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Bestandsentwicklung des Ziesel-Vorkommens nördlich des Wiener Heeresspitals seit 2011

Zur Ziesel-Population nördlich des Wiener Heeresspitals liegen neue offizielle Zahlen vor. Demnach ist der Bestand gegenüber dem Vorjahr um enorme 41 Prozent angewachsen. Unverändert ist weiterhin nahezu das gesamte Areal von den bedrohten Nagern besiedelt.

Trotz dieser sehr erfreulichen Entwicklung, besteht, angesichts des scharfen Gegenwinds, weiterhin massiv Grund zur Sorge. Denn schon 2015 sollen erste Bauprojekte im derzeitigen Habitat der streng geschützten Tierart starten.

Weder die Wiener Behörden, noch die involvierten Bauträger nehmen zur Kenntnis, dass die Absiedlung der Ziesel auf sogenannte Ausgleichsflächen ein völliger Fehlschlag ist. Beharrlich vermitteln sie weiter das Bild, wonach die Umlenkung erfolgreich verlaufe und erste Teilflächen bereits “zieselfrei” wären. Der aktuelle ökologische Bericht der Bauträger an die MA 22 belegt allerdings, dass die Realität im krassen Widerspruch zu den ventilierten Wunschvorstellungen steht.

Umweltstadträtin Sima reagiert auf Besitzstörung durch Bauträger

Auch auf der juristischen Front läuft es für die Bauträger nicht gut. Eine Verurteilung wegen Besitzstörung ist mittlerweile rechtskräftig (BG 21, Aktenzahl 28 C 712/14f – 6). Wie berichtet, liegt den Projektbetreibern zur Nutzung einer der eingereichten Ausgleichsflächen nicht das Einverständnis aller Grundeigentümer vor.

Dies veranlasste die zuständige, in der Ziesel-Causa jedoch befremdlich schweigsame, Stadträtin Ulli Sima zu einer bemerkenswerten Feststellung:

“Wenn er keine Ausgleichsflächen hat, wo die Ziesel hinwandern können, dann wird es keine Möglichkeit geben zu bauen, weil die Bescheidauflagen nicht erfüllt sind”.

Folgt man ihrer Aussage, müsste damit das Bauprojekt beim Heeresspital endgültig gestorben sein. Ob Simas klare Worte tatsächlich das nötige Gewicht haben, muss sich allerdings erst zeigen.

MA22 spricht Ziesel-Population die Überlebensfähigkeit ab

Das fortlaufende Monitoring durch die Ziesel-Expertin Dr. Ilse Hoffmann, Universität Wien, belegt schwarz auf weiß: Auch 2014 hat sich das Anwachsen der Ziesel-Population nördlich des Heeresspitals fortgesetzt.

  • Gegenüber dem Vorjahr wuchs die Population von 205 auf 289 genutzte Bausysteme an.
  • Im Vergleich zur ersten Erhebung im Jahr 2011 hat sich die Anzahl der genutzten Bausysteme sogar mehr als verdoppelt (+128 Prozent)!

Dieser eindeutig erkennbare Trend widerspricht der fragwürdigen Einschätzung der Wiener Naturschutzbehörde, die von einem ihrer Juristen im Umweltausschuss des Bezirksparlaments Floridsdorf dargelegt wurde.

Die MA22 geht davon aus, dass das Vorkommen beim Heeresspital langfristig nicht überlebensfähig ist und will ihre angeblichen Aktivitäten auf den Bisamberg konzentrieren. Der von EU-Kommission initiierte Ziesel-Aktionsplan, der angesichts anhaltender europaweiter Bestandsrückgänge die Absicherung aller bestehenden Populationen zum vorrangigen Ziel hat, kümmert die Behörde offenbar gar nicht.

Neueste wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch: Stimmen die Umweltfaktoren, sind schon Vorkommen ab 300 Individuen überlebensfähig. Präsentiert wurde das Forschungsergebnis, das von Dr. Hoffmann auch im neuen Bericht zitiert wird, auf der diesjährigen, von der Universität Wien organisierten EGSM-Konferenz.

Die Veranstalter durften sich übrigens über ein Sponsoring durch die MA 22 freuen. Ob die Behörde im Gegenzug auch die neuen Zahlen zur Größe lebensfähiger Ziesel-Populationen zur Kenntnis nimmt?

Aufregung um Rasenmäh-Prozesse

Tony Rei, Madeleine Petrovic und Udo Guggenbichler beim Sensen des verbrachenden Ziesel-Habitats nördlich des Wiener HeeresspitalsIm Juli dieses Jahres hat ein Team engagierter Naturschützer unter Anleitung des prominenten Starmagiers Tony Rei, der Obmann der Wiener Naturwacht ist, einen Teil des verbrachenden Areals nördlich des Heeresspitals gemäht. Tony Rei ist beeidetes Naturschutzorgan der Stadt Wien und hat in dieser Funktion den Ziesel-Bescheid der Stadt Wien an die Bauträger mit Sensen und Heugabeln umgesetzt. Der Bescheid besagt, dass die Projektfläche solange zu pflegen ist, als nicht mindestens die Ausgleichsflächen von gleich viel Zieseln besiedelt sind wie die Projektflächen. Da die Ziesel kurze steppenartige Grasvegetation als Lebensraum benötigen, war für die Tiere und ihr Habitat Gefahr im Verzug.

Zum “Dank” wurden neben Tony Rei, die Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins, Dr. Madeleine Petrovic (Die Grünen), der stellvertretende Vorsitzende des Umweltausschusses im Wiener Gemeinderat, Ing. Udo Guggenbichler (FPÖ) und weitere Personen von den Bauträgern wegen Besitzstörung und auf Schadensfestellung verklagt.

Amtlicher Dienstausweis und Dienstabzeichen von Tony Rei, dem Obmann der Wiener NaturwachtWie Kronen Zeitung und andere Medien berichten, nahm jedoch der Prozess gegen Tony Rei schon am ersten Verhandlungstag eine überraschende Wende. Das Gericht will sich nämlich davon überzeugen, dass der Naturwacht-Obmann tatsächlich amtliches Naturschutzorgan ist. Gelangt es zu dieser Erkenntnis, dann müssten die Bauträger eine Amtshaftungsklage gegen die Stadt Wien anstrengen. Über die laut Wiener Naturschutzgesetz für ein Naturschutzorgan formal erforderlichen Voraussetzungen, Dienstausweis und -abzeichen, verfügt Tony Rei jedenfalls.

Aufgrund der speziellen Eigentumsverhältnisse des Bauträger Kabelwerks, wäre damit schon das nächste bizarre Theater vorprogrammiert. Denn neben der STRABAG, ist u.a. auch die Stadt Wien am Kabelwerk beteiligt. Ein Großauftragsnehmer der Stadt Wien und die Stadt Wien selbst, verklagen die Stadt Wien.

Stadt Wien muss endlich handeln !

In Anbetracht der immer skurriler werdenden Sachlage und der von der EU unverändert drohenden Millionenstrafe, sollte die Stadt Wien nun endlich die Reißleine ziehen und den Bauträgern ein Ersatzgrundstück zur Verfügung stellen. Immerhin stehen immense 2 Mio. m2 an Bauland im Besitz der Gemeinde.

Durch Festsetzung des vom Bezirksparlament Floridsdorf eingeforderten Naturschutzgebiets rund um das Heeresspital würde auch der Fortbestand des Ziesel-Vorkommens nachhaltig gesichert werden.

Quellenangaben

[1] Bericht ökologische Aufsicht 15.10.2014 (Download)

[2] Bericht ökologische Aufsicht 09.10.2013 (Download)

[3] Bericht ökologische Aufsicht 18.10.2012 (Download)

[4] Artenkartierung Europäisches Ziesel und Feldhamster in Wien 21, September 2011 (Download)

[5] Wortprotokoll, Sitzung Wiener Gemeinderat vom 25. September 2014 (Download)

[6] ĆOSIĆ N, I JARIĆ & D ĆIROVIĆ: Minimum viable population size for the European ground squirrel (Download)

Paukenschlag in der Ziesel-Causa: Am 3.9.2014 wurden die Bauträger am Bezirksgericht Floridsdorf wegen Besitzstörung verurteilt (Anm: Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig).

