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Archive for the ‘Bauprojekt nördlich des Wiener Heeresspitals’ Category

Es freut uns zu verkünden, dass bis heute bereits 1865 Menschen die Forderungen der Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal zum Schutz der Ziesel beim Wiener Heeresspital unterstützen!

Ab sofort können Sie auch für die bedrohten Tiere am Marchfeldkanal spenden!

Spendenkonto des Wiener Tierschutzvereins

Die Bürgerinitiative IGL Marchfeldkanal dankt dem Wiener Tierschutzverein und der Präsidentin Dr. Madeleine Petrovic für die Unterstützung und die Einrichtung eines Spendenkontos für die Ziesel am Marchfeldkanal:

Kto.Nr.: 00092-123-610
BLZ:         60000
BAWAG P.S.K

In enger Abstimmung mit Frau Dr. Petrovic wollen wir die Spendengelder zur Finanzierung von Rechtsberatung, Experten-Gutachten und zur Produktion von Info-Material im Interesse der bedrohten Tiere verwenden. Nach erfolgreicher Rettung der Ziesel gehen selbstverständlich alle nicht verbrauchten Mittel zur Gänze an den Wiener Tierschutzverein.

1865 Unterschriften für die bedrohten Ziesel

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, die mit ihrer Unterschrift ein kräftiges Zeichen für die kompromisslose Einhaltung des Artenschutzes in Wien eintreten! Die beeindruckende Zahl an Unterschriften in nur so kurzer Zeit ist ein klares Signal an die Politik: Nun ist es endlich an der Zeit wirksame Maßnahmen zum dauerhaften Schutz und Erhalt der Ziesel beim Heeresspital zu setzen!

Ganz besonders freut es uns, dass wir vielen Menschen in den Gesprächen gar nicht lange erklären mussten worum es geht, denn sie wussten schon Bescheid:

Die Ziesel stehen in Österreich an erster Stelle der roten Liste, gelten als „prioritär bedeutend“ und sind am gesamten Stadtgebiet streng geschützt. Trotzdem sollen sie beim Wiener Heeresspital zugunsten eine Bauprojekts aus ihrem Lebensraum verdrängt werden und das obwohl ihr Vorkommen dort zu Beginn der Planung längst bekannt war!

Das Unterschriftensammeln geht weiter

Das Sammeln von Unterstützungserklärungen wird selbstverständlich fortgesetzt bis unser aller Anliegen, die Widmung eines Naturschutzgebiets am Marchfeldkanal für die dort lebenden Ziesel, Feldhamster und vielen weiteren geschützten Tierarten, feststeht.

Bitte unterstützen auch Sie uns mit Ihrer Unterschrift! Wir freuen uns auch über Unterschriften aus dem Kreis Ihrer Verwandten, Freunde und Nachbarn.

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Wie zuletzt berichtet, ist am Areal des Wiener Heeresspitals schon seit 2007 ein dichtes Vorkommen der streng geschützten und „prioritär bedeutenden“ Ziesel, sie stehen in Österreich an erster Stelle der Roten Liste, durch die Wiener Umweltschutzabteilung MA 22 dokumentiert.

Der IGL-Marchfeldkanal liegt nun der offizielle Erläuterungsbericht der MA 21 B (Stadtteilplanung und Flächennutzung Süd-Nordost) zum Plandokument 7906, d.h. der aktuell gültigen Flächenwidmung am und rund um das Wiener Heeresspital, vor. Aus dem Papier geht hervor, dass im Widmungsverfahren KEINE Umweltprüfung durchgeführt wurde, zudem werden die ausschlaggebenden Gründe ausgeführt.

Die Begründung im Wortlaut

Im Erläuterungsbericht zum Plandokument 7906, datiert vom 24. August 2009, findet sich im Kapitel „Umwelterwägungen“, auf Seite 23 die folgende Begründung:

Die aufgrund des vorliegenden Entwurfs zu erwartenden Entwicklungen der Umweltsituation sind, gegenüber der heutigen Situation (Ackerbau) als eher positiv einzustufen und jedenfalls nicht als erhebliche Umweltauswirkungen im Sinne der Kriterien des Anhangs“ der Richtlinie 2001/ 42/EG des Europäischen Parlaments und  des Rates vom 27. Juni 2001 über die Prüfung der Umweltauswirkungen bestimmter Pläne und Programme zu beurteilen. In diesem Zusammenhang wird für das gegenständliche Entwicklungsvorhaben auf eine Prüfung (screening) der Umweltauswirkungen verwiesen. Durchwegs keine bis positive Auswirkungen konnten dabei den Schutzgütern „Biologische Vielfalt“, „Bevölkerung“, „Gesundheit“, „Fauna und Flora“, „Boden und Wasser“ sowie „Landschaft“ zugeordnet werden. Eine Umweltprüfung gemäß § 2 Abs. 1b der BO für Wien war daher ebenfalls nicht erforderlich.

Erläuterunsgbericht 7906 - Seite 1  Erläuterunsgbericht 7906 - Seite 22  Erläuterunsgbericht 7906 - Seite 23

Überaschenderweise bleibt im Erläuterungstext das seinerzeit bereits bekannte, dichte Ziesel-Vorkommen im Widmungsgebiet völlig unerwähnt. Viel mehr wird zu unserer Befremdung sogar ausdrücklich festgehalten, dass keine oder gar positive Auswirkungen auf das Schutzgut „Biologische Vielfalt“ zu erwarten sind. Erhebliche Umweltauswirkungen werden zudem dezidiert ausgeschlossen.

Klarerweise waren durch die neue Widmung erhebliche Auswirkungen auf das Ziesel-Habitat zu erwarten, überschneidet es sich doch mit im Bebauungsplan vorgesehenen Gebäuden. Da die Ziesel nach Anhang II und IV der EU-FFH-Richtlinie geschützt sind, unterliegen Bauprojekte in deren Lebensraum der Pflicht zur Abhaltung einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), was laut Wiener Bauordnung gleichfalls zur Durchführung einer Umweltprüfung schon im Widmungsverfahren verpflichtet hätte.

Flächenwidmung neu ausarbeiten

Es stellt sich daher nun die berechtigte die Frage, ob das in weiterer Folge durch den Wiener Gemeinderat beschlossene Plandokument 7906 überhaupt rechtens ist. Nach unserem Verständnis liegt aufgrund der im Vorfeld unterlassenen Umweltprüfung offensichtlich ein gravierender Verfahrensmangel vor.

Genau dieser Mangel, nämlich das Nichtberücksichtigen einer streng geschützten und prioritär bedeutenden Art, ist nun ursächlich für die desaströse Situation der Ziesel am Marchfeldkanal verantwortlich. Es droht mittels Pflügen eine Abdrängung der Tiere auf „Ausgleichsflächen“, die einerseits zum Teil direkt an die geplante Großbaustelle angrenzen oder andererseits sich teilweise sogar mit Bauobjekten, Garagen und Straßen im Bebauungsplan (!) überschneiden.

