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Bagger gegen wehrlose Ziesel beim Heerespital ab Juli 2015

Infos zur SMS-Alarmkette am Ende des Artikels!

Was ein lautstarkes Gespräch zwischen Bauträger und STRABAG beim Zieselfeld offenbarte, wurde von der Stadt Wien gegenüber der „Krone“ offiziell bestätigt:

Ab Juli 2015 werden beim Heeresspital die Bagger auffahren um einen großen Teil des Ziesel-Habitats zu vernichten und ansässige Ziesel zu vertreiben. Bis zuletzt war das Vorkommen, trotz aller Maßnahmen, stetig angewachsen. SPÖ und Bauwirtschaft verlieren jetzt die Geduld.

Ermöglicht wird die beispiellose Offensive gegen jene Art, die in Österreich Platz 1 der Roten Liste belegt, durch einen neuen Bescheid der Naturschutzbehörde. Zu befürchten ist, dass die Behörde diesmal – zusätzlich zum Oberbodenabtrag – weitere äußerst brutale Mittel gestattet hat. So etwa die Zerstörung von Bausystemen, wenn verängstigte Tiere dorthin vor den tonnenschweren Maschinen fliehen.

Als bloße Inszenierung entpuppt sich hingegen die romantisch präsentierte Zieselbrücke. Durch Geheimhaltung der weiteren radikalen Pläne sollten Öffentlichkeit und Medien offenbar hinters Licht geführt werden.

In ihrer Panik werden die zahlreich betroffenen Zieseln sicher nicht nach Brücken suchen, sondern sich in alle Richtungen zerstreuen. Wie bei Umsiedlungen mittels Käfigen, muss von massiven Verlusten unter den Tieren ausgegangen werden. Beraubt um ihre Baue, will sie die Stadt Wien erbarmungslos ihrem düsteren Schicksal überlassen.

Nun sind alle Augen auf die Wiener Umweltanwaltschaft gerichtet, denn sie hat Parteistellung im Bescheidverfahren und ist die allerletzte Hoffnung für die Ziesel. Verzichtet Sie auf ihr Parteirecht, wäre der Bescheid unmittelbar rechtskräftig und damit der barbarische Naturschutz-Horror endgültig auf Schiene.

‚Licht aus‘ auch für andere bedrohte Tierarten

Mit dem Ziesel haben beim Heeresspital auch andere geschützte Arten, darunter Feldhamster, Zauneidechse, Feldhase sowie seltene Vogel- und Schneckenarten, ein ungestörtes Rückzugsgebiet gefunden. Auch sie werden einen großen Teil ihres Lebensraums verlieren. Insbesondere bei den Junghasen und der besonders häufig vorkommenden Zauneidechse drohen zudem Verluste von Individuen.

Beschämende Interpretation des strengen Wiener Naturschutzgesetzes

Damit der neue Bescheid überhaupt zustande kommen konnte, bedurfte es seitens der MA 22 einer außergewöhnlichen Eruption an kreativer Energie. Denn das Wiener Naturschutzgesetzes gestattet Maßnahmen gegen eine streng geschützte Art nur dann, wenn ihr Erhaltungszustand vor und nach dem Eingriff günstig ist.

Angesichts des europaweit ungünstigen Zustands des Ziesels und dramatischer Bestandrückgänge, müsste also jedes Ansuchen um Ausnahmen zurückgewiesen werden, unabhängig vom politischen Netzwerk der Ansuchenden.

Völlig fantasielos ging die Behörde hingegen bei der Prüfung anderer zentraler Aspekte vor, nämlich der von Standortalternativen und des Vorliegens zwingender Gründe öffentlichen Interesses. Im Besitz des Stadt Wien befinden sich zwei Mio. m² an zieselfreiem Bauland und somit eine Fülle an ersatzweisen Optionen.

Trotz Forderung vom Floridsdorfer Bezirksparlament und von tausenden Petitionsunterzeichnern nach Verlegung des Bauprojekts, muss ausgerechnet beim Heeresspital gebaut werden.

Ziviler Ungehorsam zum Schutz der Ziesel

Indes formiert sich im Internet Widerstand gegen die bevorstehende Vertreibung von Zieseln beim Heeresspital und für die Respektierung des Naturschutzes. Besorgte Bürgerinnen und Bürger organisieren Protestaktionen, die vor Ort stattfinden werden.

Um über das Auftauchen von Baumaschinen und den Treffpunkt für, im Rahmen der Gesetze zulässige, Proteste alarmiert zu werden, wurde ein SMS-Verteiler eingerichtet, in den man sich ab sofort eintragen kann.

Aufnahme in SMS-Alarmkette

Außerdem werden in einer Facebook-Gruppe aktuelle Entwicklungen in Echtzeit gepostet und weitere Maßnahmen koordiniert.

Facebook-Gruppe Aktion “Rettet die Ziesel”

Häupl-Sima-Ziesel-Juli 2005

Roter Wahlkampf anno 2005. 10 Jahre später pfeift die SPÖ auf Zieselschutz.

In den Kampf gegen das Ziesel-Habitat beim Heeresspital – eines der letzten großen in Österreich soll verbaut werden – mischt sich nun auch Andreas Schieder, SPÖ-Klubobmann im Parlament und mitverantwortlich an der Hypo-Notverstaatlichung, ein.

