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Ziesel-noerdlich-Heeresspital-Wien-April-2015

Bravo, tapfere Ziesel !

Ihr Vorkommen nördlich des Wiener Heeresspitals hat im 12-Monatsvergleich abermals deutlich zugelegt (plus 8,3 Prozent). Besonders am westlichen Rand, wo man die streng geschützten Nager besser heute als morgen loswerden will, um endlich bauen zu können.

Auf den Ausgleichsflächen brach der Bestand hingegen nahezu völlig zusammen (minus 71 Prozent). Ganze zwei Baue waren dort eventuell von Zieseln bewohnt. Diese ernüchternden Fakten mussten die Bauträger zuletzt an die Naturschutzbehörde MA 22 berichten [1, 2].

Angesichts des totalen Umsiedlungsfiaskos erhöhte man nun – vor den Augen der tatenlos zusehenden MA 22 – den Druck auf die wehrlosen Ziesel. Die zum Erhalt ihres Lebensraums notwendige Mahd wurde in noch weit größerem Ausmaß eingestellt. Um den ohnehin streichelweichen Bescheid von 2013 [4], laut dem die Pflege der Projektfläche erst dann unterbleiben darf, wenn die Akzeptanz der Ausgleichsflächen nachgewiesen ist [5], muss sich offenbar endgültig niemand mehr kümmern.

Wie jetzt zudem bekannt wurde, befinden sich Flächen nördlich des Heeresspitals im Eigentum der Stadt Wien. Doch selbst dort will die Stadt nicht mähen lassen, um so wenigstens auf öffentlichem Gut Ziesel-und Naturschutz durchzusetzen. Einen einstimmigen Antrag des Bezirksparlaments Floridsdorf wies die zuständige Stadträtin Ulli Sima zurück [3]. Die Flächen befänden sich im “physischen Besitz” der Bauträger, so das Ohnmachtseingeständnis der selbsternannten “starken Stimme für aktive Umweltpolitik” in Wien.

Jetzt gilt’s! Auf zum Ziesel-Wisch‘n am 30. Mai!

Setzen Sie ein Zeichen von Solidarität mit den tapferen Zieseln beim Heeresspital und kommen Sie zum Stammersdorfer Ziesel-Wisch’n !

Gemeinsam wollen wir öffentliche Flächen rund um den Lebensraum der streng geschützten Tiere von Müll und Unrat befreien. Denn Wind und Besucher haben dort auch im letzten Jahr wieder unschöne Spuren hinterlassen.

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal lädt alle Zieselfreunde herzlich ein, mitzumachen. Müllsäcke und Handschuhe werden von uns zur Verfügung gestellt. Vielleicht treffen wir auch das eine oder andere Ziesel?

Nach getaner Arbeit ist für Ihr leibliches Wohl wieder bestens gesorgt! Auf jeden Teilnehmer wartet außerdem eine kleine Überraschung.

Datum: Samstag, 30. Mai 2015 (bei jedem Wetter)

Beginn: 15:00 Uhr

Treffpunkt: 1210 Wien, Johann-Orth-Platz [Link zum Stadtplan]

Mitzubringen ist wie immer nur gute Laune! Wir freuen uns auf Ihr Kommen !


Quellennachweise

[1] Bericht ökologische Aufsicht 14. April 2015 [Download]

[2] Bericht ökologische Aufsicht 08. April 2014 [Download]

[3] Antragszurückweisung von Stadträtin Sima, November 2014 [Download]

[4] Bescheid MA 22 – 593/2012, April 2013 [Download]

[5] Beilage 1 zu Bescheid MA 22 – 593/2012 [Download]

Zieselaktionsplan Wien lehrt Ziesel das Fürchten – Bürgerinitiative antwortet mit Informationsoffensive

Die in Sachen Naturschutz seit vielen Jahren auf Tauchstation befindliche Wiener Umweltschutzbehörde MA 22 gab nun doch wieder ein Lebenszeichen von sich und zwar in Form des „Zieselaktionsplan Wien“.

Doch darauf hätte jene Tierart, die in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste rangiert, wohl gerne verzichtet. Denn ohne rechtliche Basis soll künftig de facto zwischen schützenswerten und wenig schützenswerten Ziesel-Vorkommen unterschieden werden.

Für letztere wird, anstatt um deren Erhalt zu kämpfen, auch gleich ein uneingeschränkter Persilschein zum Setzen von „Ausgleichsmaßnahmen“ erteilt. Womit der profitablen Verwertung letzter ökologisch wertvoller Lebensräume durch multinationale Konzerne nichts mehr im Weg steht. Die Wiener Ziesel steuern hingegen auf eine vorprogrammierte Katastrophe zu.

Freie Bahn beim Heeresspital dank “teilweise mäßiger Prognose“

Wenig überraschend und wohl zur Freude der politisch bestens vernetzten Baulobby, ordnet der Aktionsplan die Ziesel beim Heeresspital unter die wenig schützenswerten Vorkommen ein und befindet eine „teilweise mäßige Prognose“.

Dabei zeigt das Vorkommen beim Heeresspital – trotz eiskaltem Gegenwind von Seiten der Stadtregierung und totalem Umsiedlungsflop – seit 2011 ein starkes, stetiges Wachstum! Nicht zuletzt durch konsequente Untätigkeit der Behörde kam es überhaupt so weit, dass man beim Heeresspital irrwitzige Millionenbeträge investierte und die Flächenwidmung, ohne Rücksicht auf das damals bereits amtsbekannte Habitat, festgesetzt wurde.

Es ist zu befürchten, dass sich die “mäßige Prognose” mit Erlöschen der Heeresspital-Population (mit fast 1.000 Tieren eine der letzten großen in Österreich) als selbst erfüllende Prophezeihung erweisen wird und bald unverhohlen und in aller Freundschaft die Planungen für das riesige Areal innerhalb und rund um das Heeresspital publik gemacht werden. Ein feiner, unverkennbarer Geruch von Profit weht schon jetzt am nördlichen Wiener Stadtrand.

Benötigt MA 22 Auffrischung im Naturschutzgesetz?

Selbst korrektes Zitieren und Interpretieren des Wiener Naturschutzgesetzes wollte im Zieselaktionsplan nicht so recht gelingen. Anders als darin dargestellt, dürfen Ziesel selbstverständlich auch außerhalb der Fortpflanzungszeiten nicht absichtlich gestört werden.

Mit einem anderen Detail werden die Leser des Aktionsplans erst gar nicht belastet: Ausnahmegenehmigungen zum Artenschutz dürfen nach den Buchstaben des Gesetzes nämlich nur dann erteilt werden, wenn der Erhaltungszustand der Art in Wien günstig bleibt.