Wir fordern daher eine Neuausarbeitung der mangelhaften Flächenwidmung und treten für die Umwidmung der Grünflächen am Heeresspital sowie der anliegenden Felder in ein Naturschutzgebiet ein. Nur mit dieser Maßnahme kann in dem Gebiet der Fortbestand der Ziesel, sowie aller weiteren ebenfalls streng geschützten Arten, nachhaltig gesichert werden.

Unterstützen Sie uns!

Setzen auch Sie ein Zeichen für die Rettung der Ziesel beim Heeresspital, für die konsequente Einhaltung von Artenschutz und gegen Schönwetter-Naturschutz. Unterstützen Sie uns bitte mit Ihrer Unterschrift!

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Aus dem nun vorliegenden Ziesel-Gutachten geht klar hervor, dass bereits im Jahr 2009 zum Zeitpunkt des Widmungsverfahrens eine dichte Ziesel-Population am Areal des Heeresspitals dokumentiert war. Schon im August 2007 war die Wiener Umweltschutzabteilung MA 22 wegen einer „Zieselplage“ verständigt worden.

Obwohl die Verwirklichung der inzwischen beschlossenen Flächenwidmung offensichtlich erhebliche Auswirkungen auf das Habitat der streng geschützten Ziesel hätte, wurde im Verfahren keine Umweltprüfung durchgeführt.

Die „Zieselplage“ im Wortlaut

Wörtlich findet sich im Ziesel-Gutachten die folgende Passage:

Am 16.8.2007 fand im Gelände des Heeresspitals ein Lokalaugenschein (MA 22, Uni Wien) aufgrund einer vom damaligen Zuständigen gemeldeten ‚Zieselplage‘ auf dem dortigen Sportplatz statt, der auf eine hohe Populationsdichte der Ziesel schließen ließ (auf einen Blick waren mehrere Tiere sichtbar). Die Tiere seien massenhaft erschienen, ’seit entlang der Brünner bzw. Johann-Weber-Straße gebaut‘ wurde.

Auch im Jahr 2010 zeigte sich bei einem Termin vor Ort ein ähnliches Bild:

Ein weiterer Lokalaugenschein im Gelände des Heeresspitals am 9.7.2010 (MA 22, Uni Wien) aufgrund der vom damaligen Zuständigen gemeldeten anhaltenden ,Zieselplage‘ auf dem Sportplatz des Heeresspitals ließ auf eine weiterhin hohe Populationsdichte der Ziesel schließen (wieder waren auf einen Blick mehrere Tiere sichtbar).

Somit ist auch für das Jahr 2009 von einer großen Ziesel-Population am Areal des Heeresspitals auszugehen.

Die Notwendigkeit einer Umweltprüfung

Ziesel sind nach dem Wiener Naturschutzgesetz und nach der EU-FFH-Richtlinie (Anhang II und IV) streng geschützt. Sie gelten als „prioritär bedeutend“ und genießen am gesamten Stadtgebiet Lebensraumschutz. Die strengen Artenschutzvorgaben sind daher in Planungen, die signifikante Auswirkungen auf eines der wenigen in Wien verbliebenen Ziesel-Reservate haben, entsprechend zu berücksichtigten.

Die Wiener Bauordnung sieht die Notwendigkeit einer Umweltprüfung außerhalb von Natura 2000-Schutzgebieten vor, wenn die Verwirklichung der Flächenwidmung voraussichtlich erhebliche Umweltauswirkungen hat und zwar im Sinne der Kriterien des Anhangs II der EU-Richtlinie 2001/42/EG.

Ganz offensichtlich hätte jedoch die Realisierung des Plandokuments 7906, es umfasst u.a. das Areal des Heeresspitals und das Feld nördlich davon, eine erhebliche Umweltauswirkung. Die Widmung ermöglicht die Errichtung von Gebäuden im Lebensraum der streng geschützten Ziesel, deren dichtes Vorkommen am Heeresspital längst dokumentiert war.

Darüber hinaus wurde bereits im Jahr 2006 durch das Wiener Arten- und Lebensraumschutzprogramm „Netzwerk Natur“ dokumentiert, dass in dem Gebiet rund um das Heeresspital das Vorkommen der streng geschützten und prioritär bedeutenden Ziesel bekannt war.

Ziesel nördlich des Heeresspitals

Hätte in 2009 eine Umweltprüfung stattgefunden, dann wäre mit Sicherheit auch die Ziesel-Population auf den Feldern nördlich des Heeresspitals in ihrer vollen Dimension erfasst worden. Denn wie das Gutachten weiter ausführt, wurde im August 2009 im Rahmen eines FWF-Projektes (unabhängig vom Widmungsverfahren) dieser Bereich im Umfang von einem Hektar stichprobenartig untersucht und dabei 18 Baue (Ziesel oder Feldhamster) vorgefunden.

Da die Felder nördlich des Heeresspitals bis Mitte 2010 bewirtschaftet wurden und Getreidefelder nicht als attraktiver Ziesel-Lebensraum gelten, wäre also davon auszugehen, dass in dieses Gebiet keine nennenswerte Zuwanderung von anderen Ziesel-Vorkommen erfolgte. Zudem liegen Fotos aus Juni 2010 vor, die Ziesel-Sichtungen dort ganz am nördlichen Rand dokumentieren. Es erscheint daher plausibel, dass schon im Jahr 2009 nördlich des Heeresspitals eine Population existierte, deren Größe mit der aktuell festgestellten Anzahl von 173 Tieren vergleichbar war.

In der Folge war es letztlich den Beobachtungen aufmerksamer Anrainern zu verdanken, dass die Ziesel nördlich des Heeresspitals einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurden.

Priorität für die Ziesel?

Unklar ist, warum das dokumentiert dichte Vorkommen der „prioritär bedeutenden“ Ziesel im Zuge des des Widmungsverfahren beim Heeresspital nicht ausreichend berücksichtigt wurde. Anstatt die absehbaren Auswirkungen der Widmung auf den Ziesel-Lebensraum im Detail zu prüfen, wurde die Begutachtung des Plandokuments im August 2009, also mitten in der Urlaubszeit, unter großem Zeitdruck in nur zwei Wochen durchgezogen.

Noch im Jahr 2005 hatte der Schutz der Tiere, die mittlerweile in Österreich an erster Stelle der Roten Liste stehen, tatsächlich oberste Priorität. Auf den ehemaligen Radio Austria Gründen im zehnten Wiener Bezirk war eine Ziesel-Kolonie durch ein Bauprojekt gefährdet, doch wurde auf Antrag der SPÖ im Wiener Gemeindeart einstimmig beschlossen zum Schutz der Tiere auf eine Verbauung des Areals zu verzichten.

