gesamte Feld, auf dem die Stadt Wien ein riesiges Bauprojekt durchpeitschen will, ist mittlerweile von den streng geschützten Tieren besiedelt.
Diese harten Fakten gehen schwarz auf weiß aus dem offiziellen Bericht hervor, der kürzlich der Wiener Naturschutzbehörde von den Bauträgern vorgelegt wurde. Zuvor penetrant lancierte Gerüchte, wonach die Ziesel-Absiedlung ein „Riesen-Erfolg“ wäre, sind damit als solche enttarnt. In Wahrheit ist das hochgejubelte Konzept einer „freiwilligen Abwanderung“ aus dem Projektgebiet ein völliger Fehlschlag.
Getarnt als „Bewirtschaftung“ sollen nun tonnenschwere Baumaschinen auffahren, um in der verbliebenen unbesiedelten Randzone den Oberboden abzutragen und dann zu planieren. Dabei will man nahe an bekannte Baue, worin wehrlose Ziesel bereits ihren Winterschlaf halten, herangehen. Zugleich wird riskiert, dass bislang unentdeckte Ziesel-Baue Schaden nehmen können. Denn zu dieser Jahreszeit kann selbst die involvierte Expertin nach eigenen Angaben nicht mit absoluter Sicherheit Mauslöcher von Ziesel-Bauen unterscheiden.
Offensichtlich wollte man vor Anrollen der Bagger durch gezielte Desinformation das Feld in den Köpfen der Menschen bildlich räumen. Die subtile PR-Offensive ist gescheitert und die Glaubwürdigkeit der handelnden Personen nachhaltig im Keller.
Zuletzt hat die EU-Kommission nach genauer Prüfung die massive Kritik der Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal aufgegriffen und verlangt nun von der Republik Österreich eine Stellungnahme zu den Vorgängen beim Heeresspital. Vor diesem ohnehin schon ernsten Hintergrund ist das unbeirrte Festhalten an der Zerstörung des wertvollen Lebensraums in hohem Maße unverantwortlich. Am Ende droht der Republik und damit den Steuerzahlern eine hohe Geldstrafe wegen eklatanter Missachtung des Gemeinschaftsrechts.
Inzwischen formiert sich auf Facebook ziviler Ungehorsam gegen die beabsichtigten Erdbewegungen am Rand des Ziesel-Habitats. Stehen einander dort bald engagierte Bürger und tonnenschwere Bagger gegenüber?
Ein Bild des totalen Scheiterns
Die Karte (oben) zeigt die Ziesel-Verbreitung nördlich des Wiener Heeresspitals mit Stand Anfang Oktober 2013:
Jeder schwarzer Punkt entspricht einem verifizierten Ziesel-Bau.
Grün umrandet: Ausbreitung des Ziesel-Vorkommens nördlich des Heeresspitals mit Stand Oktober 2013.
Blau umrandet: Zum Vergleich die deutlich kleinere Ausdehnung des Ziesel-Vorkommens im Jahr 2012, also gut ein Jahr vor Beginn der Lenkungsmaßnahmen.
Violett schraffiert: Ziesel-Großpopulation innerhalb des Heeresspitals und südlich davon. Da nur durch einen Maschendrahtzaun getrennt, ist von einer intakten Verbindung zwischen den Teilpopulationen innerhalb und außerhalb des Heeresspitals auszugehen. Somit können Ziesel ungehindert vom Areal des Heeresspitals ins Umland auswandern.
Der einzelne Bau X1 befindet sich nicht auf einer Ausgleichsfläche.
Der einzelne Bau X2 liegt auf der Marchfeldkanal-Böschung. Die Tatsache, dass sich bloß ein Ziesel auf die einzige, unmittelbar angrenzende Ausgleichsfläche A4 verirrt hat, zeigt deutlich, wie wenig die Böschung tatsächlich als Ersatzlebensraum geeignet ist.
Der Bau X3 liegt einsam auf Ausgleichsfläche A2. Das Tier kann es sowohl aus dem Heeresspital, als auch von der nördlich gelegenen Projektfläche dorthin verschlagen haben.
Auf Fläche A3 befinden sich mehrere Ziesel-Baue (X4). Allerdings waren dort schon im Vorjahr mindestens ebenso viele Baue zu finden, wie eine Foto-Dokumentation vom April 2012 belegt.
X5 und X6 sind wiederum Einzelbaue, wo aufgrund der Nähe zum Großvorkommen am Heeresspital und südlich davon, kaum von einer Zuwanderung von der deutlich weiter entfernten Projektfläche auszugehen ist.
Bemerkenswert: Auf die jenseits des Marchfeldanal gelegenen Ausgleichsflächen, die für die Ziesel nur über eine schmale Brücke erreichbar sind, ist kein einziges Tier abgewandert.