Auf einem Grundstück, das sie als Ausgleichsfläche für die Ziesel-Umsiedlung eingereicht hatten, wurden in ihrem Auftrag sogenannte Initialröhren zum Weglocken der Ziesel von der Projektfläche gebohrt. Zur Nutzung der Liegenschaft liegt jedoch nicht das Einverständnis aller Eigentümer vor.

Das Gericht ordnete an, binnen 14 Tagen den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Dies droht jedoch extrem schwierig werden, denn mittlerweile könnte mindestens eine dieser Röhren von Zieseln bezogen sein. Trifft dies zu, würden Beschädigungen der neuen Ziesel-Baue gegen das Wiener Naturschutzgesetz verstoßen und es wäre eine entsprechende Ausnahmebewilligung zu beantragen.

Offiziell steht nun auch fest, dass die Erfolgschancen der Lenkungsmaßnahmen praktisch Null sind. Denn in einem neuen Bericht an die MA 22 führt Ziesel-Expertin Ilse Hoffmann aus, dass die vollständige Evakuierung der Ziesel von der Projektfläche nördlich des Heerspitals “unmöglich” erscheint.

Auch bestätigte die Forscherin zuletzt auf Facebook, dass die bestehende Projektfläche besser als Ziesel-Lebensraum geeignet ist als die Ausgleichsflächen. Sie widerspricht damit ihren Auftraggebern, die stets behaupten, sie hätten “geeignetere” Habitate geschaffen.

Indes berichtet ein leitender Journalist einer führenden österreichischen Tageszeitung auf Twitter , dass es einen “interessanten” Interventionsversuch zu den Zieseln (Link zum Tweet)  gegeben hat. Stehen derartige Interventionen bei anderen Stellen, die weniger Gegenwehr leisten, an der Tagesordnung? Zur Erinnerung: Aufgrund seiner Beteiligung am Kabelwerk, tritt Wien beim Heeresspital in Doppelfunktion als Bauträger und Naturschutzbehörde auf.

Die einst so penetrant bejubelten Ziesel-Lenkungsmaßnahmen sind also implodiert. Aufgrund der neuen Entwicklungen scheint klar: Weder Ausmaß noch Qualität der Ausgleichsflächen ist adäquat. Trotzdem geht der aussichtslose Eingriff in das geschützte Habitat weiter.

Daher sind die Behörde und die zuständige Stadträtin Ulli Sima gefordert, endlich ihr unerträgliches Schweigen zu brechen und energisch den Schutz jener Tierart durchzusetzen, die in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste steht. Wenn schon nicht aus Liebe zum Naturschutz, dann wenigsten zur Schonung der österreichischen Steuerzahler. Denn sollte es zu einer Verurteilung vor dem EuGH kommen, steht Österreichs Steuerzahlern wegen der Ziesel eine saftige Millionenstrafe in Haus.

Ausgleichsflächen-Konstrukt bricht zusammen

ziesel-ausgleichsflaechen-noerdlich-wiener-heeresspital-20120926Aufgrund der festgestellten Besitzstörung, steht die jenseits des Marchfeldkanals gelegene und für die Ziesel-Umsiedlung bedeutsame, als A8 bezeichnete, Ausgleichsfläche (siehe Plan) nun offenbar nicht mehr zur Verfügung. Deswegen ist auch die angrenzende A7 nicht mehr erreichbar, denn dazu müssten die “freiwillig” abwandernden Tiere genau jene A8 durchqueren.

Freilich ist bislang nicht nachgewiesen, dass jemals ein von der Projektfläche stammendes Ziesel die Brücke über den Marchfeldkanal überquert hätte.

Folgt man den ohnehin wohlwollenden Ausführungen des Amtssachverständigen der Naturschutzbehörde (Quelle: Download), stehen in Summe mit A2 und A3 nunmehr bloß 8.685 m2 an uneingeschränkt geeignetem Ersatzlebensraum zur Verfügung. Die anderen verbliebenen Teilflächen, darunter die Böschungen des Marchfeldkanals, bewertete der behördliche Gutachter lediglich als „bedingt geeignet“.

Zum Vergleich: Das Feld nördlich des Heeresspitals, von wo man die Ziesel vertreiben will, ist rund 74.000 m2 oder mehr als achtmal so groß.

Weiteres spannendes Detail: Im Zuge des behördlichen Bewilligungsverfahrens musste A8 von den Bauträgern nachgereicht werden, weil mit A2 bis A7 insgesamt nicht genug an geeigneter Ersatzsatzfläche zur Verfügung gestanden wäre.

Expertin der Bauträger: Evakuierung der Projektfläche „unmöglich“

In einem brandaktuellen Bericht (Quelle: Download) an die Naturschutzbehörde äußert die von den Bauträgern mit der Ziesel-Umlenkung beauftrage Expertin Dr. Ilse Hoffmann massive Zweifel am Gelingen des Vorhabens:

„Das Missverhältnis zwischen der Anzahl kartierter Baue und markierter Individuen lässt auf eine ausgeprägte Fangscheu der ansässigen Ziesel schließen, die eine vollständige Evakuierung der Projektfläche durch Einfangen und Umsiedeln unmöglich erscheinen lässt.“

Was bislang nur hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen wurde, liegt also erstmals auf Papier vor. Eine der landesweit letzten großen Ziesel-Populationen wird einem möglichen Risiko ausgesetzt, ohne dass reale Chancen auf Erfolg bestehen.

Ilse Hoffmann vs. Bauträger: Projektfläche besser als Ausgleichsflächen

Die mit bloßem Auge erkennbare, gegenüber dem heutigen Ziesel-Lebensraum schlechtere Qualität der Ausgleichsflächen, wird von Ilse Hoffmann auf Facebook ebenso bestätigt:

„Der gemähte Teil der Projektfläche ist derzeit besser als Ziesellebensraum geeignet als die Ausgleichsflächen.“

Die profunde Aussage der anerkannten Forscherin konterkariert damit die Beteuerungen ihrer Auftraggeber. Diese behaupten, man habe „für die Zieselpopulation geeignetere Habitate geschaffen“.

Wie bereits berichtet, wächst die Ziesel-Population nördlich des Heeresspitals unvermindert an, während bis dato kein Nachweis für Abwanderungen von der Projektfläche vorliegt. Ein Umstand, der die enorme Diskrepanz zwischen den Aussagen der Expertin und den Bauträgern zusätzlich untermauert.

Besiedelte Zieselröhre als Fallstrick für Wiederherstellung?

Das Gericht ordnete an, dass auf jenem Grundstück (A8), wo die durch die Bauträger getätigte Besitzstörung festgestellt wurde, binnen 14 Tagen wieder der ursprüngliche Zustand hergestellt werden müsse.

Das könnte in der Realität aber äußerst schwierig werden. Denn bereits im Juli 2014 teilte Ilse Hoffmann im Rahmen ihrer regelmäßigen Berichte der Naturschutzbehörde mit:

„Bei je einer neuen Öffnung auf A7 und A8 handelte es sich um offensichtlich von Zieseln erweiterte Initialröhren.“

(Quelle: Download)

Zweck der im Mai 2014 hergestellten Initialröhren war es, Ziesel zum Anlegen ihrer Baue zu motivieren. Mindestens eines der künstlichen Löcher auf A8 könnte nun tatsächlich von einem Ziesel besiedelt worden sein.

Der Nachweis, dass besagte oder weitere Röhren doch nicht Teil eines Ziesel-Baues sind, könnte sich allerdings schwierig gestalten. Denn zu dieser Jahreszeit haben bereits erste Tiere ihren bis zu acht Monate dauernden Winterschlaf angetreten.

Das Wiener Naturschutzgesetz untersagt für streng geschützte Arten, wie es das Ziesel ist, „jede Beschädigung oder Vernichtung der Fortpflanzungs- oder Ruhestätten“.

Somit dürfen also nur jene Röhren verschlossen werden, wo mit Sicherheit auszuschließen ist, dass sie Teil einer Fortpflanzungs- oder Ruhestätten sind. In allen anderen Fällen ist das Ansuchen um eine Ausnahmebewilligung nach dem Wiener Naturschutzgesetz unumgänglich.

