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Archive for the ‘Artenschutz’ Category

Für die streng geschützten Ziesel nördlich des Heeresspitals wird es nun im wahrsten Sinne des Wortes eng. Während der Bestand seit Jahren gleich bleibt, wird seit April ca. ein Drittel der Projektfläche mit Erlaubnis der Wiener Umweltbehörde MA 22 für Ziesel unbewohnbar gemacht. Hatten die 260 Tiere im Jahr 2014 dort noch ca 6 ha Lebensraum zur Verfügung, sind es nun nur mehr 4 ha. Auch wenn durch unterlassene Pflege erreicht wurde, dass die nun bearbeiteten Flächen angeblich von Zieseln verlassen wurden, hat man das Ziesel-“Problem” lediglich innerhalb der Projektfläche verlagert, die geflüchteten Tiere stauen sich jetzt nämlich auf den übrigen zur Verbauung vorgesehenen Arealen, während man auf den Ausgleichsflächen weitgehend vergeblich nach Spuren von Zieseln sucht. Auf dem durch die “Zieselbrücke” angebundenen größeren Teil der Ausgleichsflächen war trotz intensiver Nachschau durch die IGL-Marchfeldkanal kein einziger Bau zu finden, lediglich eine direkt an das Heeresspital grenzende Teilfläche wird nach und nach von dort aus besiedelt.

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Abtragungsarbeiten – von der vorgeschriebenen Aufsicht keine Spur.

Trotz geschrumpftem Lebensraum könnte die bedrängte Population heuer wieder einen Rekordstand erreichen: Wurden im April 2015 104 benutzte Baue gezählt[1], so waren es heuer ganze 147[2] (Der Bestand ist nach dem Winterschlaf am niedrigsten und wächst durch die Jungtiere bis zu einem Maximum im Sommer).

Den Jungtieren, die sich um diese Jahreszeit selbstständig machen und auf den Winter vorbereiten müssen, um diesen zu überleben (u. a. eigene Baue anlegen und sich nebenbei Fett für ein halbes Jahr Winterschlaf anfressen), weht ein rauher Wind entgegen. Nicht nur, dass wie von der Behörde genehmigt, auf dem westlichsten Teil die oberste Erdschicht abgetragen und Bauviles ausgelegt wird, geht das Abdrängen der Tiere im Sinne einer Salamitaktik durch partielles Nicht-Mähen auf angrenzenden Teilen der Fläche unbeirrt weiter. Womit der für Ziesel geeignete enge Lebensraum noch weiter verkleinert wird. Auch auf der noch gemähten Fläche wird das Mahdgut nur zum Teil entfernt, d. h. die Pflege in diesen Bereichen ist bei weitem nicht optimal.

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Weitere Teilflächen werden nicht gemäht

Die von der IGL-Marchfeldkanal befürchtete Anwendung einer Salamitaktik (stückweises verbuschen lassen mit anschließendem Bodenabtrag wenn die Fläche von Zieseln großteils verlassen wurde) scheint sich also, wenig überraschend, brutal zu bewahrheiten.

Ungewisse Zukunft

Die Zukunft der Zieselpopulation beim Heeresspital hängt davon ab, ob die Wiener Umweltbehörde ihrem Umweltschutz-Auftrag entsprechend auf die “kreative” Vorgehensweise der Bauträger reagieren kann – und vor allem will. Die bisher seltsam genug klingende Argumentation, die Behörde könne nur beurteilen was eingereicht wird (in diesem Fall nur eine Baufeldfreimachung), sollte die Behörde nicht davon abhalten, sich den Kopf einmal drüber zu zerbrechen, ob einer Baufeldfreimachung nicht doch noch flugs ein Bauvorhaben folgen könnte, welches Auswirkungen über die Baufeldgrenze hinaus besitzt die hier unbedingt zu berücksichtigen wären. Bei einem Autobahnbau wäre es undenkbar, die Planierung des Geländes unabhängig von der Genehmigung des eigentliches Straßenbaus zu verhandeln. Im Wiener Wohnbau ist es offenbar kein Problem.

Ein großer Schelm, der denkt, die Projektwerber hätten einfach aus Jux und Tollerei einen Bodenabtrag eingereicht und durchgeführt, ohne davon ausgehen zu können, dass ein in Folge eingereichtes Bauvorhaben ebenfalls genehmigt wird.

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Abgetragene Flächen in schwarz

Dementsprechend spannend wird es, das Verhalten der Behörde in Bezug auf die ab September angekündigte Bautätigkeit zu beobachten, schließlich begeben sich Ende August die ersten Ziesel in die Winterruhe. Die beiden abgetragenen Projektflächen Kabelwerk/Familienwohnbau (a) sowie ÖVW (Österreichisches Volkswohnungswerk) (b) grenzen direkt an von Zieseln besiedelte Gebiete, im Fall des ÖVW sind es keine zwei Meter von der Baufeldgrenze zum nächsten Zieselbau. Insbesondere Aushub mit schweren Maschinen und Sicherung der Baugrube (Eintreiben von Spundwänden, Betonbohrungen) sind nicht ohne massive Erschütterungen durchführbar, womit Ziesel immer wieder aus der Winterstarre gerissen werden dürften und massiv Energie verbrauchen, die ihnen in der Endphase des Schlafes fehlen und zu hoher Wintersterblichkeit führen wird. Frühere Aussagen seitens der Umweltanwaltschaft, wonach Auswirkungen auf Tiere ausserhalb der Grundstücksgrenze bei einem Verfahren nicht berücksichtigt werden können, sowie Aussagen des Kabelwerkgeschäftsführers, man erwarte ein Zurückweichen der Tiere vor Störungen [3], lassen nichts Gutes erwarten.

Auch die Auswirkungen des Betriebs der Anlage müssten korrekterweise durch die MA 22 für eine Entscheidung berücksichtigt werden, welche Auswirkungen also ca 300 neue Nachbarn mit ihren (laut Statistik [4]) 30 Hunden und 70 Katzen auf den nun mehr direkt an der Hausmauer beginnenden Ziesellebensraum haben. Die früher große Zieselpopulation in Percholtsdorf zum Beispiel konnte nur mittels teilweiser Einzäunung vor dem völligen Zusammenbruch aufgrund von “Freizeitdruck” gerettet werden [5].

