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Archive for the ‘Wien’ Category

Artenschutztage 2012 im Tiergarten SchönbrunnArten schützen und erhalten“ lautet das Motto der Artenschutztage 2012, die vom 2. bis zum 5. August im Tiergarten Schönbrunn stattfinden. Die IGL Marchfeldkanal wird von Freitag bis Sonntag erstmals vertreten sein.

Bis zum Jahr 2050 droht ein Drittel aller Tierarten für immer von dieser Welt zu verschwinden, warnt die IUCN. Ob groß oder klein, ob jung oder alt, jeder kann seinen persönlichen Beitrag leisten, damit dieses Schreckensszenario nicht Realität wird.

Mehr als 20 Organisationen stellen bei den Artenschutztagen ihre ambitionierten Projekte zum Erhalt der Biodiversität vor. Der Tiergarten Schönbrunn präsentiert das EU LIFE+ Projekt zum Schutz der Wiesenotter und sein Engagement in Südostasien zum Schutz der Asiatischen Elefanten auf Sri Lanka und der Batagur-Flussschildkröte in Bangladesch.

IGL-Marchfeldkanal mit Stand vertreten

IGL-Marchfeldkanal bei Artenschutztagen 2012 im Tiergarten SchönbrunnÜber das Ziesel, das in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste steht, wird die IGL Marchfeldkanal informieren. Trotz anhaltender Bestandsrückgänge, hat der Erhalt der bedrohten Nager und ihrer Lebensräume längst nicht jenen Stellenwert, den sie aufgrund der strengen Naturschutzgesetze eigentlich genießen würden. Insbesondere beim Wiener Heeresspital, wo der Lebensraum einer der letzten großen Ziesel-Kolonien Österreichs kommentarlos teilweise in Bauland umgewidmet wurde, droht schon bald ein fataler Eingriff in das Habitat der Tiere.

Besuchen Sie die Artenschutztage 2012 und schauen Sie auch am Stand der IGL Marchfeldkanal vorbei (Freitag bis Sonntag). Ein buntes Programm für die ganze Familie mit vielen interessanten Ideen zum „Arten schützen und erhalten“ erwartet Sie. Alle Infos gibt es hier.

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Kürzlich erklärte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig in einem Interview mit dem „Standard“ einer staunenden Leserschaft, dass die Ziesel in Wien wieder vermehrt auftreten würden.

Tatsächlich stehen die Europäischen Ziesel in Österreich jedoch schon seit vielen Jahren auf Platz 1 der Roten Liste und die Prognosen sind negativ. Der landesweit schlechte Erhaltungszustand und die dramatischen Bestandsrückgänge lassen sich anhand einer Vielzahl einschlägiger Quellen zweifelsfrei nachvollziehen. Für den behaupteten positiven Trend in der Bundeshauptstadt fehlt hingegen ein objektiv nachvollziehbarer Beleg.

Trotz des begründeten strengen Schutzstatus der Ziesel, wurde beim Wiener Heeresspital 2010 der Lebensraum einer der letzten großen Ziesel-Kolonien kommentarlos teilweise für Wohnbau umgewidmet. Nun droht eine Absiedlung der sensiblen Tiere auf ominöse Ausgleichsflächen, deren Lage bislang – wenn überhaupt – nur die eingeschaltete PR-Agentur kennt.

Nachfolgend eine Zusammenstellung seriöser Quellen, die sich mit dem realen Erhaltungszustand der Ziesel in Österreich auseinandersetzen. Sie alle legen nahe, dass jeder vermeidbare Eingriff in Ziesel-Lebensräume ein unverantwortlicher ist.

EU-Biodiversitätsdatenbank: „Unfavourable Bad“

In der Biodiversitätsdatenbank der Europäischen Union sind für die nichtalpine biogeographische Region Österreichs lediglich vier Säugetierarten mit dem schlechtest möglichen Erhaltungszustand „U2 – Unfavourable Bad“ ausgewiesen. Neben dem Europäischem Ziesel (Spermophilus citellus) befinden sich drei Fledermausarten in diesem Status.

Ziesel in EU-Biodiversitätsdatenbank

Für Details klicken – Siehe Spermophilus citellus
(C) Eionet – European Topic Centre on Biological Diversity

Die zugrundeliegenden Daten wurden nicht etwa im fernen Brüssel geschätzt, sondern basieren auf authentischem Datenmaterial aus Österreich. Die Datenqualität ist dabei ausdrücklich als „Good“, d.h. basierend auf umfangreichen Erhebungen, ausgewiesen.

Sowohl Bestandszahlen als auch Habiatsgrößen zeigen substanzielle Einbrüche gegenüber den Vergleichswerten. Dazu kommt, dass die Zukunftsperspektive für die Ziesel in Österreich zusammenfassend als „Bad“ eingestuft ist.

Rote Liste des Lebensministeriums: Scharfe Kritik an Wien

Rote Listen gefährdeter Tiere Österreichs, Herausgeber LebensministeriumAuch in der der vom Lebensministerium herausgegebenen „Rote Listen gefährdeter Tiere Österreichs“ (2005) zeigt sich ein analoges Bild. Der Erhaltungszustand des Europäische Ziesel wird darin als „Endangered“ klassifiziert, d.h. es besteht sehr hohes Risiko, dass es in Österreich in naher Zukunft ausstirbt.

Sowohl hinsichtlich Bestands- als auch Habitatsentwicklung wird ein massiv negativer Trend dokumentiert und dringender Handlungsbedarf zum Erhalt der Art festgehalten.

Mit scharfen Worten kritisiert die Expertin Friederike Spitzenberger (renommierte Ziesel-Forscherin und ehemalige Leiterin der Säugetierabteilung des Wiener Naturhistorischen Museums) in den Erläuterungen zur Roten Liste den Wiener Umgang mit der „prioritär bedeutenden“ Art:

Obwohl das Ziesel in Anhang II der Flora-Fauna-Habitats-Richtlinie steht, wird es beispielsweise im Bundesland Wien, in dem die Art naturschutzrechtlich als ‚prioritär bedeutend‘ geschützt ist, von Flächen auf denen es ‚stört‘, auf andere ,transloziert‘. Derartige Umsiedlungen führten bisher immer zu großen Verlusten.

Prioritätenliste des Umweltdachverbands

Prioritätenliste der 50 bedrohtesten Tierarten ÖsterreichsIm Mai 2008 veröffentlichte der Umweltdachverband eine Prioritätenliste jener 50 Tierarten für deren Erhalt in Österreich der dringlichste Handlungsbedarf besteht. An erster Stelle dieser Aufstellung findet sich das Europäische Ziesel.