Was im Fall der Ziesel klarerweise nicht zutrifft. Nach aktuellen Erhebungen des Umweltbundesamtes hat sich der ohnehin schon misserable Erhaltungszustand des Ziesels in Österreich sogar noch weiter verschlechtert. Wenn also die MA 22 vorab grünes Licht für Ausgleichsmaßnahmen bei wenig schützenwerten Ziesel-Vorkommen signalisiert, zeugt dies jedenfalls von beachtlich kreativer Auslegung eines eigentlich klaren Gesetzestextes.

Zur Erinnerung: Selbst die jubelumwobene „sanfte Ziesel-Umlenkung“ beim Heeresspital, die sich als völliger Fehlschlag entpuppte, oder das Einfangen zu wissenschaftlichen Zwecken kamen nicht ohne Ausnahmebescheid aus. Offensiveres Vorgehen bedarf daher sicher eines solchen.

Wien isoliert sich im Ziesel-Schutz

Weniger ideenreich gibt sich die Behörde hingegen bei konkreten Vorhaben zum Schutz der Ziesel. Hier wird mit völlig unverbindlichen Formulierungen die bisherige zahnlose Praxis in Beton gegossen und nirgendwo angeeckt. Offenbar hat die Vermeidung von Konflikten mit anderen Ressorts der Stadtverwaltung und der Bauwirtschaft oberste Priorität.

Bereits 2013 hat die Europäische Kommission, die mittlerweile der Wiener Behörde rund um die eigenartigen Vorgänge beim Heeresspital genau auf die Finger sieht, einen mustergültigen europäischen Zieselaktionsplan initiiert.

Wien kocht aber auf Kosten der Steuerzahler lieber seine eigene Suppe. Das ist kaum verwunderlich, denn während die Kommission die Stabilisierung aller Ziesel-Vorkommen zum obersten Ziel erklärt, will die selbsternannte Hauptstadt des Tierschutzes fortan Begehrlichkeiten im Weg stehende Lebensräume verschwinden lassen.

Informationsoffensive der IGL-Marchfeldkanal startet

Vor diesem Hintergrund braucht es dringend Positivmaßnahmen um die besondere Bedeutung und die beindruckende Vielfalt des ökologischen Paradieses beim Heeresspital im Norden Wiens am Marchfeldkanal einer breiten Öffentlichkeit vor Augen zu führen.

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal startet daher eine breit angelegte Informationsoffensive. Unser erstes Angebot richtet sich in Form von fachkundigen Führungen an Wiener Schulen.

Nähere Informationen zu den Führungen finden sich hier

Details zu allen weiteren Veranstaltungen gibt es schon in Kürze!

Naturschutzgebiet statt Ziesel-Deals im Hinterzimmer

Angesichts der zwei Millionen Quadratmeter Bauland, die sich im Eigentum der Stadt Wien befinden, gibt es keinen vernünftigen Grund beim Heeresspital noch mehr Zeit und Geld an einem Standort zu verschwenden, wo auch in Zukunft nicht gebaut werden kann und darf. Durch einen simplen Grundstückstausch könnte die Stadt Wien Fehler der Vergangenheit korrigieren, involvierte Bau- und Finanzkonzerne von ihrer Misere erlösen und die drohende juristische Auseinandersetzung mit der EU-Kommission abwenden.

Naturschutz ist keinesfalls verhandelbar. Daher erteilt die IGL-Marchfeldkanal Mauscheleien in Nobellokalen, gemeinsamer Sache mit PR-Agenturen und ungustiösen Deals mit der Bauwirtwirtschaft kategorisch eine Absage.

Vielmehr werden wir gemeinsam mit unseren Unterstützern weiterhin kompromisslos für ein Naturschutzgebiet beim Heeresspital und die lückenlose Einhaltung der Naturschutzgesetze kämpfen!

Bestandsentwicklung des Ziesel-Vorkommens nördlich des Wiener Heeresspitals seit 2011

Zur Ziesel-Population nördlich des Wiener Heeresspitals liegen neue offizielle Zahlen vor. Demnach ist der Bestand gegenüber dem Vorjahr um enorme 41 Prozent angewachsen. Unverändert ist weiterhin nahezu das gesamte Areal von den bedrohten Nagern besiedelt.

Trotz dieser sehr erfreulichen Entwicklung, besteht, angesichts des scharfen Gegenwinds, weiterhin massiv Grund zur Sorge. Denn schon 2015 sollen erste Bauprojekte im derzeitigen Habitat der streng geschützten Tierart starten.

Weder die Wiener Behörden, noch die involvierten Bauträger nehmen zur Kenntnis, dass die Absiedlung der Ziesel auf sogenannte Ausgleichsflächen ein völliger Fehlschlag ist. Beharrlich vermitteln sie weiter das Bild, wonach die Umlenkung erfolgreich verlaufe und erste Teilflächen bereits “zieselfrei” wären. Der aktuelle ökologische Bericht der Bauträger an die MA 22 belegt allerdings, dass die Realität im krassen Widerspruch zu den ventilierten Wunschvorstellungen steht.

Umweltstadträtin Sima reagiert auf Besitzstörung durch Bauträger

Auch auf der juristischen Front läuft es für die Bauträger nicht gut. Eine Verurteilung in erster Instanz wegen Besitzstörung ist mittlerweile rechtskräftig (Bezirksgericht Wien 21, Aktenzahl 28 C 712/14f – 6). Wie berichtet, liegt den Projektbetreibern zur Nutzung einer der eingereichten Ausgleichsflächen nicht das Einverständnis aller Grundeigentümer vor.

Dies veranlasste die zuständige, in der Ziesel-Causa jedoch befremdlich schweigsame, Stadträtin Ulli Sima zu einer bemerkenswerten Feststellung:

“Wenn er keine Ausgleichsflächen hat, wo die Ziesel hinwandern können, dann wird es keine Möglichkeit geben zu bauen, weil die Bescheidauflagen nicht erfüllt sind”.

Folgt man ihrer Aussage, müsste damit das Bauprojekt beim Heeresspital endgültig gestorben sein. Ob Simas klare Worte tatsächlich das nötige Gewicht haben, muss sich allerdings erst zeigen.

MA22 spricht Ziesel-Population die Überlebensfähigkeit ab

Das fortlaufende Monitoring durch die Ziesel-Expertin Dr. Ilse Hoffmann, Universität Wien, belegt schwarz auf weiß: Auch 2014 hat sich das Anwachsen der Ziesel-Population nördlich des Heeresspitals fortgesetzt.