Zauneidechsen: Nun auch amtlich

Als von der IGL-Marchfeldkanal im April auf die vom Abtrag der Grasnarbe betroffenen Zauneidechsen hingewiesen wurde, war die Reaktion einiger Medien – bei einigen nicht unerwartet – eine zynisch-verharmlosende Belächlung bis hin zur Verunglimpfung. [6]. Nun jedoch bestätigt die Behörde: Insgesamt wurden von der Fläche bisher 42 Zauneidechsen vertrieben [7]. Nachdem laut Fachliteratur immer nur ein geringer Teil einer Population zur gleichen Zeit an der Oberfläche beobachtbar ist, was Bestandsschätzungen schwierig macht [8], ist davon auszugehen, dass auf der Fläche wesentlich mehr Tiere leb(t)en. Auch wurde nochmals betont, dass für Zauneidechsen keine Ausnahmegenehmigung erlassen wurde. Das alles vor dem Hintergrund der Schutzwürdigkeit der Zauneidechse, welche gemäß der Wiener Naturschutzverordnung in die gleiche Schutzkategorie wie das Ziesel fällt und demnach Lebensraumschutz im gesamten Stadtgebiet genießt. Am Beispiel der Zauneidechse kann man sich ausmalen, wie es auch den Zieseln in Wien ergehen würde, hätte die EU hier nicht ein scharfes Auge drauf…

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Ausgleichsfläche für Zauneidechsen

Spätestens bei der Abtragung der Projektfläche entlang der Johann-Weber Strasse wurde die Fehleinschätzung der Behörde, die Fläche sei kein Zauneidechsenlebensraum, offensichtlich: Die Arbeiten wurden nach wenigen Tagen (Anfang April) abgebrochen und erst Ende Mai fortgesetzt – nachdem ein neuer Bescheid erlassen wurde [9]. Als Ersatzlebensraum wurden ehemals als Zieselausgleichsflächen vorgesehene Flächen und Teile der Marchfeldkanalböschung ausgewählt und entsprechend umgestaltet. Die Kontrolle, ob die Tiere den neuen Lebensraum tatsächlich annehmen und die Ausgleichsmaßnahmen wirksam sind, erfolgt natürlich erst wenn der ursprüngliche Lebensraum längst unumkehrbar zerstört wurde. Sollten die neuen Flächen von den Eidechsen nicht angenommen werden – haben sie Pech gehabt.

Petition: im Ausschuss versandet

Bei einer abschließenden Behandlung der Zieselpetition im Wiener Petitionsausschuss[10] wurden sämtliche Forderungen der Petition abgelehnt, nämlich die Absiedlung des Bauprojekts auf geeignete Ersatzflächen sowie die Einrichtung eines für Ziesel geeigneten Schutzgebiets rund um das Heeresspital. Dies ist schwer nachvollziehbar, sind die Rahmenbedingungen seit Bekanntwerden des Zieselvorkommens doch vollkommen andere als zum Zeitpunkt der Widmung, als die Zieselpopulation nördlich des Heeresspitals  – zumindest offiziell – nicht bekannt war.

Mit dem heutigen Wissensstand würde niemand ernsthaft eine Baulandwidmung für das Gelände befürworten können, da das erklärte Ziel der Politik, hier “leistbaren” Wohnraum zu schaffen angesichts der bisher kolportierten 2 Mio Euro [3] durch naturschutzrechtliche Auflagen verursachter Zusatzkosten ad absurdum geführt wird. Politisch Verantwortliche (Michael Ludwig, Maria Vassilakou) müssten eigentlich an einer raschen Realisierung neuen Wohnraums an geeigneteren Orten Interesse haben, anstatt über den Artenschutz drüberzufahren und ein mit der PR-Masche „Artenschutz und Wohnbau sind  vereinbar“ versehenes Exempel zu statuieren, koste es was es wolle.

Als minimales Zugeständnis wurde die MA 22 vom Petitionsausschuss aufgefordert, dem Umweltdachverband Einblick in die Bescheide zu gewähren. Dies ist eine etwas befremdliche Aufforderung, sind doch gesamte Verwaltungsakte zu naturschutzrechtlichen Angelegenheiten nach gängiger Rechtsmeinung Umweltinformation [11, 12] – und als solche laut Umweltinformationsgesetz jedem auf Anfrage auszuhändigen, ohne dass ein politisches Gremium aktiv werden müsste. Trotzdem wurde dieser Aufforderung seitens der Behörde nicht entsprochen – der Vertreter des Umweltdachverbandes musste unverrichteter Dinge abziehen.

Transparenz – Was ist das?

Nicht gerade mit Ruhm bekleckert sich die MA 22 außerdem bei der Handhabung des Umweltinformationsgesetzes – und der daraus resultierenden Auskunftspflicht an Bürger.

Während vor  2014 sämtliche Anfragen korrekt und vollständig beantwortet wurden, änderte sich das von einem Tag auf den anderen. Ob womöglich eine Intervention im Spiel war, darf sich jeder selbst beantworten. Anstatt vollständigen Dokumenten wurden nur noch Textschnipsel geliefert, frei nach der Interpretation der einzelnen Beamten, was unter “Umweltinformation” fallen könnte und was nicht. Zeitweise fielen der behördlichen Zensurwut und Willkür sogar Bescheidnummer und Ausstellungsdatum zum Opfer. Auch wurde auf Anfragen prinzipiell zum gesetzlich letztmöglichen Zeitpunkt geantwortet, die Frist fast auf die Minute genau ausschöpfend. Seltsamerweise steht im Wiener Umweltinforamtionsgesetz, § 5 Absatz 6 geschrieben:

Dem Begehren ist ohne unnötigen Aufschub unter Berücksichtigung etwaiger vom/von der Informationssuchenden angegebener Termine, spätestens aber innerhalb eines Monats zu entsprechen.”

