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 Ziesel beim Wiener Heeresspital - Help us !!

Der Druck durch die IGL-Marchfeldkanal zeigte Wirkung. Die scharf kritisierten Baggerarbeiten im Ziesel-Lebensraum beim Wiener Heeresspital wurden vorerst abgesagt. „Man hätte das als Lenkungsmaßnahmen interpretieren können“, hieß es seitens der ökologischen Bauaufsicht gegenüber dem Kurier.

Doch die weitaus gefährlichere Bedrohung für die Ziesel ist weiterhin real!

Jenes Feld, wo die massiv vom Aussterben bedrohten Tiere einem lukrativen Bauprojekt im Weg stehen, soll fortan zur Hälfte verwildern. Da die streng geschützten Tiere auf kurze Grasvegetation als Lebensgrundlage angewiesen sind, ist dieser Plan fatal und verstößt zudem eindeutig gegen den zur Ziesel-Absiedlung erteilten Bescheid.

Angesichts des völligen Scheiterns der Umlenkung, scheint nun die Versuchung groß, von den eingereichten Plänen abzugehen. Daher darf die Behörde die widrige Einstellung der Mahd nicht einfach stillschweigend hinnehmen. Anderenfalls wäre der unfassbare Wiener Naturschutzskandal um eine beschämende Facette reicher und geschützte Arten endgültig Freiwild.

Indes betritt mit dem ÖVW ein weiterer Bauträger den Ziesel-Hexenkessel im Norden der Bundeshauptstadt. Just auf jenem Abschnitt, wo im Mai 2011 den weitgehend passiven Behörden erstmals Ziesel-Baue gemeldet wurden, soll noch dieses Jahr ein weiteres Bauprojekt starten.

Seit 2005 ist das Ziesel-Großvorkommen beim Heeresspital amtsbekannt, doch passierte in der Folge zu dessen Schutz, trotz des absehbaren Konflikts, schlicht gar nichts. Dabei hätte im Habitat jener Art, die in Österreich auf Platz 1 der roten Liste steht und europaweit streng geschützt ist, niemals auch nur ein Cent durch die Bauwirtschaft investiert werden dürfen.

Widerstand kommt weiterhin vom Bezirksparlament Floridsdorf. In einer einstimmig beschlossen Resolution fordern die Volksvertreter, im wertvollen Naturjuwel beim Heeresspital solange keine Bauprojekte durchzuführen, als dort streng geschützte Arten vorkommen. Leider hat die Stadtregierung bis dato sämtliche der beherzten lokalpolitischen Initiativen, selbst von eigenen Parteifreunden, konsequent ignoriert.

Wien hätte es aber in der Hand, den Ziesel-Irrsinn beim Heeresspital zu beenden und so doch noch der im Raum stehenden, empfindlichen EU-Strafe wegen groben Verstoßes gegen die europäische Naturschutzrichtlinie, zu entgehen.

Die Metropole besitzt nämlich zwei Millionen Quadratmeter an Bauland. Durch einen Grundstückstausch, wie von Floridsdorf und zigtausenden Wienern gefordert, wäre sowohl Bauträgern, als auch Ziesel & Co., nachhaltig geholfen.

Verbrachung verstößt eklatant gegen Bescheid der Naturschutzbehörde

Die April 2013 von der Naturschutzbehörde den Projektwerbern erteilte Genehmigung zur Absiedlung der Ziesel nördlich des Heeresspitals, erfolgte unter der Auflage, dass die in den eingereichten Unterlagen beschriebenen Maßnahmen zwingend einzuhalten sind:

flaechen_noerdlich_des_heeresspitals_bescheid_593_2012_15_04_13

Quelle: Bescheid MA 22 – 593/2012 -> Download

Jedoch ist in Beilage 1 unmissverständlich definiert, dass die Pflegemaßnahmen am Bauland erst dann unterbleiben können, wenn gesicherte Hinweise auf Akzeptanz der Ausgleichsflächen vorliegen. Als fachliche Begründung argumentieren die Projektwerber, dass dadurch die ursprüngliche Ausdehnung des Ziesel-Lebensraums von 3,6 Hektar nie unterschritten werden könne:

flaechen_noerdlich_des_heeresspitals_bescheid_593_2012_15_04_13-beilage-1

Quelle: Bescheid MA 22 – 593/2012 – Beilage 1 -> Download

Behörde muss jetzt entschieden einschreiten

Bekanntermaßen gibt es den erforderlichen Nachweis hinsichtlich der Akzeptanz der Ausgleichflächen nicht und es wird ihn wohl auch niemals geben. Denn bislang hat gar keine Abwanderung auf die abgelegenen Ersatzwiesen stattgefunden. Ganz im Gegenteil ist die Population auf der Projektfläche im Vorjahr sogar signifikant angewachsen.

Wenn ab sofort – wie im aktuellen ökologischen Quartalsbericht offiziell kundgetan – die Hälfte des Projektgebiets nicht mehr gepflegt werden soll und somit verbrachen wird, verstößt dies eindeutig gegen den rechtskräftigen Bescheid der Behörde: Weder existiert ein gesicherter Nachweis über die Abwanderung der Ziesel, noch bleibt ein, quantitativ und qualitativ vergleichbares, Ausmaß an bereits akzeptiertem Lebensraum erhalten.

Die Naturschutzbehörde muss nun endlich ihre unnachvollziehbare Passivität überwinden und die korrekte Einhaltung des Ziesel-Bescheids wirkungsvoll durchsetzen. Andernfalls läuft Wien Gefahr, dass im Naturschutz endgültig Vorgehensweisen, hart an der Grenze zu Wildwest Sitten, einreißen.

Noch mehr Ziesel-Zoff durch weiteres Bauvorhaben

Noch ein Bauprojekt noerdlich des Wiener Heeresspitals beim Ziesel-Habiatat

Als wäre die Situation nicht ohnehin schon verfahren genug, steigt nun das ÖVW als weiterer Player in die aufgeheizte Arena und will dort viel Geld in Wohnbau investieren – als ob dies nicht anderswo mit weitaus weniger Risiko möglich wäre.

Ausgerechnet dort, wo im Mai 2011 durch aufmerksame Bürger zahlreiche Zieselbaue entdeckt wurden, soll ein weiteres Großprojekt durchgezogen werden. Dessen Bauland grenzt unmittelbar an das schon länger bekannte, heftig umstrittene, Bauvorhaben der Bauträger Kabelwerk und Donau City an.

Obwohl die Behörden seinerzeit umgehend verständigt und seitdem wiederholt Pflegemaßnahmen bei der Wiener Umweltschutzabteilung urgiert wurden, passierte dort seither – gewollt oder ungewollt – nichts zum Schutz dieser Ziesel. Als frustrierende Konsequenz verbarcht das Teilhabitat seit seiner Entdeckung ungehindert. Dennoch finden sich im März 2014 zumindest entlang eines Trampelpfades, der durch das Grundstück führt, zahlreiche Hinweise auf Zieselbaue. Gewissheit über das Ausmaß der Besiedlung kann klarer weise erst nach Mahd der Brache erzielt werden.

Zieselbau entlang Trampelpfad nördlich Wiener Heeresspital 2014-03-14  Zieselbau entlang Trampelpfad nördlich Wiener Heeresspital 2014-03-14

Zieselbaue entlang Trampelpfad nördlich Wiener Heeresspital 2014-03-16

Quelle der Karte: Stadt Wien – ViennaGIS

Aber selbst dann, wenn auf der Projektfläche kein einziges Ziesel mehr leben würde, darf es für das Projekt kein grünes Licht geben. Denn der überwiegende Teil der vorgesehenen Baukörper liegt innerhalb eines 50-Meter-Puffers, gemessen vom Rand des angrenzenden Ziesel-Vorkommens zum Bauzaun. Dieser Puffer gilt Kraft des Bescheids für die bisher angesuchten Bauaktivitäten nördlich des Heeresspitals und muss ergo auch für den neuen Bauträger gelten.

Die Realisierbarkeit des ÖVW-Projekts ist also direkt abhängig vom Gelingen der benachbarten Ziesel-Absiedlung. Bekanntlich ist dieses Vorhaben aber zum Megaflop geraten und Gegenstand einer naturschutzrechtlichen Beschwerde, die von der EU-Kommission nach genauer Prüfung aufgegriffen wurde.