Naturschutzgebiet für Ziesel jetzt!

Warnende Stimmen bezweifelten das Gelingen der Ziesel-Umlenkung von Anfang an. Nun stehen die „Umweltmusterstadt“ Wien und seine schweigsamen Behörden vor den Trümmern des praktisch gescheiterten Plans.

Obwohl beim Heeresspital ein dichtes Ziesel-Vorkommen schon vor Ankauf der Projektfläche amtsbekannt war und die Stadt über zwei Millionen Quadratmeter an Bauland besitzt, soll das absurde Theater weitergehen. In das Vorhaben fließen also weiter massiv Zeit und Geld, die im Wiener Wohnbau wohl anderwärtig besser investiert wären.

Die Europäische Kommission hat im Vorjahr die Wiener Ziesel-Causa aufgegriffen. Für den Fall einer Verurteilung vor dem EuGH, drohen der Republik Österreich und ihren Steuerzahlern eine hohe zweistellige Millionenstrafe und teure Wiederansiedelungsprogramme.

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal unterstützt daher die Forderungen des Bezirksparlaments Floridsdorf:

  • Realisierung des Bauprojekts nördlich des Heeresspitals an einem anderen Standort.
  • Festsetzung eines Naturschutzgebietes auf den Grünflächen innerhalb und umliegend des Heeresspitals zum nachhaltigen Schutz der Ziesel.

Rote Farte für rücksichtslose Lebensraumzerstörung bei der Ziesel-Wanderung, Heeresspital Wien, 15. Juni 2014

Das Ziesel-Vorkommen nördlich des Wiener Heeresspitals, das einem profitablen Bauprojekt weichen soll, ist erneut deutlich angewachsen. Erstmals ist nun auch klipp und klar nachgewiesen, dass die herbeigeredete Abwanderung nicht stattfindet. Die streng geschützten Tiere wandern lieber in die Projektfläche hinein.

Freilich sind diese, an sich erfreulichen, Fakten nicht aufopfernden Pflegemaßnahmen der Bauträger zu verdanken. Und schon gar nicht den zuständigen Behörden. Denn seit heuer wird rund die Hälfte des Areals vorsätzlich nicht mehr gemäht, wodurch für die Ziesel ein Anreiz zum Abwandern gesetzt werden sollte.

Obwohl die Projektbetreiber kraft eines gültigen Bescheids zur regelmäßigen Mahd des Lebensraums verpflichtet wären, werden die Wiener Behörden nicht aktiv. Es scheint als praktiziere man, vielleicht aus Rücksicht auf höhere Interessen, lieber Artenschutz-Mikado, dessen Motto da laute könnte: „Wer sich bewegt, hat verloren.“

Zuletzt haben im Juni rund 400 besorgte Bürger und zahlreiche lokale Politiker gegen die drohende teilweise Lebensraumzerstörung einer der letzten großen Ziesel-Vorkommen Österreichs protestiert und den Verantwortlichen energisch die rote Karte gezeigt. Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal dankt sehr herzlich für die zahlreiche Teilnahme!

Für besonderes Aufsehen sorgte die Ansprache des Gemeinderats und Umweltsprecher der Wiener Grünen, Rüdiger Maresch. Er kündigte an, die Einrichtung eines Naturdenkmals beim Heeresspital zum Schutz der Ziesel sei Thema in Verhandlungen für eine Fortsetzung der Rot/Grünen-Koalition nach der nächsten Wiener Wahl (Link zum Video).

Aber schon jetzt müssen seiner Botschaft dringend Taten folgen! Denn sollte der Wiener Ziesel-Skandal nicht bald ein für die Tiere glückliches Ende finden, droht den österreichischen Steuerzahlern enormes Ungemach. Eine Verurteilung durch den EuGH hätte eine hohe Millionenstrafe und sündteure Wiederansiedelungs-Programme zur Folge. Anders als in der Hypo-Causa, stünden die Verantwortlichen auch ohne Untersuchungsausschuss schon jetzt fest.

Massiver Absiedlungs-Flop nun Schwarz auf Weiß !

Bericht der ökologischen Baufsicht vom Juli 2014 an die MA 22Noch kann die Ziesel-Population beim Heeresspital, entgegen der intensiven Bemühungen der Bauträger und ihrer Auftragsexperten, der Umlenkungsmaschinerie trotzen. In einem aktuellen Bericht an die Naturschutzbehörde musste man das erneute Anwachsen des Vorkommens eingestehen:

„Im Vergleich zum Maximalbestand 2013 (Quartalsbericht Jänner 2014: Tab. 1) entspricht dies einem Populationswachstum von insgesamt 6%.“

Ausgewertete Bewegungsdaten von Fang und Wiederfang markierter Zieseln zeigen ebenso ein eindeutiges Bild. Die Tiere wandern weiterhin in die Projektfläche hinein, während umgekehrt kein Nachweis für die Abwanderung auch nur eines einzigen Ziesels existiert.

„Dies weist auf Ortstreue und Langlebigkeit vor allem der männlichen Ziesel auf der Projektfläche hin. Was die in sechs Fällen nach Westen (Anm: in das Bauland) tendierende Verlagerung der individuellen Fangorte betrifft  …“

Download des Berichts der Bauträger vom Juli 2014 an die MA 22

Notwendige Fanggenehmigung im Juni 2104 abgelaufen !

Das absurde Theater am Marchfeldkanal ist zudem um eine Facette reicher. Den Bauträgern ist das Fangen und Markieren von Zieseln nicht mehr möglich, denn die dafür notwendige behördliche Erlaubnis war nur bis zum 30. Juni 2014 erteilt.

Um überhaupt Lenkungsmaßnahmen beginnen zu können, bedarf es der nachgewiesenen Akzeptanz der Ausgleichsflächen durch die Ziesel. Dazu müssten dort aber vom Feld nördlich des Heeresspitals stammende Tiere wiedergefangen werden – was nun mangels Genehmigung grob gegen das Wiener Naturschutzgesetz verstoßen würde.

Fortan muss also die Expertin der Uni Wien, Dr. Ilse Hoffmann, Wanderungen der Ziesel mit anderen Methoden belegen. Ob sie dabei auch auf Befragungen von Tieren mittels Imitierung ihrer Pfeiflaute zurückgreift, ist vorerst nicht bestätigt.

“Teilweise Bescheid-Konsumation” als zweifelhafte Rechtfertigung

Ebenso eigenartig erscheint die auf der Facebook-Seite „Rettet die Ziesel“ gegebene Rechtfertigung der Forscherin, warum die Mahd auf der halben Projektfläche unterbleibt. Dies gehe für ihre Auftraggeber in Ordnung, da man den Bescheid der Naturschutzbehörde nur teilweise konsumiere.

 Ilse Hoffmann auf Facebook am 25-Juli-2014

Warum es allerdings in einem funktionierenden Rechtsstaat möglich sein sollte, aus einem behördlichen Bescheid zwar sämtliche erteilten Rechte zu konsumieren, ohne dabei alle auferlegten Pflichten zu erfüllen, lässt Frau Hoffmann vielsagend offen:

 Ilse Hoffmann auf Facebook am 25-Juli-2014

Zur Erinnerung: Die Naturschutzbehörde gab die Umlenkung der Ziesel nur unter der Auflage frei, dass diese gemäß den eingereichten Unterlagen durchgeführt wird. Die Einreichung sah jedoch vor, erst dann die Mahd einzustellen, wenn die Akzeptanz der Ausgleichflächen durch die Ziesel nachgewiesen ist. Bekanntlich existiert dafür bis dato kein Beleg.

Zaudernde Umweltanwaltschaft sieht keine rechtliche Handhabe

Brief der WUA Umweltanwaltschaft 2014-05-26 an den Floridsdorfer BezirksvorsteherTrotz Aufforderungen vom Floridsdorfer Bezirksparlament und von Bürgern verharren MA22 und Wiener Umweltanwaltschaft in selbst auferlegter Tatenlosigkeit.

In einem Brief an den Floridsdorfer Bezirksvorsteher führt die Wiener Umweltanwältin aus, „keine ausreichende Grundlage“ zur Durchsetzung der zieselgerechten Pflege des Feldes nördlich des Heeresspitals zu sehen.