„Österreichs biologischer Reichtum schwindet rasant“, warnte Umweltdachverbands-Präsident Gerhard Heilingbrunner anlässlich der Präsentation der Prioritätenliste im Rahmen einer Pressekonferenz eindringlich. Zugleich betonte man, dass es in Österreich vermutlich nur noch mehrere tausend Ziesel gebe, deren Lebensräume aber stark bedroht sind.

Dramatischer Rückgang in Wien seit 1970

Wie aus dem Standardwerk „Die Säugetierfauna Österreichs“ (F. Spitzenberger, 2001) hervorgeht, sind am Wiener Stadtgebiet zwischen den Jahren 1970 und 2000 eine große Anzahl der dokumentierten Ziesel-Populationen unwiederbringlich erloschen.

Einst kamen die Tiere in Alt-Floridsdorf, Kagran – Leopoldau, Neukagran, Aspern, im Prater, auf den Aspanggründen, im Erdberger Mais, auf der Simmeringer Haide, zwischen Matzleinsdorfer Platz und Wienerberg, am westlichen Laaer Berg, im Bereich Hetzendorf – Altmannsdorf – Alterlaa – Neusteinhof, Rodaun – Kalksburg, im Lainzer Tiergarten und am Roten Berg vor.

Nachfolgende Abbildung verdeutlicht augenscheinlich den dramatischen Rückgang der Wiener-Zieselpopulationen in den letzten Jahrzehnten. Die Rechtecke repräsentieren dabei die südwestlichen Eckpunkte der Geokoordinaten-Minuten-Intervalle (WGS 84) einstiger (rot), fraglicher (grau) und bestehender Vorkommen (grün), entnommen aus der Begleit-CD des Säugetier-Atlas.

Bestandsrückgang der Ziesel in Wien seit 1970 (Quelle: F. Spitzenberger)
Ziesel-Vorkommen in Wien:
Rot = Erloschen, Grün = Aktuell, Grau = Fraglich
Quellen: Die Säugetierfauna Österreichs (F. Spitzenberger), Uni Wien (I. Hoffmann)
Visualisierung: geoland.at

„Die geschützten Säugetiere Wiens“

Die geschützten Säugetiere WiensZur Gefährdungssituation der Ziesel in Wien findet sich auf den Internet-Seiten der Stadt Wien und der Wiener Umweltschutzabteilung MA 22 viel an Information.

So beschreibt etwa das Dokument „Die geschützten Säugetiere Wiens“ die Situation aller in Wien vorkommender geschützter Säugetiere.

Speziell für die Ziesel wird das Verschwinden zahlreicher Populationen in den letzten Jahrzehnten bestätigt und vor der aufrechten Bedrohung und deren Ursachen für den verbliebenen Bestand gewarnt:

Diese letzten Restvorkommen in Wien sind jedoch durch neue Bauvorhaben (Wohnbauten, Straßen, “gepflegte” Erholungslandschaften (keine Nahrungsgrundlage) weiter gefährdet; auch freilaufende Katzen und aktive Verfolgung (Fallen) wegen unerwünschter Grabetätigkeit tragen in machen Gebieten zum Erlöschen von Kolonien bei (z.B. Erholungsgebiet “Seeschlacht” bei Langenzersdorf).

Ziesel-Erhaltungszustand in Wien ungewiss

Anders als in Niederösterreich, wo durch die engagierte Initiative „Netzwerk Ziesel“ unter Führung des Naturschutzbund NÖ ein fortlaufendes Monitoring der Ziesel-Bestände stattfindet, liegen in Wien diesbezüglich keine aktuellen Zahlen vor.

Soweit bekannt, fanden die letzte Bestandserhebungen im Süden Wiens im Jahr 2002, im Norden in 2005 statt. Lediglich das, seit spätestens dem Jahr 2007 dokumentierte, dichte Vorkommen beim Wiener Heeresspital, welches dort bekanntlich einem, erst zeitlich später geplanten, Großbauvorhaben „im Weg steht“, wurde im Sommer 2011 kartiert.

Insbesondere die Daten zu den südlichen Populationen, die im Schnitt kleiner als jene im Norden und damit stärker gefährdet sind, erscheinen im Lichte dessen stark veraltet. Auch zur verbliebenen Population am Gelände der Pädagogischen Akademie, die 2001 nur zum Teil auf den Bisamberg abgesiedelt wurde, liegt kein aktuelles Monitoring vor. Dem Vernehmen nach könnte der Bestand dort stark zurückgegangen oder das Vorkommen gar Erloschen sein.

Aufgrund von fehlendem aktuellen Datenmaterials, trotz aufrechter Gefährdungsfaktoren, ist eine objektiv nachvollziehbare Beurteilung des Ziesel-Erhaltungszustands und der Entwicklungstendenzen für das Wiener Stadtgebiet somit nicht möglich.

„Günstiger Erhaltungszustand“ notwendig für Ausnahmegenehmigung

Für die drohenden Eingriffe in den Lebensraum der Ziesel und Feldhamster beim Wiener Heeresspital ist die Gewährung einer Ausnahmegenehmigung nach dem Wiener Naturschutzgesetz erforderlich. Notwendige, aber freilich nicht hinreichende Voraussetzung zur Erteilung einer solchen Genehmigung ist, dass sich in Wien die Populationen beider Arten in einem günstigen Erhaltungszustand befinden.

Zum Nachweis des günstigen Erhaltungszustandes reicht jedoch nicht die bloße Behauptung, dass ein solcher gegeben wäre. Vielmehr ist dafür ein objektiv nachvollziehbarer Nachweis anhand anerkannter Kriterien erforderlich.

Unabhängig davon verpflichtet die FFH-Richtlinie die EU-Mitgliedstaaten den Erhaltungszustand der EU-weit geschützten Arten und Lebensräume innerhalb der jeweiligen Staatsgrenzen zu überwachen. Die Ergebnisse dieses Monitorings müssen gemeinsam mit den Informationen über die in den Natura 2000-Gebieten gesetzten Erhaltungsmaßnahmen und deren Auswirkungen alle sechs Jahre in Berichten der Europäischen Kommission vorgelegt werden.