Bildmaterial aus 2011 belegt Ziesel-Vorkommen auf Projektfläche

Ein unscheinbares, am 18. Mai 2011 auf Youtube hochgeladenes Video und weiteres, zeitgleich angefertigtes, Material dokumentierten, dass bereits damals auf dem nun designierten Bauland Zieselbaue existierten und die Fläche augenscheinlich Teil des Gesamthabitats war.

Zieselbaue in Mai 2011: Foto- und Videogalerie

Klare Sache für Expertin Hoffmann

Ziesel-Expertin Dr. Ilse Hoffmann (Uni Wien), die von uns um ihre fachliche Einschätzung ersucht wurde, macht in ihrer Antwort deutlich, dass auch sie auf dem historischen Material Bauöffnungen erkennen kann und 2011 dort selbst mindestens einen Zieselbau kartiert hat:

„Bei IMG_1060 bis _1072, IMG_1081 bis _1085 und den Videos 1, 2 und 4 handelt es sich m.E. um Bauöffnungen von Zieseln oder Hamstern. Besonders (ziesel)typisch das/die Bausystem/e in Videos 2 & 4 mit jeweils zwei relativ nahe beieinander liegenden Öffnungen.

Wie Sie erwähnen, habe ich 2011 auf gegenständlicher Fläche selbst mindestens einen Zieselbau festgestellt. Das Vorhandensein von Ziesel- bzw. Hamsterbauen wäre auch nicht weiter verwunderlich, da der Bewuchs zumindest zum damaligen Zeitpunkt durchaus mit naturnahen Lebensräumen vor der Mahd vergleichbar war.

Jetzt entschlossen für den Ziesel-Schutz handeln!

Action Plan for the Conservation of the European Ground Squirrel Spermophilus citellus in the European UnionWien im Jahr 2014: Rechtskräftige Bescheide sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind. Im Lebensraum, der am meisten vom Aussterben bedrohten Art, kommt es zu einer unverständlichen Inflation an Bauprojekten.

Während die EU-Kommission im Vorjahr einen ambitionierten Aktionsplan ins Leben gerufen hat, um die europaweit anhaltend drastischen Bestandsrückgänge in den Griff zu bekommen, geht Wien weiter seinen einsamen Weg, wo Profit Naturschutz eiskalt übertrumpft.

Forderungen des Floridsdorfer Parlaments werden von der Stadtregierung einfach vom Tisch gewischt, aber die Ziesel-Abwanderung bleibt ein reines PR-Märchen und die EU-Kommission stellt Österreich zu den Vorgängen beim Heeresspital zur Rede. Österreichs leidgeprüften Steuerzahlern drohten eine saftige Millionenstrafe aus Brüssel und die Finanzierung teurer Wiederansiedlungsprogramme.

Dennoch geben sich die Verantwortlichen optimistisch und pumpen sogar noch mehr Geld in die Projekte. Grund gibt es dazu freilich keinen, denn Dr. Hoffmann scherte zuletzt gegenüber dem Kurier aus der Schönwetter-Inszenierung aus. Es gäbe keine Garantie für den Erfolg der Absiedlung, denn die Ausgleichsflächen wären „nicht optimal“, weil sie nicht an das aktuelle Habitat angrenzen, so die Expertin.

In dieser trostlosen Situation ist nun die rot-/grüne Stadtregierung gefordert die Reißlinie zu ziehen. Floridsdorfs Lokalpolitik und schon viele tausende Menschen fordern, die Bauprojekte nördlich des Heeresspitals abzusiedeln und stattdessen ein Naturschutzgebiet zum dauerhaften Schutz der Tiere einzurichten. Mit zwei Millionen Quadratmetern besitzt die Stadt Wien genügend Ersatzbauland für den überfälligen Befreiungsschlag.

Bitte setzen auch Sie ein starkes Zeichen für die Respektierung des Naturschutzes und unterstützen Sie mit Ihrer Unterschrift die Petition zum Schutz der Ziesel!

Update: Wie Dr. Ilse Hoffmann (Uni Wien) auf Facebook mitteilte, wurden die Baggerarbeiten nördlich des Heeresspitals wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. “Man hätte das als Lenkungsmaßnahmen interpretieren können“, erklärte die mit der ökologischen Bauaufsicht beauftragte Expertin gegenüber der Tageszeitung Kurier.

Ilse Hoffmann auf Facebook am 1. März 2014

"Bewirtschaftung" des Feldes nördlich Wiener Heeresspital ab 15. März 2014

Abbildung: “Bewirtschaftungsmaßnahmen” im Ziesel-Habitat nördlich Heeresspital, Frühjahr 2014. Braune Flächen: Oberbodenabtrag, Rote Fläche: Verbrachung aufgrund Einstellung der Mahd (Quelle -> Download)

Beim Wiener Heeresspital bahnt sich ein bespielloser Naturschutzskandal und damit eine weitere Eskalation im Ziesel-Streit an, der bekanntlich mittlerweile in Brüssel angekommen ist.

Schon ab 15. März 2014 rollen tonnenschweren Bagger an, um am Rand des Ziesel-Habitats – tituliert als “Bewirtschaftung” – den Oberboden abzutragen. Jedoch halten zu diesem Zeitpunkt noch die meisten der streng geschützten Nagetiere wehrlos ihren Winterschlaf.

Auch will man fortan rund die Hälfte des Projektgebiets nördlich des Heeresspitals, trotz signifikantem Anwachsens der Ziesel-Population, verbrachen lassen. Für die Tiere ist dieser Eingriff fatal. Denn die massiv vom Aussterben bedrohten Ziesel benötigen zwingend kurze steppenähnliche Vegetation.

Die bevorstehende Offensive gegen das Ziesel-Habitat wurde seinerzeit weder beantragt, noch durch den Bescheid vom April 2013 autorisiert. Allem Anschein nach, will die Stadt Wien die Maßnahmen dennoch freundlich durchwinken. Das würde auch nicht weiter verwundern, denn als Naturschutzbehörde, Bauträger und Bereitsteller von abgelegenen Ausgleichsflächen, nimmt sie eine zweifelhafte Dreifachrolle in dem unwürdigen Schauspiel ein.

Am Ende werden den Skandal die ohnehin schon leidgeprüften österreichischen Steuerzahler ausbaden müssen. Sollte es nämlich zu einer Verurteilung der Republik Österreich wegen schwerwiegender Verstöße gegen die europäischen Naturschutzrichtlinien kommen, drohen Strafen im hohen zweistelligen Millionenbereich sowie sündteure Wiederansiedlungsprogramme. “Freuen” wir uns also auf ein von Wien eingebrocktes Ziesel-Sparpaket!

Zwei Millionen m² Bauland befinden sich im Besitz der Stadt Wien. Daher sollte es der rot/grünen Stadtregierung nicht schwerfallen, der wiederholten Forderung des Floridsdorfer Bezirksparlaments nachzukommen, den Bauträgern ein Ersatzgrundstück anzubieten und so doch noch das drohende Desaster abzuwenden. Immerhin war das Ziesel-Vorkommen beim Heeresspital ohnehin schon vor Ankauf der Grundstücke und Beschluss der Flächenwidmung amtsbekannt.

Neuer ökologischer Bericht ist brisante Bombe

Bericht ökologische Aufsicht 17.01.2014Aufgrund des im Jänner von den Bauträgern vorgelegten Berichts (-> Download), sollten bei der MA 22 eigentlich sämtliche Alarmglocken schrillen. Gleich mehrere brisante Punkte müssten die Behörde, sofern sie die Naturschutzgesetze wirklich ernst nimmt, zum Einschreiten veranlassen:

  • Seit Herbst 2012 ist die Ziesel-Population nördlich des Heeresspitals von 182 auf 216 benutzte Baue, also um fast 20 Prozent, angewachsen. Hingegen sind bis dato noch immer keine Abwanderungen auf Ausgleichsflächen, speziell über die Brücke auf die andere Seite des Marchfeldkanals, nachgewiesen. Die hochgejubelte Ziesel-Absiedlung funktioniert also in Wahrheit überhaupt nicht.
  • Der Zweck des als „Bewirtschaftung“ verkauften Abtragens der Humusschicht wird durch die Bauträger nicht dargelegt. Daher wären die Arbeiten bei Abwägung möglicher Risiken für das europaweit in schlechtem Erhaltungszustand befindliche Ziesel eindeutig zu untersagen.
  • Da nur mehr etwa die Hälfte des von Ziesel besiedelten Projektgebiets gemäht werden (80 Prozent von “Zone 2b”) und somit der Rest verwildern soll, bedeutet dies zweifelsfrei eine Verschlechterung der Habitatsqualität. Das steht aber eklatant im Widerspruch zur europäischen FFH-Richtlinie, deren primäres Ziel die europaweite Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustandes bedrohter Arten (darunter Ziesel, Feldhamster und Zauneidechse) und Lebensräume ist.
  • Zwar wird die unübersehbare Präsenz der europaweit geschützten Zauneidechse nun endlich zur Kenntnis genommen. Jedoch geht man wortwörtlich davon aus, dass „die meisten Vertreter dieser Art im März fluchtfähig sind“. Das heißt einerseits, dass im Rahmen der Erarbeiten die Flucht streng geschützter Tiere in Kauf genommen wird. Andererseits ist im Umkehrschluss davon auszugehen, dass manche Exemplare eben nicht fluchtfähig sein könnten und für diese ein mögliches Risiko ebenso in Kauf genommen wird. Klarerweise bedürften solche Maßnahmen einer Ausnahmegenehmigung, die im konkreten Fall jedoch nicht vorliegt.