Anders als ihr Name vermuten lässt, geht die Umweltanwaltschaft Naturschutz-Konflikten offenbar lieber aus dem Weg. Das Schreiben der Wiener Umweltanwaltschaft steht hier zum Download.

Dabei wäre für die zaudernde Behörde gewichtige Rückdeckung gegeben. Denn wiederum auf Facebook hält Ilse Hoffmann nämlich fest:

„aus Sicht der Ziesel wäre eine zieselgerechte Pflege naturgemäß wünschenswert“

Wiener Grüne: Naturdenkmal für Ziesel ist Thema in Koalitionsverhandlungen

http://www.youtube.com/watch?v=wviKIkfnDeI

Schon mit Bekanntwerden der gefährdeten Ziesel-Population beim Heeresspital hat sich die Mehrheit der Wiener und der lokalen Floridsdorfer politischen Kräfte für den Schutz der Tiere stark gemacht. FPÖ, ÖVP und Junge ÖVP, NEOS sowie das Floridsdorfer WIFF unterstützen mit zahlreichen Initiativen

Ebenso traten die Floridsdorfer Grünen von Beginn an energisch für den vollständigen Erhalt des bedrohten Ziesel-Lebensraums ein.

Nun hat sich auch erstmals der Umweltsprecher der Wiener Grünen, Gemeinderat Rüdiger Maresch, mit deutlichen Worten positioniert. Anlässlich der Zieselwanderung im Juni 2014 erklärte er vor fast 400 Teilnehmern:

„Bei den nächsten Koalitionsverhandlungen, so die SPÖ mit uns wieder koalieren möchte im Jahr 2015, werden wir diese Geschichte so erledigen, dass hier nie wieder gebaut wird, sondern ein Naturdenkmal kommt. Das ist und muss unser Ziel sein.“

Die Rede von Rüdiger Maresch kann unter folgendem Link nachgelesen werden: Download Transskript

Jetzt Zieselschutz statt immenser Millionenstrafe !

Keine heimische Tierart ist so massiv vom Aussterben bedroht wie das Ziesel. Wie der Naturschutzbund gegenüber dem “Kurier” betont, befindet sich die einzig wirklich stabile Population Österreichs im Raum Krems.

Beim Wiener Heeresspital geht es, entgegen beharrlich lancierter PR-Märchen, um weit mehr als um eine Handvoll Ziesel. Vielmehr ist das Vorkommen, dass schon vor den im Rahmen des Bauprojekts getätigten Investitionen und Planungen amtsbekannt war, mit in Summe fast 1.000 Tieren eines der letzten nationalen Großvorkommen.

Eine Verurteilung der Republik Österreich durch den EuGH wegen groben Zuwiderhandelns gegen europäisches Naturschutzrecht steht im Raum.

Dem unschuldigen Steuerzahler käme das Debakel teuer zu stehen. Ein hoher zweistelliger Millionenbetrag und kostspielige Wiederansiedlungsprogramme drohen.

Petition zum Schutz der Ziesel beim Heeresspital WienDaher fordert die Bürgerinitaitive IGL-Marchfeldkanal, so wie das Bezirksparlament Floridsdorf und viele Bürgerinnen und Bürger, die Realisierung des Bauprojekts an einem anderen Standort und die Festsetzung eines Naturschutzgebietes auf den Grünflächen in und umliegend des Wiener Heeresspitals.

Wenn Sie Ihren Hauptwohnsitz in Wien haben, unterstützen auch Sie bitte unsere Petition nach dem Wiener Petitionsgesetz!

Zieselwanderung beim Wiener Heeresspital 15. Juni 2014

Ein neuer Bericht des Umweltbundesamts an die EU zeichnet ein düsteres Bild. Das Ziesel, das in Österreich an Platz 1 der Roten Liste steht, musste in den letzten sechs Jahren abermals bittere Bestandsverluste hinnehmen. Hauptgrund ist massiver Rückgang an verfügbaren Lebensräumen.

Nun droht auch den wehrlosen Zieseln beim Wiener Heeresspital die letzte Stunde zu schlagen. Denn trotz der dramatischen Bestandsentwicklungen hält Wien eiskalt daran fest, beim Heeresspital eine der letzten großen Ziesel-Kolonien – zugunsten profitabler Bauprojekte – aus ihrem Habitat zu vertreiben.

Mit Zustimmung der Wiener Naturschutzbehörde wurde nun die, für die Ziesel überlebensnotwendige, Pflege von Flächen rund um das Heeresspital eingestellt. Als fatale Konsequenz wird der Ziesel-Lebensraum sukzessive an Funktion verlieren und das – offensichtlich nur am Papier – streng geschützte Vorkommen zusammenbrechen.

Experten der Europäischen Kommission, die sich mittlerweile in den Konflikt eingeschaltet hat, sind sich sicher: Einstellung von Graslandbewirtschaftung ist die Hauptbedrohung für das Ziesel:

“The critical threats are connected either to lack of grassland management – such as low (insufficient) intensity of grazing or mowing, or a total absence of those – i.e. land abandonment”

Die drohende Millionenstrafe der EU wird jedoch nicht an den Verantwortlichen, sondern an den schuldlosen Steuerzahlern, hängenbleiben.

Allerletzte Chance ein bedrohtes Naturparadies kennenzulernen?

Vor diesem skandalösen Hintergrund lädt die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal herzlich ein, sich – vielleicht zum letzten mal – ein objektives Bild von der außergewöhnlichen Ziesel-Population beim Heeresspital und ihrem bedrohten Lebensraum zu machen.

Wann: Sonntag, 15. Juni 2014, 14:30 Uhr

Wo: Johann-Orth-Platz, 1210 Wien (Ecke Inge-Konradi-Gasse/Weilandgasse)

Dauer: ca. 1,5 Stunden

Anreise: Der Treffpunkt befindet sich nahe der Endstation der Straßenbahn-Linie 31 (Kurzer Fußweg siehe Karte). Falls Sie mit dem Auto anreisen, nutzen Sie bitte die Parkmöglichkeiten entlang der Johann-Weber-Straße. Am Johann-Orth-Platz ist das Parkplatzangebot nur gering.

Reichhaltiges Buffet: Vor und nach der Zieselwanderung ist für leibliches Wohl und Erfrischungen bestens gesorgt.

Tipp: Zum Beobachten der Ziesel bitte Fernglas mitnehmen! Aus Rücksicht auf die empfindlichen Tiere werden wir ihren Lebensraum nicht betreten.

Selbstverständlich findet die Führung bei jeder Witterung statt.

Zahlreiche Gäste aus Politik und Forschung !

Wir freuen uns über viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Forschung und dem gesamten politischen Spektrum, die auch zum offenen Meinungsaustausch über die bedrohten Ziesel beim Heeresspital zur Verfügung stehen werden.

  • Dr. Friederike Spitzenberger ist international anerkannte Ziesel-Expertin und wird einleitende Worte sprechen. Sie ist ehemalige Leiterin der Säugetierabteilung des Naturhistorischen Museums, Verfasserin des Standardwerks „Die Säugetierfauna Österreichs“ und Co-Autorin der Roten Listen Österreichs.
  • Dr. Madeleine Petrovic (Präsidentin Wiener Tierschutzverein und Landtagsabgeordnete der Grünen NÖ)
  • Gemeinderat Mag. Rüdiger Maresch (Umweltsprecher der Wiener Grünen)
  • Gemeinderat Ing. Udo Guggenbichler (Umweltsprecher FPÖ Wien)
  • Bezirksrätin Andrea Mayrhofer, MAS (NEOS)
  • Bezirksrätin Gabriele Tupy (Grüne Floridsdorf)
  • Bezirksrat Hans-Jörg Schimanek (Wir für Floridsdorf)
  • Vertreterinnen und Vertreter der Jungen ÖVP

Wiener Stadtregierung riskiert massive EU-Strafe

2 Millionen Quadratmeter Bauland befinden sich im Besitz der Stadt Wien und stünden als Alternative zur Verfügung. Die vom lokalen, demokratisch gewählten Bezirksparlament Floridsdorf mehrheitlich geforderte Verlegung der Heeresspital-Bauprojekte wurde jedoch von der Stadtregierung stets vom Tisch gewischt.