  • Gegenüber dem Vorjahr wuchs die Population von 205 auf 289 genutzte Bausysteme an.
  • Im Vergleich zur ersten Erhebung im Jahr 2011 hat sich die Anzahl der genutzten Bausysteme sogar mehr als verdoppelt (+128 Prozent)!

Dieser eindeutig erkennbare Trend widerspricht der fragwürdigen Einschätzung der Wiener Naturschutzbehörde, die von einem ihrer Juristen im Umweltausschuss des Bezirksparlaments Floridsdorf dargelegt wurde.

Die MA22 geht davon aus, dass das Vorkommen beim Heeresspital langfristig nicht überlebensfähig ist und will ihre angeblichen Aktivitäten auf den Bisamberg konzentrieren. Der von EU-Kommission initiierte Ziesel-Aktionsplan, der angesichts anhaltender europaweiter Bestandsrückgänge die Absicherung aller bestehenden Populationen zum vorrangigen Ziel hat, kümmert die Behörde offenbar gar nicht.

Neueste wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch: Stimmen die Umweltfaktoren, sind schon Vorkommen ab 300 Individuen überlebensfähig. Präsentiert wurde das Forschungsergebnis, das von Dr. Hoffmann auch im neuen Bericht zitiert wird, auf der diesjährigen, von der Universität Wien organisierten EGSM-Konferenz.

Die Veranstalter durften sich übrigens über ein Sponsoring durch die MA 22 freuen. Ob die Behörde im Gegenzug auch die neuen Zahlen zur Größe lebensfähiger Ziesel-Populationen zur Kenntnis nimmt?

Aufregung um Rasenmäh-Prozesse

Tony Rei, Madeleine Petrovic und Udo Guggenbichler beim Sensen des verbrachenden Ziesel-Habitats nördlich des Wiener HeeresspitalsIm Juli dieses Jahres hat ein Team engagierter Naturschützer unter Anleitung des prominenten Starmagiers Tony Rei, der Obmann der Wiener Naturwacht ist, einen Teil des verbrachenden Areals nördlich des Heeresspitals gemäht. Tony Rei ist beeidetes Naturschutzorgan der Stadt Wien und hat in dieser Funktion den Ziesel-Bescheid der Stadt Wien an die Bauträger mit Sensen und Heugabeln umgesetzt. Der Bescheid besagt, dass die Projektfläche solange zu pflegen ist, als nicht mindestens die Ausgleichsflächen von gleich viel Zieseln besiedelt sind wie die Projektflächen. Da die Ziesel kurze steppenartige Grasvegetation als Lebensraum benötigen, war für die Tiere und ihr Habitat Gefahr im Verzug.

Zum “Dank” wurden neben Tony Rei, die Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins, Dr. Madeleine Petrovic (Die Grünen), der stellvertretende Vorsitzende des Umweltausschusses im Wiener Gemeinderat, Ing. Udo Guggenbichler (FPÖ) und weitere Personen von den Bauträgern wegen Besitzstörung und auf Schadensfestellung verklagt.

Amtlicher Dienstausweis und Dienstabzeichen von Tony Rei, dem Obmann der Wiener NaturwachtWie Kronen Zeitung und andere Medien berichten, nahm jedoch der Prozess gegen Tony Rei schon am ersten Verhandlungstag eine überraschende Wende. Das Gericht will sich nämlich davon überzeugen, dass der Naturwacht-Obmann tatsächlich amtliches Naturschutzorgan ist. Gelangt es zu dieser Erkenntnis, dann müssten die Bauträger eine Amtshaftungsklage gegen die Stadt Wien anstrengen. Über die laut Wiener Naturschutzgesetz für ein Naturschutzorgan formal erforderlichen Voraussetzungen, Dienstausweis und -abzeichen, verfügt Tony Rei jedenfalls.

Aufgrund der speziellen Eigentumsverhältnisse des Bauträger Kabelwerks, wäre damit schon das nächste bizarre Theater vorprogrammiert. Denn neben der STRABAG, ist u.a. auch die Stadt Wien am Kabelwerk beteiligt. Ein Großauftragsnehmer der Stadt Wien und die Stadt Wien selbst, verklagen die Stadt Wien.

Stadt Wien muss endlich handeln !

In Anbetracht der immer skurriler werdenden Sachlage und der von der EU unverändert drohenden Millionenstrafe, sollte die Stadt Wien nun endlich die Reißleine ziehen und den Bauträgern ein Ersatzgrundstück zur Verfügung stellen. Immerhin stehen immense 2 Mio. m2 an Bauland im Besitz der Gemeinde.

Durch Festsetzung des vom Bezirksparlament Floridsdorf eingeforderten Naturschutzgebiets rund um das Heeresspital würde auch der Fortbestand des Ziesel-Vorkommens nachhaltig gesichert werden.

Quellenangaben

[1] Bericht ökologische Aufsicht 15.10.2014 (Download)

[2] Bericht ökologische Aufsicht 09.10.2013 (Download)

[3] Bericht ökologische Aufsicht 18.10.2012 (Download)

[4] Artenkartierung Europäisches Ziesel und Feldhamster in Wien 21, September 2011 (Download)

[5] Wortprotokoll, Sitzung Wiener Gemeinderat vom 25. September 2014 (Download)

[6] ĆOSIĆ N, I JARIĆ & D ĆIROVIĆ: Minimum viable population size for the European ground squirrel (Download)

Paukenschlag in der Ziesel-Causa: Am 3.9.2014 wurden die Bauträger am Bezirksgericht Floridsdorf wegen Besitzstörung verurteilt (Anm: Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig).

Auf einem Grundstück, das sie als Ausgleichsfläche für die Ziesel-Umsiedlung eingereicht hatten, wurden in ihrem Auftrag sogenannte Initialröhren zum Weglocken der Ziesel von der Projektfläche gebohrt. Zur Nutzung der Liegenschaft liegt jedoch nicht das Einverständnis aller Eigentümer vor.

Das Gericht ordnete an, binnen 14 Tagen den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Dies droht jedoch extrem schwierig werden, denn mittlerweile könnte mindestens eine dieser Röhren von Zieseln bezogen sein. Trifft dies zu, würden Beschädigungen der neuen Ziesel-Baue gegen das Wiener Naturschutzgesetz verstoßen und es wäre eine entsprechende Ausnahmebewilligung zu beantragen.

Offiziell steht nun auch fest, dass die Erfolgschancen der Lenkungsmaßnahmen praktisch Null sind. Denn in einem neuen Bericht an die MA 22 führt Ziesel-Expertin Ilse Hoffmann aus, dass die vollständige Evakuierung der Ziesel von der Projektfläche nördlich des Heerspitals “unmöglich” erscheint.