Wir meinen, dass hier die Bauträger und die von ihnen bezahlten Auftragsexperten unter dem Deckmantel “Landwirtschaft” versuchen könnten, soweit als möglich Fakten im Sinne des Bauprojekts schaffen zu wollen. Jedoch haben nach unser Kenntnis die Bauträger für die westliche Zone 1 bloß die Erlaubnis Sommergerste anzubauen, sofern dort keine Ziesel und Hamster vorkommen. Für Oberbodenabtrag, der ja den Zielen gängiger Landwirtschaft zuwider läuft, verfügen sie über keinen behördlichen Freibrief.

MA 22 an EU-Kommission: Halten an Bescheid unbeirrt fest

Heeresspital-Ziesel: EU-Kommission fordert Stellungnahme von WienWie berichtet, hat die europäische Kommission nach sorgfältiger Prüfung einer Beschwerde der IGL-Marchfeldkanal die Republik Österreich mit knallharten Fragen zum Ziesel-Vorkommen beim Wiener Heeresspital konfrontiert.

Bezeichnenderweise musste die Wiener Naturschutzbehörde auf unsere Anfrage hin eingestehen, dass man Brüssel in der Beantwortung keine Fakten, die inhaltlich über den Bescheid vom 10. April 2013 hinausgehen, mitteilen konnte. Sie gab also eindeutig zu verstehen, dass sie an ihrem Bescheid unbeirrt festhält. Es war aber gerade dieser zweifelhafte Bescheid, der die Kommission veranlasste, gegen Österreich aktiv zu werden.

Sollte die bislang zahnlose MA 22 nun sogar Maßnahmen zulassen, die sie Kraft des Bescheids gar nicht autorisiert hat, ist eine weitere Eskalation des Konflikts mit Brüssel absehbar. Selbstverständlich werden wir die obersten europäischen Naturschützer über die neuen, höchst unerfreulichen Entwicklungen umfassend unterrichten.

Schiefe Optik für Stadt Wien

Auszug aus dem Wien-Holding Geschäftsbericht 2012Die Optik in der Ziesel-Causa ist für die Stadt Wien ganz besonders schief. Über die Wien-Holding ist sie nämlich an einem der beiden Bauträger, dem Kabelwerk, beteiligt. (Geschäftsbericht der Wien-Holding -> Download)

Der massive Interessenskonflikt für die Stadt Wien ist evident, denn als zuständige Naturschutzbehörde konnte sie sich den Bescheid zur Absiedlung der Ziesel nördlich des Heeresspitals selbst erteilen. Praktischerweise stellt die städtische MA 49 auch gleich den Großteil der (teils abgelegenen und ungeeigneten) Ausgleichsflächen bereit.

Vor diesem Hintergrund zieht es Umweltstadträtin Ulli Sima – nach Eigendarstellung starke Stimme für aktive Umweltpolitik und modernen Tierschutz – vor beharrlich zu schweigen. Ihre wenigen, vom Bezirksparlament Floridsdorf erzwungenen Äußerungen, sprechen jedenfalls für sich (-> Download):

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die erteile Genehmigung den Bestimmungen des Naturschutzgesetzes und den Vorgaben der FFH-Richtlinie entspricht und daher keine Maßnahmen durch den Wiener Gemeinderat zu treffen sind.

Rot-Grüne Stadtregierung jetzt unter Zugzwang

Ziesel-Petition-2013 Heeresspital Wien small

Vor den Augen der alarmierten Europäischen Kommission startet also ab 15. März für die Ziesel am Marchfeldkanal eine Horrorshow - jene Art die in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste steht. Mittels Baggern von links und Verbuschung von rechts, sollen wohl die Tiere zum “freiwilligen” Verlassen ihres Lebensraums animiert werden. Möglich wird dies dank extremer Auslegung der Naturschutzgesetze und grenzwertiger “Bewirtschaftung”, wo fruchtbarer Habitatsboden nachhaltig ruiniert wird.

Das Bezirksparlament Floridsdorf und mittlerweile tausende Wienerinnen und Wiener fordern die Absiedlung des Bauprojekts an einen anderen Standort und die Festsetzung eines Naturschutzgebiets rund um das Heeresspital. Wie erwähnt, mangelt es der Gemeinde Wien nicht an Ersatzflächen für das Bauvorhaben.

Damit die Wiener Zieselvertreibung nicht zur internationalen Blamage und zur teuren Belastung für alle österreichischen Steuerzahler gerät, ist die Stadtregierung jetzt gefordert rasch zu handeln.

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal wird jedenfalls für den Schutz der bedrohten Ziesel-Population am Marchfeldkanal vehement weiterkämpfen.

Auch Sie können helfen! Bitte unterstützen Sie mit Ihrer Unterschrift die Petition zum Schutz der Ziesel beim Heeresspital!

Artenschutz-Kalender 2014Bezaubernde Fotos von Zieseln und Feldhamstern in ihrem natürlichen Lebensraum, stehen im Mittelpunkt des Artenschutzkalenders 2014, der ab sofort erhältlich ist!

Die atemberaubenden Bilder wurden freundlicherweise vom mehrfach preisgekrönten Floridsdorfer Fotografen Leopold Kanzler zur Verfügung gestellt, dessen Werke, weit über die Grenzen seines Heimatbezirks hinweg, große Anerkennung finden.

Für eine Mindestspende von 8 Euro ist der Artenschutzkalender 2014 in Wien-Floridsdorf in der Buchhandlung “Bücherei am Spitz” und dem Bio-Nahversorger “Lebenskraft Natur” erhältlich. Nähere Infos finden Sie auf der Kalender-Seite.

Ziesel-Verbreitung nördlich Wiener Heeresspital - Stand Oktober 2013

Das Ziesel-Vorkommen nördlich des Wiener Heeresspitals ist deutlich angewachsen. Sowohl gemessen an Anzahl der Baue, als auch an beanspruchter Fläche. Nahezu das gesamte Feld, auf dem die Stadt Wien ein riesiges Bauprojekt durchpeitschen will, ist mittlerweile von den streng geschützten Tieren besiedelt.

Diese harten Fakten gehen schwarz auf weiß aus dem offiziellen Bericht hervor, der kürzlich der Wiener Naturschutzbehörde von den Bauträgern vorgelegt wurde. Zuvor penetrant lancierte Gerüchte, wonach die Ziesel-Absiedlung ein “Riesen-Erfolg” wäre, sind damit als solche enttarnt. In Wahrheit ist das hochgejubelte Konzept einer “freiwilligen Abwanderung” aus dem Projektgebiet ein völliger Fehlschlag.

Getarnt als “Bewirtschaftung” sollen nun tonnenschwere Baumaschinen auffahren, um in der verbliebenen unbesiedelten Randzone den Oberboden abzutragen und dann zu planieren. Dabei will man nahe an bekannte Baue, worin wehrlose Ziesel bereits ihren Winterschlaf halten, herangehen. Zugleich wird riskiert, dass bislang unentdeckte Ziesel-Baue Schaden nehmen können. Denn zu dieser Jahreszeit kann selbst die involvierte Expertin nach eigenen Angaben nicht mit absoluter Sicherheit Mauslöcher von Ziesel-Bauen unterscheiden.