In ihrer Sturheit riskiert die Stadtregierung sogar eine hohe zweistellige Millionenstrafe durch den EuGH. Freilich wird diesen Betrag nicht die schweigsame Umweltstadträtin von ihrem Gehalt abzahlen müssen. Vielmehr werden sämtliche österreichischen Steuerzahler dafür zum Handkuss kommen.

Hinkommen und entschiedenes Zeichen gegen Naturzerstörung setzen !

Mit Ihrer Teilnahme an der Ziesel-Wanderung setzen Sie ein starkes Zeichen für Einhaltung der Naturschutzgesetze und konsequenten Schutz bedrohter heimischer Tierarten.

Zeigen wir gemeinsam, dass es in Wien keine Toleranz gegenüber Aushöhlung des Umweltschutzes zugunsten von Profit geben darf! Zeigen wir, dass es keine Steuergeldverschwendung zugunsten einflussreicher Lobbys geben darf! Zeigen wir, dass es, statt Aussitzen von Problemen, einen aktiven Tierschutz braucht!

Zeigen wir den Verantwortlichen gemeinsam die rote Karte!

Wieder einseitige PR-Offensive im Vorfeld ?

Es ist davon auszugehen, dass die von den Betreibern der Ziesel-Absiedlung engagierte PR-Agentur Unique Relations (Eigentümer ist ein ehemaliger SPÖ-Bundesgeschäftsführer) erneut versuchen wird, im Vorfeld der Veranstaltung “handverlesene” Informationen zu streuen und die üblichen Stereotypen zu bedienen.

Deren Ziel war und ist klarerweise die öffentliche Meinung in eine Richtung zu steuern, die es den involvierten Akteuren ermöglicht, ein EU-weit bedeutsames Vorkommen einer vom Aussterben bedrohten Tierart ohne Gesichtsverlust loszuwerden.

Wenn hochbezahlte Profis in Krisenkommunikation (bis zu 350 Euro die Stunde !) losgeschickt werden, um Eingriffe in ein schützenswertes Habitat schönzureden, muss wohl ordentlich viel Geld im Spiel sein, aber noch weit mehr unliebsame Wahrheit im Busch.

Diese Wahrheit – und nur diese – gibt es bei der Zieselwanderung am 15. Juni zu sehen und zu hören – ganz ohne PR-Schlagseite.

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal freut sich auf Ihr Kommen!

Ziesel-Wanderung 15. Juni 2014 / Foto: Leopold Kanzler

Sie stehen auf Platz 1 der Roten Liste und sind europaweit streng geschützt, doch die Stadt Wien behandelt eines ihrer letzten Großvorkommen absolut jenseitig. Die Rede ist von den Zieseln beim Wiener Heeresspital, die einem Mega-Bauprojekt im Weg sind. Obwohl die Kolonie dort schon lange amtsbekannt ist, wurde sie in Planung und Widmung einfach ignoriert.

Nachdem die penetrant schöngeredete Ziesel-Umsiedlung auf absurde Ausgleichsflächen völlig gefloppt ist und sich die Tiere am Bauland fast vollständig ausgebreitet haben, verschärft man nun die Gangart. Auf der halben Projektfläche wurde die, für den Fortbestand der Population unabdingbare, regelmäßige Mahd eingestellt. Wertvoller Lebensraum einer wehrlosen, massiv vom Aussterben bedrohten Art, wird absichtlich dem Verfall Preis gegeben.

Das verstößt zwar eindeutig gegen die ohnehin samtweichen Auflagen der Naturschutzbehörde, doch diese verleugnet mittlerweile – vielleicht aus Rücksicht auf SPÖ-Parteilinie und Baulobby – ihren eigenen Bescheid und schreitet nicht ein.

Heeresspital-Schließung und Teilverkauf im Laufen

Doch dem nicht genug: Wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren war, soll bereits mit Juli 2014 der Spitalsbetrieb im Heeresspital eingestellt werden. In der Folge will man Teile des Areals – entgegen bislang gegenteiliger Behauptungen – an zahlungskräftige Bauträger verkaufen. Dahinter steckt offenbar das naturschutzferne Kalkül, dass die Ziesel früher oder später ohnehin von selbst verschwinden werden. Schließlich zeigen SPÖ und Stadt Wien augenscheinlich kein Interesse, den Fortbestand der ansässigen, streng geschützten Ziesel-Population langfristig zu sichern. Hinweise zur kolportierten Heeresspitalschließung finden sich auch in aktuellen Wortspenden von Mitgliedern der Bundesregierung.

Am Ende aber, droht die haarsträubende Ziesel-Causa für die leidgeprüften österreichischen Steuerzahlern sehr teuer zu werden. Denn mittlerweile hat die EU-Kommission sich in die Sache eingeschaltet und die Republik mit beinharten Fragen bezüglich der Einhaltung des Naturschutzes konfrontiert. Eine Verurteilung Österreichs durch den EuGH hätte Strafen im hohen zweistelligen Millionenbereich und teure Wiederansiedlungsprogramme zur Konsequenz.

Herzliche Einladung zur Ziesel-Wanderung

Vor diesem dramatischen Hintergrund lädt die überparteiliche Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal sehr herzlich ein, sich am 15. Juni 2014 vor Ort persönlich ein Bild von der wahren Situation zu machen (Details am Ende des Artikels).

Erfahren Sie im Rahmen eines geführten Spaziergangs spannende Infos über die Besonderheiten von Fauna und Flora in dem bedrohten Biotop nächst dem Marchfeldkanal, alle Hintergründe zu den Bauprojekten und besuchen sie gemeinsam mit uns die großteils ungeeigneten Ausgleichsflächen.

Neben dem Ziesel haben noch weitere streng geschützte und seltene Arten wie Feldhamster, Zauneidechse, Wechselkröte und Neuntöter dort ein Rückzugsgebiet gefunden. Ein schützenswertes Naturjuwel, wo es vieles zu entdecken gibt, erwartet Sie!

Null-Toleranz für rücksichtslose Lebensraum-Zerstörung!

Mit Ihrer Teilnahme an der Ziesel-Wanderung setzen Sie ein starkes Zeichen für Einhaltung der Naturschutzgesetze und konsequenten Schutz bedrohter heimischer Tierarten.

Zeigen wir gemeinsam, dass es in Wien keine Toleranz gegenüber roter Aushöhlung des Umweltschutzes zugunsten von Profit geben darf! Zeigen wir, dass es keine Steuergeldverschwendung zugunsten einflussreicher Lobbys geben darf! Zeigen wir, dass es, statt Aussitzen von Problemen, einen aktiven Artenschutz braucht!

Zeigen wir den Verantwortlichen gemeinsam die rote Karte !!

 Stadtregierung ignoriert Floridsdorfer Lösungsvorschläge

Die Stadt Wien besitzt riesige zwei Millionen Quadratmeter an Bauland. Somit liegt eine Lösung im Sinne der Ziesel und der Naturschutzgesetze auf der Hand. Indem sie den Bauträgern gleichwertige Ersatzgrundstücke anbietet, könnte der dringend benötigte Wohnraum zeitnah anderenorts geschaffen und dem unrühmlichen Schauspiel ohne Gesichtsverlust ein Ende bereitet werden.

Zahllose dahingehende Mehrheitsbeschlüsse des Floridsdorfer Bezirksparlaments wurden jedoch von der Wiener Stadtregierung bislang ignoriert. Unverständlicherweise  – denn es war immerhin das Wiener Magistrat, dem die Ziesel im Widmungsverfahren „unter den Tisch gefallen sind“.