Politik ist nun am Zug

Die Politik ist nun dringend gefordert zu handeln, denn für die Flächenwidmung beim Heeresspital besteht aufgrund der unterbliebenen Umweltprüfung augenscheinlich Sanierungsbedarf. Auch ist zu klären, ob die Widmung überhaupt rechtens zu Stande kam. Eines der letzten Vorkommen der in Österreich am stärksten vom Aussterben bedrohten Säugetierart verdient, schon aus Gründen der internationalen Optik, hinsichtlich des Artenschutzes ein größeres Augenmerk.

Jetzt im Raum stehende „Ausgleichsmaßnahmen“, konkret das Abdrängen der Ziesel aus ihrem Lebensraum auf „Ausgleichsflächen“ durch gezieltes Pflügen, sind somit abzulehnen. Bereits im Widmungsverfahren wäre der richtige Zeitpunkt gewesen zu klären, ob und welche Verbauung unter Einhaltung der Naturschutzgesetze überhaupt zulässig wäre und wie mit den streng geschützten Tieren in der Folge unter Einhaltung der EU-Richtlinien umzugehen ist.

Kommentar

Ein dichtes Ziesel-Vorkommen beim Heeresspital war also schon in 2007 bekannt, versehen mit dem qualifizierten Hinweis, dass deren spontanes Erscheinen auf umliegende Bautätigkeit zurückzuführen sei. Obwohl die Gegend seit dem STEP 05 als Stadtentwicklungsgebiet gilt, läuteten offenbar nicht die Alarmglocken.

Spätestens im Widmungsverfahren 2009 hätte man jedoch der Frage nachgehen müssen, was es mit den vielen Zieseln beim Heeresspital auf sich hat, denn es standen unübersehbar große Investitionen im zumindest zweistelligen Millionenbereich an und das in einem Gebiet, das womöglich bereits von einer streng geschützten und „prioritär bedeutenden“ Art dicht besiedelt ist.

Warum trotz des bekannten Großvorkommens keine Umweltprüfung stattfand, bleibt also schleierhaft. Das führte in der Folge leider zu der unerfreulichen Situation, dass inzwischen tatsächlich viel Geld ausgegeben wurde und der wirtschaftliche Druck auf die Ziesel, sie stehen in Österreich an erster Stelle der roten Liste, ein ganz enormer ist.

Trotz all dem ist es abzulehnen, dass die „prioritär bedeutenden“ Ziesel, „motiviert“ durch den Pflug, aus ihrem angestammten Habitat nun in Ersatz-Reservate übersiedeln sollen. Diese liegen nämlich zum Teil direkt neben der künftigen Großbaustelle oder überhaupt inmitten des verbauten Areals (!) und zudem wird den Tieren dort auch, bedingt durch den Schatten der hohen Verbauung, auch noch in der zweiten Tageshälfte das Licht genommen, was wohl eine eindeutige Habitatsanforderung von Steppentieren ist, die normalerweise weit einsehbare Flächen bewohnen.

Wie schon im Gutachten ausgeführt ist, führte umliegende Bautätigkeit zur Flucht von Zieseln auf das Heeresspital-Areal und es ist daher nicht zu erwarten, dass die bedrohten Tiere nördlich des Heeresspitals dem munteren Treiben auf der Großbaustelle mit großen Interesse zusehen werden. Vielmehr befürchten wir, dass sich am Marchfeldkanal nördlich des Heeresspitals eine veritable Artenschutz-Katastrophe anbahnt, die in diesem Ausmaß von vornherein vermeidbar gewesen wäre.

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Schluss mit Ziesel-Schlussverkauf. Einige Randflächen des Wiener Heeresspitals, die wie berichtet zum Verkauf standen, sind nun veräußert. Laut Auskunft der SIVBEG wurde das Geschäft planmäßig abgewickelt. Dass die verkauften Flächen zumindest teilweise von den streng geschützten Zieseln besiedelt sein dürften, war dabei offenbar nicht von Relevanz.

Es stellt sich daher die Frage nach den Hintergründen, denn der umfassende Lebensraumschutz, den die Tiere laut Wiener Naturschutzgesetz genießen, lässt das beabsichtigte Großbauprojekt nördlich des Heeresspitals nicht zu. Ist der nunmehr erfolgte Verkauf letztlich ein weiteres klares Indiz dafür, dass dort die riskante Absiedlung der Ziesel längst ausgemachte Sache ist?

Die Ziesel beim Wiener Heeresspital

Ziesel gelten nach dem Wiener Naturschutzgesetz als prioritär bedeutend und sind am gesamten Wiener Stadtgebiet streng geschützt. Zudem stehen die Tiere in Österreich an erster Stelle der Roten Liste, was zeigt, wie überaus ernst ihre Situation hierzulande ist.

Die Existenz der großen Ziesel-Population am Heeresspital-Gelände und am Feld nördlich des Heeresspitals, wo bekanntlich ein großes Bauprojekt mit rund 1.000  Wohnungen realisiert werden soll, ist nun schon länger kein Geheimnis mehr. Die Käufer der abgetretenen Heeresspital-Randflächen, die Wohnbau-Genossenschaften Kabelwerk und Donaucity, besitzen bereits großteils das Feld nördlich davon. Schon in der ersten Jahreshälfte wurden sie von der Wiener Umweltschutzabteilung MA 22 offiziell davon in Kenntnis gesetzt, dass dort die streng geschützten Tiere vorkommen.

Ziesel auch auf den verkauften Randflächen?

Auch die kürzlich verkauften Flächen liegen zum Teil im Bereich nördlich des Heeresspitals. Dokumentierte Beobachtungen legen nahe, dass dort ebenso Ziesel leben.

   

Bemerkenswerterweise fand sich jedoch im öffentlich einsehbaren Kaufvertragsentwurf kein Hinweis auf das mögliche Vorkommen  einer streng geschützten Art. So ihr dieses signifikante Faktum bekannt war, hätten wir uns der guten Ordnung halber von der Verkäuferin SIVBEG, sie befindet sich indirekt zu 100 Prozent im Besitz der Republik Österreich, einen entsprechenden Vermerk erwartet.

Das Geschäft kam also zustande, obwohl die Käufer davon ausgehen konnten, dass die erworbenen Flächen gleichfalls im Lebensraum einer Ziesel-Kolonie liegen und somit die Realisierung eines Bauprojekts dort in hohem Maße fraglich ist. Die laut Vertragsentwurf bezahlte Summe von 683.500 Euro hätte wohl in anderen Projekten mit weniger Risiko investiert werden können.

Absiedlung eine  beschlossene Sache?

Beobachter vermuten daher, dass die Absiedlung der Ziesel längst fixiert ist und den Genossenschaften grünes Licht für weitere Grundstückskäufe zur Errichtung der ca. 1.000 Wohnungen am Marchfeldkanal signalisiert wurde.

Bekräftigt wird dies durch die Vermutung, dass unmittelbar angrenzend bereits eine „Ausgleichsfläche“  in Vorbereitung sein könnte. Über das ebenfalls von der SIVBEG offerierte Grundstück, haben wir bereits in einer unserer letzten Aussendungen berichtet.