Offensichtlich wollte man vor Anrollen der Bagger durch gezielte Desinformation das Feld in den Köpfen der Menschen bildlich räumen. Die subtile PR-Offensive ist gescheitert und die Glaubwürdigkeit der handelnden Personen nachhaltig im Keller.

Zuletzt hat die EU-Kommission nach genauer Prüfung die massive Kritik der Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal aufgegriffen und verlangt nun von der Republik Österreich eine Stellungnahme zu den Vorgängen beim Heeresspital. Vor diesem ohnehin schon ernsten Hintergrund ist das unbeirrte Festhalten an der Zerstörung des wertvollen Lebensraums in hohem Maße unverantwortlich. Am Ende droht der Republik und damit den Steuerzahlern eine hohe Geldstrafe wegen eklatanter Missachtung des Gemeinschaftsrechts.

Inzwischen formiert sich auf Facebook ziviler Ungehorsam gegen die beabsichtigten Erdbewegungen am Rand des Ziesel-Habitats. Stehen einander dort bald engagierte Bürger und tonnenschwere Bagger gegenüber?

Ein Bild des totalen Scheiterns

Die Karte (oben) zeigt die Ziesel-Verbreitung nördlich des Wiener Heeresspitals mit Stand Anfang Oktober 2013:

  • Jeder schwarzer Punkt entspricht einem verifizierten Ziesel-Bau.
  • Grün umrandet: Ausbreitung des Ziesel-Vorkommens nördlich des Heeresspitals mit Stand Oktober 2013.
  • Blau umrandet: Zum Vergleich die deutlich kleinere Ausdehnung des Ziesel-Vorkommens im Jahr 2012, also gut ein Jahr vor Beginn der Lenkungsmaßnahmen.
  • Violett schraffiert: Ziesel-Großpopulation innerhalb des Heeresspitals und südlich davon. Da nur durch einen Maschendrahtzaun getrennt, ist von einer intakten Verbindung zwischen den Teilpopulationen innerhalb und außerhalb des Heeresspitals auszugehen. Somit können Ziesel ungehindert vom Areal des Heeresspitals ins Umland auswandern.
  • Der einzelne Bau X1 befindet sich nicht auf einer Ausgleichsfläche.
  • Der einzelne Bau X2 liegt auf der Marchfeldkanal-Böschung. Die Tatsache, dass sich bloß ein Ziesel auf die einzige, unmittelbar angrenzende Ausgleichsfläche A4 verirrt hat, zeigt deutlich, wie wenig die Böschung tatsächlich als Ersatzlebensraum geeignet ist.
  • Der Bau X3 liegt einsam auf Ausgleichsfläche A2. Das Tier kann es sowohl aus dem Heeresspital, als auch von der nördlich gelegenen Projektfläche dorthin verschlagen haben.
  • Auf Fläche A3 befinden sich mehrere Ziesel-Baue (X4). Allerdings waren dort schon im Vorjahr mindestens ebenso viele Baue zu finden, wie eine Foto-Dokumentation vom April 2012 belegt.
  • X5 und X6 sind wiederum Einzelbaue, wo aufgrund der Nähe zum Großvorkommen am Heeresspital und südlich davon, kaum von einer Zuwanderung von der deutlich weiter entfernten Projektfläche auszugehen ist.

Bemerkenswert: Auf die jenseits des Marchfeldanal gelegenen Ausgleichsflächen, die für die Ziesel nur über eine schmale Brücke erreichbar sind, ist kein einziges Tier abgewandert.

Ziesel-Population hat um 12,6 Prozent zugelegt!

Stellt man die Daten aus dem Quartalsbericht von Oktober 2013 jenen aus dem Oktober 2012 gegenüber, so zeigt sich im Vergleichszeitraum eine Zunahme von 182 auf 205 auf verifizierte Ziesel-Bausysteme, was einem Anwachsen um 12,6 Prozent entspricht.

Hinweise auf bis zu 19 Ziesel- oder Feldhamsterbaue auf den Ausgleichsflächen will man gefunden haben. Zugleich müssen die Autoren jedoch eingestehen, dass ein großer Teil davon von Mäusen stammen könnte, da deren Löcher „im zweiten Halbjahr oberflächlich nicht eindeutig von Zieselbauen unterscheidbar sind“.

Wie weiter oben ausgeführt, dürften gerademal drei Tiere tatsächlich umgezogen sein. Die angestrebte Abwanderung von 50 Prozent, die mehr als 100 verifizierten Bauen auf Ausgleichsflächen entsprechen würde, wurde unübersehbar meilenweit verfehlt.

Außergewöhnliche Ziesel mit einzigartiger Fellfärbung

Ziesel mit ungewöhnlichem Farbschlag nördlich des Wiener Heeresspitals. Foto: Ilse Hoffmann, Uni Wien
Ziesel mit ungewöhnlichem Farbschlag nördlich des Heeresspitals. Foto: Ilse Hoffmann

Die Vermutung, dass die Zieseln beim Heeresspital einer bis dato unbekannten Unterart angehören könnten, ist noch immer aufrecht. Auch heuer wurden wieder Tiere gesichtet bzw. gefangen, deren Fell einen außergewöhnlichen Farbschlag aufweist, der nur bei dieser Population dokumentiert ist.

Baumaschinen im Anmarsch!

'Bewirtschaftung' der Zieselflächen nördlich des Wiener Heeresspitals. Stand Oktober 2013

Der Bericht der Bauträger an die Naturschutzbehörde MA22 führt das beabsichtigte Abtragen des Erdreichs in Randzonen detailliert aus. Durch euphemistische Titulierung als „Bewirtschaftung“, soll vermutlich die Tatsache ausgenutzt werden, dass die Behörde den Bauträgern für Bodenbearbeitungen am Ziesel-Feld freie Hand lässt, sofern diese nicht über eine Tiefe von 30 Zentimetern hinausgehen.

Details zu den Erdarbeiten

Versucht man auf diese Weise den MA22-Bescheid auszutricksen, wonach mit Bautätigkeiten auf den fünf Bauplätzen jeweils erst dann begonnen werden darf, wenn sich auf diesen nachweislich keine geschützten Tiere befinden?

Auch Zauneidechsen in Gefahr!

Zauneidechse am Feld noerdlich Wiener Heeresspital August 2013
Zauneidechse in Zone 1 am Feld nördlich des Heeresspitals im August 2013

Zum aktuellen Zeitpunkt ist jedenfalls jeder Bauplatz von Zieseln besetzt. Dazu kommen rund 15 andere geschützte Arten, darunter die europaweit streng geschützte Zauneidechse, deren häufiges Vorkommen am Projektfeld amtskundig ist. Tötung von Zauneidechsen-Individuen, die sich bereits  in Winterstarre befinden, sowie Beschädigung oder Zerstörung ihrer Ruhestätten würde zweifelsfrei einen Verstoß gegen die Naturschutzgesetze bedeuten.

Brüssel richtet Augen auf Floridsdorf

Heeresspital-Ziesel: EU-Kommission fordert Stellungnahme von WienInzwischen ist der Umgang der Stadt Wien mit der Ziesel-Population beim Heeresspital bis zu den obersten Naturschützern in Brüssel eskaliert. Am Ende droht der Republik Österreich und damit den Steuerzahlern eine saftige Geldstrafe wegen grober Verstöße gegen fundamentale Prinzipien europäischen Umweltrechts.

Wenn die Behörde jetzt zur Schaffung von vollendeten Tatsachen das Auffahren der Baumaschinen zulässt, nimmt sie eine zusätzliche Verschärfung der dramatischen Situation in Kauf. Wie will sie der Kommission erklären, dass in Wien die vorgenommenen „Bewirtschaftungen“, deren konkreter Nutzen nicht erkennbar ist, über das zweifelsfrei gegebene Schutzbedürfnis der europaweit unter Druck stehenden Ziesel gestellt wurde?

Naturschützer mobilisieren auf Facebook

Indes wollen viele engagierte Bürgerinnen und Bürgern die drohende, teilweise Zerstörung des wertvollen Lebensraums und die damit einhergehende mögliche Gefährdung streng geschützter Ziesel und anderer Arten nicht mehr schweigend hinnehmen. Die Behörde haben sich an die Buchstaben der Naturschutzgesetze zu halten, statt diese im Anlassfall kreativ auszulegen.