Da steht – selbst für juristische Laien – nichts von “genau nach der Frist von einem Monat”. Das ist insofern auch interessant, als die Zensur bzw. das behördliche Aufbereiten der zur Verfügung gestellten Informationen selbstverständlich auch Zeit in Anspruch nimmt. Nur haben wir nicht um diese Zwangsbeglückung gebeten, währenddessen auf der anderen Seite Vertreter der MA 22 nicht müde werden, bei verschiedenen Anlässen zu betonen, welch Arbeitsaufwand wir der Wiener Umweltbehörde durch Anfragen verursachen.
Inzwischen hat ein klärendes Gespräch hoffentlich eine leichte Entspannung bezüglich der Fristen bewirkt. Man wird sehen. Inhaltlich jedoch steht die Behörde immer noch auf dem eigentümlichen Standpunkt, alleine bestimmen zu können, welche Teile eines Verwaltungsakts in einem naturschutzrechtlichen Verfahren Umweltinformation sind. Aufforderungen die Nicht-Übermittlung großer Teile des Akts mittels eines Feststellungsbescheids zu begründen, wie dies vom Gesetz her vorgesehen ist, werden von der MA 22 mit der Feststellung “wir haben doch schon die gesamte Umweltinformation übermittelt” abgelehnt.

Eines ist sicher: Auch die EU-Kommission beobachtet das Treiben in Wien aufmerksam.

 

Referenzen

[1] Zwischenbericht der ökologischen Aufsicht Q1 2015

[2] Zwischenbericht der ökologischen Aufsicht Q1 2016

[3] Kurier 05.04.2016 – Ziesel bekommen nächstes Jahr hunderte neue Nachbarn

[4] Statistik über Hunde und Katzenhaltung in Österreich

[5] Ziesel auf der Perchtoldsdorfer Heide

[6] ORF: Ziesel gegen Zauneidechse ausgetauscht

[7] Anfrage zu Zauneidechsen auf der Projektfläche nach dem Umweltinformationsgesetz

[8] Zauneidechsen im Vorhabensgebiet

[9] Bescheid bezüglich Zauneidechsen auf ÖVW Projektfläche

[10] Petition: Schutz der Ziesel-Population beim Wiener Heeresspital in ihrem angestammten Lebensraum

[11] aubescheide sind Umweltinformationen!

[12] Spruch OÖ Verwaltungsgericht

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Aufgrund der aktuellen Entwicklung und zahlreicher Anfragen, bietet die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal auch heuer wieder eine fachkundige Ziesel-Führung an.
vorher-nachher
Lernen Sie bei einem gemeinsamen Spaziergang entlang des Marchfeldkanals den artenreichen Lebensraum beim Heeresspital und viele seiner Bewohner kennen. Machen Sie sich zudem ein persönliches Bild vom Stand der Dinge um die bedrohte Zieselpopulation.

Wann: Samstag, 25. Juni 2016, 14:00 Uhr

Treffpunkt: Johann-Orth-Platz, 1210 Wien (Link zum Wienplan)

Dauer: ca. 1,5 – 2 Stunden

Anreise: Der Treffpunkt befindet sich nahe der Endstation der Straßenbahn-Linie 31. Falls Sie mit dem Auto anreisen, nutzen Sie bitte die Parkmöglichkeiten entlang der Johann-Weber-Straße. Am Johann-Orth-Platz ist das Parkplatzangebot nur gering.

Im Anschluss an die Führung steht zur Stärkung ein Buffet mit Getränken sowie selbstgemachten Torten, Broten und veganen Spezialitäten bereit.

Tipp: Zum Beobachten der Ziesel bitte Fernglas mitnehmen!

Der Spaziergang findet bei jedem Wetter statt. Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal freut sich auf Ihr Kommen!

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Nachdem sich die übliche Berichterstattung über die Ziesel meist um tagesaktuelle Ereignisse dreht, wollten wir die aktuell herrschende Aufmerksamkeit für das Problem beim Heeresspital dazu nutzen, den Fokus auf relevante, vor allem rechtliche Aspekte zu lenken, die sonst meist untergehen.

Aus diesem Grund luden wir am 12 April zu einer Pressekonferenz mit namhaften Experten aus relevanten Fachbereichen.

DI Wolfgang Suske,
international tätiger Experte für europäisches Naturschutzrecht,

erläuterte zunächst den Hintergedanken des europäischen Naturschutzes und der Flora-Fauna-Habitat (FFH) Richtlinie. Bei der Auseinandersetzung um die Zieselpopulation beim Heeresspital entsteht oft der Eindruck, Tiere würden gegen Menschen ausgespielt. Die EU-Naturschutzrichtlinien wurden aber geschaffen, da man Bedenken hatte, dass der Artenrückgang auf den Menschen selbst negativ zurückfällt, und nicht aus Selbstzweck.

Es folgte Kritik an der Handhabung des Bauprojekts durch die Behörde. Diese habe lediglich eine “Baufeldfreimachung” auf der Projektfläche als Projekt geprüft, ein Bauvorhaben für 950 Wohnungen wurde nie artenschutzrechtlich geprüft. Ist das Baufeld erst mal frei, braucht man keine artenschutzrechtliche Prüfung mehr, daher gibt es auch keine Prüfung von Auswirkungen und Fernwirkungen des Bauprojektes, wie sie eigentlich stattfinden hätte müssen.

Es gibt bei diesem Projekt grobe Verfahrensmängel und kein artenschutzrechtliches Verfahren zum Gesamtprojekt „Bau und Betrieb von 950 Wohnungen“, daher ist das Beschwerdeverfahren bei der EU weiterhin offen.

Weiters ist die hier erfolgte Zerstückelung des Projekts (Erdabtrag auf 1/3 der Fläche wurde als einzelnes Teilprojekt genehmigt) nicht erlaubt (eine solche Stückelung wird von der Behörde selbst eingestanden: KRONE).

Maßnahmen, die mit großen Unsicherheiten verbunden sind, also als Experimente anzusehen sind, wie die „freiwillige Umlenkung“ der Ziesel, dürften in Verfahren, wie diesem, gar nicht bewilligt werden. Hinzu kommt, dass dadurch auch den Projektwerbern unnötig Verzögerungen und Kosten entstehen.

Eine bei einem korrekten Verfahren fällige Alternativenprüfung müsste sämtliche Alternativen einschließen, die Realisierung des Zwecks (=Wohnbau) müsse an alternativen Standorten geprüft werden. Vom Standort her inkludiert das Wien und das nahe Niederösterreich, und muss auch die Möglichkeiten einer Umwidmung an Alternativstandorten und einer Rückwidmung der Projektfläche berücksichtigen.