Zahlreiche Gäste bei der Ziesel-Wanderung

Wir freuen uns auch dieses Jahr wieder zahlreiche Gäste aus Wissenschaft und Politik begrüßen zu dürfen:

  • Dr. Friederike Spitzenberger ist international anerkannte Ziesel-Expertin und wird einleitende Worte sprechen. Sie ist ehemalige Leiterin der Säugetierabteilung des Naturhistorischen Museums, Verfasserin des Standardwerks „Die Säugetierfauna Österreichs“ und Co-Autorin der Roten Listen Österreichs.
  • Dr. Madeleine Petrovic (Präsidentin Wiener Tierschutzverein und Landtagsabgeordnete der Grünen NÖ)
  • Gemeinderat Mag. Rüdiger Maresch (Umweltsprecher der Wiener Grünen)
  • Gemeinderat Ing. Udo Guggenbichler (Umweltsprecher FPÖ Wien)
  • Bezirksrätin Andrea Mayrhofer, MAS (NEOS)
  • Bezirksrätin Gabriele Tupy (Grüne)
  • Bezirksrat Hans-Jörg Schimanek (WIFF)
  • Vertreterinnen und Vertreter der Jungen ÖVP

Alle Infos zur Zieselwanderung

Wann: Sonntag, 15. Juni 2014, 14:30 Uhr

Wo: Johann-Orth-Platz, 1210 Wien (Ecke Inge-Konradi-Gasse/Weilandgasse)

Dauer: ca. 1,5 Stunden

Anreise: Der Treffpunkt befindet sich nahe der Endstation der Straßenbahn-Linie 31. Falls Sie mit dem Auto anreisen, nutzen Sie bitte die Parkmöglichkeiten entlang der Johann-Weber-Straße. Am Johann-Orth-Platz selbst ist das Parkplatzangebot nur gering.

Verpflegung: Vor und nach der Ziesel-Wanderung ist für ihr leibliches Wohl, Erfrischungen und natürlich auch reichlich Gesprächsstoff gesorgt.

Tipp: Zum Beobachten der Ziesel bitte Fernglas mitnehmen! Aus Rücksicht auf die empfindlichen Tiere werden wir ihren Lebensraum nicht betreten.

Selbstverständlich findet die Führung bei jedem Wetter statt.


Wir freuen uns sehr auf Ihr Kommen!

 

 Ziesel beim Wiener Heeresspital - Help us !!

Der Druck durch die IGL-Marchfeldkanal zeigte Wirkung. Die scharf kritisierten Baggerarbeiten im Ziesel-Lebensraum beim Wiener Heeresspital wurden vorerst abgesagt. „Man hätte das als Lenkungsmaßnahmen interpretieren können“, hieß es seitens der ökologischen Bauaufsicht gegenüber dem Kurier.

Doch die weitaus gefährlichere Bedrohung für die Ziesel ist weiterhin real!

Jenes Feld, wo die massiv vom Aussterben bedrohten Tiere einem lukrativen Bauprojekt im Weg stehen, soll fortan zur Hälfte verwildern. Da die streng geschützten Tiere auf kurze Grasvegetation als Lebensgrundlage angewiesen sind, ist dieser Plan fatal und verstößt zudem eindeutig gegen den zur Ziesel-Absiedlung erteilten Bescheid.

Angesichts des völligen Scheiterns der Umlenkung, scheint nun die Versuchung groß, von den eingereichten Plänen abzugehen. Daher darf die Behörde die widrige Einstellung der Mahd nicht einfach stillschweigend hinnehmen. Anderenfalls wäre der unfassbare Wiener Naturschutzskandal um eine beschämende Facette reicher und geschützte Arten endgültig Freiwild.

Indes betritt mit dem ÖVW ein weiterer Bauträger den Ziesel-Hexenkessel im Norden der Bundeshauptstadt. Just auf jenem Abschnitt, wo im Mai 2011 den weitgehend passiven Behörden erstmals Ziesel-Baue gemeldet wurden, soll noch dieses Jahr ein weiteres Bauprojekt starten.

Seit 2005 ist das Ziesel-Großvorkommen beim Heeresspital amtsbekannt, doch passierte in der Folge zu dessen Schutz, trotz des absehbaren Konflikts, schlicht gar nichts. Dabei hätte im Habitat jener Art, die in Österreich auf Platz 1 der roten Liste steht und europaweit streng geschützt ist, niemals auch nur ein Cent durch die Bauwirtschaft investiert werden dürfen.

Widerstand kommt weiterhin vom Bezirksparlament Floridsdorf. In einer einstimmig beschlossen Resolution fordern die Volksvertreter, im wertvollen Naturjuwel beim Heeresspital solange keine Bauprojekte durchzuführen, als dort streng geschützte Arten vorkommen. Leider hat die Stadtregierung bis dato sämtliche der beherzten lokalpolitischen Initiativen, selbst von eigenen Parteifreunden, konsequent ignoriert.

Wien hätte es aber in der Hand, den Ziesel-Irrsinn beim Heeresspital zu beenden und so doch noch der im Raum stehenden, empfindlichen EU-Strafe wegen groben Verstoßes gegen die europäische Naturschutzrichtlinie, zu entgehen.

Die Metropole besitzt nämlich zwei Millionen Quadratmeter an Bauland. Durch einen Grundstückstausch, wie von Floridsdorf und zigtausenden Wienern gefordert, wäre sowohl Bauträgern, als auch Ziesel & Co., nachhaltig geholfen.

Verbrachung verstößt eklatant gegen Bescheid der Naturschutzbehörde

Die April 2013 von der Naturschutzbehörde den Projektwerbern erteilte Genehmigung zur Absiedlung der Ziesel nördlich des Heeresspitals, erfolgte unter der Auflage, dass die in den eingereichten Unterlagen beschriebenen Maßnahmen zwingend einzuhalten sind:

flaechen_noerdlich_des_heeresspitals_bescheid_593_2012_15_04_13

Quelle: Bescheid MA 22 – 593/2012 -> Download

Jedoch ist in Beilage 1 unmissverständlich definiert, dass die Pflegemaßnahmen am Bauland erst dann unterbleiben können, wenn gesicherte Hinweise auf Akzeptanz der Ausgleichsflächen vorliegen. Als fachliche Begründung argumentieren die Projektwerber, dass dadurch die ursprüngliche Ausdehnung des Ziesel-Lebensraums von 3,6 Hektar nie unterschritten werden könne:

flaechen_noerdlich_des_heeresspitals_bescheid_593_2012_15_04_13-beilage-1

Quelle: Bescheid MA 22 – 593/2012 – Beilage 1 -> Download

Behörde muss jetzt entschieden einschreiten

Bekanntermaßen gibt es den erforderlichen Nachweis hinsichtlich der Akzeptanz der Ausgleichflächen nicht und es wird ihn wohl auch niemals geben. Denn bislang hat gar keine Abwanderung auf die abgelegenen Ersatzwiesen stattgefunden. Ganz im Gegenteil ist die Population auf der Projektfläche im Vorjahr sogar signifikant angewachsen.

Wenn ab sofort – wie im aktuellen ökologischen Quartalsbericht offiziell kundgetan – die Hälfte des Projektgebiets nicht mehr gepflegt werden soll und somit verbrachen wird, verstößt dies eindeutig gegen den rechtskräftigen Bescheid der Behörde: Weder existiert ein gesicherter Nachweis über die Abwanderung der Ziesel, noch bleibt ein, quantitativ und qualitativ vergleichbares, Ausmaß an bereits akzeptiertem Lebensraum erhalten.

Die Naturschutzbehörde muss nun endlich ihre unnachvollziehbare Passivität überwinden und die korrekte Einhaltung des Ziesel-Bescheids wirkungsvoll durchsetzen. Andernfalls läuft Wien Gefahr, dass im Naturschutz endgültig Vorgehensweisen, hart an der Grenze zu Wildwest Sitten, einreißen.

Noch mehr Ziesel-Zoff durch weiteres Bauvorhaben

Noch ein Bauprojekt noerdlich des Wiener Heeresspitals beim Ziesel-Habiatat

Als wäre die Situation nicht ohnehin schon verfahren genug, steigt nun das ÖVW als weiterer Player in die aufgeheizte Arena und will dort viel Geld in Wohnbau investieren – als ob dies nicht anderswo mit weitaus weniger Risiko möglich wäre.

Ausgerechnet dort, wo im Mai 2011 durch aufmerksame Bürger zahlreiche Zieselbaue entdeckt wurden, soll ein weiteres Großprojekt durchgezogen werden. Dessen Bauland grenzt unmittelbar an das schon länger bekannte, heftig umstrittene, Bauvorhaben der Bauträger Kabelwerk und Donau City an.