Befragt vom „Kurier“, was denn die SPÖ den in Scharen davonlaufenden Wählern bieten könne, echauffiert sich Schieder – sehr zum Erstaunen der Leser – zu allererst darüber, dass am Stadtrand von Wien auf Ziesel Rücksicht genommen werden muss, statt diese rücksichtslos abzusiedeln. Routiniert im Drüberfahren über Bürger, muss es dem roten Multifunktionär wohl quälende Schmerzen bereiten, wenn jetzt plötzlich ein paar hundert Nager einen Sonderstatus genießen sollten.

Aussichtsverliebte „Anrainer“ als Sündenböcke

Bezeichnenderweise hat Schieder „Anrainer“ der Ziesel als Verhinderer des Bauprojekts ausgemacht. Offenbar weiß er aber nicht, dass besagter Terminus im Wiener Naturschutzgesetz gar nicht vorkommt. Folglich kennt es keinen Paragraphen, wonach bei Präsenz von Anrainern das Naturschutzgesetz automatisch außer Kraft treten würde.

Häupl und Sima als Verhinderungsprofis an Grenze zum Populismus

Beiseite nehmen sollte sich Schieder allerdings seine Parteifreunde Michael Häupl und Ulli Sima. Sie haben sich 2005 im Verhindern eines Bauprojekts verdient gemacht und das ausgerechnet wegen einer Ziesel-Population! Auf den ehemaligen Radio Austria Gründen waren die Tiere ebenfalls der Verwertung des Areals im Weg. Zufällig war jedoch gerade Wahlkampf. Da haben Bürgermeister und Umweltstadträtin das Projekt durch den Gemeinderat stoppen lassen und sich sogar in persönlichen Schreiben an die dortigen „Anrainer“ für deren Engagement bedankt.

Stadt Wien besitzt 2 Millionen Quadratmeter an Bauland

Spannende Infos könnte Herr Schieder vom Wiener Wohnbaustadtrat Michael Ludwig erzählt bekommen, wenn dieser nicht gerade wieder mal beschäftigt ist in seinem Ressort für Ordnung zu sorgen. Im Besitz der Stadt Wien befinden sich nämlich zwei Millionen Quadratmeter an Bauland. Die Gemeinde hätte also sofort nach Bekanntwerden der Ziesel das Bauprojekt nördlich des Heeresspitals an einen anderen Ort verlegen können. Das hätte Zeit und Geld gespart und die dringend benötigten Wohnungen würden längst stehen. Angesichts der riesigen Baulandreserve ist die Knappheit an Wohnraum sicher nicht auf ein Vorkommen streng geschützter Zieseln zurückzuführen, sondern könnte schlicht auch mit mangelnder Qualifikation der handelnden Personen zu tun haben.

Genosse im Burgenland zuckt völlig aus – nicht nur wegen Rot/Blau

Richtige Verhinderungsprofis sind auch seine, jüngst in Ungnade gefallenen burgenländischen, Genossen. Diese erdreisten sich in Parndorf für den Fortbestand einer Kolonie von 200 Zieseln einzusetzen. „Für mich ist es fünf vor zwölf. Und wenn jetzt nicht bald etwas geschieht, dann haben wir dieses Naturjuwel vor der Haustür endgültig verloren.“, heißt es von einem lokalen SPÖ-Gemeinderat.

Wer stirbt früher aus? SPÖ oder Ziesel Klarerweise wollen die Wiener Genossen die Schlacht um das Heeresspital bis zum letzten Ziesel ausfechten. Denn wenn sie nördlich davon klein beigeben, dann ist das gesamte Areal innerhalb des Heeresspitals und auch der Bereich südlich davon, auf Jahrzehnte hinaus verloren. Darum wird es in der Stadt der allgegenwärtigen Freundschaft auch weiterhin kein Erbarmen für die Ziesel geben. Denken Sie am 11. Oktober 2015 daran und zeigen Sie rücksichtloser Zerstörung letzter Wiener Naturschätze die rote Karte !

Ziesel-Führung beim Wiener Heeresspital am 27. Juni 2015In der Causa rund um die bedrohten Ziesel beim Heeresspital setzt die Stadt Wien nach wie vor auf betreutes Denken für Bürger, statt auf konsequenten Naturschutz. Denn zum wiederholten Mal ließ man unter inszeniertem PR-Jubel verkünden, dass die Rettung der Ziesel jetzt aber wirklich bevorstünde.

Diesmal soll eine weitere Brücke über den Marchfeldkanal die massiv vom Aussterben bedrohten Nager zum massenhaften Exodus aus ihrem Lebensraum auf weit verstreute „Ausgleichsflächen“ ermuntern und so die Realisierung eines, für die involvierten Konzerne hochprofitablen, Bauprojekts doch noch ermöglichen.