Geleitet von Berthold Brechts berühmten Worten, organisieren Natur – und Tierschützer in der Facebook-Gruppe „Rettet die Ziesel“ Protestaktionen gegen das Diktat der Bagger:

“Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!”

Quellen zu diesem Artikel

Quartals-Bericht ökologische Aufsicht 09.10.2013

Ausbreitungsareal Ziesel nördlich Heeresspital Stand 02.10.2013

Maßnahmen Bewirtschaftung 2013 nördlich Heeresspital Stand 07.10.2013

Quartals-Bericht ökologische Aufsicht 18.10.2012

Ausbreitungsareal (Ziesel- + potentielle Hamsterbaue) im Juni 2012

Foto-Dokumentation Ziesel-Baue auf Ausgleichsfläche A3 im April 2012

Heeresspital-Ziesel: EU-Kommission fordert Stellungnahme von Wien

Erfolg für die IGL-Marchfeldkanal !

Die EU hat eine von der Bürgerinitiative eingebrachte Beschwerde zu den fragwürdigen Vorgängen rund um die Stammersdorfer Ziesel akzeptiert.

Nach eingehender Prüfung der umfassenden Unterlagen, konfrontiert die EU-Kommission nun die Republik Österreich mit unseren Vorwürfen. Innerhalb von zehn Wochen muss Österreich dazu gegenüber Brüssel Stellung beziehen.

Können die schwerwiegenden Vorwürfe nicht ausräumt werden, droht ein Mahnschreiben von den obersten europäischen Naturschützern und in weiterer Folge ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof. Eine Verurteilung käme die österreichischen Steuerzahler teuer.

Indes ist das Ziesel-Vorkommen nördlich des Heeresspitals signifikant angewachsen. Anstatt freiwillig abzuwandern, haben sich die Tiere nahezu am gesamten Areal ausgebreitet! Eine gestreute “Success-Story”, wonach Ziesel bereits übersiedelt wären, entpuppt sich hingegen als PR-”Ente”.

Doch für Jubel bleibt keine Zeit, denn es ist die bange Frage zu stellen:

Fahren beim Heeresspital nun bald die Bagger auf, um möglichst rasch vollendete Tatsachen zu schaffen?

Umfassende Beschwerde im Juli 2013 eingebracht

Unter Beiziehung unabhängiger, in Fragen des europäischen Umweltrechts anerkannter Experten, hat sich die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal im Juli 2013 mit einer detaillierten Beschwerde an die europäische Kommission gewandt.

Das von uns beauftragte Gutachten kommt zum Schluss, dass das geplante Projekt in zahlreichen Punkten gegen Artikel 12 der FFH‐Richtlinie verstößt und somit die Wiener Naturschutzbehörde MA 22 die Ausnahmeregelungen des Artikel 16 der FFH‐RL anwenden hätte müssen. Der erteilte Bewilligungsbescheid geht auf diesen Umstand jedoch kaum bzw. fehlerhaft ein und gibt keine Gründe gemäß Art. 16 Abs. 1 der FFH-RL an.

Folgende Punkte bilden den Kern unserer Beschwerde:

  • Wissenschaftlich unerprobtes Konzept einer “freiwilligen Abwanderung” des Ziesels und des Feldhamsters
  • Ungeeignete Ausgleichsflächen
  • Absichtliche und aktive Vertreibung von Ziesel und Feldhamster
  • Absichtliches Fangen von Tieren
  • Bewilligter Baubeginn ohne gesichertes Funktionieren der neu geschaffenen Ausgleichsflächen
  • Störende Einflüsse des Betriebs des geplanten Vorhabens auf die lokale Population
  • Das Fehlen nachvollziehbarer Angaben auf welche Weise das völlige Verlassen aller Lebensräume geprüft wird

Gemäß Artikel 12 und 16 der FFH-RL wären von der Wiener Behörde vor Erteilung einer Ausnahme alternative Projektstandorte zu prüfen gewesen. Zudem hätte das öffentliche Interesse an der Realisierung des Projekts gegenüber dem hohen Schutzbedürfnis der Ziesel- und Feldhamster-Populationen abgewogen werden müssen.

Beide zur Gewährung von Ausnahmen im europäischen Artenschutz verbindlich anzuwendende Verfahrensschritte wurden jedoch nicht durchgeführt.

Wichtiger Erfolg für Bürgerinitiative

Zur Prüfung der Beschwerde wurden der Kommission der MA 22-Bescheid, all seine Beilagen und sämtliche im Zusammenhang relevanten Dokumente übermittelt. Im Aufgreifen unseres Anliegens durch die zuständige EU-Stelle sehen wir bereits einen ersten wichtigen Erfolg zur Rettung der Ziesel am Marchfeldkanal.

Denn wir sind zutiefst davon überzeugt, dass die Experten in der Kommission jede Beschwerde zunächst eingehend prüfen und nur in wirklich begründeten Fällen tatsächlich weiterverfolgen.

Damit zeigt sich, dass die von uns vorgebrachten, bislang aber stets unwirsch vom Tisch gewischten, Argumente, sehr fundiert sind.

Ziesel haben sich am gesamten Bauland ausgebreitet!

Beobachtungen der IGL-Marchfeldkanal werden nun auch von offizieller Seite bestätigt. Wie die Ziesel-Expertin Ilse Hoffmann in der Facebook-Gruppe “Rettet die Ziesel” erklärt, hat die Anzahl der am Feld nördlich des Heeresspitals lebenden Ziesel merkbar zugelegt.

Von der Naturschutzbehörde MA 22 war zudem auf Anfrage zu erfahren, dass die Tiere mittlerweile auch in jene Zonen eingewandert sind, die bislang nicht von ihnen besiedelt waren. Nur an kleineren Randstellen des rund sieben Hektar großen Areals sind noch keine Zieselbaue zu finden.

Damit ist nun endgültig klar: Das hochgejubelte Konzept einer “freiwilligen Abwanderung” auf überwiegend abgelegene und zudem teils ungeeignete Ausgleichsflächen hat sich als eklatanter Fehlschlag erwiesen.

Ziesel-Übersiedlung entpuppt sich als PR-”Ente”

Für Aufregung sorgte ein Medienbericht, dass Ziesel schon umgezogen seien und die Umlenkung der Tiere erfolgreich sein könnte. In einer ersten Reaktion auf Facebook rückte die darin zitierte Ilse Hoffmann, den Artikel zurecht:

„Fotos und Zitat wurden von mir freigegeben, allerdings hatte ich keine Gelegenheit, den Artikel gegenzulesen. Wen die Fakten interessieren: Bitte unter Berufung auf das Umweltinformationsgesetz den aktuellen Quartalsbericht von der MA22 anfordern. Im übrigen: 11 Baue sind grade mal 5 % des derzeitigen Bestands auf der Projektfläche…“

Ziesel-Bau oestlich des Wiener Heeresspitals im April 2012In Wahrheit ist davon auszugehen, dass die Mehrzahl der mutmaßlichen Wander- Ziesel gar nicht auf die Ersatzflächen zugewandert ist, sondern dort ihren angestammten Lebensraum hat. Insbesondere jene auf der östlich am Heeresspital angrenzenden Ausgleichsfläche A3.

Denn schon im April 2012, also ein Jahr vor Beginn der Lenkungsmaßnahmen, waren auf A3 um die 10 Ziesel-Baue zu finden. Auch heuer waren dort vergleichbar viele Baue präsent. In diesem Licht reduziert sich somit die ohnehin schon geringe Zahl von 11 mutmaßlichen Wander-Zieseln, nochmals auf einen Bruchteil.

Fotos von Ende April 2012 dokumentieren, die bereits damals auf A3 vorgefundenen Ziesel-Baue:

Fotos und Miniclips

Droht nun die totale Eskalation?

Monsterschild am Marchfeldkanal zur Zieselumlenkung AIn Brüssel befasst sich die EU-Kommission mit dem fragwürdigen Bescheid der Naturschutzbehörde, am Bauland haben sich die Ziesel – statt Abzuwandern – nahezu flächendeckend ausgebreitet. Jeder der fünf Bauplätze ist von Zieseln oder Feldhamstern besetzt.

Angesichts dieser für die Projektbetreiber ausweglosen Situation ist zu befürchten, dass beim Heeresspital in Kürze die Baumaschinen auffahren werden. Denn schon seit Wochen verkündet dort eine anonyme Monstertafel ab Herbst 2013 “erste Projektumsetzungsschritte auf zieselfreien Flächen”.