 

Dr. Friederike Spitzenberger,
Säugetierexpertin, Verfasserin  der Roten Liste gefährdeter Säugetiere Österreichs,

äußerte sich zu den Zahlen, die bezüglich des Wiener Zieselbestandes seitens der Behörde verbreitet werden (9500 Tiere).
Die Bestimmung der Anzahl der Zieselindividuen ist schwierig, da es  Zieselbaue mit 6, aber auch mit bis zu 32 Ausgängen gibt. Zur Zählung gibt es verschiedene Methoden:

  • Mehrfach im Jahr Vorkommen beobachten und sichtbare Tiere zählen – aufwendig.
  • Ziesel fangen, markieren, freilassen, bis keine unbekannten Tiere mehr gefangen werden können. Das ist die genauere Methode, Aufwand und Kosten sind jedoch immens.

In Wien wird jedoch anders gezählt: Alle Baueingänge im Radius von 5m werden zu einem Zieselbau gezählt. Die Anzahl der Baue wird gleich der Anzahl der Ziesel gesetzt.

Je nach Quelle werden nun Zahlen (Schätzungen) von 20.000-25.000 oder 15.000-30.000 Individuen für ganz Österreich genannt, in Summe ergeben aber Zählungen der letzten Jahre für Burgenland,  Niederösterreich und Wien insgesamt 8100 Ziesel.

Demgegenüber gibt die MA 22 den Wiener Bestand nach der neuesten Zählung mit 9500 Tieren an, nach der Bauzählmethode.

Für die Bauprojektfläche beim Heeresspital wurden mit der Fang-Wiederfangmethode nur 24% der mit der Bauzählmethode ermittelten Tiere gefangen. Daher ist laut Spitzenberger davon auszugehen, dass die mit der Bauzählmethode ermittelten Wiener Zahlen eher einem Bestand von 2300 Tieren entsprechen.

Der Grund für die überhöhten Zahlen dürfte der Versuch sein, angesichts der Eingriffe beim Heeresspital ein EU-Vertragsverletzungsverfahren zu vermeiden.

Anmerkung: Zur Vergleichbarkeit der aktuellen Zahl mit der vorhergehenden Schätzung und dem daraus abgeleiteten Wachstum hat sich bereits die bei der ersten Zählung federführende Expertin äußerst kritisch geäußert).

 

Dr. Madeleine Petrovic,
Präsidentin des Wr. Tierschutzvereins,

beanstandete eklatante demokratiepolitische Defizite von Seiten der Behörde.

Sie wies auch darauf hin, dass der WTV in letzter Zeit immer mehr Wildtiere versorgen müsse, da der Lebensraum offenbar immer knapper wird.

Das Argument, dass man in Wien nichts mehr bauen könne, wenn man den Schutz der Ziesel durchgehen lässt, könne man nicht gelten lassen: es wurden und werden in der ganzen Stadt ohne Probleme zahlreiche Großprojekte verwirklicht, siehe z.B. Seestadt Aspern. Es kann immer zu Kollisionen mit schützenswerten Zielen geben, wie z.B. dem Denkmalschutz, der Artenschutz ist hier nicht anders zu behandeln, es würde auch niemand auf die Idee kommen im Schönbrunner Schloßgarten zu bauen.

 

Wolfgang Rehm,

Umweltorganisation Virus.

Österreich hat Aarhus-Konvention, die den Rechtszugang der Öffentlichkeit in Umweltangelegenheiten regelt, nicht korrekt umgesetzt (ein Mahnverfahren der EU läuft derzeit aus diesem Grund). Rechtssicherheit gibt es bei Bescheiden der MA 22 die das Projekt beim Heeresspital betreffen zukünftig nicht, da Eingetragene Umwelt-NGOs bei der Erstellung nicht als Parteien berücksichtigt sind.

 

Dr. Wolfgang List,
Umweltjurist

In diesem Sinne hat Virus vor, als übergangene Partei im Sinne der Aarhus-Konvention Beschwerde wegen Nicht-Zustellung des Bescheides einzulegen. Der EuGH fährt mit seinen Urteilen in vergleichbaren Fällen eine Linie, die auf eine stärkere Beteiligung der Öffentlichkeit setzt.

 

Umweltdachverband fordert Einstellung der Arbeiten

Begleitend zur Pressekonferenz meint der Umweltdachverband in einer Aussendung treffend
Ziesel sind keine Ratten“ – hochgradig gefährdete Arten verdienen besonderen Schutz
Die Dachorganisation Österreichischer Umweltorganisationen fordert:

Wien als Weltstadt muss Verfahren europarechtskonform durchführen
– Sofortiger Maßnahmenstopp bis zur Klärung durch die Europäische Kommission

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Die MA 22 hat im letzten Jahr den Abtrag des Oberbodens (somit die Zerstörung des Lebensraums) auf einem Drittel der Projektfläche (2.2 ha) beim Heeresspital genehmigt. Bei einer Pressekonferenz am 5.April 2016 verkündeten Bauträger (involviert sind Kabelwerk, Donaucity, Sozialbau, Familienwohnbau) und ökologische Bauaufsicht (Knoll Consult), dass die abzutragende Fläche zieselfrei sei, und deshalb (nach einem Bodenabtrag im Frühjahr) ab September gebaut werden wird.

Betrachten wir die Angelegenheit näher:

  • Im Oktober 2014 lebten 264 Ziesel auf der Projektfläche, 24 auf den Ausgleichsflächen.
  • Im Oktober 2015 lebten 270 Ziesel auf der Projektfläche, nur 25 auf den Ausgleichsflächen, also nur eines mehr.
  • Von einer Abwanderung auf die Ausgleichsflächen kann also keine Rede sein. Das sind nicht einmal 10% der Population auf der Projektfläche, laut Bescheid von 2013 hätten es aber mindestens 50% sein müssen, um die Ziesel-Lebensraumvernichtung einzuleiten.
  • Auf der nun “zieselfreien” Fläche waren im Oktober 2014 noch 45 Tiere zu finden, die MA 22 dürfte trotzdem bereits im Sommer 2015 einer Zerstörung des Lebensraums dieser 45 Tiere zugestimmt haben – die Freigabe scheiterte letztlich offenbar am Einspruch der Wiener Umweltanwaltschaft.
  • Im Herbst 2015 wurde dann die Erlaubnis zum Bodenabtrag per Ausnahmegenehmigung erteilt – zu dieser Zeit war der Bestand auf diesem Teil der Projektfläche noch bei 10 Tieren.
  • Nun wird behauptet, diese 10 Tiere hätten den Winterschlaf nicht überlebt oder seien abgewandert.

Wie werden aus 45 Zieseln 0?