Stresstest für den Artenschutz

Es ist also zu befürchten, dass dem Wiener Naturschutzgesetz ein ernster Stresstest bevorsteht, denn die absehbare Absiedlung steht im krassen  Widerspruch zum Habitatsschutz, den die Ziesel im gesamten Stadtgebiet genießen. Dieser untersagt Störungen im Lebensraum oder Beschädigungen des Lebensraums der Tiere und verbietet deren Fangen und Transportieren.

Der Erfolg von Ausgleichsmaßnahmen für nach Anhang IV der EU-FFH-Richtlinie  geschützte Arten, so diese überhaupt durch die zuständigen EU-Organe genehmigt werden, muss im Vorhinein zweifelsfrei feststehen. Für die Absiedlung von Zieseln kann dies in der Praxis jedoch nicht gewährleistet werden.

So wurde von einer Verbauung der ehemaligen Radio Austria Gründe, wo ein Ziesel-Reservat durch ein Wohnbau-Projekt bedroht war, per Gemeinderatsbeschluss zum Schutz der Tiere Abstand genommen. Der Ausgang der Ausgleichsmaßnahmen galt als ungewiss.

Auch die renommierte Expertin Dr. Friederike Spitzenberger kritisiert in der vom Umweltministerium herausgegebenen Roten Liste der österreichischen Säugetiere die Absiedelungspraxis von Zieseln eindringlich:

„Obwohl das Ziesel in Anhang II der Flora-Fauna-Habitats-Richtlinie steht, wird es beispielsweise im Bundesland Wien, in dem die Art naturschutzrechtlich als ‚prioritär bedeutend‘ geschützt ist, von Flächen auf denen es ‚stört‘, auf andere ,transloziert‘. Derartige Umsiedlungen führten bisher immer zu großen Verlusten.“

Unterstützen Sie uns mit Ihrer Unterschrift!

Den Zieseln beim Heeresspital drohen also harte Zeiten. Bitte setzen auch Sie ein Zeichen für nachhaltigen Artenschutz und unterstützen Sie uns mit Ihrer Unterschrift für eine Umwidmung des Ziesel-Lebensraums beim Heeresspital in ein Naturschutzgebiet.

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In unserem Newsletter wollen wir Sie regelmäßig über Neuigkeiten und unsere Aktivitäten zum Schutz der Ziesel beim Wiener Heeresspital, die nach wie vor durch ein geplantes Bauprojekt bedroht sind, informieren.

Treffen mit SPÖ-Bezirkspolitikern

Am 27.9.2011 gab es ein erstes Treffen zwischen hochrangigen Vertretern der SPÖ-Floridsdorf, angeführt von Bezirksvorsteher Heinz Lehner, und der Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal. In einem konstruktiven Gespräch wurden die gegenseitigen Standpunkte bezüglich der durch das Bauprojekt nördlich des Heeresspitals bedrohten Ziesel dargelegt.

Wir konnten erstmals seit dem nunmehr zweijährigen Bestehen unserer Bürgerinitiative den Eindruck gewinnen, dass wir als kompetente Gesprächspartner respektiert wurden. BV Lehner versicherte, dass der SPÖ die uneingeschränkte Einhaltung des Wiener Naturschutzgesetzes ein wichtiges Anliegen ist. Zugleich verwies er darauf, dass der Ball jetzt bei der Naturschutzbehörde liege und die Bezirkspolitik in der Sache nicht mehr zuständig sei.

Zusammenfassend meinen wir, dass innerhalb der SPÖ nun ein Nachdenkprozess bezüglich des Festhaltens an den Verbauungsplänen nördlich des Heeresspitals in Gang gekommen sein könnte.

Ziesel-Gutachten

Die schon mit Spannung erwartete Expertise bezüglich der Ziesel-Population beim Wiener Heeresspital, die von der Wiener Umweltschutzabteilung MA 22 bei der Universität Wien beauftragte wurde, ist fertiggestellt. Über den Inhalt sind jedoch noch keine Details bekannt. Das Gutachten soll im Floridsdorfer Umweltausschuss der Bezirkspolitik vorgestellt werden. Bezirksvorsteher Lehner hat zugesichert, dass auch Vertreter der IGL Marchfeldkanal dieser Präsentation beiwohnen dürfen.

Die Ziesel in den Medien

Die bedrohten Ziesel beim Heeresspital sind seit Juni 2011 ein medialer Dauerbrenner. Auf unserer Homepage finden Sie dazu jetzt unter „Medienschau“ eine ausführliche Auslistung aller Artikel mit Bezug auf das Gebiet nördlich des Heeresspitals.

Unterstützen auch Sie uns mit Ihrer Unterschrift!

Wir sammeln nach wie vor Unterstützungserklärungen für ein Naturschutzgebiet rund um das Heeresspital zum Schutz der dort lebenden Ziesel.

Das Unterschreiben ist einfach!

  • Formular herunterladen und ausfüllen,
  • einscannen oder fotografieren
  • und per E-Mail an uns zurückschicken.

Vielen Dank!!

Wir freuen uns auch über Unterschriften aus dem Kreis ihrer Familie, Freunde und Bekannten, die ebenfalls unser Anliegen teilen.

Bitte füllen Sie die Unterschriftsliste vollständig aus – nur dann ist sie relevant. Die Daten werden nicht weitergegeben.

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Die große Ziesel-Kolonie beim Wiener Heeresspital ist nach wie vor durch ein Bauprojekt massiv gefährdet. Ca. 1.000 Wohnungen sollen im Lebensraum der Tiere errichtet werden und das obwohl die Ziesel an erster Stelle der Roten Liste in Österreich stehen.

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal setzt sich jetzt für diese Ziesel ein und fordert die Umwidmung der Habitatsflächen in ein Naturschutzgebiet. Das Sammeln von Unterstützungserklärungen ist indes schon sensationell angelaufen!

Was bisher (nicht) geschah

Das in 2009 bereits zum Planungszeitpunkt bekannte, dichte Vorkommen der Tiere auf Teilen des Widmungsgebiets blieb in der Flächenwidmung unberücksichtigt. Auch in der Folge, als sich die Hinweise auf die fortgeschrittene Verbreitung der Ziesel auf umliegende Flächen mehrten, wurden keine wirksamen Maßnahmen zum Schutz der Tiere gesetzt.

Als schließlich heuer im Juni erste Medien vom bedrohten Ziesel-Vorkommen beim Heeresspital berichteten, wurde leider zugleich auch ein unrühmlicher Tiefpunkt im Umgang mit den wehrlosen Tieren erreicht. Trotz des strengen Schutzes, den die Ziesel nach dem Naturschutzgesetz am gesamten Stadtgebiet genießen, sollte die gesamte Brache nördlich des Heeresspitals, zu ungewöhnlicher Jahreszeit, gepflügt werden.