5.550 Unterschriften für kompromisslosen Artenschutz

Viele Quellen dokumentieren also glaubhaft und übereinstimmend eine düstere Perspektive zum Fortbestand der Ziesel in Österreich. Dennoch droht nun beim Wiener Heeresspital die riskante Vertreibung der dort lebenden Ziesel aus ihrem funktionierenden Lebensraum. Auch einer größere Kolonie der ebenso streng geschützten Feldhamster wäre betroffen.

Die überparteiliche Bürgerinitiative IGL Marchfeldkanal fordert Priorität für den Schutz der Ziesel und Hamster, ohne Wenn und Aber! Daher treten wir gemeinsam mit bereits 5.550 Unterstützern für die Einrichtung eines Naturschutzgebietes auf sämtlichen unverbauten Flächen rund um das Wiener Heeresspital ein.

Unterschreiben auch Sie!

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Ernst Gruber von InselTV hat der Bürgerinitiative IGL Marchfeldkanal freundlicherweise ein weiteres sehenswertes Video von der sensationell besuchten Ziesel-Mahnwache, die am Samstag den 2. Juni 2012 stattfand, zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür!

(C) Ernst Gruber, inseltv.at

Frau Dr. Ilse Hoffmann (Universität Wien) betonte gegen Ende der Veranstaltung in einem spontanen Statement (O-Ton), dass es beim Wiener Heeresspital definitiv zu keiner Ziesel-Umsiedlung kommen wird.

Es wird definitiv nicht umgesiedelt. Es gibt einen Aktenvermerk in der MA22, dass über Erfolge von Ziesel-Umsiedlungen zu wenig bekannt ist, vor allem gar nichts positives bekannt. Es wird nicht umgesiedelt.

„Umsiedeln“ meint jedoch nicht dasselbe wie „Umlenken“: Bereits im Vorfeld der Mahnwache wurden, begleitet von medialem Trommelwirbel, die Pläne zur Umlenkung der nördlich des Wiener Heeresspitals lebenden Ziesel und Feldhamster auf „Ausgleichsflächen“ bekräftigt. Wie sich zahlreiche Teilnehmer der ökologischen Führung persönlich überzeugen konnten, drängen sich geeignete Kandidaten für solche Ersatzflächen nicht mit freiem Auge auf.

Medienberichte

Weitere Berichte zur Ziesel-Mahnwache finden sich auf der Medienschau-Seite, wobei wir ganz besonders auf die eindringliche Kolumne von Frau Maggie Entenfellner hinweisen möchten.

Bemerkenswert an der Medienberichterstattung anläßlich der „Präsentation“ der Ausgleichsflächen durch die Bauträger ist außerdem, dass sich Frau Dr. Ilse Hoffmann von einigen Zitaten, die ihr in den Medien unterstellt wurden, mittlerweile in einem persönlichem Kommentar energisch distanziert hat.

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An die 400 Menschen waren am 2. Juni 2012 zur Ziesel-Mahnwache nach Stammersdorf gekommen um vor Ort gegen die drohende Verbauung eines der letzten Wiener Ziesel-Habitate zu protestieren. Die große Teilnehmerzahl an der von der überparteilichen Bürgerinitiative IGL Marchfeldkanal organisierten Veranstaltung unterstreicht eindrucksvoll, wieviele Wienerinnen und Wiener den empörenden Umgang mit den Zieseln am Marchfeldkanal nicht einfach hinnehmen wollen.

Zieselwache - Publikum vor Beginn; (c) IGL Marchfeldkanal

Neun hochkarätige Sprecherinnen und Sprecher beleuchteten in ihren interessanten Beiträgen die Problematik der Heeresspital-Ziesel aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. Die aufrüttelnden und teils sehr emotionalen Reden hatten die unabdingbare Notwendigkeit von Tier- und Naturschutz, das besondere Schutzbedürfnis der Ziesel, die aufklärungsbedürftigen Vorgänge rund um die Heeresspital-Flächenwidmung, Fehlentwicklungen in der Stadtplanung und Solidarität zwischen Bürgerinitiativen zum Inhalt. Allen gemeinsam war das eindringliche Plädoyer die Ziesel in ihrem angestammten Lebensraum zu schützen.

Gabriele Krenn - IGL-Marchfeldkanal; (c) IGL Marchfeldkanal Dipl.-Ing. Herbert Loder - IGG Gerasdorferstr. 153; (c) IGL Marchfeldkanal Dr. Barbara Herzig - Zieselexpertin iR; (c) IGL-Marchfeldkanal

Mag. Elisabeth Thomas - Wiener Tierschutzverein; (c) IGL-Marchfeldkanal Mario Wanderer - Naturfotografie; (c) IGL Marchfeldkanal Rosemarie Schreiner-Lein - WHA Gerasdorferstr. 55; (c) IGL-Marchfeldkanal

Mag. Mathias Sturm, MAS - Initiative Mühlweg; (c) IGL Marchfeldkanal Mag. Evelyn Weber - Verkehrsinitiative Donaufeld; (c) IGL-Marchfeldkanal Mag. Helmut Bauer - IGL Marchfeldkanal; (c) IGL Marchfeldkanal

Unter dem Eindruck des Gesagten ergriff gegen Schluss sogar die anwesende Frau Dr. Ilse Hoffmann (Universität Wien) – sie ist von den Bauträgern mit der Evaluierung und Durchführung von Ziesel-Lenkungsmaßnahmen auf Ausgleichsflächen beauftragt – das Wort um sich mit Klarstellungen an das Publikum zu wenden.

Dr. Ilse Hoffmann - Universität Wien; (c) IGL-Marchfeldkanal   Dr. Ilse Hoffmann und Dr. Barbara Herzig; (c) Andrea Mayrhofer, MAS

Als musikalisches Rahmenprogramm wurde das Kindermusical „SoKo Ziesel“ uraufgeführt. Unter der Leitung von Mag. Renate Schütz, aus deren Feder sowohl Musik als auch Text des Werkes stammen, präsentierten rund ein Dutzend Kinder und Jugendliche dem Publikum eine durch und durch begeisternde Darbietung des außergewöhnlichen Stücks.

(C) Ernst Gruber, inseltv.at

Viele Anwesende nutzten die Möglichkeit sich am Infostand rund um das zentrale Thema der Veranstaltung zu informieren und zum Schutz der Ziesel und Feldhamster beim Wiener Heeresspital zu unterschreiben. Ein weiterer Publikumsmagnet war das IGL-Buffet, wo man sich gegen eine freiwillige Spende mit Kaffee, Kuchen und weiteren Köstlichkeiten stärken konnte. Zudem bot die Ziesel-Mahnwache auch ein ideales Forum sich in persönlichen Gesprächen zu vernetzen und Kontakte für künftige gemeinsame Aktivitäten zu knüpfen.