Auch bestätigte die Forscherin zuletzt auf Facebook, dass die bestehende Projektfläche besser als Ziesel-Lebensraum geeignet ist als die Ausgleichsflächen. Sie widerspricht damit ihren Auftraggebern, die stets behaupten, sie hätten “geeignetere” Habitate geschaffen.

Indes berichtet ein leitender Journalist einer führenden österreichischen Tageszeitung auf Twitter , dass es einen “interessanten” Interventionsversuch zu den Zieseln (Link zum Tweet)  gegeben hat. Stehen derartige Interventionen bei anderen Stellen, die weniger Gegenwehr leisten, an der Tagesordnung? Zur Erinnerung: Aufgrund seiner Beteiligung am Kabelwerk, tritt Wien beim Heeresspital in Doppelfunktion als Bauträger und Naturschutzbehörde auf.

Die einst so penetrant bejubelten Ziesel-Lenkungsmaßnahmen sind also implodiert. Aufgrund der neuen Entwicklungen scheint klar: Weder Ausmaß noch Qualität der Ausgleichsflächen ist adäquat. Trotzdem geht der aussichtslose Eingriff in das geschützte Habitat weiter.

Daher sind die Behörde und die zuständige Stadträtin Ulli Sima gefordert, endlich ihr unerträgliches Schweigen zu brechen und energisch den Schutz jener Tierart durchzusetzen, die in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste steht. Wenn schon nicht aus Liebe zum Naturschutz, dann wenigsten zur Schonung der österreichischen Steuerzahler. Denn sollte es zu einer Verurteilung vor dem EuGH kommen, steht Österreichs Steuerzahlern wegen der Ziesel eine saftige Millionenstrafe in Haus.

Ausgleichsflächen-Konstrukt bricht zusammen

ziesel-ausgleichsflaechen-noerdlich-wiener-heeresspital-20120926Aufgrund der festgestellten Besitzstörung, steht die jenseits des Marchfeldkanals gelegene und für die Ziesel-Umsiedlung bedeutsame, als A8 bezeichnete, Ausgleichsfläche (siehe Plan) nun offenbar nicht mehr zur Verfügung. Deswegen ist auch die angrenzende A7 nicht mehr erreichbar, denn dazu müssten die “freiwillig” abwandernden Tiere genau jene A8 durchqueren.

Freilich ist bislang nicht nachgewiesen, dass jemals ein von der Projektfläche stammendes Ziesel die Brücke über den Marchfeldkanal überquert hätte.

Folgt man den ohnehin wohlwollenden Ausführungen des Amtssachverständigen der Naturschutzbehörde (Quelle: Download), stehen in Summe mit A2 und A3 nunmehr bloß 8.685 m2 an uneingeschränkt geeignetem Ersatzlebensraum zur Verfügung. Die anderen verbliebenen Teilflächen, darunter die Böschungen des Marchfeldkanals, bewertete der behördliche Gutachter lediglich als „bedingt geeignet“.

Zum Vergleich: Das Feld nördlich des Heeresspitals, von wo man die Ziesel vertreiben will, ist rund 74.000 m2 oder mehr als achtmal so groß.

Weiteres spannendes Detail: Im Zuge des behördlichen Bewilligungsverfahrens musste A8 von den Bauträgern nachgereicht werden, weil mit A2 bis A7 insgesamt nicht genug an geeigneter Ersatzsatzfläche zur Verfügung gestanden wäre.

Expertin der Bauträger: Evakuierung der Projektfläche „unmöglich“

In einem brandaktuellen Bericht (Quelle: Download) an die Naturschutzbehörde äußert die von den Bauträgern mit der Ziesel-Umlenkung beauftrage Expertin Dr. Ilse Hoffmann massive Zweifel am Gelingen des Vorhabens:

„Das Missverhältnis zwischen der Anzahl kartierter Baue und markierter Individuen lässt auf eine ausgeprägte Fangscheu der ansässigen Ziesel schließen, die eine vollständige Evakuierung der Projektfläche durch Einfangen und Umsiedeln unmöglich erscheinen lässt.“

Was bislang nur hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen wurde, liegt also erstmals auf Papier vor. Eine der landesweit letzten großen Ziesel-Populationen wird einem möglichen Risiko ausgesetzt, ohne dass reale Chancen auf Erfolg bestehen.

Ilse Hoffmann vs. Bauträger: Projektfläche besser als Ausgleichsflächen

Die mit bloßem Auge erkennbare, gegenüber dem heutigen Ziesel-Lebensraum schlechtere Qualität der Ausgleichsflächen, wird von Ilse Hoffmann auf Facebook ebenso bestätigt:

„Der gemähte Teil der Projektfläche ist derzeit besser als Ziesellebensraum geeignet als die Ausgleichsflächen.“

Die profunde Aussage der anerkannten Forscherin konterkariert damit die Beteuerungen ihrer Auftraggeber. Diese behaupten, man habe „für die Zieselpopulation geeignetere Habitate geschaffen“.

Wie bereits berichtet, wächst die Ziesel-Population nördlich des Heeresspitals unvermindert an, während bis dato kein Nachweis für Abwanderungen von der Projektfläche vorliegt. Ein Umstand, der die enorme Diskrepanz zwischen den Aussagen der Expertin und den Bauträgern zusätzlich untermauert.

Besiedelte Zieselröhre als Fallstrick für Wiederherstellung?

Das Gericht ordnete an, dass auf jenem Grundstück (A8), wo die durch die Bauträger getätigte Besitzstörung festgestellt wurde, binnen 14 Tagen wieder der ursprüngliche Zustand hergestellt werden müsse.

Das könnte in der Realität aber äußerst schwierig werden. Denn bereits im Juli 2014 teilte Ilse Hoffmann im Rahmen ihrer regelmäßigen Berichte der Naturschutzbehörde mit:

„Bei je einer neuen Öffnung auf A7 und A8 handelte es sich um offensichtlich von Zieseln erweiterte Initialröhren.“

(Quelle: Download)

Zweck der im Mai 2014 hergestellten Initialröhren war es, Ziesel zum Anlegen ihrer Baue zu motivieren. Mindestens eines der künstlichen Löcher auf A8 könnte nun tatsächlich von einem Ziesel besiedelt worden sein.

Der Nachweis, dass besagte oder weitere Röhren doch nicht Teil eines Ziesel-Baues sind, könnte sich allerdings schwierig gestalten. Denn zu dieser Jahreszeit haben bereits erste Tiere ihren bis zu acht Monate dauernden Winterschlaf angetreten.

Das Wiener Naturschutzgesetz untersagt für streng geschützte Arten, wie es das Ziesel ist, „jede Beschädigung oder Vernichtung der Fortpflanzungs- oder Ruhestätten“.