Laut telefonischer Auskunft des beauftragten Bauunternehmens, soll in Randbereichen des Ziesel-Felds die Humusschicht abgetragen und anschließend geschottert werden.

Jener am Schild dargestellter Abschnitt, wo “umgesetzt” werden soll, ist von Zieseln und potentiell von weiteren, der amtsbekannten geschützten Arten besiedelt. Doch jetzt wo die Tiere die Baue verschlossen und ihren Winterschlaf begonnen haben, sind die Baueingänge nicht mehr sichtbar. Niemand kann mit Sicherheit sagen, wo genau wehrlose Ziesel unter der Erde schlafen. Strafen für kleine “Hoppalas” könnten die Verantwortlichen aus Portokassa begleichen.

Vermutlich will man die “ersten Projektumsetzungsschritte” als landwirtschaftliche Tätigkeit deklarieren, denn der MA22-Bescheid verbietet strikt jede Aufnahme von Bauarbeiten, wenn sich am betroffenen Bauplatz noch geschützte Tiere und in einem Umkreis von 50 Metern Zieselbaue befinden. Allerdings lässt die Behörde den Bauträgern weitgehend freie Hand für landwirtschaftliche Aktivitäten im Ziesel-Lebensraum.

Fragen Sie sich also:

Wo werde ich sein, wenn die Bagger kommen?

Ziesel-Schutz kostet Geld – Bitte helfen Sie!

Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere Aktivitäten zum Schutz der Ziesel am Marchfeld.

Die Daten unseres Spendenkontos, das dankenswerterweise vom Wiener Tierschutzverein zur Verfügung gestellt wird, lauten:

Wiener Tierschutzverein
IBAN: AT68 6000 0000 9212 3610
Verwendungszweck: Ziesel-Schutz

Wir danken für Ihre Unterstützung!

Floridsdorf fordert Überarbeitung des Ziesel-Bescheids

Floridsdorf kämpft weiter vehement für den Erhalt seiner bedrohten Naturschätze.

Per Mehrheitsbeschluss verlangt das Bezirksparlament nun eine umfassende Überarbeitung des Ziesel-Absiedlungsbescheids. Dieser enthält “zahlreiche Widersprüche” sowie “unklare Formulierungen” und ist zudem “in wesentlichen Punkten unvollständig“, kritisieren die Volksvertreter scharf.

Indes gerät der ausgelobte Bauträgerwettbewerb, an dessen Ende die Vernichtung des beim Heeresspital gelegenen Ziesel-Habitats steht, zusehends zur absurden Posse. Vorliegende Unterlagen offenbaren unglaubliche Details.

Die Kosten der sogenannten “Naturschutzmaßnahmen” sollen durch die künftigen Bewohner getragen werden. Das ist in hohem Maße skandalös. Denn so will die Stadt Wien ihre groben Planungsversäumnisse von streng geschützten Tierarten und den Geldbörsen der Mieter ausbaden lassen.

Harte Forderungen des Bezirks Floridsdorf

Am 11. September 2013 wurden von den Grünen und der unabhängigen Mandatarin Andrea Mayrhofer (“Für SIE da”) in der Sitzung des Bezirksparlaments vier Anträge und eine Anfrage zur Ziesel-Causa eingebracht:

Der verlangten Überarbeitung des MA 22-Bescheids zur Ziesel-Absiedlung stimmten nach hitzigen Diskussionen „Für SIE da“, FPÖ, Grüne, ÖVP und das WIFF zu. Einzig die SPÖ lehnte geschlossen ab.

In den weiteren, allesamt ebenso angenommen Anträgen werden seitens des Bezirks Floridsdorf noch mehr harte Forderungen an die Stadt Wien gerichtet:

  • Dem Artenschutz gerechte Pflegemaßnahmen für umliegende Ziesel-Vorkommen außerhalb des Projektgebiets
  • Ausstellung des überarbeiteten Bescheides der MA 22 bez. der streng geschützten Tierarten nördlich des Heeresspitals unter Einhaltung der Öffentlichkeitsbeteiligungsrichtlinie der EU (Århus-Konvention)
  • Beginn von Bauarbeiten – wenn überhaupt – erst dann, wenn die Einhaltung der mannigfaltigen Auflagen durch ein Gutachten erwiesen ist

Obskurer Bauträgerwettbewerb in Ziesel-Lebensraum

Ziesel-Referat der IGL-Marchfeldkanal am 19. August 2013

Nach dem Willen der Stadt Wien, sollen dort, wo heute nachweislich mindestens 17 geschützte Tierarten ihren Lebensraum haben, künftig riesige Betonschluchten prangen. Mit dem Ziesel und den anderen seltenen Arten stehen die Verlierer des vorangehenden Wettbewerbs schon vorab fest.

Im Rahmen einer Informationsveranstaltung sollten diesbezügliche Einreichungen einem handverlesenen Publikum schmackhaft gemacht werden. Jedoch konnten selbst kreative Sprachschöpfungen, wie “Vielfältiges Quartier mit hoher Identität”, “Kristallisationspunkt des urbanen Lebens” oder “Klare geometrische Formensprache gebildet aus quadratischen Baumscheiben”, massive Bedenken bezüglich des Naturschutzes nicht vom Tisch wischen.

Der Vertreter der IGL-Marchfeldkanal ging in seiner Stellungnahme auf die Planungsversäumnisse in der Vergangenheit ein, legte den besorgniserregenden Erhaltungszustand des Ziesels in Österreich dar und führte die enormen Risiken aus, die von Projektentwicklern durch Ankauf von Bauplätzen nördlich des Heeresspitals eingegangen würden.

Während es von den Anwesenden für den Vortrag der Bürgerinitiative kräftigen Applaus gab, stieß das Bauprojekt auf entschiedene Ablehnung. Auf Kosten wertvoller natürlicher Ressourcen und Artenschutzes darf es zu keiner Realisierung des Vorhabens kommen, so der einhellige Tenor der Wortmeldungen.

Auf Seite 8 des offiziellen Protokolls zur Veranstaltung ist nun erstmals schriftlich dokumentiert, wer für die Kosten der “Naturschutzmaßnahmen” gerade stehen soll:

“Die Kosten tragen letztlich die MieterInnen.”

Kampf um Floridsdorfer Naturschätze geht weiter!

Die Stadt Wien besitzt 2 Millionen Quadratmeter an Bauland-Reserve. Doch anstatt – wie vom Bezirk Floridsdorf und tausenden Wienerinnen und Wienern gefordert – das Bauprojekt an anderer Stelle zu realisieren, vergeuden die Verantwortlichen lieber noch mehr Zeit und Geld im Lebensraum eines der landesweit letzten großen Ziesel-Vorkommen. Mit den neuen Beschlüssen des Bezirksparlaments Floridsdorf geht der Konflikt zwischen Lokalpolitik und Gemeinde Wien also in die nächste Runde.

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal begrüßt, dass der Bezirk Floridsdorf weiterhin hartnäckig für den Erhalt seiner bedrohten Naturschätze kämpft. Zugleich prüfen wir intensiv Optionen um gegen den behördlichen Bescheid zur hochriskanten Absiedlung der Ziesel beim Heeresspital juristisch vorzugehen.

Jetzt unterschreiben und spenden!

Auch Sie können helfen! Alle Wienerinnen und Wiener sind herzlich eingeladen unsere Petition für ein Naturschutzgebiet auf den Grünflächen am und rund um das Heeresspital zu unterzeichnen.

Darüber hinaus freuen wir uns sehr über Spenden, die wir zum Schutz der Ziesel, Feldhamster und der anderen geschützten Arten beim Wiener Heeresspital einsetzen werden:

Kontoinhaber: Wiener Tierschutzverein
Kontonummer: 00092-123-610
BLZ: 60000 (Bawag PSK)
Verwendungszweck: Zieselschutz
IBAN: AT68 60000 00092123610
BIC: OPSKATWW

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

Ziesel-Mutter mit Kind nördlich Wiener Heeresspital

Das Europäische Ziesel steht in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste. Trotz strengstem Schutz gehen seine Bestandszahlen europaweit kontinuierlich zurück. Um wirkungsvoll entgegenzuwirken, hat die EU-Kommission kürzlich einen länderübergreifenden Ziesel-Aktionsplan initiiert.