Mag, Birgitta Bauer - IGL Marchfeldkanal; (c) IGL Marchfeldkanal Zieselwache - Infostand; (c) IGL Marchfeldkanal Zieselwache - Buffet; (c) IGL Marchfeldkanal

Auch die abschließende ökologische Führung rund um das Habitat der Ziesel und Feldhamster fand regen Anklang. Eine Vielzahl der Besucher nutzte die Gelegenheit von fachkundiger Seite mehr über die ökologischen Besonderheiten des bedrohten Ziesel-Habitats und des Marchfeldkanals zu erfahren. Zum spontanen Gaststar geriet ein neugieriger Biber, der just in jenem Augenblick vorbeischwamm, als über ihn und seine Artgenossen gesprochen wurde.

Ökologische Führung - Inge Konradi Gasse; (c) Mario Wanderer Ökologische Führung - Marchfeldkanal; (c) Mario Wanderer Marchfeldkanal-Biber bei Ökologischer Führung; (c) Mag. Gerhard Jordan

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal bedankt sich bei allen Mitwirkenden sehr herzlich für die engagierte Unterstützung! Unser besonderer Dank gilt Frau Renate Schütz und ihrem jungen Team für die Aufführung von „SoKo Ziesel“. Ebenfalls bedanken möchten wir uns bei der Firma Ströck für die großzügige Gebäckspende, den Floridsdorfer Grünen für die Bereitstellung der Infrastruktur und organisatorische Unterstützung im Vorfeld sowie bei den zahlreichen Fotografen für die kostenfreie Bereitstellung ihrer Bilder.

Ganz speziell möchten wir uns natürlich bei jenen Menschen bedanken, die den allerwichtigsten Beitrag zum Erfolg der Veranstaltung geleistet haben, den teilnehmenden Bürgerinnen und Bürgern.

Ohne ihr Kommen wäre die Ziesel-Mahnwache nicht das geworden, was sie war: Ein unübersehbares Signal an die Wiener Politik die Ziesel und Feldhamster beim Wiener Heeresspital keinen weiteren Risiken auszusetzen und stattdessen das gesamte Biotop rund um das Heeresspital als Naturschutzgebiet zu widmen.

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Ziesel-Mahnwache am 2.6.2012

Purem Glück ist es zu verdanken, dass die Ziesel beim Wiener Heeresspital den Baggern entkommen sind. Dennoch blicken sie in eine äußerst düstere Zukunft.

Obwohl europaweit streng geschützt und in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste, sollen die Tiere einem Monsterbauprojekt weichen, bei dessen Planung man keine Rücksicht auf das längst bekannte Ziesel-Vorkommen nahm.

Mit enormem Druck verfolgt man weiterhin das Ziel, die Ziesel aus ihrem funktionierenden Lebensraum abzudrängen. Naturschutz hin oder her – die 1.000 Wohnungen nahe dem Marchfeldkanal sollen in vollem Umfang realisiert werden.

Zahlreiche Studien ähnlicher Fälle warnen: Die beabsichtigten Eingriffe gefährden massiv den langfristigen Fortbestand des zwischen Brünner Straße und Marchfeldkanal eingekesselten Relikt-Reservats. Auch würde nach Expertenmeinung des Lebensministeriums die Realisierung des Vorhabens gegen geltendes EU-Recht verstoßen.

Aufruf zur Ziesel-Mahnwache

Für die Ziesel und die ebenso streng geschützten Feldhamster beim Wiener Heeresspital ist es fünf vor zwölf:

Kleinreden, Herunterspielen, Beschwichtigen, Pflügen und Lenken sind keine tauglichen Instrumente für ihren nachhaltigen Schutz.

Aus Protest gegen diesen zutiefst empörenden Umgang mit dem Artenschutz, ruft die überparteiliche Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal zu einer Mahnwache vor Ort auf.

Wir fordern die Errichtung eines Naturschutzgebietes auf den Flächen am und rund um das Wiener Heeresspital. Nur so kann der immense wirtschaftliche Druck, der unweigerlich zum Erlöschen der streng geschützten Ziesel- und Hamster-Populationen führen wird, ein für alle Mal gebannt werden.

Wann: Samstag, 2. Juni 2012, 15:00 Uhr
Wo:     Ecke Weilandgasse / Johann-Orth-Platz, 1210 Wien

Ziesel-Mahnwache am 2..6.2012

Ablauf: Es erwartet Sie ein interessantes Programm mit hochkarätigen Sprechern, Kostenproben aus einem neuen Ziesel-Musical und eine fachkundige ökologische Führung. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Ankündigung.

Anreise: Mit der Straßenbahnlinie 31 bis Endstation Stammersdorf oder mit dem Fahrrad. Falls sie mit dem PKW kommen, bitte z.B. entlang der Johann-Weber-Straße parken, am Johann-Orth-Platz kann während der Mahnwache nicht geparkt werden.

Selbstverständlich findet die Mahnwache bei jedem Wetter statt. Von zahnlosem Schönwetter-Naturschutz, beschränkt auf die virtuellen Welten aufwändiger Hochglanzbroschüren, haben wir genug.

Ihre Teilnahme ist entscheidend!

Senden wir gemeinsam ein unübersehbares Signal, dass der Schutz von bedrohten Arten und Lebensräumen Priorität gegenüber wirtschaftlichen Interessen haben muss! Anders als beim Wiener Heeresspital, muss Artenschutz pro-aktiv im Zuge von Planungen stattfinden und nicht erst im Nachhinein zur bloßen Schadensbegrenzung auf Kosten geschützter Arten und deren Lebensräume.

Ihre Teilnahme an der Ziesel-Mahnwache kann dazu beitragen, die wertvollen Biotope am Marchfeldkanal rund um das Wiener Heeresspital vor einer Verbauung zu bewahren und so den Fortbestand der dort ansässigen Ziesel- und Hamster-Kolonie zu sichern. Kommen auch Sie hin!

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Beim Wiener Heeresspital lebt eine der letzten großen Ziesel-Kolonien Österreichs. Obwohl ihre Existenz schon Jahre dokumentiert war, wurden Teile des Habitats – ohne Berücksichtigung der streng geschützten Ziesel – in Bauland umgewidmet.