Bloß hat auch der neueste Plan schwere Schönheitsfehler:

  • Schon heute gäbe es nämlich genügend Pfade für die Ziesel zur Abwanderung. Sie tun es aber schlicht und einfach nicht und vermehren sich stattdessen lieber in ihrem angestammten Habitat.
  • Auch ist gerade jener Bereich, wo die Brücke andocken soll, kaum von den streng geschützten Zieseln besiedelt.
  • Zur Nutzung der auf der anderen Seite des Marchfeldkanals gelegenen Ausgleichsfläche A8, verfügen die Bauträger zudem bis dato nicht über die Zustimmung aller Eigentümer, was jedoch vom Bezirksgericht Floridsdorf erstinstanzlich als dafür notwendig erkannt wurde.

Welchen magischen Anreiz nun das neue Konstrukt auf die bekannt standort-treuen Tiere ausüben soll, weiß offenbar selbst die mit der Ziesel-Absiedlung beauftragte Expertin Dr. Ilse Hoffmann nicht. Bezeichnenderweise wollte sie dazu gegenüber dem „Kurier“ keinen Kommentar abgeben.

Wenig mitteilungsfreudig geben sich auch Stadt und Bauträger, wenn es um Kosten und vor allem Kostenträger für den Zieselsteg geht. Vielsagendes Schweigen der Verantwortlichen lässt allerdings befürchten, dass der Steuerzahler als alleiniger Finanzier des wenig aussichtsreichen Naturschutzabenteuers auserkoren wurde.

Authentischer Lokalaugenschein bei den Zieseln am Marchfeldkanal

Aufgrund der aktuellen Entwicklung und des regen Interesses vieler naturverbundener Wienerinnen und Wiener, bietet die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal auch heuer wieder eine fachkundige Ziesel-Führung an.

Lernen Sie bei einem gemeinsamen Spaziergang entlang des Marchfeldkanals den artenreichen Lebensraum beim Heeresspital und viele seiner Bewohner kennen. Machen Sie sich zudem anhand der tatsächlichen Gegebenheiten ein persönliches Bild davon, wie absurd das beharrliche und teure Festhalten der Stadt Wien an den Ziesel-Absiedlungplänen ist.

Wann: Samstag, 27. Juni 2015, 15:30 Uhr

Treffpunkt: Johann-Orth-Platz, 1210 Wien (Link zum Wienplan)

Dauer: ca. 1,5 – 2 Stunden

Anreise: Der Treffpunkt befindet sich nahe der Endstation der Straßenbahn-Linie 31. Falls Sie mit dem Auto anreisen, nutzen Sie bitte die Parkmöglichkeiten entlang der Johann-Weber-Straße. Am Johann-Orth-Platz ist das Parkplatzangebot nur gering.

Tipp: Zum Beobachten der Ziesel bitte Fernglas mitnehmen!

Der Spaziergang findet bei jedem Wetter statt. Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal freut sich auf Ihr Kommen!

Ziesel-noerdlich-Heeresspital-Wien-April-2015

Bravo, tapfere Ziesel !

Ihr Vorkommen nördlich des Wiener Heeresspitals hat im 12-Monatsvergleich abermals deutlich zugelegt (plus 8,3 Prozent). Besonders am westlichen Rand, wo man die streng geschützten Nager besser heute als morgen loswerden will, um endlich bauen zu können.

Auf den Ausgleichsflächen brach der Bestand hingegen nahezu völlig zusammen (minus 71 Prozent). Ganze zwei Baue waren dort eventuell von Zieseln bewohnt. Diese ernüchternden Fakten mussten die Bauträger zuletzt an die Naturschutzbehörde MA 22 berichten [1, 2].

Angesichts des totalen Umsiedlungsfiaskos erhöhte man nun – vor den Augen der tatenlos zusehenden MA 22 – den Druck auf die wehrlosen Ziesel. Die zum Erhalt ihres Lebensraums notwendige Mahd wurde in noch weit größerem Ausmaß eingestellt. Um den ohnehin streichelweichen Bescheid von 2013 [4], laut dem die Pflege der Projektfläche erst dann unterbleiben darf, wenn die Akzeptanz der Ausgleichsflächen nachgewiesen ist [5], muss sich offenbar endgültig niemand mehr kümmern.

Wie jetzt zudem bekannt wurde, befinden sich Flächen nördlich des Heeresspitals im Eigentum der Stadt Wien. Doch selbst dort will die Stadt nicht mähen lassen, um so wenigstens auf öffentlichem Gut Ziesel-und Naturschutz durchzusetzen. Einen einstimmigen Antrag des Bezirksparlaments Floridsdorf wies die zuständige Stadträtin Ulli Sima zurück [3]. Die Flächen befänden sich im “physischen Besitz” der Bauträger, so das Ohnmachtseingeständnis der selbsternannten “starken Stimme für aktive Umweltpolitik” in Wien.

Jetzt gilt’s! Auf zum Ziesel-Wisch‘n am 30. Mai!

Setzen Sie ein Zeichen von Solidarität mit den tapferen Zieseln beim Heeresspital und kommen Sie zum Stammersdorfer Ziesel-Wisch’n !

Gemeinsam wollen wir öffentliche Flächen rund um den Lebensraum der streng geschützten Tiere von Müll und Unrat befreien. Denn Wind und Besucher haben dort auch im letzten Jahr wieder unschöne Spuren hinterlassen.