  • Dieser Teil der Projektfläche wurde großteils seit 2013 nicht mehr gemäht. Hohe Vegetation ist für Ziesel schlecht geeignet, da sie als Steppentiere auf kurzes Gras angewiesen sind. Die Qualität des Lebensraums verschlechterte sich, die Tiere wurden weniger (Abwanderung, mangelnder Fortpflanzungserfolg, Fressfeinde)
  • Die Einstellung der Pflege widerspricht einer Auflage aus dem seit 2013 gültigen Bescheid, der eine Pflege der Projektfläche bis zur nachgewiesenen Akzeptanz der Ausgleichsflächen vorschreibt. (verlangte Mindestfläche wurde zuletzt unterschritten).

Wo sind die Ziesel jetzt?

Definitiv nicht in Sicherheit, denn:

  • In der Zeit, in der 45 Ziesel “verschwunden” sind, ist genau 1 (!) zusätzliches Tier auf den Ausgleichsflächen aufgetaucht.
  • Auch in der marchfeldkanalnahen “Pufferzone” sind in diesem Zeitraum nur höchstens 9 Tiere zugewandert. Pufferzone bedeutet übrigens “dafür hatten wir keine Ausgleichsflächen mehr, ist aber egal, da die Häuser eh nicht drauf, sondern nur gleich daneben stehen”. Man kann also getrost davon ausgehen, dass dort angesichts 2500 zweibeiniger Nachbarn zukünftig keine Ziesel mehr leben werden.
  • Gut 35 der verschwundenen Ziesel dürften sich also, sofern sie noch leben, auf der verbliebenen Projektfläche stauen, zusammen mit 172 weiteren. Genau diese Fläche soll nach Aussage des nunmehrigen Kabelwerkgeschäftsführers Wasner innerhalb der nächsten 4 Jahre vollständig bebaut sein, jedes Jahr ein weiteres Baufeld. Also Salamitaktik, wie befürchtet.

Absiedlungserfolg ausgeblieben – warum?

Zieselsumpf

Eine der Zieselausgleichsflächen am Marchfeldkanal (A5, kein Scherz!). „…eine Erweiterung (des Lebensraums) entlang des sogenannten Marchfeldkanals…“ (Thomas Knoll, ökologische Projektaufsicht der Zieselumlenkung)

Vorausgeschickt: Das kümmert die Behörde nicht. Auch für den Fall, dass auf der vom Abtrag betroffenen Fläche noch Ziesel wären, ob sie jemals auf einer Ausgleichfläche ankommen ist egal, der Lebensraum ist ohnehin zerstört.

  • Die selben Flächen, auf deren Annahme durch Ziesel man seit drei Jahren wartet, sind jetzt wieder als Ausgleichsflächen für den zerstörten Teil der Projektfläche angegeben.
  • Zum Beispiel die Marchfeldkanalböschung, seit 20 Jahren 2 mal jährlich gemäht, gelegentlich von einzelnen Zieseln bewohnt. Seit die Böschung “Ausgleichsfläche” ist, wird erwartet, dass sie sich dort in Massen ansiedeln – bei gleicher Pflege.
  • Der Großteil der Ausgleichsflächen besteht aus auf der anderen Seite des Marchfeldkanals gelegenen verstreuten Wiesenstreifen und Flecken. Und einem Amphibiensumpf beim Marchfeldkanal.
  • I-Tüpferl: Die Zieselgerechte Pflege sämtlicher Ausgleichsflächen ist nur für 15 Jahre vorgeschrieben.

“Geringfügige” Ausnahmegenehmigungen in Serie.

  • Beim diesem ersten Filetstück der Projektfläche, meint die Behörde, die Auswirkungen seien nur gering, da nur wenige Tiere betroffen sind. Es ist zu erwarten, dass dies bei den folgenden “Teilprojekten” nicht anders ablaufen wird.
  • Gleichzeitig mit dem Bodenabtrag auf der Kabelwerkprojektfläche, wird am nördlichen Rand des Zieselvorkommens auf einem weiteren Grundstück der Boden abgetragen – für ein Projekt des Österreichischen Volkswohnungswerks (ÖVW). Betroffen/Vertrieben: 15 Ziesel/Feldhamster. Auch klein. Auch geringe Auswirkungen. Auch mit “Ausnahmegenehmigung” der MA 22. Als Ausgleichsfläche haben diese Tiere ein angrenzendes Stück Marchfeldkanalböschung zugewiesen bekommen, seit über 20 Jahren 2x jährlich gemäht, aber nicht von Zieseln besiedelt. Das wird sich jetzt auch nicht ändern.
  • Ein weiteres gleichzeitig genehmigtes Projekt am Rand der Fläche betrifft “nur” einen Feldhamster. Auch klein. Auch geringe Auswirkungen. Auch mit “Ausnahmegenehmigung” der MA 22.

Wie geht die naturschutzrechtliche Zirkusnummer am Ende aus?

Wir wagen eine Vorhersage:

  • Nach zahlreichen “Ziesel erfolgreich umgelenkt” Meldungen für verschiedene Baufelder in den nächsten Jahren wird man irgendwann überrascht feststellen, dass leider nur ein paar Dutzend Tiere auf den Ausgleichsflächen zu finden sind, und der Rest verschollen ist.
  • Warum wir das glauben? Erinnern Sie sich noch an die Feldhamster, die vom Verteilerkreis Favoriten 2011 in den Volkspark abgesiedelt wurden? Nun:
    Derzeit gibt es im Volkspark keine Hinweise auf Hamstervorkommen. Es ist davon auszugehen, dass die Population weitergewandert ist, da Anzeichen von Krankheiten, Vergiftung oder unmittelbare Gefährdung durch Bauarbeiten, weder im Zuge der Verlängerung der U1 noch durch andere Bauvorhaben fehlen.” © MA 22, 2015.
    Vor dieser “erfolgreichen” Aktion gab es dort bereits Feldhamster, von denen genauso wie von den umgesiedelten nun jede Spur fehlt.

Die IGL-Marchfeldkanal wird jedenfalls diese Vorgehensweise nicht hinnehmen und alles Erdenkliche unternehmen, um den Zieseln vom Heeresspital das Schicksal der Hamster vom Verteilerkreis zu ersparen.
Die Folgen einer durch die MA 22 verschuldeten EU-Klage hätte dann der österreichische Steuerzahler zu tragen, und nicht die Bauträger, die vom Verhalten der Behörde profitieren.