Das kümmert die Stadt Wien freilich herzlich wenig. Sie peitscht beim Heeresspital, im Lebensraum einer der landesweit letzten großen Ziesel-Kolonien, einen großangelegten Bauträgerwettbewerb durch. Im Zuge dessen sollen drei von insgesamt sechs Bauplätzen um immense Summen den Besitzer wechseln.

Wenig überraschend geriet jedoch die Ausschreibung zum veritablen Flop. Bloß vier Einreichungen für zwei Flächen gingen ein. Für den dritten und zugleich größten Bauplatz interessierte sich gleich gar niemand.

Doch auch diese vier „waghalsigen“ Teilnehmer sollten ihr Engagement beim Heeresspital nochmals gründlich überdenken. Hohen Investitionen von ca. 1,5 Mio. bzw. 3,3 Mio. Euro stehen enorme Risiken gegenüber.

Da die Wettbewerbsbedingungen den Rechtsweg ausschließen, schließen die Käufer somit “Naturschutz-Wetten” auf das Gelingen der Ziesel-Abwanderung ab. Gewiss wäre dagegen nichts einzuwenden, kämen die Wetteinsätze aus den eigenen Taschen der Verantwortlichen.

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal erläutert im Detail, wo potentielle Fallstricke für die Bewerber liegen können. Dazu veröffentlichen wir nun auch sämtliche Beilagen des Bescheids der Naturschutzbehörde MA 22. In diesen Anlagen verbergen sich nämlich gravierende Hürden, so etwa eine 50 Meter breite, zwingend zieselfreie Pufferzone um jeden Bauplatz.

Letztlich droht die Versenkung von weiteren Millionenbeträgen beim Heeresspital, wo das Ziesel-Vorkommen schon vor Beginn der Planungen amtsbekannt war. Viel Geld, das anderenorts wohl mit weitaus weniger Unsicherheiten investiert werden könnte.

Alle Beilagen des MA 22-Bescheids

Der naturschutzrechtliche Bescheid der MA 22, der die Absiedlung der Ziesel beim Heeresspital autorisiert, verweist auf sieben Beilagen, die integrale Bestandteils des Bescheids bilden:

„Die Ausführung der beantragten Maßnahmen muss den Einreichunterlagen (Beilagen 1-7), die Bestandteile dieses Bescheides bilden, entsprechen.“

Speziell Beilage 1 wartet mit heftigen Restriktionen auf. Darüber hinaus liefert das im Vorfeld des Bescheids erstellte Amtsgutachten wertvolle Informationen, insbesondere über das tatsächliche Ausmaß der Artenvielfalt im Projektgebiet und die bemerkenswerte Auslegung des Artenschutzes durch die Behörde.

Naturschutzrechtlicher Bescheid der MA 22

Beilage 1 / Beilage 2 / Beilage 3 / Beilage 4 / Beilage 5 / Beilage 6 und 7

Amtsgutachten / Ausschreibungstext des Bauträgerwettbewerbs

Übersicht über die Bauplätze nördlich des Heeresspitals

Bauplätze im Ziesel-Lebensraum nördlich des Wiener Heeresspitals

Quelle: wohnfonds_wien

Für Bauplatz 4 (Kaufpreis 1,49 Mio. Euro) liegen Beiträge von den Bauträgern MIGRA, Familienwohnbau und Siedlungsunion vor.

Für Bauplatz 5 (Kaufpreis 3.32 Mio. Euro) gibt es lediglich eine Einreichung von der SPÖ-nahen Sozialbau.

Für Bauplatz 1, den man auf Basis von 50 jährigem Baurecht weitergeben wollte, fanden sich keine Interessenten.

Ausgeschlossener Rechtsweg wie bei “DKT-Partie”

Im Ausschreibungstext machen die Auslober des Bauträgerwettbewerbs, Kabelwerk und Donau City, unmissverständlich klar, dass sie keine Gewähr für die Abwanderung der Ziesel übernehmen:

„Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass gem. beiliegendem Bescheid der MA22, vom 10. April 2013, (siehe „Zusatzinformationen“) die Bauarbeiten erst dann begonnen werden dürfen, wenn auf dem jeweiligen Bauplatz keine Ziesel, Feldhamster oder andere geschützte Tierarten mehr vorkommen. Die Auslober übernehmen keine Garantie hinsichtlich der tatsächlichen Realisierbarkeit des Projektes.“

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen!

Mit dem Erwerb eines der Bauplätze wird also in Kauf genommen, dass dieser möglicherweise niemals verwertet werden kann und der Käufer auf den gesamten Kosten sitzenbleibt. Anders als in ihren öffentlichen Auftritten sind die Auslober offensichtlich nicht vom Erfolg der Lenkungsmaßnahmen überzeugt und wälzen das Risiko lieber auf ihre Kunden ab.

Angesichts der evident riskanten Rahmenbedingungen stellt sich die Frage, warum überhaupt Angebote eingelangt sind. Schließlich geht es hier im Gegensatz zum Spieleklassiker DKT um reales Geld, womöglich unter Inanspruchnahme von Krediten. Durchschnittliche “Häuslbauer” würden wohl dankend ablehnen und sich anderenorts nach Alternativen umsehen.

50 Meter-Pufferzone um Bauplätze als Show-Stopper

Um auf einem Bauplatz die Bautätigkeit aufnehmen zu können, dürfen darauf keine Ziesel mehr vorkommen. Darüber hinaus sieht Bescheid-Beilage 1 noch zusätzlich eine 50 Meter-Pufferzone rund um jeden Bauplatz vor. Diese muss ebenso frei von Zieseln sein muss. Erst dann können die Bauarbeiten – vielleicht – beginnen.

Wenn auch nur ein einziges Ziesel in die Pufferzone zurückwandert, käme es am betroffenen Bauplatz zu einem sofortigen Baustopp. Ob und wann die Tätigkeit dann wieder aufgenommen werden kann, steht in den Sternen.

Skizze der jeweiligen 50m-Pufferzonen um die Bauplätze 1, 3, 4 und 5

Jede der sechs Pufferzonen und damit auch jene der zum Verkauf stehenden Bauplätze 4 und 5, ist heute augenscheinlich von Zieseln besiedelt (siehe aktuelles Bild). Daher ist auf absehbare Zeit kein Beginn von Bauarbeiten denkbar und eine künftige Verwertung direkt durch Vorgänge außerhalb des Bauzauns bestimmt.

Zieselbau nördlich des Heeresspital im August 2013

Zieselbau nächst Bauplatz 4  (August 2013)

Dichtes relevantes Ziesel-Vorkommen auch innerhalb des Heeresspitals

Verteilungskarte Ziesel beim Heeresspital. Quelle: Ilse Hoffmann, Universität Wien, Stand 09/2011

Quelle: Präsentation von Ilse Hoffmann, Universität Wien, Stand 09/2011

Die 50m-Pufferzonen um die Bauplätze 4 und 5 reichen unübersehbar auf das Areal des Heeresspitals hinein. Jedoch sind nahezu sämtliche Grünflächen innerhalb des Heeresspital-Geländes von in Summe ca. 600 Zieseln besiedelt, darunter auch Wiesen im Bereich der 50 Meter-Pufferzonen (Stand 2011).

Der MA 22-Bescheid betrifft aber nicht das militärische Gelände innerhalb des Heeresspitals. Somit können und werden dort auch keine Lenkungen, Umsiedlungen, Abtransporte oder sonstigen Maßnahmen gegen streng geschützte Tiere stattfinden.

Da es am Heeresspital-Gelände seit 2011 keine weiteren Untersuchungen gab, ist aufgrund der präventiven Intention der Naturschutzgesetze jedenfalls davon auszugehen, dass die 50m-Pufferzonen um Bauplatz 4 und 5 unverändert von Zieseln besetzt sind oder jederzeit wiederbesiedelt werden können (siehe Verbreitungskarte oben).

Völlig aussichtlos erscheint die Lage am Bauplatz 5, denn dieser liegt sogar zum Teil am heutigen Areal des Heeresspitals (Grundstück 868/13, KG 01616). Ebenso führt die zur Projektfläche gehörige Zufahrtsstraße über Grünflächen innerhalb des Heeresspitals (Grundstück 868/14).