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal lädt alle Zieselfreunde herzlich ein, mitzumachen. Müllsäcke und Handschuhe werden von uns zur Verfügung gestellt. Vielleicht treffen wir auch das eine oder andere Ziesel?

Nach getaner Arbeit ist für Ihr leibliches Wohl wieder bestens gesorgt! Auf jeden Teilnehmer wartet außerdem eine kleine Überraschung.

Datum: Samstag, 30. Mai 2015 (bei jedem Wetter)

Beginn: 15:00 Uhr

Treffpunkt: 1210 Wien, Johann-Orth-Platz [Link zum Stadtplan]

Mitzubringen ist wie immer nur gute Laune! Wir freuen uns auf Ihr Kommen !


Quellennachweise

[1] Bericht ökologische Aufsicht 14. April 2015 [Download]

[2] Bericht ökologische Aufsicht 08. April 2014 [Download]

[3] Antragszurückweisung von Stadträtin Sima, November 2014 [Download]

[4] Bescheid MA 22 – 593/2012, April 2013 [Download]

[5] Beilage 1 zu Bescheid MA 22 – 593/2012 [Download]

Zieselaktionsplan Wien lehrt Ziesel das Fürchten – Bürgerinitiative antwortet mit Informationsoffensive

Die in Sachen Naturschutz seit vielen Jahren auf Tauchstation befindliche Wiener Umweltschutzbehörde MA 22 gab nun doch wieder ein Lebenszeichen von sich und zwar in Form des „Zieselaktionsplan Wien“.

Doch darauf hätte jene Tierart, die in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste rangiert, wohl gerne verzichtet. Denn ohne rechtliche Basis soll künftig de facto zwischen schützenswerten und wenig schützenswerten Ziesel-Vorkommen unterschieden werden.

Für letztere wird, anstatt um deren Erhalt zu kämpfen, auch gleich ein uneingeschränkter Persilschein zum Setzen von „Ausgleichsmaßnahmen“ erteilt. Womit der profitablen Verwertung letzter ökologisch wertvoller Lebensräume durch multinationale Konzerne nichts mehr im Weg steht. Die Wiener Ziesel steuern hingegen auf eine vorprogrammierte Katastrophe zu.

Freie Bahn beim Heeresspital dank “teilweise mäßiger Prognose“

Wenig überraschend und wohl zur Freude der politisch bestens vernetzten Baulobby, ordnet der Aktionsplan die Ziesel beim Heeresspital unter die wenig schützenswerten Vorkommen ein und befindet eine „teilweise mäßige Prognose“.

Dabei zeigt das Vorkommen beim Heeresspital – trotz eiskaltem Gegenwind von Seiten der Stadtregierung und totalem Umsiedlungsflop – seit 2011 ein starkes, stetiges Wachstum! Nicht zuletzt durch konsequente Untätigkeit der Behörde kam es überhaupt so weit, dass man beim Heeresspital irrwitzige Millionenbeträge investierte und die Flächenwidmung, ohne Rücksicht auf das damals bereits amtsbekannte Habitat, festgesetzt wurde.

Es ist zu befürchten, dass sich die “mäßige Prognose” mit Erlöschen der Heeresspital-Population (mit fast 1.000 Tieren eine der letzten großen in Österreich) als selbst erfüllende Prophezeihung erweisen wird und bald unverhohlen und in aller Freundschaft die Planungen für das riesige Areal innerhalb und rund um das Heeresspital publik gemacht werden. Ein feiner, unverkennbarer Geruch von Profit weht schon jetzt am nördlichen Wiener Stadtrand.

Benötigt MA 22 Auffrischung im Naturschutzgesetz?

Selbst korrektes Zitieren und Interpretieren des Wiener Naturschutzgesetzes wollte im Zieselaktionsplan nicht so recht gelingen. Anders als darin dargestellt, dürfen Ziesel selbstverständlich auch außerhalb der Fortpflanzungszeiten nicht absichtlich gestört werden.

Mit einem anderen Detail werden die Leser des Aktionsplans erst gar nicht belastet: Ausnahmegenehmigungen zum Artenschutz dürfen nach den Buchstaben des Gesetzes nämlich nur dann erteilt werden, wenn der Erhaltungszustand der Art in Wien günstig bleibt.

Was im Fall der Ziesel klarerweise nicht zutrifft. Nach aktuellen Erhebungen des Umweltbundesamtes hat sich der ohnehin schon misserable Erhaltungszustand des Ziesels in Österreich sogar noch weiter verschlechtert. Wenn also die MA 22 vorab grünes Licht für Ausgleichsmaßnahmen bei wenig schützenwerten Ziesel-Vorkommen signalisiert, zeugt dies jedenfalls von beachtlich kreativer Auslegung eines eigentlich klaren Gesetzestextes.

Zur Erinnerung: Selbst die jubelumwobene „sanfte Ziesel-Umlenkung“ beim Heeresspital, die sich als völliger Fehlschlag entpuppte, oder das Einfangen zu wissenschaftlichen Zwecken kamen nicht ohne Ausnahmebescheid aus. Offensiveres Vorgehen bedarf daher sicher eines solchen.