Diese für die „prioritär bedeutenden“ Ziesel fatale Aktion, welche die Vernichtung des Lebensraums und damit der Existenzgrundlage der Tiere bedeutet hätte, konnte erst durch die Intervention von beherzten Tierschützern und Anrainern verhindert werden. Tatkräftige Unterstützung kam insbesondere auch von Madeleine Petrovic, der Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins. Mehr Infos dazu finden Sie in der „Tierfreund“-Sommerausgabe auf Seite 13.

Pro Naturschutz

Wien will auch künftig seinen Ruf als Hauptstadt des Tierschutzes wahren. Daher darf sich in unserer Stadt Artenschutz nicht auf das Administrieren von Statistiken beschränken. Vielmehr ist es aufgrund der Ereignis-Chronologie rund um die Ziesel beim Heeresspital nun hoch an der Zeit, wirksame Schritte zu deren Schutz zu setzen.

In Anbetracht des akuten Gefährdungszustands der Ziesel in Österreich, versteht es sich von selbst, dass weitere Experimente mit den Tieren schlicht unverantwortlich und daher abzulehnen sind. Die Tiere müssen, so wie es auch das Wiener Naturschutzgesetz vorsieht, dort geschützt werden, wo sie leben.

Zudem haben neben den Ziesel weitere geschützte Tiere wie Feldhamster, geschützte Fledermausarten und geschützte Vogelarten in diesem Areal ihren Lebensraum und unterstreichen so eindrucksvoll dessen hohe ökologische Bedeutung.

Die IGL-Marchfeldkanal tritt daher für eine Widmung der Flächen nördlich und südlich des Heeresspitals, sowie der Grünflächen am Heeresspitals-Gelände, in ein Naturschutzgebiet ein. Es soll jene Form von Naturschutzgebiet verfügt werden, die am besten geeignet ist, den Schutz und die Förderung der Ziesel nachhaltig zu gewährleisten. Nach unserem aktuellen Kenntnisstand wäre ein Natura 2000 Gebiet gemäß der EU-FFH-Richtlinie eine geeignete Option.

Informations- und Unterschriftenaktion

Wir engagieren uns nun mit ganzer Kraft für das notwendige Naturschutzgebiet beim Heeresspital. Dazu verteilen wir Informationsmaterial und sammeln Unterstützungserklärungen der Bürgerinnen und Bürgern.

Zu unserer großen Freude ist die Aktion bereits sehr gut angelaufen. Die bereits beachtliche Zahl an Unterschriften und die vielen positiven Begegnungen schon nach wenigen Tagen sind wirklich überwältigend!

Helfen Sie mit!

Unterschreiben Sie für ein Naturschutzgebiet zum Schutz der Ziesel beim Heeresspital und sammeln auch Sie Unterstützungserklärungen! Laden Sie dazu das Formular von unserer Homepage herunter. Die unterschriebenen Listen können Sie uns entweder persönlich übergeben oder eingescannt per E-Mail zuschicken.

Wenn Sie unsere Flyer verteilen oder auflegen möchten, kontaktieren Sie uns bitte ebenfalls per E-Mail.

Vielen Dank für Ihr aktives Mitwirken!!

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Ist das Schicksal der großen Ziesel-Population beim Wiener Heeresspital besiegelt? Obwohl ein von der Wiener Umweltschutzabteilung MA 22 beauftragtes Expertengutachten noch gar nicht vorliegt, zeigt ein jetzt im Internet aufgetauchtes Dokument, dass die hochriskante Absiedlung der streng geschützten Tiere eine längst ausgemachte Sache sein dürfte.

Danach wäre der Weg frei für zunächst 1.000 neue Wohnungen nördlich des Heeresspitals. Bei Fortsetzung dieses „kreativen“ Umgangs mit dem Naturschutz, könnten nach Schließung des Heeresspitals dort letztlich bis zu 6.000 Wohnungen im ehemaligen Lebensraum einer streng geschützten Art entstehen.

Schnäppchen-Alarm !

Der entscheidende Hinweis findet sich auf der Webseite der für Kasernen- und Liegenschaftsverkäufe des Bundesheeres verantwortlichen SIVBEG, wo seit Ende August 2011 ein  „preiswertes“ Grundstück (Google-Link) in Wien angeboten wird. Das 16.384 m2 große Areal befindet sich zwischen der Ostgrenze des Heeresspitals und dem Weg entlang des Marchfeldkanals und ist zur Gänze als „Schutzzone Wald – Wiese“ gewidmet. Es ist somit nicht für Wohnbau verwertbar, was sich zusammen mit fehlender Aufschließung und starker Verbuschung im extrem niedrigen Mindestkaufpreis von 130.800 Euro (8 Euro pro m2) niederschlägt. Ein klassischer Ladenhüter?

 

Nein, denn bei genauerem Hinsehen wird schnell klar, wo der wahre Wert der Fläche liegt. Aufgrund des dichten Buschwerks haben sich dort, im Gegensatz zu den angrenzenden Arealen, noch keine Ziesel ausgebreitet. So scheint das Grundstück geradezu verlockend, um nach dem Roden der Büsche und dem Anbau einer „zieselgerechten“ Kurzrasenvegetation, die „lästig“ gewordenen Nager vom Feld nördlich des Heeresspitals dorthin abzusiedeln.

Entscheidung bereits gefallen ?

In Anbetracht des ungewöhnlichen Offerts drängt sich also die Vermutung auf, dass im Hintergrund bereits Entscheidungen getroffen wurden, um das Projekt nördlich des Heeresspitals, trotz der Ausbreitung der streng geschützten Ziesel, zu Gunsten der Bauwirtschaft zu retten. Ob diese Gespräche jedoch unter der Prämisse einer bestmöglichen Einhaltung des Naturschutzes geführt wurden, sei der Fantasie des Lesers überlassen.

Der Quadratmeterpreis von 8 Euro ist in jedem Fall als verblüffend günstig einzuschätzen. Zwar handelt es sich dabei um einen Mindestpreis, doch wird die Zahl der abgegebenen Gebote wohl überschau bleiben und der erzielte Schnäppchenpreis die Portokasse des Käufers – so ein Glück auch – nicht übermäßig strapazieren. Dass hier womöglich Eigentum der Republik Österreich viel zu billig den Besitzer wechselt, wird keinem der Geschäftspartner den Schlaf zu rauben.

Ziesel-Gutachten: Dead On Arrival ?

Fest steht, das von der MA 22 beauftragte Fachgutachten bezüglich des Ziesel-Vorkommens am und rund um das Heeresspital liegt bis dato nicht vor. Ob diese Expertise schon bei Abgabe de facto obsolet ist, wird sich zeigen, wenn in der Folge das weitere Vorgehen bezüglich des Erhalts der gefährdeten Ziesel-Population publik wird.