Obwohl die Behörden seinerzeit umgehend verständigt und seitdem wiederholt Pflegemaßnahmen bei der Wiener Umweltschutzabteilung urgiert wurden, passierte dort seither – gewollt oder ungewollt – nichts zum Schutz dieser Ziesel. Als frustrierende Konsequenz verbarcht das Teilhabitat seit seiner Entdeckung ungehindert. Dennoch finden sich im März 2014 zumindest entlang eines Trampelpfades, der durch das Grundstück führt, zahlreiche Hinweise auf Zieselbaue. Gewissheit über das Ausmaß der Besiedlung kann klarer weise erst nach Mahd der Brache erzielt werden.

Zieselbau entlang Trampelpfad nördlich Wiener Heeresspital 2014-03-14  Zieselbau entlang Trampelpfad nördlich Wiener Heeresspital 2014-03-14

Zieselbaue entlang Trampelpfad nördlich Wiener Heeresspital 2014-03-16

Quelle der Karte: Stadt Wien – ViennaGIS

Aber selbst dann, wenn auf der Projektfläche kein einziges Ziesel mehr leben würde, darf es für das Projekt kein grünes Licht geben. Denn der überwiegende Teil der vorgesehenen Baukörper liegt innerhalb eines 50-Meter-Puffers, gemessen vom Rand des angrenzenden Ziesel-Vorkommens zum Bauzaun. Dieser Puffer gilt Kraft des Bescheids für die bisher angesuchten Bauaktivitäten nördlich des Heeresspitals und muss ergo auch für den neuen Bauträger gelten.

Die Realisierbarkeit des ÖVW-Projekts ist also direkt abhängig vom Gelingen der benachbarten Ziesel-Absiedlung. Bekanntlich ist dieses Vorhaben aber zum Megaflop geraten und Gegenstand einer naturschutzrechtlichen Beschwerde, die von der EU-Kommission nach genauer Prüfung aufgegriffen wurde.

Bildmaterial aus 2011 belegt Ziesel-Vorkommen auf Projektfläche

Ein unscheinbares, am 18. Mai 2011 auf Youtube hochgeladenes Video und weiteres, zeitgleich angefertigtes, Material dokumentierten, dass bereits damals auf dem nun designierten Bauland Zieselbaue existierten und die Fläche augenscheinlich Teil des Gesamthabitats war.

Zieselbaue in Mai 2011: Foto- und Videogalerie

Klare Sache für Expertin Hoffmann

Ziesel-Expertin Dr. Ilse Hoffmann (Uni Wien), die von uns um ihre fachliche Einschätzung ersucht wurde, macht in ihrer Antwort deutlich, dass auch sie auf dem historischen Material Bauöffnungen erkennen kann und 2011 dort selbst mindestens einen Zieselbau kartiert hat:

„Bei IMG_1060 bis _1072, IMG_1081 bis _1085 und den Videos 1, 2 und 4 handelt es sich m.E. um Bauöffnungen von Zieseln oder Hamstern. Besonders (ziesel)typisch das/die Bausystem/e in Videos 2 & 4 mit jeweils zwei relativ nahe beieinander liegenden Öffnungen.

Wie Sie erwähnen, habe ich 2011 auf gegenständlicher Fläche selbst mindestens einen Zieselbau festgestellt. Das Vorhandensein von Ziesel- bzw. Hamsterbauen wäre auch nicht weiter verwunderlich, da der Bewuchs zumindest zum damaligen Zeitpunkt durchaus mit naturnahen Lebensräumen vor der Mahd vergleichbar war.

Jetzt entschlossen für den Ziesel-Schutz handeln!

Action Plan for the Conservation of the European Ground Squirrel Spermophilus citellus in the European UnionWien im Jahr 2014: Rechtskräftige Bescheide sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind. Im Lebensraum, der am meisten vom Aussterben bedrohten Art, kommt es zu einer unverständlichen Inflation an Bauprojekten.

Während die EU-Kommission im Vorjahr einen ambitionierten Aktionsplan ins Leben gerufen hat, um die europaweit anhaltend drastischen Bestandsrückgänge in den Griff zu bekommen, geht Wien weiter seinen einsamen Weg, wo Profit Naturschutz eiskalt übertrumpft.

Forderungen des Floridsdorfer Parlaments werden von der Stadtregierung einfach vom Tisch gewischt, aber die Ziesel-Abwanderung bleibt ein reines PR-Märchen und die EU-Kommission stellt Österreich zu den Vorgängen beim Heeresspital zur Rede. Österreichs leidgeprüften Steuerzahlern drohten eine saftige Millionenstrafe aus Brüssel und die Finanzierung teurer Wiederansiedlungsprogramme.

Dennoch geben sich die Verantwortlichen optimistisch und pumpen sogar noch mehr Geld in die Projekte. Grund gibt es dazu freilich keinen, denn Dr. Hoffmann scherte zuletzt gegenüber dem Kurier aus der Schönwetter-Inszenierung aus. Es gäbe keine Garantie für den Erfolg der Absiedlung, denn die Ausgleichsflächen wären „nicht optimal“, weil sie nicht an das aktuelle Habitat angrenzen, so die Expertin.

In dieser trostlosen Situation ist nun die rot-/grüne Stadtregierung gefordert die Reißlinie zu ziehen. Floridsdorfs Lokalpolitik und schon viele tausende Menschen fordern, die Bauprojekte nördlich des Heeresspitals abzusiedeln und stattdessen ein Naturschutzgebiet zum dauerhaften Schutz der Tiere einzurichten. Mit zwei Millionen Quadratmetern besitzt die Stadt Wien genügend Ersatzbauland für den überfälligen Befreiungsschlag.

Bitte setzen auch Sie ein starkes Zeichen für die Respektierung des Naturschutzes und unterstützen Sie mit Ihrer Unterschrift die Petition zum Schutz der Ziesel!

Update: Wie Dr. Ilse Hoffmann (Uni Wien) auf Facebook mitteilte, wurden die Baggerarbeiten nördlich des Heeresspitals wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. “Man hätte das als Lenkungsmaßnahmen interpretieren können“, erklärte die mit der ökologischen Bauaufsicht beauftragte Expertin gegenüber der Tageszeitung Kurier.

Ilse Hoffmann auf Facebook am 1. März 2014

"Bewirtschaftung" des Feldes nördlich Wiener Heeresspital ab 15. März 2014

Abbildung: “Bewirtschaftungsmaßnahmen” im Ziesel-Habitat nördlich Heeresspital, Frühjahr 2014. Braune Flächen: Oberbodenabtrag, Rote Fläche: Verbrachung aufgrund Einstellung der Mahd (Quelle -> Download)

Beim Wiener Heeresspital bahnt sich ein bespielloser Naturschutzskandal und damit eine weitere Eskalation im Ziesel-Streit an, der bekanntlich mittlerweile in Brüssel angekommen ist.

Schon ab 15. März 2014 rollen tonnenschweren Bagger an, um am Rand des Ziesel-Habitats – tituliert als “Bewirtschaftung” – den Oberboden abzutragen. Jedoch halten zu diesem Zeitpunkt noch die meisten der streng geschützten Nagetiere wehrlos ihren Winterschlaf.

Auch will man fortan rund die Hälfte des Projektgebiets nördlich des Heeresspitals, trotz signifikantem Anwachsens der Ziesel-Population, verbrachen lassen. Für die Tiere ist dieser Eingriff fatal. Denn die massiv vom Aussterben bedrohten Ziesel benötigen zwingend kurze steppenähnliche Vegetation.

Die bevorstehende Offensive gegen das Ziesel-Habitat wurde seinerzeit weder beantragt, noch durch den Bescheid vom April 2013 autorisiert. Allem Anschein nach, will die Stadt Wien die Maßnahmen dennoch freundlich durchwinken. Das würde auch nicht weiter verwundern, denn als Naturschutzbehörde, Bauträger und Bereitsteller von abgelegenen Ausgleichsflächen, nimmt sie eine zweifelhafte Dreifachrolle in dem unwürdigen Schauspiel ein.