Wien isoliert sich im Ziesel-Schutz

Weniger ideenreich gibt sich die Behörde hingegen bei konkreten Vorhaben zum Schutz der Ziesel. Hier wird mit völlig unverbindlichen Formulierungen die bisherige zahnlose Praxis in Beton gegossen und nirgendwo angeeckt. Offenbar hat die Vermeidung von Konflikten mit anderen Ressorts der Stadtverwaltung und der Bauwirtschaft oberste Priorität.

Bereits 2013 hat die Europäische Kommission, die mittlerweile der Wiener Behörde rund um die eigenartigen Vorgänge beim Heeresspital genau auf die Finger sieht, einen mustergültigen europäischen Zieselaktionsplan initiiert.

Wien kocht aber auf Kosten der Steuerzahler lieber seine eigene Suppe. Das ist kaum verwunderlich, denn während die Kommission die Stabilisierung aller Ziesel-Vorkommen zum obersten Ziel erklärt, will die selbsternannte Hauptstadt des Tierschutzes fortan Begehrlichkeiten im Weg stehende Lebensräume verschwinden lassen.

Informationsoffensive der IGL-Marchfeldkanal startet

Vor diesem Hintergrund braucht es dringend Positivmaßnahmen um die besondere Bedeutung und die beindruckende Vielfalt des ökologischen Paradieses beim Heeresspital im Norden Wiens am Marchfeldkanal einer breiten Öffentlichkeit vor Augen zu führen.

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal startet daher eine breit angelegte Informationsoffensive. Unser erstes Angebot richtet sich in Form von fachkundigen Führungen an Wiener Schulen.

Nähere Informationen zu den Führungen finden sich hier

Details zu allen weiteren Veranstaltungen gibt es schon in Kürze!

Naturschutzgebiet statt Ziesel-Deals im Hinterzimmer

Angesichts der zwei Millionen Quadratmeter Bauland, die sich im Eigentum der Stadt Wien befinden, gibt es keinen vernünftigen Grund beim Heeresspital noch mehr Zeit und Geld an einem Standort zu verschwenden, wo auch in Zukunft nicht gebaut werden kann und darf. Durch einen simplen Grundstückstausch könnte die Stadt Wien Fehler der Vergangenheit korrigieren, involvierte Bau- und Finanzkonzerne von ihrer Misere erlösen und die drohende juristische Auseinandersetzung mit der EU-Kommission abwenden.

Naturschutz ist keinesfalls verhandelbar. Daher erteilt die IGL-Marchfeldkanal Mauscheleien in Nobellokalen, gemeinsamer Sache mit PR-Agenturen und ungustiösen Deals mit der Bauwirtwirtschaft kategorisch eine Absage.

Vielmehr werden wir gemeinsam mit unseren Unterstützern weiterhin kompromisslos für ein Naturschutzgebiet beim Heeresspital und die lückenlose Einhaltung der Naturschutzgesetze kämpfen!

Bestandsentwicklung des Ziesel-Vorkommens nördlich des Wiener Heeresspitals seit 2011

Zur Ziesel-Population nördlich des Wiener Heeresspitals liegen neue offizielle Zahlen vor. Demnach ist der Bestand gegenüber dem Vorjahr um enorme 41 Prozent angewachsen. Unverändert ist weiterhin nahezu das gesamte Areal von den bedrohten Nagern besiedelt.

Trotz dieser sehr erfreulichen Entwicklung, besteht, angesichts des scharfen Gegenwinds, weiterhin massiv Grund zur Sorge. Denn schon 2015 sollen erste Bauprojekte im derzeitigen Habitat der streng geschützten Tierart starten.

Weder die Wiener Behörden, noch die involvierten Bauträger nehmen zur Kenntnis, dass die Absiedlung der Ziesel auf sogenannte Ausgleichsflächen ein völliger Fehlschlag ist. Beharrlich vermitteln sie weiter das Bild, wonach die Umlenkung erfolgreich verlaufe und erste Teilflächen bereits “zieselfrei” wären. Der aktuelle ökologische Bericht der Bauträger an die MA 22 belegt allerdings, dass die Realität im krassen Widerspruch zu den ventilierten Wunschvorstellungen steht.

Umweltstadträtin Sima reagiert auf Besitzstörung durch Bauträger

Auch auf der juristischen Front läuft es für die Bauträger nicht gut. Eine Verurteilung in erster Instanz wegen Besitzstörung ist mittlerweile rechtskräftig (Bezirksgericht Wien 21, Aktenzahl 28 C 712/14f – 6). Wie berichtet, liegt den Projektbetreibern zur Nutzung einer der eingereichten Ausgleichsflächen nicht das Einverständnis aller Grundeigentümer vor.

Dies veranlasste die zuständige, in der Ziesel-Causa jedoch befremdlich schweigsame, Stadträtin Ulli Sima zu einer bemerkenswerten Feststellung:

“Wenn er keine Ausgleichsflächen hat, wo die Ziesel hinwandern können, dann wird es keine Möglichkeit geben zu bauen, weil die Bescheidauflagen nicht erfüllt sind”.

Folgt man ihrer Aussage, müsste damit das Bauprojekt beim Heeresspital endgültig gestorben sein. Ob Simas klare Worte tatsächlich das nötige Gewicht haben, muss sich allerdings erst zeigen.