Sollte von den Behörden tatsächlich grünes Licht zur völlig unverantwortlichen Absiedlung der Ziesel in den schmalen Streifen entlang des Marchfeldkanals gegeben werden und „rein zufällig“ gerade eine „passende“ Destination zur Hand sein, so wird bei Beobachtern wohl unweigerlich der Eindruck entstehen, dass die Entscheidung auf Drängen von einflussreicher Seite zustande kam und die Vorbereitungen tatsächlich schon seit Wochen im Laufen waren.

Künftig wäre es geradezu makaber, wenn im Internet bei Suche nach „Ziesel“ ein wissenschaftliches Papier auftaucht, das von einer prosperierenden Ziesel-Kolonie beim Heeresspital berichtet, dort jedoch längst nur mehr lebloser Beton anzutreffen ist und bloß ein Straßenschild „Zieselweg“ als stummes Mahnmal an verantwortungslosen Umgang mit Naturschutz erinnert.

FORTSETZUNG FOLGT …

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Im Jahr 2009 wurde die heftig diskutierte Flächenwidmung nördlich des Heeresspitals, Grundlage für mehr als 1.000 neue Wohnungen direkt am Marchfeldkanal, in rekordverdächtiger Zeit begutachtet. Wie sich nun gut zwei Jahre später herausstellt, wurde dabei dem Thema Naturschutz, insbesondere den streng geschützten Zieseln am Heeresspital-Gelände, offensichtlich leider zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Denn in nur zwei Wochen, noch dazu mitten im Urlaubsmonat August, alle Aspekte eines Leitprojektes mit erheblichen Auswirkungen auf Stammersdorf und die Achse Brünnerstraße zu prüfen – das erstaunt schon einigermaßen. So wissen gelernte Bürger, dass die behördliche Bearbeitung weitaus einfacherer Anträge in der Praxis mehr als 14 Tage dauern kann. Auch Floridsdorfer Bezirkspolitiker kritisierten seinerzeit den unnachvollziehbaren Zeitdruck, den sich die Stadtplanung hier selbst auferlegt hatte.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass auch die Anzahl der geplanten 1.000 Wohneinheiten, quantitativ beispielsweise vergleichbar etwa mit dem Wohnpark Donaucity, nach wie vor Gegenstand intensiver Diskussionen ist.

Zieseln am Heeresspitalgelände schon lange bekannt

Wie bereits berichtet, erstreckt sich die neue Flächenwidmung auch zum Teil auf den hinteren Grünbereich des Wiener  Heeresspitals und sieht dort mehrere Wohngebäude vor. Der Ankauf dieser Flächen durch die Bauträger befindet sich derzeit in der Endphase.

Die Existenz einer beachtlich großen Ziesel-Population auf den Gründen des Heeresspitals, ist schon seit vielen Jahren bekannt. Selbst ehemaligen Grundwehrdienern, deren Präsenzdienst im Heeresspital schon halbe Ewigkeiten zurückliegt, sind die Tiere in Erinnerung geblieben.

Ziesel stehen nach dem Wiener Naturschutzgesetz unter strengem Schutz. Sie genießen im gesamten Wiener Stadtgebiet Lebensraumschutz, was bedeutet, dass jeder Eingriff in deren Lebensraum, der den Fortbestand der Tiere gefährden könnte, strikt untersagt ist.

Daher ist die Frage zu stellen, auf welcher Grundlage es überhaupt möglich war, einen Teil des hinteren Heeresspital-Areals, wo das am meisten vom Aussterben bedrohte Säugetier Österreichs in großer Dichte bekanntermaßen vorkommt, in Bauland umzuwidmen?

Dazu kommt, dass ein schlichter Maschendrahtzaun die Tiere nicht daran hindern kann, auf angrenzende Flächen abzuwandern. So ist letztlich die zwischenzeitliche Besiedlung des brach liegenden Feldes nördlich des Heeresspitals durch die Zieseln nicht überraschend und wäre daher als ein wahrscheinliches Szenario zu berücksichtigen gewesen.

Die Rolle der MA 22

Dass die große Ziesel-Population am Heeresspital der Wiener Umweltschutzabteilung MA 22 im August 2009 noch nicht bekannt war, ist wohl nahezu auszuschließen. Zudem hätte nur einziger Lokalaugenschein vor Ort, bei einer Widmung dieser Größenordnung sicher gängige Praxis, das Faktum ans Tageslicht gebracht. Hingegen scheint es wahrscheinlicher, dass die Einbindung der MA 22 auf ein formal notwendiges Minimum beschränkt war und eine Überprüfung des Plandokuments hinsichtlich Natur- und Artenschutz, wenn überhaupt, nicht im erforderlichen Umfang stattgefunden hat.

Laut Internetseite der MA 22 sind deren Aufgaben in Flächenwidmungsverfahren klar definiert: „Die Wiener  Umweltschutzabteilung (MA 22) ist in das Verfahren zur Erstellung der Flächenwidmungspläne und Bebauungspläne eingebunden. In diesem – aus mehreren Verfahrensschritten bestehenden – Verfahren überprüft die MA 22 die Übereinstimmung der Planungen mit den Zielen des Umweltschutzes.“

Manche Beobachter fragen sich jedoch, ob die Wiener Umweltschutzabteilung von der Umwidmung überhaupt erst nachträglich erfuhr, als den Zuständigen gemeldet wurde, dass ein Ziesel-Vorkommen nördlich des Heeresspitals durch großflächiges Pflügen in seinem Lebensraum existenziell bedroht wurde.

Die nicht im Einklang mit dem Wiener Naturschutzgesetz stehenden Auswirkungen des Bauprojekts auf die Ziesel-Population am  Heeresspital-Areal und die im Wiener Arten- und Lebensraumschutzprogramm „Netzwerk Natur“ ausführlich dokumentierte ökologische Bedeutung des gegenständlichen Widmungsgebietes, hätten wohl die Durchführung einer  strategischen Umweltprüfung  vor Ausarbeitung des Plandokuments als eine vertretbare und sinnvolle Maßnahme gerechtfertigt.

Nun ist die Politik gefordert

Aufgrund der aus Sicht des Artenschutzes gravierenden Mängel in der aktuellen Flächenwidmung nördlich des Heeresspitals, sind nun die politisch Verantwortlichen gefordert. Klar ist: Das Plandokument, welches dichten Wohnbau im Lebensraum der streng geschützten Ziesel vorsieht, ist so nicht realisierbar und bedarf somit einer signifikanten Überarbeitung.

Wir fordern ein vollständiges Neuaufrollen der Flächenwidmung, wo insbesondere sämtliche Naturschutz-relevanten Erfordernisse einfließen. Angesichts der Größe der Ziesel-Population am Heeresspital und der bereits fortgeschrittenen Ausbreitung auf angrenzenden Feldern, dem Vorkommen weiterer geschützter Arten, wie etwa dem Feldhamster und der wertvollen ökologischen Vielfalt im Widmungsgebiet, tritt die IGL-Marchfeldkanal für die Umwandlung des Gebiets in ein EU-Natura-2000-Schutzgebiet ein.

Pro Artenschutz!