Somit dürfen also nur jene Röhren verschlossen werden, wo mit Sicherheit auszuschließen ist, dass sie Teil einer Fortpflanzungs- oder Ruhestätten sind. In allen anderen Fällen ist das Ansuchen um eine Ausnahmebewilligung nach dem Wiener Naturschutzgesetz unumgänglich.

Naturschutzgebiet für Ziesel jetzt!

Warnende Stimmen bezweifelten das Gelingen der Ziesel-Umlenkung von Anfang an. Nun stehen die „Umweltmusterstadt“ Wien und seine schweigsamen Behörden vor den Trümmern des praktisch gescheiterten Plans.

Obwohl beim Heeresspital ein dichtes Ziesel-Vorkommen schon vor Ankauf der Projektfläche amtsbekannt war und die Stadt über zwei Millionen Quadratmeter an Bauland besitzt, soll das absurde Theater weitergehen. In das Vorhaben fließen also weiter massiv Zeit und Geld, die im Wiener Wohnbau wohl anderwärtig besser investiert wären.

Die Europäische Kommission hat im Vorjahr die Wiener Ziesel-Causa aufgegriffen. Für den Fall einer Verurteilung vor dem EuGH, drohen der Republik Österreich und ihren Steuerzahlern eine hohe zweistellige Millionenstrafe und teure Wiederansiedelungsprogramme.

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal unterstützt daher die Forderungen des Bezirksparlaments Floridsdorf:

  • Realisierung des Bauprojekts nördlich des Heeresspitals an einem anderen Standort.
  • Festsetzung eines Naturschutzgebietes auf den Grünflächen innerhalb und umliegend des Heeresspitals zum nachhaltigen Schutz der Ziesel.

Rote Farte für rücksichtslose Lebensraumzerstörung bei der Ziesel-Wanderung, Heeresspital Wien, 15. Juni 2014

Das Ziesel-Vorkommen nördlich des Wiener Heeresspitals, das einem profitablen Bauprojekt weichen soll, ist erneut deutlich angewachsen. Erstmals ist nun auch klipp und klar nachgewiesen, dass die herbeigeredete Abwanderung nicht stattfindet. Die streng geschützten Tiere wandern lieber in die Projektfläche hinein.

Freilich sind diese, an sich erfreulichen, Fakten nicht aufopfernden Pflegemaßnahmen der Bauträger zu verdanken. Und schon gar nicht den zuständigen Behörden. Denn seit heuer wird rund die Hälfte des Areals vorsätzlich nicht mehr gemäht, wodurch für die Ziesel ein Anreiz zum Abwandern gesetzt werden sollte.

Obwohl die Projektbetreiber kraft eines gültigen Bescheids zur regelmäßigen Mahd des Lebensraums verpflichtet wären, werden die Wiener Behörden nicht aktiv. Es scheint als praktiziere man, vielleicht aus Rücksicht auf höhere Interessen, lieber Artenschutz-Mikado, dessen Motto da laute könnte: „Wer sich bewegt, hat verloren.“

Zuletzt haben im Juni rund 400 besorgte Bürger und zahlreiche lokale Politiker gegen die drohende teilweise Lebensraumzerstörung einer der letzten großen Ziesel-Vorkommen Österreichs protestiert und den Verantwortlichen energisch die rote Karte gezeigt. Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal dankt sehr herzlich für die zahlreiche Teilnahme!

Für besonderes Aufsehen sorgte die Ansprache des Gemeinderats und Umweltsprecher der Wiener Grünen, Rüdiger Maresch. Er kündigte an, die Einrichtung eines Naturdenkmals beim Heeresspital zum Schutz der Ziesel sei Thema in Verhandlungen für eine Fortsetzung der Rot/Grünen-Koalition nach der nächsten Wiener Wahl (Link zum Video).

Aber schon jetzt müssen seiner Botschaft dringend Taten folgen! Denn sollte der Wiener Ziesel-Skandal nicht bald ein für die Tiere glückliches Ende finden, droht den österreichischen Steuerzahlern enormes Ungemach. Eine Verurteilung durch den EuGH hätte eine hohe Millionenstrafe und sündteure Wiederansiedelungs-Programme zur Folge. Anders als in der Hypo-Causa, stünden die Verantwortlichen auch ohne Untersuchungsausschuss schon jetzt fest.

Massiver Absiedlungs-Flop nun Schwarz auf Weiß !

Bericht der ökologischen Baufsicht vom Juli 2014 an die MA 22Noch kann die Ziesel-Population beim Heeresspital, entgegen der intensiven Bemühungen der Bauträger und ihrer Auftragsexperten, der Umlenkungsmaschinerie trotzen. In einem aktuellen Bericht an die Naturschutzbehörde musste man das erneute Anwachsen des Vorkommens eingestehen:

„Im Vergleich zum Maximalbestand 2013 (Quartalsbericht Jänner 2014: Tab. 1) entspricht dies einem Populationswachstum von insgesamt 6%.“

Ausgewertete Bewegungsdaten von Fang und Wiederfang markierter Zieseln zeigen ebenso ein eindeutiges Bild. Die Tiere wandern weiterhin in die Projektfläche hinein, während umgekehrt kein Nachweis für die Abwanderung auch nur eines einzigen Ziesels existiert.

„Dies weist auf Ortstreue und Langlebigkeit vor allem der männlichen Ziesel auf der Projektfläche hin. Was die in sechs Fällen nach Westen (Anm: in das Bauland) tendierende Verlagerung der individuellen Fangorte betrifft  …“

Download des Berichts der Bauträger vom Juli 2014 an die MA 22

Notwendige Fanggenehmigung im Juni 2104 abgelaufen !

Das absurde Theater am Marchfeldkanal ist zudem um eine Facette reicher. Den Bauträgern ist das Fangen und Markieren von Zieseln nicht mehr möglich, denn die dafür notwendige behördliche Erlaubnis war nur bis zum 30. Juni 2014 erteilt.

Um überhaupt Lenkungsmaßnahmen beginnen zu können, bedarf es der nachgewiesenen Akzeptanz der Ausgleichsflächen durch die Ziesel. Dazu müssten dort aber vom Feld nördlich des Heeresspitals stammende Tiere wiedergefangen werden – was nun mangels Genehmigung grob gegen das Wiener Naturschutzgesetz verstoßen würde.

Fortan muss also die Expertin der Uni Wien, Dr. Ilse Hoffmann, Wanderungen der Ziesel mit anderen Methoden belegen. Ob sie dabei auch auf Befragungen von Tieren mittels Imitierung ihrer Pfeiflaute zurückgreift, ist vorerst nicht bestätigt.