MA22 spricht Ziesel-Population die Überlebensfähigkeit ab

Das fortlaufende Monitoring durch die Ziesel-Expertin Dr. Ilse Hoffmann, Universität Wien, belegt schwarz auf weiß: Auch 2014 hat sich das Anwachsen der Ziesel-Population nördlich des Heeresspitals fortgesetzt.

  • Gegenüber dem Vorjahr wuchs die Population von 205 auf 289 genutzte Bausysteme an.
  • Im Vergleich zur ersten Erhebung im Jahr 2011 hat sich die Anzahl der genutzten Bausysteme sogar mehr als verdoppelt (+128 Prozent)!

Dieser eindeutig erkennbare Trend widerspricht der fragwürdigen Einschätzung der Wiener Naturschutzbehörde, die von einem ihrer Juristen im Umweltausschuss des Bezirksparlaments Floridsdorf dargelegt wurde.

Die MA22 geht davon aus, dass das Vorkommen beim Heeresspital langfristig nicht überlebensfähig ist und will ihre angeblichen Aktivitäten auf den Bisamberg konzentrieren. Der von EU-Kommission initiierte Ziesel-Aktionsplan, der angesichts anhaltender europaweiter Bestandsrückgänge die Absicherung aller bestehenden Populationen zum vorrangigen Ziel hat, kümmert die Behörde offenbar gar nicht.

Neueste wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch: Stimmen die Umweltfaktoren, sind schon Vorkommen ab 300 Individuen überlebensfähig. Präsentiert wurde das Forschungsergebnis, das von Dr. Hoffmann auch im neuen Bericht zitiert wird, auf der diesjährigen, von der Universität Wien organisierten EGSM-Konferenz.

Die Veranstalter durften sich übrigens über ein Sponsoring durch die MA 22 freuen. Ob die Behörde im Gegenzug auch die neuen Zahlen zur Größe lebensfähiger Ziesel-Populationen zur Kenntnis nimmt?

Aufregung um Rasenmäh-Prozesse

Tony Rei, Madeleine Petrovic und Udo Guggenbichler beim Sensen des verbrachenden Ziesel-Habitats nördlich des Wiener HeeresspitalsIm Juli dieses Jahres hat ein Team engagierter Naturschützer unter Anleitung des prominenten Starmagiers Tony Rei, der Obmann der Wiener Naturwacht ist, einen Teil des verbrachenden Areals nördlich des Heeresspitals gemäht. Tony Rei ist beeidetes Naturschutzorgan der Stadt Wien und hat in dieser Funktion den Ziesel-Bescheid der Stadt Wien an die Bauträger mit Sensen und Heugabeln umgesetzt. Der Bescheid besagt, dass die Projektfläche solange zu pflegen ist, als nicht mindestens die Ausgleichsflächen von gleich viel Zieseln besiedelt sind wie die Projektflächen. Da die Ziesel kurze steppenartige Grasvegetation als Lebensraum benötigen, war für die Tiere und ihr Habitat Gefahr im Verzug.

Zum “Dank” wurden neben Tony Rei, die Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins, Dr. Madeleine Petrovic (Die Grünen), der stellvertretende Vorsitzende des Umweltausschusses im Wiener Gemeinderat, Ing. Udo Guggenbichler (FPÖ) und weitere Personen von den Bauträgern wegen Besitzstörung und auf Schadensfestellung verklagt.

Amtlicher Dienstausweis und Dienstabzeichen von Tony Rei, dem Obmann der Wiener NaturwachtWie Kronen Zeitung und andere Medien berichten, nahm jedoch der Prozess gegen Tony Rei schon am ersten Verhandlungstag eine überraschende Wende. Das Gericht will sich nämlich davon überzeugen, dass der Naturwacht-Obmann tatsächlich amtliches Naturschutzorgan ist. Gelangt es zu dieser Erkenntnis, dann müssten die Bauträger eine Amtshaftungsklage gegen die Stadt Wien anstrengen. Über die laut Wiener Naturschutzgesetz für ein Naturschutzorgan formal erforderlichen Voraussetzungen, Dienstausweis und -abzeichen, verfügt Tony Rei jedenfalls.

Aufgrund der speziellen Eigentumsverhältnisse des Bauträger Kabelwerks, wäre damit schon das nächste bizarre Theater vorprogrammiert. Denn neben der STRABAG, ist u.a. auch die Stadt Wien am Kabelwerk beteiligt. Ein Großauftragsnehmer der Stadt Wien und die Stadt Wien selbst, verklagen die Stadt Wien.

Stadt Wien muss endlich handeln !

In Anbetracht der immer skurriler werdenden Sachlage und der von der EU unverändert drohenden Millionenstrafe, sollte die Stadt Wien nun endlich die Reißleine ziehen und den Bauträgern ein Ersatzgrundstück zur Verfügung stellen. Immerhin stehen immense 2 Mio. m2 an Bauland im Besitz der Gemeinde.

Durch Festsetzung des vom Bezirksparlament Floridsdorf eingeforderten Naturschutzgebiets rund um das Heeresspital würde auch der Fortbestand des Ziesel-Vorkommens nachhaltig gesichert werden.