Am Ende werden den Skandal die ohnehin schon leidgeprüften österreichischen Steuerzahler ausbaden müssen. Sollte es nämlich zu einer Verurteilung der Republik Österreich wegen schwerwiegender Verstöße gegen die europäischen Naturschutzrichtlinien kommen, drohen Strafen im hohen zweistelligen Millionenbereich sowie sündteure Wiederansiedlungsprogramme. “Freuen” wir uns also auf ein von Wien eingebrocktes Ziesel-Sparpaket!

Zwei Millionen m² Bauland befinden sich im Besitz der Stadt Wien. Daher sollte es der rot/grünen Stadtregierung nicht schwerfallen, der wiederholten Forderung des Floridsdorfer Bezirksparlaments nachzukommen, den Bauträgern ein Ersatzgrundstück anzubieten und so doch noch das drohende Desaster abzuwenden. Immerhin war das Ziesel-Vorkommen beim Heeresspital ohnehin schon vor Ankauf der Grundstücke und Beschluss der Flächenwidmung amtsbekannt.

Neuer ökologischer Bericht ist brisante Bombe

Bericht ökologische Aufsicht 17.01.2014Aufgrund des im Jänner von den Bauträgern vorgelegten Berichts (-> Download), sollten bei der MA 22 eigentlich sämtliche Alarmglocken schrillen. Gleich mehrere brisante Punkte müssten die Behörde, sofern sie die Naturschutzgesetze wirklich ernst nimmt, zum Einschreiten veranlassen:

  • Seit Herbst 2012 ist die Ziesel-Population nördlich des Heeresspitals von 182 auf 216 benutzte Baue, also um fast 20 Prozent, angewachsen. Hingegen sind bis dato noch immer keine Abwanderungen auf Ausgleichsflächen, speziell über die Brücke auf die andere Seite des Marchfeldkanals, nachgewiesen. Die hochgejubelte Ziesel-Absiedlung funktioniert also in Wahrheit überhaupt nicht.
  • Der Zweck des als „Bewirtschaftung“ verkauften Abtragens der Humusschicht wird durch die Bauträger nicht dargelegt. Daher wären die Arbeiten bei Abwägung möglicher Risiken für das europaweit in schlechtem Erhaltungszustand befindliche Ziesel eindeutig zu untersagen.
  • Da nur mehr etwa die Hälfte des von Ziesel besiedelten Projektgebiets gemäht werden (80 Prozent von “Zone 2b”) und somit der Rest verwildern soll, bedeutet dies zweifelsfrei eine Verschlechterung der Habitatsqualität. Das steht aber eklatant im Widerspruch zur europäischen FFH-Richtlinie, deren primäres Ziel die europaweite Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustandes bedrohter Arten (darunter Ziesel, Feldhamster und Zauneidechse) und Lebensräume ist.
  • Zwar wird die unübersehbare Präsenz der europaweit geschützten Zauneidechse nun endlich zur Kenntnis genommen. Jedoch geht man wortwörtlich davon aus, dass „die meisten Vertreter dieser Art im März fluchtfähig sind“. Das heißt einerseits, dass im Rahmen der Erarbeiten die Flucht streng geschützter Tiere in Kauf genommen wird. Andererseits ist im Umkehrschluss davon auszugehen, dass manche Exemplare eben nicht fluchtfähig sein könnten und für diese ein mögliches Risiko ebenso in Kauf genommen wird. Klarerweise bedürften solche Maßnahmen einer Ausnahmegenehmigung, die im konkreten Fall jedoch nicht vorliegt.

Wir meinen, dass hier die Bauträger und die von ihnen bezahlten Auftragsexperten unter dem Deckmantel “Landwirtschaft” versuchen könnten, soweit als möglich Fakten im Sinne des Bauprojekts schaffen zu wollen. Jedoch haben nach unser Kenntnis die Bauträger für die westliche Zone 1 bloß die Erlaubnis Sommergerste anzubauen, sofern dort keine Ziesel und Hamster vorkommen. Für Oberbodenabtrag, der ja den Zielen gängiger Landwirtschaft zuwider läuft, verfügen sie über keinen behördlichen Freibrief.

MA 22 an EU-Kommission: Halten an Bescheid unbeirrt fest

Heeresspital-Ziesel: EU-Kommission fordert Stellungnahme von WienWie berichtet, hat die europäische Kommission nach sorgfältiger Prüfung einer Beschwerde der IGL-Marchfeldkanal die Republik Österreich mit knallharten Fragen zum Ziesel-Vorkommen beim Wiener Heeresspital konfrontiert.

Bezeichnenderweise musste die Wiener Naturschutzbehörde auf unsere Anfrage hin eingestehen, dass man Brüssel in der Beantwortung keine Fakten, die inhaltlich über den Bescheid vom 10. April 2013 hinausgehen, mitteilen konnte. Sie gab also eindeutig zu verstehen, dass sie an ihrem Bescheid unbeirrt festhält. Es war aber gerade dieser zweifelhafte Bescheid, der die Kommission veranlasste, gegen Österreich aktiv zu werden.

Sollte die bislang zahnlose MA 22 nun sogar Maßnahmen zulassen, die sie Kraft des Bescheids gar nicht autorisiert hat, ist eine weitere Eskalation des Konflikts mit Brüssel absehbar. Selbstverständlich werden wir die obersten europäischen Naturschützer über die neuen, höchst unerfreulichen Entwicklungen umfassend unterrichten.

Schiefe Optik für Stadt Wien

Auszug aus dem Wien-Holding Geschäftsbericht 2012Die Optik in der Ziesel-Causa ist für die Stadt Wien ganz besonders schief. Über die Wien-Holding ist sie nämlich an einem der beiden Bauträger, dem Kabelwerk, beteiligt. (Geschäftsbericht der Wien-Holding -> Download)

Der massive Interessenskonflikt für die Stadt Wien ist evident, denn als zuständige Naturschutzbehörde konnte sie sich den Bescheid zur Absiedlung der Ziesel nördlich des Heeresspitals selbst erteilen. Praktischerweise stellt die städtische MA 49 auch gleich den Großteil der (teils abgelegenen und ungeeigneten) Ausgleichsflächen bereit.

Vor diesem Hintergrund zieht es Umweltstadträtin Ulli Sima – nach Eigendarstellung starke Stimme für aktive Umweltpolitik und modernen Tierschutz – vor beharrlich zu schweigen. Ihre wenigen, vom Bezirksparlament Floridsdorf erzwungenen Äußerungen, sprechen jedenfalls für sich (-> Download):

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die erteile Genehmigung den Bestimmungen des Naturschutzgesetzes und den Vorgaben der FFH-Richtlinie entspricht und daher keine Maßnahmen durch den Wiener Gemeinderat zu treffen sind.

Rot-Grüne Stadtregierung jetzt unter Zugzwang

Ziesel-Petition-2013 Heeresspital Wien small

Vor den Augen der alarmierten Europäischen Kommission startet also ab 15. März für die Ziesel am Marchfeldkanal eine Horrorshow – jene Art die in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste steht. Mittels Baggern von links und Verbuschung von rechts, sollen wohl die Tiere zum “freiwilligen” Verlassen ihres Lebensraums animiert werden. Möglich wird dies dank extremer Auslegung der Naturschutzgesetze und grenzwertiger “Bewirtschaftung”, wo fruchtbarer Habitatsboden nachhaltig ruiniert wird.

Das Bezirksparlament Floridsdorf und mittlerweile tausende Wienerinnen und Wiener fordern die Absiedlung des Bauprojekts an einen anderen Standort und die Festsetzung eines Naturschutzgebiets rund um das Heeresspital. Wie erwähnt, mangelt es der Gemeinde Wien nicht an Ersatzflächen für das Bauvorhaben.

Damit die Wiener Zieselvertreibung nicht zur internationalen Blamage und zur teuren Belastung für alle österreichischen Steuerzahler gerät, ist die Stadtregierung jetzt gefordert rasch zu handeln.

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal wird jedenfalls für den Schutz der bedrohten Ziesel-Population am Marchfeldkanal vehement weiterkämpfen.

Auch Sie können helfen! Bitte unterstützen Sie mit Ihrer Unterschrift die Petition zum Schutz der Ziesel beim Heeresspital!

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