Da man seitens der Politik unverändert an der Errichtung von fast 1.000 Wohnungen festhält, drohen nun Eingriffe in den Lebensraum der zwischen Marchfeldkanal und Brünner Straße eingekesselten Tiere, deren absehbare Risiken und Folgen in der Fachwelt längst außer Zweifel stehen.

Dichtes Ziesel-Vorkommen spätestens seit 2007 bekannt

Aus dem Ziesel-Gutachten von 2011 geht hervor, dass im August 2007 am Gelände des Wiener Heeresspitals durch die Wiener Umweltschutzabteilung MA22 und die Universität Wien eine dichte Ziesel-Population festgestellt wurde. „Auf einen Blick waren mehrere Tiere sichtbar“, heißt es darin. Wortwörtlich sprach man seitens des Bundesheeres sogar von einer „Zieselplage“.

Soweit bekannt, wurden in der Folge keine Präventivmaßnahmen eingeleitet um das entdeckte Großvorkommen näher zu erforschen und dem drohenden Konflikt in einem Zielgebiet der Wiener Stadtentwicklung frühzeitig – noch vor ersten Investitionen – entgegen zu wirken.

Bereits seit 2006 weist das Wiener Arten- und Lebensraumschutzprogramm „Netzwerk Natur“ im Gebiet des Heeresspitals das Vorkommen der naturschutzrechtlich „prioritär bedeutenden“ Ziesel als bestätigt aus, was wohl auf Grundlage einschlägiger Beobachtungen erfolgt sein wird.

Flächenwidmung ohne Umweltprüfung

Im Februar 2010 beschloss der  Wiener Gemeinderat eine abgeänderte Flächenwidmung, die auch auf Teilen des Heeresspital-Areals, also dort wo die Ziesel-Population längst dokumentiert war, Wohnbau vorsieht. In den Begleitunterlagen zum Plandokument 7906 wurden die streng geschützten Ziesel jedoch mit keinem Wort erwähnt. Weder im Erläuterungsbericht zur öffentlichen Auslage, noch im Vorlagebericht zur Beschlussfassung, wird auf den absehbaren und planungsrelevanten Konflikt mit dem Artenschutz hingewiesen. Statt einer Umweltprüfung wurde lediglich ein „Screening“ durchgeführt, dessen Ergebnis die Berichte unter „Umwelterwägungen“ so zusammenfassen:

Durchwegs keine bis positive Auswirkungen konnten dabei den Schutzgütern „Biologische Vielfalt“, „Bevölkerung“, „Gesundheit“, „Fauna und Flora“, „Boden und Wasser“ sowie „Landschaft“ zugeordnet werden.

Angesprochen auf die offensichtliche Absenz der Ziesel in den Dokumenten, erklärte der zuständige leitende Beamte (MA 21B) gegenüber dem „Kurier“:

„Der Bericht der Kollegen ist wohl unter den Tisch gefallen.“

Heeresspital-Verbauung ist Teil des Bauprojekts

Bebauung beim Wiener Heeresspital - Stand Mai 2011

Seitens der Behörden wird betont, dass man von den Zieseln am Areal nördlich des Wiener Heeresspitals bis vor kurzem keine Kenntnis hatte, sondern nur von der Population innerhalb des Heeresspital-Areals wusste. Diese Argumentation geht jedoch ins Leere, denn aus den Widmungsunterlagen geht in fetten Lettern hervor, dass 140 Wohneinheiten auf Flächen des Wiener Heeresspitals, d.h. im damals bereits dokumentierten Ziesel-Habitat, zur Errichtung gelangen könnten.

Dass diese Planungen keineswegs abstrakt, sondern sehr konkret sind, zeigt zudem jene Kubatur, die im Mai 2011 bei einer Informationsveranstaltung offiziell vorgestellt wurde. In der präsentierten Visualisierung sind klar drei Objekte zu erkennen, die am heutigen Areal des Heeresspitals positioniert und aufgrund der gewählten Farbgebung offensichtlich Teil des beabsichtigten Gesamtprojekts sind.

Im Juli 2010, also nach Widmungsbeschluss und 10 Monate vor der öffentlichen Projektpräsentation, besichtigten Vertreter der MA 22 und der Uni Wien erneut das Areal des Wiener Heeresspitals und stellten dabei eine anhaltend dichte Ziesel-Population fest. Offenbar bewirkten diese Beobachtungen in der Folge jedoch keine Adaptierungen der Projektpläne.

Kritik an „Turbo“-Widmung

Schon vor Beschluss der Widmung wurde die ungewöhnliche, selbst auferlegte Eile bei der Begutachtung des Großprojekts kritisiert. In nur zehn Arbeitstagen des Augusts 2009, d.h. mitten in der Urlaubszeit, sollten von anderen Behörden Stellungnahmen zum Plandokument an die MA 21B abgegeben werden. So könnte es ein Hinweis auf den seinerzeitigen Zeitdruck sein, dass der von der MA 21B verfasste Erläuterungsbericht und die Stellungnahme der Wiener Umweltanwaltschaft, das gleiche Datum, nämlich den 24. August 2009, tragen, der zugleich auch der letzte Tag des vorgegebenen Zeitfensters war.

Ziesel-Vorkommen sind planungsrelevant

Die Ziesel stehen in Österreich an erster Stelle der Roten Liste. Sowohl die Tiere selbst, als auch ihre Lebensräume, sind nach der EU-FFH-Richtlinie und dem Wiener Naturschutzgesetz am gesamten Stadtgebiet streng geschützt. U.a. sind absichtliche Störungen, Fangen und Transportieren, absichtliches und unabsichtliches Töten der Tiere sowie Beschädigungen ihrer Fortpflanzungs- und Ruhestätten verboten.

Für erhebliche Habitats-Eingriffe bedarf es Ausnahmegenehmigungen, deren Erteilung aber nur für tatsächliche Ausnahmesituationen vorgesehen ist, d.h. keineswegs der Regelfall sein kann. Notwendige Voraussetzungen sind u.a. überwiegendes öffentliches Interesse, nachweisliche Prüfung von Alternativen und ein günstiger Erhaltungszustand der betroffenen Population.

Keiner dieser drei Gründe trifft jedoch auf das Projekt beim Wiener Heeresspital zu. Die dokumentierte Ziesel-Population wurde in den Planungen nicht berücksichtigt, d.h. aus Sicht des Artenschutzes keine Alternativen geprüft und es besteht auch kein öffentliches Interesse genau im Lebensraum einer vom Aussterben bedrohten Art Wohnbau zu betreiben. Auch ist der Erhaltungszustand der Relikt-Kolonie aufgrund ihrer isolierten Situation, ohne den vital notwenigen Austausch mit anderen Ziesel-Populationen, inhärent ungünstig.