Quellenangaben

[1] Bericht ökologische Aufsicht 15.10.2014 (Download)

[2] Bericht ökologische Aufsicht 09.10.2013 (Download)

[3] Bericht ökologische Aufsicht 18.10.2012 (Download)

[4] Artenkartierung Europäisches Ziesel und Feldhamster in Wien 21, September 2011 (Download)

[5] Wortprotokoll, Sitzung Wiener Gemeinderat vom 25. September 2014 (Download)

[6] ĆOSIĆ N, I JARIĆ & D ĆIROVIĆ: Minimum viable population size for the European ground squirrel (Download)

Paukenschlag in der Ziesel-Causa: Am 3.9.2014 wurden die Bauträger am Bezirksgericht Floridsdorf wegen Besitzstörung verurteilt (Anm: Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig).

Auf einem Grundstück, das sie als Ausgleichsfläche für die Ziesel-Umsiedlung eingereicht hatten, wurden in ihrem Auftrag sogenannte Initialröhren zum Weglocken der Ziesel von der Projektfläche gebohrt. Zur Nutzung der Liegenschaft liegt jedoch nicht das Einverständnis aller Eigentümer vor.

Das Gericht ordnete an, binnen 14 Tagen den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Dies droht jedoch extrem schwierig werden, denn mittlerweile könnte mindestens eine dieser Röhren von Zieseln bezogen sein. Trifft dies zu, würden Beschädigungen der neuen Ziesel-Baue gegen das Wiener Naturschutzgesetz verstoßen und es wäre eine entsprechende Ausnahmebewilligung zu beantragen.

Offiziell steht nun auch fest, dass die Erfolgschancen der Lenkungsmaßnahmen praktisch Null sind. Denn in einem neuen Bericht an die MA 22 führt Ziesel-Expertin Ilse Hoffmann aus, dass die vollständige Evakuierung der Ziesel von der Projektfläche nördlich des Heerspitals “unmöglich” erscheint.

Auch bestätigte die Forscherin zuletzt auf Facebook, dass die bestehende Projektfläche besser als Ziesel-Lebensraum geeignet ist als die Ausgleichsflächen. Sie widerspricht damit ihren Auftraggebern, die stets behaupten, sie hätten “geeignetere” Habitate geschaffen.

Indes berichtet ein leitender Journalist einer führenden österreichischen Tageszeitung auf Twitter , dass es einen “interessanten” Interventionsversuch zu den Zieseln (Link zum Tweet)  gegeben hat. Stehen derartige Interventionen bei anderen Stellen, die weniger Gegenwehr leisten, an der Tagesordnung? Zur Erinnerung: Aufgrund seiner Beteiligung am Kabelwerk, tritt Wien beim Heeresspital in Doppelfunktion als Bauträger und Naturschutzbehörde auf.

Die einst so penetrant bejubelten Ziesel-Lenkungsmaßnahmen sind also implodiert. Aufgrund der neuen Entwicklungen scheint klar: Weder Ausmaß noch Qualität der Ausgleichsflächen ist adäquat. Trotzdem geht der aussichtslose Eingriff in das geschützte Habitat weiter.

Daher sind die Behörde und die zuständige Stadträtin Ulli Sima gefordert, endlich ihr unerträgliches Schweigen zu brechen und energisch den Schutz jener Tierart durchzusetzen, die in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste steht. Wenn schon nicht aus Liebe zum Naturschutz, dann wenigsten zur Schonung der österreichischen Steuerzahler. Denn sollte es zu einer Verurteilung vor dem EuGH kommen, steht Österreichs Steuerzahlern wegen der Ziesel eine saftige Millionenstrafe in Haus.

Ausgleichsflächen-Konstrukt bricht zusammen

ziesel-ausgleichsflaechen-noerdlich-wiener-heeresspital-20120926Aufgrund der festgestellten Besitzstörung, steht die jenseits des Marchfeldkanals gelegene und für die Ziesel-Umsiedlung bedeutsame, als A8 bezeichnete, Ausgleichsfläche (siehe Plan) nun offenbar nicht mehr zur Verfügung. Deswegen ist auch die angrenzende A7 nicht mehr erreichbar, denn dazu müssten die “freiwillig” abwandernden Tiere genau jene A8 durchqueren.

Freilich ist bislang nicht nachgewiesen, dass jemals ein von der Projektfläche stammendes Ziesel die Brücke über den Marchfeldkanal überquert hätte.

Folgt man den ohnehin wohlwollenden Ausführungen des Amtssachverständigen der Naturschutzbehörde (Quelle: Download), stehen in Summe mit A2 und A3 nunmehr bloß 8.685 m2 an uneingeschränkt geeignetem Ersatzlebensraum zur Verfügung. Die anderen verbliebenen Teilflächen, darunter die Böschungen des Marchfeldkanals, bewertete der behördliche Gutachter lediglich als „bedingt geeignet“.

Zum Vergleich: Das Feld nördlich des Heeresspitals, von wo man die Ziesel vertreiben will, ist rund 74.000 m2 oder mehr als achtmal so groß.

Weiteres spannendes Detail: Im Zuge des behördlichen Bewilligungsverfahrens musste A8 von den Bauträgern nachgereicht werden, weil mit A2 bis A7 insgesamt nicht genug an geeigneter Ersatzsatzfläche zur Verfügung gestanden wäre.