Bauplatz 5 liegt zum Teil am Heeresspital-Areal. Quelle: Stadt Wien – ViennaGIS

Bauplatz 5 liegt zum Teil am Heeresspital-Areal. Quelle: Stadt Wien – ViennaGIS

Alle 15 vorkommenden geschützten Arten sind zu berücksichtigen

Das Gebiet nördlich des Wiener Heeresspitals ist ökologisch besonders wertvoll. Der naturschutzrechtliche Bescheid führt aus, dass dort insgesamt 15 geschützte Arten vorkommen (die im Widmungsverfahren allerdings niemanden interessiert haben):

„Dem Gutachten ist zu entnehmen, dass folgende streng geschützte und geschützte Tierarten auf den Flächen nördlich des Heeresspitals vorkommen: Europäisches Ziesel, Feldhamster, Neuntöter, Star, Zauneidechse, Graue Beißschrecke, Langflügelige Schwertschrecke, Italienische Schönschrecke, Weißrandiger Grashüpfer, Kleines Wiesenvögelchen, Hauhechel- Bläuling, Kleiner Kohlweißling, Blaue Federlibelle, Kartäuserschnecke und Wiener Schnirkelschnecke.“

An dieser Stelle gilt es zu bedenken, dass die MA 22 in ihrem Bescheid lediglich den Abtransport von insgesamt maximal 10 Zieseln oder Feldhamstern erlaubt und sonst nichts. Ausdrücklich aufrecht bleibt hingegen das strenge Naturschutzgesetz für alle anderen Tierarten:

„ Die Antragstellerinnen dürfen mit Bauarbeiten auf dem jeweiligen Baufeld erst beginnen, wenn auf diesem keine Ziesel, Feldhamster oder andere geschützte Tierarten mehr vorkommen und zumindest 2 Wochen vor Beginn der Bauarbeiten dem Magistrat der Stadt Wien – Magistratsabteilung 22 ein entsprechender Bericht der ökologischen Aufsicht vorgelegt wurde.“

In der Praxis könnten die Erreichung des notwendigen Zustands und dessen Nachweis äußerst schwierig werden. Insbesondere die streng geschützte Zauneidechse (Lebensraumschutz am gesamten Wiener Stadtgebiet) ist am gesamten Feld nördlich des Heeresspitals mit zunehmender Dichte anzutreffen.

Sollte also Zauneidechsen oder andere streng geschützte Tiere auf einem Bauplatz vorkommen, braucht es weitere Ausnahmegenehmigungen der Naturschutzbehörde. Ob und wann diese erteilt werden würden, ist nicht absehbar. 2011 hat das deutsche Bundesverwaltungsgericht in einem bemerkenswerten Entscheid die Absiedlung einer vergleichbaren Zauneidechsen-Population untersagt:

„Bei der Umsiedlung von Zauneidechsen erscheint es ausgeschlossen, der Tiere auf einer Fläche von mehreren Hektar mit habitattypischen Versteckmöglichkeiten auch nur annähernd vollständig habhaft zu werden. Die Aussage, es lasse sich eine “relativ hohe” Fangquote erzielen lässt den Schluss zu, dass zumindest einzelne Tiere im Zuge der Baufeldfreimachung erdrückt werden. Daran kann auch eine Umweltbaubegleitung nichts ändern. Damit ist auch hier der Tötungstatbestand erfüllt! Eine Privilegierung nach § 44 Abs. 5 BNatSchG kommt nicht in Betracht, da in der FFH-Richtlinie keine vergleichbare Einschränkung des Tötungsverbotes vorgesehen ist.“

Bei der Ziesel-Wanderung im Juni 2013 konnten sich dutzende Menschen persönlich davon überzeugen, dass die streng geschützten Tiere am Feld nördlich des Heeresspitals umherflitzen:

Zauneidechse nördlich Wiener Heeresspital, (C) Ingrid Pölcz

 Zauneidechse nördlich des Wiener Heeresspitals, (C) Ingrid Pölcz

De Facto-Baustopp während acht Monaten Ziesel-Winterschlaf

Wie ihre nächsten Verwandten, die Murmeltiere, halten auch die Ziesel einen bis zu acht Monate langen Winterschlaf (Quelle: wien.at). Gemäß Beilage 1 des MA 22-Bescheids ist für diese sensible Periode die Bautätigkeit massiv eingeschränkt:

„Daher ist auch nach Evakuierung des Baulands zu berücksichtigen, dass Vibrationen, wie sie z.B. von LKW und Baumaschinen hervorgerufen werden, zur Störung des Winterschlafs in angrenzenden Bereichen führen können. Dies ist für Winterschläfer äußerst riskant, weil die dadurch bedingten Aufwärmphasen für fast den gesamten Energieverbrauch des Winterschlafs verantwortlich sind. Wenn Winterschläfer sterben, geschieht dies vermutlich meist am Beginn solcher Aufwärmphasen. Bauarbeiten, die Erderschütterungen im Nahbereich von Ziesel- und Hamstervorkommen hervorrufen, sollten zwischen Oktober und März unterbleiben.“

Zwar ist hier durch den Text nur eine Periode von sechs Monaten vorgegeben. Da nach Stand der Wissenschaft der Ziesel-Winterschlaf bis zu acht Monate dauern kann (Quelle: Ilse Hoffmann), ist jedoch von einem entsprechend längeren Zeitfenster an massiv eingeschränkter Bautätigkeit – mit allen resultierenden zeitlichen und monetären Konsequenzen – auszugehen. Auch ist klarerweise für die Bauplätze 4, 5 und 6 wiederum die Nachbarschaft zu dem von Zieseln dicht besiedeltem Heeresspital-Areal zu berücksichtigen.

Mangelhafter Bescheid auf rechtlich wackeligen Beinen

In Fragen des Naturschutzrechts versierte Experten sehen eine Reihe handfester Anknüpfungspunkte um gegen den naturschutzrechtlichen Bescheid der MA 22 vorzugehen. Um nur ein besonders gravierendes Beispiel zu nennen: Die europarechtlich zwingend erforderliche Evaluierung alternativer Projektstandorte hat schlicht nicht stattgefunden. Warum auch immer …

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal prüft derzeit intensiv Optionen um gegen die Ziesel-Absiedlung juristisch vorzugehen. So ist es gut möglich, dass involvierte Bauträger über Nacht ohne Rechtsgrundlage für ihre Bautätigkeit dastehen werden.

Eingereichter Zeitplan bereits obsolet

Der vorgelegte Zeitplan, der als Beilage 3 verbindlicher Teil des MA 22-Bescheids ist, ist schon nach wenigen Monaten hinfällig geworden. Denn bislang existiert kein Nachweis, dass auch nur ein einziges Ziesel vom Feld nördlich des Heeresspitals auf eine der Ausgleichsflächen abgewandert ist.

Da nun (Ende August 2013) bereits die ersten Ziesel ihren Winterschlaf beginnen, werden 2013 mit Sicherheit keine Umlenkungen mehr stattfinden. Somit ist auch das für April 2014 angesetzte Abtransportieren von Restexemplaren nicht mehr einzuhalten.

Wenn es 2013 zu keinen nachweisbaren Abwanderungen von Zieseln gekommen ist, warum sollten diese plötzlich 2014, 2015 oder sonst wann beginnen?

Verantwortungen und Respekt gegenüber der Umwelt

Viele Gründe sprechen gegen weitere Investments beim Wiener Heeresspital. Ein wesentlichster wurde noch nicht genannt: Verantwortung gegenüber der Umwelt und kommenden Generationen, denen wir, soweit es in unseren jeweiligen Kräften liegt, eine möglichst intakte Natur mit all ihrer wunderbaren Vielfalt hinterlassen sollten.

Die Gemeinde Wien besitzt fast 2 Mio. Quadratmeter an Bauland. Um die Stadt auch in Zukunft mit Wohnraum zu versorgen, muss wohl niemand für die Ziesel am Marchfeldkanal die Büchse der Pandora öffnen. In Wien können Menschen und Wildtiere auf absehbare Zeit friedlich nebeneinander existieren, ohne dass die einen gegen die anderen ausgespielt werden müssen.

Daher ist es an der Zeit das von Floridsdorf verlangte Naturschutzgebiet rund um das Heeresspital, zum nachhaltigen Schutz der dort ansässigen, selten gewordenen Arten, auf Schiene zu bringen. Viele Wienerinnen und Wiener unterstützen bereits die gleichlautende Petition. Bitte unterschreiben auch Sie!

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