Verbauung der Radio Austria Gründe wurde abgesagt

Es waren wohl die oben genannten Gründe, die im Jahr 2005 die Verbauung der ehemaligen Radio Austria Gründe verhinderten. Auf dem acht Hektar großen Areal in Wien-Favoriten, also vergleichbar zum Projekt beim Wiener Heeresspital, war der Fortbestand einer Ziesel-Kolonie durch ein Bauprojekt bedroht. Auf Antrag der SPÖ fasste der Wiener Gemeinerat den einstimmigen Beschluss, die Ziesel in ihrem Lebensraum zu schützen und die Planungen zu verwerfen.

Priorität für Ziesel- und Feldhamster-Schutz

Bedauerlicherweise ist die Situation rund um die Ziesel und  die ebenso streng geschützten Feldhamster beim Wiener Heeresspital verfahren. Naturgemäß stehen die involvierten Bauträger unter großem wirtschaftlichem Druck das Bauprojekt in der beabsichtigten Form durchzuziehen, denn es wurden bereits enorme Geldbeträge investiert, vermutlich ohne Kenntnis der großen Ziesel-Population im Widmungsgebiet.

Zudem ist zu bezweifeln, dass der Widmungsprozess beim Heeresspital optimal gelaufen ist. Wann und in welcher Projektphase  wären konkrete naturschutzrechtliche Maßnahmen zum Schutz der Ziesel und Feldhamster ergriffen worden? Am Feld nördlich des Heeresspitals wurden schon vor Widmungsbeschluss bei Stichproben mögliche Hinweise auf Ziesel- oder Hamsterbaue entdeckt und im Jahr 2010 wurde das dort befindliche Feldhamster-Vorkommen im Auftrag der MA 22 kartiert.

Aus Sicht der Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal muss der strenge Schutz der vom Aussterben bedrohten Ziesel und der Feldhamster Priorität haben. Wir appellieren daher an die Politik eine Lösung im Interesse der Tiere zu finden und sie vor riskanten Eingriffen in ihren Lebensraum mit ungewisser Perspektive zu bewahren.

Um den nachhaltigen Schutz der Tiere zu gewährleisten, tritt die IGL-Marchfeldkanal für die Einrichtung eines geeigneten Naturschutzgebietes auf den Flächen am und rund um das Wiener Heeresspital ein. Bereits 4.300 Menschen unterstützten diese Forderung mit ihrer Unterschrift. Unterschreiben auch Sie!

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Amtshaus Floridsdorf. Foto: urban-a. Quelle: WikimediaAm 18.4.2012 wurde im Floridsdorfer Bezirksparlament einstimmig die Einholung eines weiteren Ziesel-Gutachtens beschlossen. Ziel der Expertise ist es, von unabhängiger kompetenter Seite abzuklären, ob die mit der Realisierung des Großbauprojekts nördlich des Wiener Heeresspitals beabsichtigten Eingriffe in den Lebensraum der streng geschützten Ziesel und Feldhamster, mit geltendem europäischem Recht vereinbar sind.

Bekanntlich würde nach Expertenmeinung des Lebensministeriums – die Kronen Zeitung und Der Standard berichteten – die Realisierung des Vorhabens gegen die Fauna-Flora-Habitats-Richtlinie der EU verstoßen.

Dem von den Freiheitlichen eingebrachten Antrag waren zunächst intensive Diskussionen vorangegangen, die zu einer Unterbrechung der Sitzung führten. In der einberufenen Präsidiale konnte schließlich eine Einigung erzielt werden.

Sowohl SPö, FPÖ, ÖVP, Grüne als auch WIFF, stimmten nach Wiederaufnahme der Sitzung dem Antrag auf Erstellung des Rechtsgutachtens zu.

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal begrüßt die Initiative der Bezirksvertretung und zeigt sich erfreut, dass zu diesem brennenden Umweltthema, das viele Wiener besorgt nach Floridsdorf blicken lässt, ein parteiübergreifender Konsens erzielt werden konnte. Zugleich wird jedoch eindringlich appelliert, für eine zügige Erstellung des Gutachtens zu sorgen.

Angesichts der intensiven und offen ausgesprochenen Bemühungen die Ziesel und Feldhamster aus ihrem angestammten Habitat abzudrängen, wird befürchtet, dass bei Fertigstellung der Expertise, längst vollendete Tatsachen geschaffen wurden. Eine nachträgliche Feststellung der Unrechtmäßigkeit der Eingriffe kann den absehbaren Schaden an der isolierten Ziesel-Populationen beim Wiener Heeresspital, deren Existenz schon vor Beginn der Planungen längst dokumentiert war, nicht wieder gutmachen.

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Wenn es Frühling wird, dann wandern am Bisamberg wieder die Kröten. Ihrem Instinkt folgend machen sich die kleinen Amphibien in der Morgen- und Abenddämmerung auf den Weg, um am Krötenteich für den Fortbestand ihrer gefährdeten Art zu sorgen. Leider kreuzt sich dabei ihr Weg mit der rund um die Uhr befahren Senderstraße.

Damit möglichst viele der Tiere sicher an ihr Ziel gelangen, hat Vier Pfoten schon vor Jahren eine Hilfsaktion ins Leben gerufen. Freiwillige sammeln auch heuer wieder die aus ihren Winterquartieren kommenden Kröten ein und setzen sie beim Krötenteich wieder ab. Mitglieder der IGL-Marchfeldkanal sind regelmäßig dabei.

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Nördlich des Wiener Heeresspitals wurden wieder landwirtschaftliche Tätigkeiten aufgenommen. Neben der Mahd der von Ziesel und Feldhamstern besiedelten Flächen, sollen die übrigen Bereiche gepflügt und bewirtschaftet, sowie in der Folge „Lenkungsmaßnahmen“ durchgeführt werden.

Aber: Nach Expertenmeinung des Lebensministeriums – die Kronen Zeitung berichtete – würde die Realisierung der ca. 1.000 Wohnungen im Lebensraum der streng geschützten Arten gegen geltendes EU-Recht verstoßen.

Dennoch verfolgen die Verantwortlichen unverändert das Ziel, die ohnehin vom Aussterben bedrohten Tiere auf Ausgleichsflächen abzusiedeln.