Expertin der Bauträger: Evakuierung der Projektfläche „unmöglich“

In einem brandaktuellen Bericht (Quelle: Download) an die Naturschutzbehörde äußert die von den Bauträgern mit der Ziesel-Umlenkung beauftrage Expertin Dr. Ilse Hoffmann massive Zweifel am Gelingen des Vorhabens:

„Das Missverhältnis zwischen der Anzahl kartierter Baue und markierter Individuen lässt auf eine ausgeprägte Fangscheu der ansässigen Ziesel schließen, die eine vollständige Evakuierung der Projektfläche durch Einfangen und Umsiedeln unmöglich erscheinen lässt.“

Was bislang nur hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen wurde, liegt also erstmals auf Papier vor. Eine der landesweit letzten großen Ziesel-Populationen wird einem möglichen Risiko ausgesetzt, ohne dass reale Chancen auf Erfolg bestehen.

Ilse Hoffmann vs. Bauträger: Projektfläche besser als Ausgleichsflächen

Die mit bloßem Auge erkennbare, gegenüber dem heutigen Ziesel-Lebensraum schlechtere Qualität der Ausgleichsflächen, wird von Ilse Hoffmann auf Facebook ebenso bestätigt:

„Der gemähte Teil der Projektfläche ist derzeit besser als Ziesellebensraum geeignet als die Ausgleichsflächen.“

Die profunde Aussage der anerkannten Forscherin konterkariert damit die Beteuerungen ihrer Auftraggeber. Diese behaupten, man habe „für die Zieselpopulation geeignetere Habitate geschaffen“.

Wie bereits berichtet, wächst die Ziesel-Population nördlich des Heeresspitals unvermindert an, während bis dato kein Nachweis für Abwanderungen von der Projektfläche vorliegt. Ein Umstand, der die enorme Diskrepanz zwischen den Aussagen der Expertin und den Bauträgern zusätzlich untermauert.

Besiedelte Zieselröhre als Fallstrick für Wiederherstellung?

Das Gericht ordnete an, dass auf jenem Grundstück (A8), wo die durch die Bauträger getätigte Besitzstörung festgestellt wurde, binnen 14 Tagen wieder der ursprüngliche Zustand hergestellt werden müsse.

Das könnte in der Realität aber äußerst schwierig werden. Denn bereits im Juli 2014 teilte Ilse Hoffmann im Rahmen ihrer regelmäßigen Berichte der Naturschutzbehörde mit:

„Bei je einer neuen Öffnung auf A7 und A8 handelte es sich um offensichtlich von Zieseln erweiterte Initialröhren.“

(Quelle: Download)

Zweck der im Mai 2014 hergestellten Initialröhren war es, Ziesel zum Anlegen ihrer Baue zu motivieren. Mindestens eines der künstlichen Löcher auf A8 könnte nun tatsächlich von einem Ziesel besiedelt worden sein.

Der Nachweis, dass besagte oder weitere Röhren doch nicht Teil eines Ziesel-Baues sind, könnte sich allerdings schwierig gestalten. Denn zu dieser Jahreszeit haben bereits erste Tiere ihren bis zu acht Monate dauernden Winterschlaf angetreten.

Das Wiener Naturschutzgesetz untersagt für streng geschützte Arten, wie es das Ziesel ist, „jede Beschädigung oder Vernichtung der Fortpflanzungs- oder Ruhestätten“.

Somit dürfen also nur jene Röhren verschlossen werden, wo mit Sicherheit auszuschließen ist, dass sie Teil einer Fortpflanzungs- oder Ruhestätten sind. In allen anderen Fällen ist das Ansuchen um eine Ausnahmebewilligung nach dem Wiener Naturschutzgesetz unumgänglich.

Naturschutzgebiet für Ziesel jetzt!

Warnende Stimmen bezweifelten das Gelingen der Ziesel-Umlenkung von Anfang an. Nun stehen die „Umweltmusterstadt“ Wien und seine schweigsamen Behörden vor den Trümmern des praktisch gescheiterten Plans.

Obwohl beim Heeresspital ein dichtes Ziesel-Vorkommen schon vor Ankauf der Projektfläche amtsbekannt war und die Stadt über zwei Millionen Quadratmeter an Bauland besitzt, soll das absurde Theater weitergehen. In das Vorhaben fließen also weiter massiv Zeit und Geld, die im Wiener Wohnbau wohl anderwärtig besser investiert wären.

Die Europäische Kommission hat im Vorjahr die Wiener Ziesel-Causa aufgegriffen. Für den Fall einer Verurteilung vor dem EuGH, drohen der Republik Österreich und ihren Steuerzahlern eine hohe zweistellige Millionenstrafe und teure Wiederansiedelungsprogramme.

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal unterstützt daher die Forderungen des Bezirksparlaments Floridsdorf:

  • Realisierung des Bauprojekts nördlich des Heeresspitals an einem anderen Standort.
  • Festsetzung eines Naturschutzgebietes auf den Grünflächen innerhalb und umliegend des Heeresspitals zum nachhaltigen Schutz der Ziesel.
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