 

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SMS-Kette koordiniert wirksame Protestaktionen wenn Bagger auffahren

Sobald beim Heeresspital die Baumaschinen auffahren, werden vor Ort – im Rahmen der Legalität – wirksame Protestmaßnahmen stattfinden. Entsprechende Vorbereitungen wurden bereits getroffen. Wenn Sie an den Aktionen gegen unwiederbringliche Vernichtung von wertvollem Lebensraum und gegen vorsätzliche Gefährdung streng geschützter Ziesel aktiv mitwirken möchten, tragen Sie sich bitte in den dazu eingerichteten SMS-Verteiler ein.

Sie können auch helfen, wenn Sie nicht vor Ort an Aktionen teilnehmen können, Näheres dazu hier.

Beitreten zum SMS-Verteiler

Real-Time-Infos in Facebook-Gruppe “Rettet die Ziesel”

Damit alle Ziesel-Unterstützer immer am letzten Stand sind, werden in der Facebook-Gruppe Aktion “Rettet die Ziesel” laufend aktuelle Infos gepostet. Bitte laden Sie auch Ihre Freunde in die Gruppe ein und teilen Sie die Alarmkette auf Facebook.

Facebook “Rettet die Ziesel”

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Wie zuletzt durch die EU-Kommission von höchster Stelle bestätigt, verlief die Ziesel-Absiedlung beim Wiener Heeresspital bisher erfolglos. Ungeachtet dessen starten dort bald – direkt im Lebensraum der streng geschützten Ziesel und entgegen der Vorgaben eines früheren Bescheids – erste Baggerarbeiten um den Oberboden abzutragen und so unumkehrbar Fakten zu schaffen.

Ermöglicht wird dies durch beispiellose Bescheide der Wiener Umweltbehörde MA 22, die sogar die brutale Zerstörung bewohnter Zieselbaue gestattet. Das am Papier äußerst restriktive Wiener Naturschutzgesetz wurde, zugunsten des Profits von Bau- und Finanzlobby, de facto entsorgt. Die nun genehmigten Zerstörungen entsprechen weitgehend den schon im Sommer 2015 publik gewordenen, jedoch vor der Wien-Wahl noch scheinheilig abgestrittenen, Plänen.

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Seit Bekanntwerden des behördlich abgesegneten, schamlosen Frontalangriffs gegen jene Tierart, die in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste rangiert, formiert sich in den sozialen Netzwerken, energischer Widerstand. Zur Koordination wirksamer Protestmaßnahmen für jenen Tag, an dem die Bagger anrücken, haben Aktivisten u.a. eine SMS-Kette ins Leben gerufen. Zahlreiche aufgebrachte Bürger haben sich bereits in den Verteiler eingetragen.

Am Sonntag, dem 3. April 2016, wird eine Protestkundgebung stattfinden. Treffpunkt um 14:30 am Bahnhofsplatz, Endstation Linie 31, Wien-Stammersdorf.

Kein Ziesel kommt zu Schaden – oder?

Im April bzw. Juni 2016 (vor bzw. nach der Jungenaufzucht) darf laut Genehmigung der MA 22 eine 30cm dicke Bodenschicht abgetragen werden. Sollten sich Ziesel weigern ihre Baue zu verlassen, werden die Baue rücksichtlos schichtweise weggebaggert – solange bis die Tiere die Flucht ergreifen müssen. Auf Teilen der Ausgleichsflächen, wohin die Tiere bis dato ihren Weg nicht gefunden haben, sollen Ersatzröhren vorgebohrt werden. Die wegen ausgebliebener Mahd im letzten Jahr von der betroffenen Fläche bereits verschwundenen Tiere kamen dort jedenfalls nicht an.

Wie man Wiens restriktives Naturschutzgesetz spielerisch aushebelt

Wie gelang es der Behörde nun, einen neuen, für die Bauträger günstigeren Bescheid für das selbe Projekt auszustellen? Ein Vorhaben darf bei unveränderter Ausgangslage nämlich nicht einfach so oft eingereicht werden, bis der erteilte Bescheid Politik und Baulobby genehm ist.

Zunächst kommt hier die bei größeren, UVP-pflichtigen, Projekten explizit verbotene “Salami-Taktik” zur Anwendung: Das Projekt wird in separate Teile zerstückelt, beantragt wird der Bodenabtrag vorerst nur für ca. ⅓ der Gesamtfläche – und voila, die Anzahl der betroffenen Tiere erscheint mit 10 (statt 270) verschwindend klein im Vergleich zur Gesamtpopulation von 900 Tieren beim Heeresspital, und die Auswirkungen des Eingriffs somit als gering. Damit kann die Behörde auch fröhlich die von der aktuellen Einreichung nicht erfassten Teile der Projektfläche, die natürlich auch ein Ablaufdatum haben, als nicht betroffenen Ziesellebensraum anführen:

„Die Baufeldfreimachung betrifft ca. 1,1 ha (ca. 5 bis 10 Ziesel- oder Hamsterbaue). Auf der Fläche nördlich des Heeresspitals gibt es noch ca. 5 ha weiteren Lebensraum (ca. 250 Baue), die von den gegenständlichen Maßnahmen nicht betroffen sind.“

..und darüber hinaus den ORF-Zusehern via ZIB 2 landesweit die freudige Botschaft aus Wien überbringen, dass im April Vorarbeiten „auf jenem Teil des Grundstückes, wo ohnehin kaum Zieselbaue sind“ begonnen werden können.

Ignoriert wird dabei, dass ein Jahr zuvor noch ca. 45 Ziesel nachgewiesen auf dieser Fläche lebten und der Bestand nur aufgrund gezielt unterlassener Mahd stark gesunken ist (durch den Bescheid 2013 explizit untersagt!).

Herbeigeredeter Zieselboom in Wien

Das Wiener Naturschutzgesetz lässt Ausnahmebewilligungen ausdrücklich nur dann zu, wenn der Erhaltungszustand der betroffenen Tierart vor und nach Durchführung von Eingriffen günstig ist. Diese notwendige Voraussetzung trifft für das Ziesel zweifelsfrei nicht zu, weswegen die Wiener Behörde sämtliche Anträge der Bauträger umgehend zurückweisen hätte müssen. Denn erst im Vorjahr wurde von der Republik Österreich, im Rahmen verpflichtender Reportings, für das Ziesel der schlechtest mögliche Zustand, nämlich „U2(-) – Unfavourable Bad, mit negativer Aussicht“, an Brüssel gemeldet.