Experten-Gespräch

Am 29.3.2012 wurden in einem Gespräch zwischen Vertretern der Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal und den Experten Dr. Ilse Hoffmann (Uni Wien) und DI Thomas Knoll (Knoll Consult) vor Ort die beabsichtigten Maßnahmen diskutiert. Basis dafür waren schriftliche Unterlagen, die Ende letzter Woche übermittelt wurden:

IGL-Information

Bürgerinformation

Zonenplan

Wie aus dem Zonenplan hervorgeht, sollen die Zonen 1 und 2a gepflügt und bewirtschaftet werden. In den Zonen 2b und 3 will man durch regelmäßiges Mähen ein effizientes Monitoring der Ziesel- und Feldhamsterbestände ermöglichen. Zone 3 soll auch Teil der beabsichtigen Ausgleichsflächen werden.

Zum Zweck detaillierter Kartierungen und wissenschaftlicher Untersuchungen werden ab sofort Fachleute der Universität Wien regelmässig vor Ort sein.

Landwirtschaftliche Nutzung

Klarweise begrüßen wir die an die Bedürfnisse der streng geschützten Arten angepasste Pflege der Zonen 2b und 3, handelt es sich doch um eine von uns wiederholt gestellte Forderung. Außerdem freut es uns, dass man sich auf biologische Landwirtschaft festgelegt hat und auf einen Einsatz von Pestiziden, Herbiziden, etc. verzichten will.

Hingegen sehen wir das Pflügen der anderen Bereiche kritisch. Von Seiten der Experten wurde uns allerdings versichert, dass sie eine Freigabe zum Pflügen erst dann erteilen werden, wenn in den betroffenen Gebieten keine Hinweise auf eine Besiedlung durch Ziesel- oder Hamster gefunden werden.

Lenkungsmaßnahmen

Ziesel stehen in Österreich an Platz 1 der roten Liste. Die Population beim Wiener Heeresspital ist mit 828 Tieren eine der größten Österreichs. Aufgrund ihrer isolierten Lage, eingekesselt zwischen Brünner Straße, Marchfeldkanal und Wohnbauten, ist dieses Relikt-Reservat besonders sensibel gegenüber Eingriffen.

Das Erlöschen der großen Ziesel-Kolonie bei der Langenzersdorfer Seeschlacht, die sich in einer ähnlichen Situation befand, sei als alarmierendes Beispiel angeführt.

Wir lehnen daher die beabsichtigen, riskanten Lenkungsmaßnahmen auf Ausgleichsflächen strikt ab und sehen darin zudem eine Vorgangsweise, die nicht im Einklang mit dem Artenschutz der FFH-Richtlinie der EU steht.

Endstation „Schutzschlauch“?

Darüber hinaus ist Zone 3, die laut den Unterlagen ein Teil der Ausgleichsflächen werden soll, hierfür offensichtlich völlig ungeeignet. Wie soll eine Ziesel-Kolonie in dem „Schutzschlauch“ zwischen Großbaustelle und dem stark frequentierten Weg entlang des Marchfeldkanals oder in der Folge im Schatten von Hochhäusern und gestresst durch menschliche Einflüsse langfristig Bestand haben?

Immerhin wirkten selbst die Experten im Gespräch nicht von den Qualitäten der Zone 3 als Ausgleichsfläche überzeugt.

Weitere Kandidaten für Ausgleichsflächen im erforderlichen Ausmaß von zumindest 5 Hektar konnten bis dato nicht identifiziert werden.

Fehlende Grundlage für Ausnahmegenehmigungen

Laut den Unterlagen sind auch Maßnahmen geplant, die einer Ausnahmegenehmigung durch die Wiener Umweltschutzabteilung MA22 bedürfen. Jedoch ist zu hinterfragen, auf welcher Grundlage diese überhaupt erteilt werden.

Der schlechte Erhaltungszustand der Ziesel in Österreich, die verabsäumte Prüfung von Alternativen im Widmungsverfahren („unter den Tisch gefallen„), sowie fehlendes öffentliches Interesse Planungsmängel zu Lasten von streng geschützten Arten zu korrigieren, lassen keine Gewährung von Ausnahmen zu.

Politische Lösung unumgänglich

Wir appellieren daher an die Verantwortlichen, nach einer politischen Lösung zu suchen, statt sich weiterhin mit Naturschutz-Tricks und extremen Auslegungen der EU-FFH-Richtlinie zu befassen.

Spätestens seit 2007 ist ein dichtes Ziesel-Vorkommen beim Wiener Heeresspital behördlich dokumentiert. Offenbar wurden aber keine Präventivmaßnahmen im Hinblick auf einen drohenden Artenschutz-Konflikt in dem Zielgebiet der Stadtentwicklung gesetzt.

Das führte in der Folge wohl dazu, dass die Bauträger Kabelwerk und Donau City, vermutlich ohne Vorwarnung, einen zweistelligen Millionenbetrag in die Liegenschaft nördlich des Heeresspitals investierten.

Nun gilt es jedoch unter allen Umständen zu verhindern, dass die verfahrene Situation auf Kosten wehrloser Ziesel- und Feldhamster bereinigt wird.

Unterschreiben auch Sie!

Nur ein geeignetes Naturschutzgebiet auf den Flächen am und rund um das Wiener Heeresspital kann sicherstellen, dass die dort ansässigen Ziesel- und Feldhamster-Populationen nachhaltig geschützt sind und ihr Fortbestand nicht aufgrund wirtschaftlicher Interessen gefährdet  ist.

Bitte unterstützen auch Sie, so wie schon 3.900 weitere Menschen, die bedrohten Ziesel und Feldhamster beim Wiener Heeresspital mit Ihrer Unterschrift!

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Große Aufregung herrscht derzeit um ein Schreiben von Stadtrat Michael Ludwig. In dem Brief an Bezirksvorsteher Heinz Lehner lässt der Wohnbaustadtrat keinen Zweifel am unveränderten politischen Willen, den Ziesel- und Feldhamster-Lebensraum nördlich des Wiener Heeresspitals rasch mit fast 1.000 Wohnungen zu verbauen. Die Maßnahmen zum Absiedeln der bedrohten Arten könnten sogar schon in Kürze starten.

Das Papier enthält aber noch weitere brisante Details. So ist nördlich des Heeresspitals schon länger ein möglicher Ziesel- oder Hamsterbestand bekannt, der inzwischen durch eine teilweise Verbauung schwerwiegend in Mitleidenschaft gezogen worden sein könnte!

Meinungsverschiedenheiten in der SPÖ-Floridsdorf?