Die gegen eine Widmung als Naturschutzgebiet reflexartig vorgebrachte Kritik, wonach Anrainer die streng geschützten Zieseln nur vorschieben um das Bauprojekt nördlich des Heeresspitals zu verhindern, geht natürlich ins Leere.

Einerseits sind die offensichtlichen Defizite der aktuellen Flächenwidmung bezüglich des Artenschutzes, klarerweise nicht von den Bürgern zu verantworten. In Kenntnis der großen Ziesel-Population am Heeresspital-Areal, das zum Teil im Widmungsgebiet liegt, hätte eine detailliertere Naturschutzprüfung schon im Vorfeld viele Probleme und Alternativen aufzeigen können.

Andererseits dokumentiert das Vorgehen in einem ähnlichen Projekt, dass Artenschutz nicht zu Gunsten von Wohnbau zurückzustellen ist. Auf den ehemaligen Radio Austria Gründen in Favoriten war ebenfalls der Fortbestand der dortigen Ziesel-Population, in einem zum Feld nördlich des Heeresspitals vergleichbaren Ausmaß, von einem geplanten Bauvorhaben gefährdet. Durch einen einstimmigen Beschluss im Wiener Gemeinderat wurde jedoch das Areal in ein Naturdenkmal umgewandelt und so der Fortbestand der Tiere in ihrem Lebensraum nachhaltig sichergestellt.

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Zieseln! Wer hat noch nicht, wer will nochmal?

Trotz der derzeit hochsommerlichen Temperaturen, kommen die Floridsdorfer Zieseln nicht zur Ruhe. Denn ein Verkauf von ersten für Wohnbau gewidmeten Teilflächen des Wiener Heeresspitals, auf denen pikanterweise auch die streng geschützten Zieseln leben, steht unmittelbar bevor. Ein erster Schritt für einen neuen Großstadtteil mit tausenden Wohnungen am und rund um das Heeresspital-Areal?

Laut Webseite der SIVBEG sollen Gebiete des Heeresspital-Geländes schon bald veräußert werden. Dabei handelt es sich konkret um Teile des hinteren Grünbereichs, die an jenes Feld angrenzen, wo das heftig diskutierte Großwohnbauprojekt „Nördlich des Heeresspitals“ mit fast 1.000 Wohnungen realisiert werden soll. Dort wurde erst kürzlich eine größere Population der vom Aussterben bedrohten und nach dem Wiener Naturschutzgesetz streng geschützten Ziesel entdeckt. Da just zu diesem Zeitpunkt die Landwirtschaft auf dem brachliegenden Acker wieder aufgenommen und die wehrlosen Tiere in ihrem Lebensraum massiv gefährdet wurden, war auch die Anteilnahme in der Bevölkerung und den Medien entsprechend groß.

Ob und in welcher Form eine Bebauung nördlich des Heeresspitals überhaupt stattfinden kann, ist nun völlig offen. Wo Zieseln leben, kann nicht gebaut werden.

Der Kaufvertragsentwurf für die Abtretung der ersten Heeresspitalsgründe kann auf der SIVBEG-Website (Google-Link) öffentlich eingesehen werden. In Summe sollen 2.786 Quadratmeter zu einem Preis von 683.500 EUR den Besitzer wechseln. Das Angebot richtet sich an die Wohnbaugenossenschaften Kabelwerk und Donaucity, denen auch bereits das Nachbargrundstück gehört.

10 Zieseln und ein Feldhase am Gelände des Heeresspitals

10 Zieseln und ein Feldhase am Gelände des Heeresspitals

Dass auf dem Gebiet des Heeresspitals eine sehr große Anzahl der Zieseln lebt, ist schon seit vielen Jahren bekannt. Kursierende Gerüchte, wonach deren Bestand in den letzter Zeit dort massiv zurückgegangen sein soll, entpuppen sich als völlig haltlos. Wie ein Foto vom Juni 2011 zeigt, herrscht auf den Grünflächen des HSP nach wie vor reges Treiben. Bei genauem Hinsehen können auf dem Schnappschuss erfreulicherweise nicht weniger als 10 (!) Zieseln ausgemacht werden, was auf einen idealen Lebensraum für die Nager hinweist. Es gibt wohl nur mehr sehr wenige Orte in Österreich, wo es gelingt, so viele der scheuen Tiere in freier Natur gemeinsam zu sichten.

Es stellt sich nun jedoch die Frage, warum die Präsenz des am meisten vom Aussterben bedrohten Säugetier Österreichs im Kaufvertragsentwurf mit keiner Silbe erwähnt wird. Dieser naturschutzrelevante Aspekt hat zweifellos erheblichen Einfluss auf den Verbauungswert des Grundstückes.

Wissen wirklich beide Seiten nichts von den Zieseln am Gelände des Heeresspitals? Ist den kolportierten Käufern der Umstand bekannt und greifen sie trotzdem zu? Was passiert dann mit den streng geschützen Zieseln?

Man darf also gespannt sein, ob das Geschäft tatsächlich zustande kommen wird und sich die Genossenschaften Kabelwerk und Donaucity so letztlich noch mehr Zieseln kaufen.

Startschuss für 6.000 Wohnungen?

Klar ist aber auch: Es können weitere Verkäufe von Flächen des Heeresspitals folgen. Entsprechende Medienberichte  über die Schließung des Heeresspitals gibt es ja schon. Insider sprechen von 6.000 Wohneinheiten, die dann in Summe am und um das Gebiet des ehemaligen Wiener Heeresspitals realisiert werden sollen.

Der „Ziesel-Sommerschlussverkauf“ ist also nur die leise Ouvertüre für einen neuen Mega-Stadtteil im Norden Wiens, den jedoch die schon oft versprochene U6-Verlängerung wohl nie erreichen wird.

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Wenn in China ein Panda-Reservat zugunsten eines Bauvorhabens abgeholzt werden soll, würde es da nicht zu Recht weltweit aufgeregte Proteste geben?

Was passiert hingegen im westlichen Wien, wo ein strenges Naturschutzgesetz gilt? Wie geht man dort mit einer großen Population der streng geschützten Zieseln um, wenn diese durch ein Wohnbauprojekt gefährdet werden?

Ist es gar so, dass das gezeigte Verständnis für den Artenschutz bei manchen Entscheidungsgewaltigen umso größer ist, je weiter das Problem geografisch entfernt liegt? Und das obwohl das Ziesel die am meisten vom Aussterben bedrohte Säugetierart Österreichs ist?

Der Pflug rückte an

Gleich nach der Entdeckung des Zieselvorkommens nördlich des Wiener Heeresspitals, wurde auf dem bis dahin brach liegenden Feld wieder völlig unvermittelt die Landwirtschaft aufgenommen. Zu unüblicher Jahreszeit, sollte das 7 Hektar große Feld, das zu einem großen Teil  von den Tieren besiedelt ist, gepflügt werden. Nur dem beherzten Einsatz von engagierten Tierschützern, Frau Dr. Madeleine Petrovic (Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins) , dem Verein Vier Pfoten und Floridsdorfer Grünen ist es zu verdanken, dass es zu keiner Naturschutzkatastrophe ersten Ranges gekommen ist.