Dieses Problem wurde jetzt auf typisch wienerische Art gelöst – man redet die Realität schön, und betreibt Jubel-PR. Tatsache ist, eine 2014/15 durchgeführte Zählung der Wiener Ziesel hat eine Anzahl von 9500 Tieren ergeben, während 2002-2005 durchgeführte Erhebungen 4500-6500 Tiere schätzten

Auch wenn noch so sehr quer durch alle Medien über ein gigantisches Wachstum und den guten Erhaltungszustand der Ziesel in Wien frohlockt wird, wahr und seriös wird dadurch diese Behauptung dennoch nicht, denn selbst die für die alte Schätzung verantwortliche Expertin Dr. Ilse Hoffmann meint, dass die beiden Zahlen wegen unterschiedlicher verwendeter Verfahren nicht vergleichbar seien, und es “reichlich gewagt” sei, von einem Anwachsen zu sprechen. Die einzige zwischen den Zählungen tatsächlich vergleichbare Größe ist der besiedelte Lebensraum, und dieser ist – wie die Behörde selbst im Bescheid eingesteht – geschrumpft.

Aus Fehlern nichts gelernt

Bereits der Bescheid aus dem Jahr 2013 stand europarechtlich auf äußerst schwachen Beinen, Die IGL-Marchfeldkanal legte Beschwerde bei der EU-Kommission ein. Anstatt ihre Fehler zu korrigieren, setzt die Behörde nun weitere drauf.

Die uns zur Verfügung gestellten Unterlagen enthalten keine Hinweise auf die korrekte Durchführung einer artenschutzrechtlichen Prüfung. Weder wurden alternative Standorte für das Bauprojekt geprüft, das ohne Zweifel das Endziel des Erdabtrags ist, noch wurden die Auswirkungen der Errichtung und des Betriebs (über 2000 neue Bewohner und ihre Haustiere) auf die umgebende Zieselpopulation geprüft.

Ausnahmen nach dem Wiener Naturschutzgesetz können nur dann erteilt werden, wenn das eingereichte Projekt, unter ökonomisch zumutbaren Bedingungen, nicht einem anderen Standort realisiert werden kann. Dies ist in der Bundeshauptstadt nicht der Fall, denn allein im Eigentum der Stadt Wien befinden sich riesige 2 Mio. Quadratmeter an Bauland.

In Wahrheit können also keine zwingenden Gründe vorliegen, die Zerstörung eines der letzten großen Ziesel-Habitate für eine Verbauung überhaupt anzudenken, vor allem wenn ein Teil der Fläche über Jahre lediglich als Parkplatz genutzt werden soll.

Dennoch gelangte die MA 18 befremdlicherweise zur Erkenntnis, dass das Vorliegen zwingender Gründe öffentlichen Interesses tatsächlich gegeben sei:

„Ja, als zwingende Gründe gem. §11, Abs. 2, Z. 5, Wiener Naturschutzgesetz überwiegt aus Sicht der Wiener Stadtentwicklung das öffentliche Interesse des Gemeinwohls, also die zeitnahe Errichtung von infrastrukturell gut erschlossenem Wohnraum auf dem Areal nördlich des Heeresspitals, gegenüber dem öffentlichen Interesse der Erhaltung dauerhaft lebensfähiger Bestände.“

Absurder geht es nun wirklich nicht. Öffentliches Interesse, wonach Wohnraum zwingend am Stadtrand beim Heeresspital geschaffen werden muss, liegt schlicht und einfach nicht vor. Zahlreiche, im Einzugsbereich an der Brünner Straße errichtete, eingeschossige Supermärkte mit riesigen Parkflächen (zuletzt erst im Sommer 2015), zeugen davon, dass Flächenverbrauch, trotz gut erschlossener Infrastruktur, hier offensichtlich kein Thema ist.

Zwei widersprüchliche rechtsgültige Bescheide für dieselbe Fläche

Da kein juristischer Akt bekannt ist, der den Bescheid von 2013 außer Kraft setzen würde, existieren derzeit für die selbe Fläche zwei rechtsgültige Bescheide mit widersprüchlichen Auflagen. Während der ursprüngliche Bescheid eine Zerstörung des Lebensraums an die nachweisliche Annahme der Ausgleichsflächen durch ausreichend viele Tiere knüpft, erlaubt der neue Bescheid nun unmittelbar die Zerstörung ohne jegliche Vorbedingungen.

Die Zeit drängt: Widerstand auf allen Ebenen

Mit seinen fast 1.000 Tieren ist das Ziesel-Habitat rund um das Heeresspital eines der letzten großen Vorkommen in Österreich. Sobald die Bauarbeiten vom Rand her beginnen, werden Vibrationen, Lärm und Schmutz den verbliebenen Lebensraum der Tiere extrem beeinträchtigen und die Kolonie massiv schwächen. Die Absicht ist klar: Das Vorkommen beim Heeresspital soll abgewickelt werden, Stadterweiterungsgebiet ist Stadterweiterungsgebiet, egal, ob dort relevante Vorkommen geschützter Tierarten existieren oder nicht.

Die IGL-Marchfeldkanal wird ein solches Vorgehen der Behörde nicht einfach hinnehmen und den Versuch, eine korrekte Anwendung von Artenschutzgesetzen zu umgehen, entschieden bekämpfen.

Setzen Sie gemeinsam mit uns ein Zeichen für den Artenschutz:

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Am So, 3. April, 14:30 Uhr, findet eine Protestkundgebung gegen Lebensraumzerstörung und politisch gefällige Behördenwillkür statt.
Treffpunkt: Bahnhofsplatz, Endstation Linie 31, Stammersdorf.
Ort: Ecke Jane-Tilden-Gasse/Gaswerkstrasse. – dort sollen die Baggerarbeiten beginnen.

Für spontane Aktionen im Fall der Aufnahme von Bauarbeiten wurde eine SMS-Kette eingerichtet.

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Das Zieselvorkommen beim Stammersdorfer Heeresspital beschäftigt inzwischen auch das Europäische Parlament. Die Antwort auf eine von der Grünen EU-Abgeordneten Monika Vana eingebrachte Anfrage an die Europäische Kommission legt das ganze Desaster des Wiener Zieselschutzes offen. Sowohl zu den Umsiedlungsmaßnahmen als auch zur Benachteiligung des Vorkommens durch den Zieselaktionsplan findet die Kommission eindeutige Worte.

mahdzonen

War die “Umlenkung” erfolgreich?