Der Brief ist Ludwigs Antwort auf einen von der Floridsdofer SPÖ im November 2011 im Floridsdorfer Bezirksparlament eingebrachten Antrag, worin der Wohnbaustadtrat ersucht wird, ein Gutachten zu beauftragen, um die Vereinbarkeit des Schutzes für Ziesel und Feldhamster mit der Errichtung von Wohnungen im Bereich nördlich des Heeresspitals grundsätzlich abzuklären.

Dieser Bitte kam Michael Ludwig, der Bezirksparteiobmann der Floridsdofer Sozialdemokraten, jedoch nicht nach. In seiner Antwort hält er lediglich fest, dass es Ziel des naturschutzrechtlichen Verfahrens sei, „die widmungsgemäße Bebauung unter Einhaltung der artenschutzrechtlichen Bestimmungen voll zu ermöglichen“. Auch das zweite Anliegen seiner Parteikollegen, in den Untersuchungen nicht nur das Gebiet nördlich des Heeresspitals, sondern den gesamten Ziesel-Lebensraum rund um das Heeresspital zu betrachten, blieb unberücksichtigt.

Fragwürdiges Ziel im Naturschutzverfahren

Kann es tatsächlich Ziel eines naturschutzbehördlichen Verfahrens sein, die Lebensraumverbauung streng geschützter Arten „voll zu ermöglichen“? Eine solche „Service-Funktion“ für Bauträger ist weder im Wiener Naturschutzgesetz, noch in der EU-FFH-Richtlinie, vorgesehen.

Wie schon die Bezeichnung nahelegt, ist es Aufgabe eines naturschutzrechtlichen Verfahrens die Vereinbarkeit konkrekter Projektpläne mit den Bestimmungen des Naturschutzgesetzes festzustellen. Die Darstellung im Schreiben bringt wohl eher die Erwartungshaltung des Wohnbaustadtrats bezüglich des Verfahrensausgangs zum Ausdruck und nährt Zweifel, ob das naturschutzrechtliche Verfahren, anders als zugesichert, tatsächlich ergebnisoffen ist.

Ziesel und Hamster bereits in der Vergangenheit zubetoniert?

Aufhorchen lässt der Wohnbaustadt mit der völlig neuen Information, dass nördlich des Heeresspitals schon in der Vergangheit konkrete Hinweise auf die dortige Popoulation von Feldhamstern und/oder Zieseln gefunden wurden.

18 Baue, die jedoch nicht exakt einer der beiden streng geschützten Arten zugeordnet wurden (zur eindeutigen Unterscheidung hätte es des Einsatzes von Spurröhren bedurft), konnten auf einer ca. 1 ha großen Fläche entdeckt werden.

Brisanterweise wurde inzwischen, laut Michael Ludwigs Ausführungen, ein Teil der untersuchten Flächen verbaut! Aus Sicht des Artenschutzes wirft das natürlich drängende Fragen auf:

  • Wurden nördlich des Heeresspitals, trotz der Kenntnis einer Ziesel- oder Feldhamsterkolonie, Bauprojekte ohne ein naturschutzrechtliches Verfahren durchgeführt?
  • Was passierte konkret mit den betroffenen Tieren?
  • Welche Maßnahmen wurden zu deren Schutz gesetzt?
  • Wurden die 18 gefundenen Baue in der Folge näher untersucht?
  • In welcher Form floss deren Kenntnis in die Planungen für das beabsichtigte Großprojekt nördlich des Heeresspitals ein?

Ausgleichsflächen? Welche Ausgleichsflächen?

Unklar ist, auf welche Ausgleichsflächen das Papier konkret Bezug nimmt, denn die in 2011 im Rahmen der Ziesel-Kartierung identifizierten Ersatzflächen eignen sich nur im Hinblick auf eine mögliche landwirtschaftliche Nutzung. Hinsichtlich des Bauprojekts sind diese Flächen zu einem großen Teil jedoch nicht von Relevanz, liegen sie doch inmitten der Großbaustelle oder grenzen unmittelbar daran an. Noch viele weitere Gründe sprechen gegen die Verwendung als Ausgleichsflächen.

Da es seit der letzten Kartierung keine großen tektonischen Umwälzungen rund um das Wiener Heeresspital gab, ist also noch immer davon auszugehen, dass für die angestrebte Großverbauung kein genügend großer Ersatzlebensraum zum Schutz der Ziesel und Feldhamster zur Verfügung steht.

Unverändert keine Prüfung von Alternativen

Das geplante Großwohnbauprojekt nördlich des Heeresspitals erstreckt sich zum Teil auch auf das Areal des Heeresspitals. Daher war bereits zum Widmungszeitpunkt klar, dass sich das Vorhaben mit dem dort längst bekannten, dichten Zieselvorkommen überschneidet. Doch statt im Rahmen einer Umweltprüfung das tatsächliche Ausmaß der Ziesel-Population abzuklären und mögliche Alternativen zu prüfen, wurden die streng geschützten Tiere in der Widmung nicht berücksichtigt.

Aber auch jetzt, wo eines der größten Ziesel-Vorkommen Österreichs publik und in vollem Umfang erfasst ist, werden offensichtlich keine Alternativen diskussiert, um den massiv vom Aussterben bedrohten Tieren eine riskante Übersiedelung auf Ausgleichsflächen zu ersparen.

Man darf also gespannt sein, wie die Wiener Behörden gegenüber der europäischen Kommision argumentieren werden. Das unbeirrt lineare Vorgehen um Wohnungen im Habitat einer längst bekannten Relikt-Zieselkolonie zu errichten, wird wohl Befremden hervorrufen.

Überwiegendes öffentliches Interesse genau dort beim Wiener Heeresspital Wohnungen zu bauen, besteht jedenfalls nicht. Vom Standpunkt öffentlichen Interesses kann nur der Schutz der massiv vom Aussterben bedrohten Ziesel und der ebenfalls gefährdeten Feldhamster Vorrang haben.

Unterschreiben Sie für ein Naturschutzgebiet!

Nur ein geeignetes Naturschutzgebiet auf den Flächen am und rund um das Wiener Heeresspital kann sicherstellen, dass die dort ansässigen Ziesel- und Feldhamsterpopulationen nachhaltig geschützt sind.

Setzen auch Sie, so wie schon mehr als 3.600 weitere Menschen, ein Zeichen für wirksamem Artenschutz, abseits von Hochglanzprospekten und Konferenztischen. Bitte unterstützen Sie die bedrohten Arten beim Wiener Heeresspital mit Ihrer Unterschrift!

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