“Teilweise Bescheid-Konsumation” als zweifelhafte Rechtfertigung

Ebenso eigenartig erscheint die auf der Facebook-Seite „Rettet die Ziesel“ gegebene Rechtfertigung der Forscherin, warum die Mahd auf der halben Projektfläche unterbleibt. Dies gehe für ihre Auftraggeber in Ordnung, da man den Bescheid der Naturschutzbehörde nur teilweise konsumiere.

 Ilse Hoffmann auf Facebook am 25-Juli-2014

Warum es allerdings in einem funktionierenden Rechtsstaat möglich sein sollte, aus einem behördlichen Bescheid zwar sämtliche erteilten Rechte zu konsumieren, ohne dabei alle auferlegten Pflichten zu erfüllen, lässt Frau Hoffmann vielsagend offen:

 Ilse Hoffmann auf Facebook am 25-Juli-2014

Zur Erinnerung: Die Naturschutzbehörde gab die Umlenkung der Ziesel nur unter der Auflage frei, dass diese gemäß den eingereichten Unterlagen durchgeführt wird. Die Einreichung sah jedoch vor, erst dann die Mahd einzustellen, wenn die Akzeptanz der Ausgleichflächen durch die Ziesel nachgewiesen ist. Bekanntlich existiert dafür bis dato kein Beleg.

Zaudernde Umweltanwaltschaft sieht keine rechtliche Handhabe

Brief der WUA Umweltanwaltschaft 2014-05-26 an den Floridsdorfer BezirksvorsteherTrotz Aufforderungen vom Floridsdorfer Bezirksparlament und von Bürgern verharren MA22 und Wiener Umweltanwaltschaft in selbst auferlegter Tatenlosigkeit.

In einem Brief an den Floridsdorfer Bezirksvorsteher führt die Wiener Umweltanwältin aus, „keine ausreichende Grundlage“ zur Durchsetzung der zieselgerechten Pflege des Feldes nördlich des Heeresspitals zu sehen.

Anders als ihr Name vermuten lässt, geht die Umweltanwaltschaft Naturschutz-Konflikten offenbar lieber aus dem Weg. Das Schreiben der Wiener Umweltanwaltschaft steht hier zum Download.

Dabei wäre für die zaudernde Behörde gewichtige Rückdeckung gegeben. Denn wiederum auf Facebook hält Ilse Hoffmann nämlich fest:

„aus Sicht der Ziesel wäre eine zieselgerechte Pflege naturgemäß wünschenswert“

Wiener Grüne: Naturdenkmal für Ziesel ist Thema in Koalitionsverhandlungen

http://www.youtube.com/watch?v=wviKIkfnDeI

Schon mit Bekanntwerden der gefährdeten Ziesel-Population beim Heeresspital hat sich die Mehrheit der Wiener und der lokalen Floridsdorfer politischen Kräfte für den Schutz der Tiere stark gemacht. FPÖ, ÖVP und Junge ÖVP, NEOS sowie das Floridsdorfer WIFF unterstützen mit zahlreichen Initiativen

Ebenso traten die Floridsdorfer Grünen von Beginn an energisch für den vollständigen Erhalt des bedrohten Ziesel-Lebensraums ein.

Nun hat sich auch erstmals der Umweltsprecher der Wiener Grünen, Gemeinderat Rüdiger Maresch, mit deutlichen Worten positioniert. Anlässlich der Zieselwanderung im Juni 2014 erklärte er vor fast 400 Teilnehmern:

„Bei den nächsten Koalitionsverhandlungen, so die SPÖ mit uns wieder koalieren möchte im Jahr 2015, werden wir diese Geschichte so erledigen, dass hier nie wieder gebaut wird, sondern ein Naturdenkmal kommt. Das ist und muss unser Ziel sein.“

Die Rede von Rüdiger Maresch kann unter folgendem Link nachgelesen werden: Download Transskript

Jetzt Zieselschutz statt immenser Millionenstrafe !

Keine heimische Tierart ist so massiv vom Aussterben bedroht wie das Ziesel. Wie der Naturschutzbund gegenüber dem “Kurier” betont, befindet sich die einzig wirklich stabile Population Österreichs im Raum Krems.

Beim Wiener Heeresspital geht es, entgegen beharrlich lancierter PR-Märchen, um weit mehr als um eine Handvoll Ziesel. Vielmehr ist das Vorkommen, dass schon vor den im Rahmen des Bauprojekts getätigten Investitionen und Planungen amtsbekannt war, mit in Summe fast 1.000 Tieren eines der letzten nationalen Großvorkommen.

Eine Verurteilung der Republik Österreich durch den EuGH wegen groben Zuwiderhandelns gegen europäisches Naturschutzrecht steht im Raum.

Dem unschuldigen Steuerzahler käme das Debakel teuer zu stehen. Ein hoher zweistelliger Millionenbetrag und kostspielige Wiederansiedlungsprogramme drohen.

Petition zum Schutz der Ziesel beim Heeresspital WienDaher fordert die Bürgerinitaitive IGL-Marchfeldkanal, so wie das Bezirksparlament Floridsdorf und viele Bürgerinnen und Bürger, die Realisierung des Bauprojekts an einem anderen Standort und die Festsetzung eines Naturschutzgebietes auf den Grünflächen in und umliegend des Wiener Heeresspitals.

Wenn Sie Ihren Hauptwohnsitz in Wien haben, unterstützen auch Sie bitte unsere Petition nach dem Wiener Petitionsgesetz!

Zieselwanderung beim Wiener Heeresspital 15. Juni 2014

Ein neuer Bericht des Umweltbundesamts an die EU zeichnet ein düsteres Bild. Das Ziesel, das in Österreich an Platz 1 der Roten Liste steht, musste in den letzten sechs Jahren abermals bittere Bestandsverluste hinnehmen. Hauptgrund ist massiver Rückgang an verfügbaren Lebensräumen.

Nun droht auch den wehrlosen Zieseln beim Wiener Heeresspital die letzte Stunde zu schlagen. Denn trotz der dramatischen Bestandsentwicklungen hält Wien eiskalt daran fest, beim Heeresspital eine der letzten großen Ziesel-Kolonien – zugunsten profitabler Bauprojekte – aus ihrem Habitat zu vertreiben.

Mit Zustimmung der Wiener Naturschutzbehörde wurde nun die, für die Ziesel überlebensnotwendige, Pflege von Flächen rund um das Heeresspital eingestellt. Als fatale Konsequenz wird der Ziesel-Lebensraum sukzessive an Funktion verlieren und das – offensichtlich nur am Papier – streng geschützte Vorkommen zusammenbrechen.