Ziesel-Population hat um 12,6 Prozent zugelegt!
Stellt man die Daten aus dem Quartalsbericht von Oktober 2013 jenen aus dem Oktober 2012 gegenüber, so zeigt sich im Vergleichszeitraum eine Zunahme von 182 auf 205 auf verifizierte Ziesel-Bausysteme, was einem Anwachsen um 12,6 Prozent entspricht.
Hinweise auf bis zu 19 Ziesel- oder Feldhamsterbaue auf den Ausgleichsflächen will man gefunden haben. Zugleich müssen die Autoren jedoch eingestehen, dass ein großer Teil davon von Mäusen stammen könnte, da deren Löcher „im zweiten Halbjahr oberflächlich nicht eindeutig von Zieselbauen unterscheidbar sind“.
Wie weiter oben ausgeführt, dürften gerademal drei Tiere tatsächlich umgezogen sein. Die angestrebte Abwanderung von 50 Prozent, die mehr als 100 verifizierten Bauen auf Ausgleichsflächen entsprechen würde, wurde unübersehbar meilenweit verfehlt.
Außergewöhnliche Ziesel mit einzigartiger Fellfärbung
Ziesel mit ungewöhnlichem Farbschlag nördlich des Heeresspitals. Foto: Ilse Hoffmann
Die Vermutung, dass die Zieseln beim Heeresspital einer bis dato unbekannten Unterart angehören könnten, ist noch immer aufrecht. Auch heuer wurden wieder Tiere gesichtet bzw. gefangen, deren Fell einen außergewöhnlichen Farbschlag aufweist, der nur bei dieser Population dokumentiert ist.
Baumaschinen im Anmarsch!
Der Bericht der Bauträger an die Naturschutzbehörde MA22 führt das beabsichtigte Abtragen des Erdreichs in Randzonen detailliert aus. Durch euphemistische Titulierung als „Bewirtschaftung“, soll vermutlich die Tatsache ausgenutzt werden, dass die Behörde den Bauträgern für Bodenbearbeitungen am Ziesel-Feld freie Hand lässt, sofern diese nicht über eine Tiefe von 30 Zentimetern hinausgehen.
Versucht man auf diese Weise den MA22-Bescheid auszutricksen, wonach mit Bautätigkeiten auf den fünf Bauplätzen jeweils erst dann begonnen werden darf, wenn sich auf diesen nachweislich keine geschützten Tiere befinden?
Auch Zauneidechsen in Gefahr!
Zauneidechse in Zone 1 am Feld nördlich des Heeresspitals im August 2013
Zum aktuellen Zeitpunkt ist jedenfalls jeder Bauplatz von Zieseln besetzt. Dazu kommen rund 15 andere geschützte Arten, darunter die europaweit streng geschützte Zauneidechse, deren häufiges Vorkommen am Projektfeld amtskundig ist. Tötung von Zauneidechsen-Individuen, die sich bereits in Winterstarre befinden, sowie Beschädigung oder Zerstörung ihrer Ruhestätten würde zweifelsfrei einen Verstoß gegen die Naturschutzgesetze bedeuten.
Brüssel richtet Augen auf Floridsdorf
Inzwischen ist der Umgang der Stadt Wien mit der Ziesel-Population beim Heeresspital bis zu den obersten Naturschützern in Brüssel eskaliert. Am Ende droht der Republik Österreich und damit den Steuerzahlern eine saftige Geldstrafe wegen grober Verstöße gegen fundamentale Prinzipien europäischen Umweltrechts.
Wenn die Behörde jetzt zur Schaffung von vollendeten Tatsachen das Auffahren der Baumaschinen zulässt, nimmt sie eine zusätzliche Verschärfung der dramatischen Situation in Kauf. Wie will sie der Kommission erklären, dass in Wien die vorgenommenen „Bewirtschaftungen“, deren konkreter Nutzen nicht erkennbar ist, über das zweifelsfrei gegebene Schutzbedürfnis der europaweit unter Druck stehenden Ziesel gestellt wurde?
Naturschützer mobilisieren auf Facebook
Indes wollen viele engagierte Bürgerinnen und Bürgern die drohende, teilweise Zerstörung des wertvollen Lebensraums und die damit einhergehende mögliche Gefährdung streng geschützter Ziesel und anderer Arten nicht mehr schweigend hinnehmen. Die Behörde haben sich an die Buchstaben der Naturschutzgesetze zu halten, statt diese im Anlassfall kreativ auszulegen.
Geleitet von Berthold Brechts berühmten Worten, organisieren Natur – und Tierschützer in der Facebook-Gruppe „Rettet die Ziesel“ Protestaktionen gegen das Diktat der Bagger:
„Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!“