Pflügen im Juni stellt nach Ansicht von ausgewiesenen Experten zumindest für die Jungtiere eine massive Bedrohung dar. Zudem wäre durch den Umbruch des gesamten Areals mit einem Schlag die Nahrungsgrundlage der Zieseln in den Boden eingearbeitet worden. Man muss kein Tierschützer sein um zu erkennen, dass Nahrungsentzug einen massiven Verstoß gegen den strengen Lebensraumschutz bedeuten würde, den die Tiere am gesamten Wiener Stadtgebiet genießen.

Jener Streifen, wo das Pflügen bedauerlicherweise doch noch stattfand, liegt nun darnieder wie eine kahle Mondlandschaft. Dort wurden seit diesem rabenschwarzen Tag auch keine Ziesel und Zieselbauten mehr gesichtet.

Schutzzone beschlossen

Medienberichte in Krone, Kurier und im ORF haben schließlich doch bewirkt, dass im Wiener Gemeinderat eilig eine Schutzzone für die Ziesel beschlossen wurde.

Der Haken an dem Beschluss ist jedoch, dass dort bereits zuvor eine Schutzzonenwidmung bestand und der als Refugium für die Tiere gedachte Streifen zudem direkt am Weg neben dem Marchfeldkanal anliegt, wo ständig Fußgängern, Joggern, Radfahrern und Hunde vorbei kommen. Dementsprechend haben sich die scheuen Tiere dort auch nicht angesiedelt. Der Schutzzonenbeschluss schützt somit nur die bestehende Schutzzone und kann daher nur als ein allererster Schritt verstanden werden.

MA22 beauftragt Expertise

Die streng geschützten Ziesel nördlich des Heeresspitals genießen derzeit eine kurze Ruhepause. Wie die Leiterin der Wiener Umweltschutzabteilung Frau Dr. Büchl-Krammerstätter bestätigt, lässt die MA22 von Experten den Bestand an Zieseln und Feldhamstern am Feld nördlich des Heeressspitals sowie an angrenzenden Flächen erheben. Für die Dauer der Untersuchung, die bis Ende Juli 2011 abgeschlossen sein soll, wurden alle landwirtschaftlichen Aktivitäten eingestellt.

Die Resultate sollen laut MA22 als Entscheidungsgrundlage dienen, ob und in welcher Form die Landwirtschaft auf dem Feld wieder aufgenommen werden darf. Daraüber hinaus sollen laut Frau Dr. Büchl-Krammerstätter durch ein beauftragtes Monitoring Daten bezüglich der Zieselpopulation erhoben werden, die insbesondere für den Fall, dass die derzeitige Bauland-Widmung aufrecht bleibt, von Bedeutung sind.

Prof. Frey bestätigt großes Zieselvorkommen und Bedenken der Naturschützer

Parallel dazu wurde auch von der IGL-Marchfeldkanal eine Bestandserhebung der Ziesel- und Feldhamsterbauten am betroffenen Feld durchgeführt. Dabei zeigte sich schnell, dass die Population der vom Aussterben bedrohten Tiere weit größer ist, als zunächst von amtlicher Seite angenommen. Mehr als 120 mögliche Ziesel-Erdlöcher wurden dabei mitsamt GPS-Koordinaten erfasst und mitsamt Fotodokumentation den Behörden übermittelt.

Herr Univ.-Prof. Dr. Hans Frey von der veterinärmedizinischen Universität Wien, hat freundlicher Weise das Ziesel-Areal gemeinsam mit der IGL-Marchfeldkanal besichtigt und die Beobachtungen inhaltlich bestätigt. Der renommierte Wissenschaftler gestattete uns seine im Anschluss an die Begehung verfasste Stellungnahme zu publizieren:

 Anläßlich einer Begehung des zur Diskussion stehenden Areals am Marchfeldkanal am 01.07.11 konnte folgender Befund erhoben werden:

Bei der Begehung, die sich über zwei Stunden erstreckte, wurde das ganze Feld in meanderförmigen Linien systematisch auf der Suche nach Baueingängen von Zieseln oder Hamstern begangen. Besonders sorgfältig wurde ein bereits umgepflügter, an die Wohnsiedlung angrenzender streifenförmiger Teil nach Ziesel- oder Hamsterspuren abgesucht.

Außer einem offensichtlich durch das Pflügen zerstörten Zieselnest, konnten keinerlei Hinweise mehr auf Nestanlagen oder Aktivitäten der betroffenen Nagerarten festgestellt werden. Nach den Erhebungen der Interessensgruppe befand sich vor dem Pflügen hier eine größere Ansammlung von Zieselbauten.  Am Freitag waren direkt angrenzend am nicht gepflügten Areal einzelne aktive Zieselbauten, NICHT frisch angelegt, sondern offensichtlich ein Randteil der ursprünglichen Teilkolonie, die vor dem Pflügen dort bestand.

Die Begehung des ganzen ungepflügten Feldanteils ergab die Existenz von weiteren, z.T. sehr kopfstarken Zieselkolonien, die hinsichtlich ihrer Lage mit den dokumentierten Erhebungen der Interessensgruppe übereinstimmen, weiters mehrere Fallröhren mit größerem Durchmesser, die auf die Anwesenheit von Feldhamstern hinweisen.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass im betroffenen Areal keineswegs nur Einzelvorkommen der gefährdeten Arten Ziesel und Hamster existieren (in der Stellungnahme  der MA 22 zitiert sind 5 Bauten), sondern vitale und kopfstarke Zieselkolonien, sowie mehrere Hamsterbauten. Pflügen zu dieser Jahreszeit hat ohne jeden Zweifel verheerende Auswirkungen einerseits durch direkte mechanische Einwirkung die zu Verletzungen, Tötungen der Nager und Verschüttung von tiefer angelegten Bauten führt, andererseits zum gänzlichen Entzug der essentiellen Lebensgrundlagen der eventuell überlebenden Individuen. Es wird deshalb dringend empfohlen das weitere Pflügen bis zu einer tier- und naturschutzgerechten Lösung des Problems einzustellen.

Der Schutz der Ziesel muss Priorität haben!

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal wird sich selbstverständlich auch weiterhin intensiv für die Zieseln beim Heeresspital einsetzen. Der strenge Lebensraumschutz, der für die stark gefährdeten Tiere im Wiener Naturschutzgesetz am gesamten Stadtgebiet gilt, darf nicht nur selektiv ausgelegt werden.

Brennende Umweltschutzthemen unserer Zeit wie Biodiversität, denen sich auch die Republik Österreich verschrieben hat, dürfen nicht zu leeren Worthülsen verkommen, sondern müssen von Politik und natürlich auch uns Bürgern mit Leben gefüllt werden.

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