Experten der Europäischen Kommission, die sich mittlerweile in den Konflikt eingeschaltet hat, sind sich sicher: Einstellung von Graslandbewirtschaftung ist die Hauptbedrohung für das Ziesel:

“The critical threats are connected either to lack of grassland management – such as low (insufficient) intensity of grazing or mowing, or a total absence of those – i.e. land abandonment”

Die drohende Millionenstrafe der EU wird jedoch nicht an den Verantwortlichen, sondern an den schuldlosen Steuerzahlern, hängenbleiben.

Allerletzte Chance ein bedrohtes Naturparadies kennenzulernen?

Vor diesem skandalösen Hintergrund lädt die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal herzlich ein, sich – vielleicht zum letzten mal – ein objektives Bild von der außergewöhnlichen Ziesel-Population beim Heeresspital und ihrem bedrohten Lebensraum zu machen.

Wann: Sonntag, 15. Juni 2014, 14:30 Uhr

Wo: Johann-Orth-Platz, 1210 Wien (Ecke Inge-Konradi-Gasse/Weilandgasse)

Dauer: ca. 1,5 Stunden

Anreise: Der Treffpunkt befindet sich nahe der Endstation der Straßenbahn-Linie 31 (Kurzer Fußweg siehe Karte). Falls Sie mit dem Auto anreisen, nutzen Sie bitte die Parkmöglichkeiten entlang der Johann-Weber-Straße. Am Johann-Orth-Platz ist das Parkplatzangebot nur gering.

Reichhaltiges Buffet: Vor und nach der Zieselwanderung ist für leibliches Wohl und Erfrischungen bestens gesorgt.

Tipp: Zum Beobachten der Ziesel bitte Fernglas mitnehmen! Aus Rücksicht auf die empfindlichen Tiere werden wir ihren Lebensraum nicht betreten.

Selbstverständlich findet die Führung bei jeder Witterung statt.

Zahlreiche Gäste aus Politik und Forschung !

Wir freuen uns über viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Forschung und dem gesamten politischen Spektrum, die auch zum offenen Meinungsaustausch über die bedrohten Ziesel beim Heeresspital zur Verfügung stehen werden.

  • Dr. Friederike Spitzenberger ist international anerkannte Ziesel-Expertin und wird einleitende Worte sprechen. Sie ist ehemalige Leiterin der Säugetierabteilung des Naturhistorischen Museums, Verfasserin des Standardwerks „Die Säugetierfauna Österreichs“ und Co-Autorin der Roten Listen Österreichs.
  • Dr. Madeleine Petrovic (Präsidentin Wiener Tierschutzverein und Landtagsabgeordnete der Grünen NÖ)
  • Gemeinderat Mag. Rüdiger Maresch (Umweltsprecher der Wiener Grünen)
  • Gemeinderat Ing. Udo Guggenbichler (Umweltsprecher FPÖ Wien)
  • Bezirksrätin Andrea Mayrhofer, MAS (NEOS)
  • Bezirksrätin Gabriele Tupy (Grüne Floridsdorf)
  • Bezirksrat Hans-Jörg Schimanek (Wir für Floridsdorf)
  • Vertreterinnen und Vertreter der Jungen ÖVP

Wiener Stadtregierung riskiert massive EU-Strafe

2 Millionen Quadratmeter Bauland befinden sich im Besitz der Stadt Wien und stünden als Alternative zur Verfügung. Die vom lokalen, demokratisch gewählten Bezirksparlament Floridsdorf mehrheitlich geforderte Verlegung der Heeresspital-Bauprojekte wurde jedoch von der Stadtregierung stets vom Tisch gewischt.

In ihrer Sturheit riskiert die Stadtregierung sogar eine hohe zweistellige Millionenstrafe durch den EuGH. Freilich wird diesen Betrag nicht die schweigsame Umweltstadträtin von ihrem Gehalt abzahlen müssen. Vielmehr werden sämtliche österreichischen Steuerzahler dafür zum Handkuss kommen.

Hinkommen und entschiedenes Zeichen gegen Naturzerstörung setzen !

Mit Ihrer Teilnahme an der Ziesel-Wanderung setzen Sie ein starkes Zeichen für Einhaltung der Naturschutzgesetze und konsequenten Schutz bedrohter heimischer Tierarten.

Zeigen wir gemeinsam, dass es in Wien keine Toleranz gegenüber Aushöhlung des Umweltschutzes zugunsten von Profit geben darf! Zeigen wir, dass es keine Steuergeldverschwendung zugunsten einflussreicher Lobbys geben darf! Zeigen wir, dass es, statt Aussitzen von Problemen, einen aktiven Tierschutz braucht!

Zeigen wir den Verantwortlichen gemeinsam die rote Karte!

Wieder einseitige PR-Offensive im Vorfeld ?

Es ist davon auszugehen, dass die von den Betreibern der Ziesel-Absiedlung engagierte PR-Agentur Unique Relations (Eigentümer ist ein ehemaliger SPÖ-Bundesgeschäftsführer) erneut versuchen wird, im Vorfeld der Veranstaltung “handverlesene” Informationen zu streuen und die üblichen Stereotypen zu bedienen.

Deren Ziel war und ist klarerweise die öffentliche Meinung in eine Richtung zu steuern, die es den involvierten Akteuren ermöglicht, ein EU-weit bedeutsames Vorkommen einer vom Aussterben bedrohten Tierart ohne Gesichtsverlust loszuwerden.

Wenn hochbezahlte Profis in Krisenkommunikation (bis zu 350 Euro die Stunde !) losgeschickt werden, um Eingriffe in ein schützenswertes Habitat schönzureden, muss wohl ordentlich viel Geld im Spiel sein, aber noch weit mehr unliebsame Wahrheit im Busch.

Diese Wahrheit – und nur diese – gibt es bei der Zieselwanderung am 15. Juni zu sehen und zu hören – ganz ohne PR-Schlagseite.

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal freut sich auf Ihr Kommen!

Ziesel-Wanderung 15. Juni 2014 / Foto: Leopold Kanzler

Sie stehen auf Platz 1 der Roten Liste und sind europaweit streng geschützt, doch die Stadt Wien behandelt eines ihrer letzten Großvorkommen absolut jenseitig. Die Rede ist von den Zieseln beim Wiener Heeresspital, die einem Mega-Bauprojekt im Weg sind. Obwohl die Kolonie dort schon lange amtsbekannt ist, wurde sie in Planung und Widmung einfach ignoriert.

Nachdem die penetrant schöngeredete Ziesel-Umsiedlung auf absurde Ausgleichsflächen völlig gefloppt ist und sich die Tiere am Bauland fast vollständig ausgebreitet haben, verschärft man nun die Gangart. Auf der halben Projektfläche wurde die, für den Fortbestand der Population unabdingbare, regelmäßige Mahd eingestellt. Wertvoller Lebensraum einer wehrlosen, massiv vom Aussterben bedrohten Art, wird absichtlich dem Verfall Preis gegeben.

Das verstößt zwar eindeutig gegen die ohnehin samtweichen Auflagen der Naturschutzbehörde, doch diese verleugnet mittlerweile – vielleicht aus Rücksicht auf SPÖ-Parteilinie und Baulobby – ihren eigenen Bescheid und schreitet nicht ein.

Heeresspital-Schließung und Teilverkauf im Laufen

Doch dem nicht genug: Wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren war, soll bereits mit Juli 2014 der Spitalsbetrieb im Heeresspital eingestellt werden. In der Folge will man Teile des Areals – entgegen bislang gegenteiliger Behauptungen – an zahlungskräftige Bauträger verkaufen. Dahinter steckt offenbar das naturschutzferne Kalkül, dass die Ziesel früher oder später ohnehin von selbst verschwinden werden. Schließlich zeigen SPÖ und Stadt Wien augenscheinlich kein Interesse, den Fortbestand der ansässigen, streng geschützten Ziesel-Population langfristig zu sichern. Hinweise zur kolportierten Heeresspitalschließung finden sich auch in aktuellen Wortspenden von Mitgliedern der Bundesregierung.

Am Ende aber, droht die haarsträubende Ziesel-Causa für die leidgeprüften österreichischen Steuerzahlern sehr teuer zu werden. Denn mittlerweile hat die EU-Kommission sich in die Sache eingeschaltet und die Republik mit beinharten Fragen bezüglich der Einhaltung des Naturschutzes konfrontiert. Eine Verurteilung Österreichs durch den EuGH hätte Strafen im hohen zweistelligen Millionenbereich und teure Wiederansiedlungsprogramme zur Konsequenz.

Herzliche Einladung zur Ziesel-Wanderung

Vor diesem dramatischen Hintergrund lädt die überparteiliche Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal sehr herzlich ein, sich am 15. Juni 2014 vor Ort persönlich ein Bild von der wahren Situation zu machen (Details am Ende des Artikels).

Erfahren Sie im Rahmen eines geführten Spaziergangs spannende Infos über die Besonderheiten von Fauna und Flora in dem bedrohten Biotop nächst dem Marchfeldkanal, alle Hintergründe zu den Bauprojekten und besuchen sie gemeinsam mit uns die großteils ungeeigneten Ausgleichsflächen.

Neben dem Ziesel haben noch weitere streng geschützte und seltene Arten wie Feldhamster, Zauneidechse, Wechselkröte und Neuntöter dort ein Rückzugsgebiet gefunden. Ein schützenswertes Naturjuwel, wo es vieles zu entdecken gibt, erwartet Sie!

Null-Toleranz für rücksichtslose Lebensraum-Zerstörung!

Mit Ihrer Teilnahme an der Ziesel-Wanderung setzen Sie ein starkes Zeichen für Einhaltung der Naturschutzgesetze und konsequenten Schutz bedrohter heimischer Tierarten.

Zeigen wir gemeinsam, dass es in Wien keine Toleranz gegenüber roter Aushöhlung des Umweltschutzes zugunsten von Profit geben darf! Zeigen wir, dass es keine Steuergeldverschwendung zugunsten einflussreicher Lobbys geben darf! Zeigen wir, dass es, statt Aussitzen von Problemen, einen aktiven Artenschutz braucht!

Zeigen wir den Verantwortlichen gemeinsam die rote Karte !!

 Stadtregierung ignoriert Floridsdorfer Lösungsvorschläge

Die Stadt Wien besitzt riesige zwei Millionen Quadratmeter an Bauland. Somit liegt eine Lösung im Sinne der Ziesel und der Naturschutzgesetze auf der Hand. Indem sie den Bauträgern gleichwertige Ersatzgrundstücke anbietet, könnte der dringend benötigte Wohnraum zeitnah anderenorts geschaffen und dem unrühmlichen Schauspiel ohne Gesichtsverlust ein Ende bereitet werden.

Zahllose dahingehende Mehrheitsbeschlüsse des Floridsdorfer Bezirksparlaments wurden jedoch von der Wiener Stadtregierung bislang ignoriert. Unverständlicherweise  – denn es war immerhin das Wiener Magistrat, dem die Ziesel im Widmungsverfahren „unter den Tisch gefallen sind“.

Zahlreiche Gäste bei der Ziesel-Wanderung

Wir freuen uns auch dieses Jahr wieder zahlreiche Gäste aus Wissenschaft und Politik begrüßen zu dürfen:

  • Dr. Friederike Spitzenberger ist international anerkannte Ziesel-Expertin und wird einleitende Worte sprechen. Sie ist ehemalige Leiterin der Säugetierabteilung des Naturhistorischen Museums, Verfasserin des Standardwerks „Die Säugetierfauna Österreichs“ und Co-Autorin der Roten Listen Österreichs.
  • Dr. Madeleine Petrovic (Präsidentin Wiener Tierschutzverein und Landtagsabgeordnete der Grünen NÖ)
  • Gemeinderat Mag. Rüdiger Maresch (Umweltsprecher der Wiener Grünen)
  • Gemeinderat Ing. Udo Guggenbichler (Umweltsprecher FPÖ Wien)
  • Bezirksrätin Andrea Mayrhofer, MAS (NEOS)
  • Bezirksrätin Gabriele Tupy (Grüne)
  • Bezirksrat Hans-Jörg Schimanek (WIFF)
  • Vertreterinnen und Vertreter der Jungen ÖVP

Alle Infos zur Zieselwanderung

Wann: Sonntag, 15. Juni 2014, 14:30 Uhr

Wo: Johann-Orth-Platz, 1210 Wien (Ecke Inge-Konradi-Gasse/Weilandgasse)

Dauer: ca. 1,5 Stunden

Anreise: Der Treffpunkt befindet sich nahe der Endstation der Straßenbahn-Linie 31. Falls Sie mit dem Auto anreisen, nutzen Sie bitte die Parkmöglichkeiten entlang der Johann-Weber-Straße. Am Johann-Orth-Platz selbst ist das Parkplatzangebot nur gering.

Verpflegung: Vor und nach der Ziesel-Wanderung ist für ihr leibliches Wohl, Erfrischungen und natürlich auch reichlich Gesprächsstoff gesorgt.

Tipp: Zum Beobachten der Ziesel bitte Fernglas mitnehmen! Aus Rücksicht auf die empfindlichen Tiere werden wir ihren Lebensraum nicht betreten.

Selbstverständlich findet die Führung bei jedem Wetter statt.


Wir freuen uns sehr auf Ihr Kommen!

 

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