Den Erfolg der von der Behörde genehmigten Maßnahmen zur Umsiedlung der Ziesel beim Heeresspital umschreibt die Kommission mit

Dem neuesten Bericht zufolge hat die Maßnahme bei der Umsiedlung der Ziesel noch nicht zum angestrebten Ergebnis geführt.

Diese eindeutige Aussage straft die immer wieder auftauchenden, von der PR-Agentur der Bauträger lancierten, Jubelmeldungen Lügen und ist anhand der vierteljährlichen Berichte der ökologischen Aufsicht leicht nachvollziehbar [1][2][3][4].

So hat sich der Bestand auf der Projektfläche seit 2014 kaum verändert, gleichzeitig nimmt der Bestand auf den Ausgleichsflächen nicht zu, trotz des immensen Drucks auf die Tiere durch das (absichtliche) Verbrachen lassen von beinahe der Hälfte der Projektfläche. (Der Bestand auf den Ausgleichsflächen wird erst seit 2014 erhoben). Nach wie vor leben auf der Projektfläche 10 mal mehr Tiere als auf den Ausgleichsflächen, eine Verbauung ist laut gültigem Bescheid erst möglich, wenn auf den Ausgleichsflächen gleich viele Tiere leben wie auf der Projektfläche.

bestandsentwicklung2011-2015

Interessantes offenbart auch ein Blick auf die Details zu den einzelnen Ausgleichsflächen. So hat die Anzahl der Zieselbaue auf der anderen Seite des Marchfeldkanals (wir erinnern uns alle an die um satte 70.000 € errichtete Zieselbrücke) nicht nur nicht zu, sondern gar von 12 auf 9 abgenommen! Wobei sich drei davon auch noch auf einer Fläche befinden die per Gerichtsbeschluss nicht als Ausgleichsfläche geführt werden darf. Böse Zungen könnten behaupten, die Ziesel seien in die falsche Richtung über die Brücke gezogen. Lediglich eine einzelne direkt an das Heeresspital grenzende Ausgleichsfläche zeigt (wie erwartet) ein langsames Anwachsen der Population auf prickelnde 13 Baue – derzeit.

Warum werden die Heeresspitalsziesel im Wiener Zieselaktionsplan benachteiligt?

Der letztes Jahr von der Stadt Wien veröffentlichte Zieselaktionsplan sollte eigentlich eine Grundlage für den langfristigen Erhalt der Ziesel in Wien bilden. Sollte, denn bereits ein kurzer Blick genügt um festzustellen, dass die Zukunftsaussichten sowie das Überleben der einzelnen Populationen mehr am seidenen Faden politischer Wünsche hängen und von diesen getragen werden als vom Erhaltungsgedanken und objektiven Schutz-Kriterien. So sieht der Aktionsplan der MA 22 für die nach dem Bisamberg mit über 800 Tieren zweitgrößte Population Wiens unverständlicherweise keinerlei Fördermaßnahmen vor, sondern nur „Ausgleichsmaßnahmen im Zuge von Bewilligungsverfahren bei allfälligen Nutzungsänderungen“. Das heißt, bei weiteren Bauprojekten in der Umgebung des Heeresspitals, soll genau so verfahren werden, wie derzeit mit lauem Erfolg beim Projekt nördlich des Heeresspitals. Nach dem Willen der Wiener Umweltbehörde sollen die streng geschützten Ziesel demnach auf Ausgleichsflächen abwandern, das Vorkommen weiter verstreut und gegebenenfalls geschwächt werden.

Die Stellungnahme der Europäischen Kommission auf die Frage, ob die Stadt einen Grund für diese Ungleichbehandlung nennen konnte:

Die Kommission weiß nicht, warum der Wiener Ziesel-Aktionsplan keine Vorschriften für aktive Fördermaßnahmen zum Schutz der Population dieser Art in der Umgebung des Heeresspitals enthält. Sie möchte jedoch darauf hinweisen, dass die Vorschriften der FFH-Richtlininie einschließlich Artikel 12, wonach ein „ein strenges Schutzsystem“ eingeführt werden muss, das u. a. ,jede Beschädigung oder Vernichtung der Fortpflanzungs-und Ruhestätten“ verbietet, durch einen nicht rechtsverbindlichen Aktionsplan nicht außer Kraft gesetzt werden kann.

Eine Benachteiligung wird also von der Kommission nicht bestritten, auch die Stadt Wien konnte dafür scheinbar keine plausible Erklärung liefern. Aus Sicht der Kommission kann aber ein mißlungener Zieselaktionsplan nicht den gesetzlich festgelegten Schutz der Tiere aushebeln.

Was ist der Stand der EU-Beschwerde?

2013 brachte die IGL-Marchfeldkanal bei der Europäischen Kommission Beschwerde gegen den nach Meinung von Experten in zahlreichen Punkten rechtswidrigen Bescheid der MA 22 ein.

Zum Stand dieses Verfahrens meint die Kommission nun:

Nach Eingang von Beschwerden einer örtlichen Bürgerinitiative hat die Kommission eine Untersuchung eingeleitet und die Wiener Behörden um Auskunft zu der Regelung gebeten. An diese erste Anfrage schlossen sich mehrere bilaterale Gespräche mit den Wiener Behörden und mit dem Beschwerdeführer an . Die Untersuchung ist zur Zeit noch in Gang, da der Informationsaustausch noch nicht abgeschlossen ist.

Das Verfahren ist also immer noch im Laufen. Ungewöhnlich dabei ist die lange Dauer der ersten Stufe des Verfahrens, der sogenannten Pilotstufe. Üblicherweise wird innerhalb weniger Monate entschieden, ob eine Vertragsverletzung seitens eines Mitgliedsstaates vorliegt und eine Mahnung folgt, oder ob die Beschwerde als unbegründet zurückgewiesen werden soll. Im Fall der Ziesel zieht sich das Pilotverfahren seit mehr als zwei Jahren, womit klar ist, dass der vorliegende Umgang mit den Zieseln keineswegs so unproblematisch ist, wie es die Wiener Umweltbehörde anscheinend gerne hätte. Möglicherweise wurde bisher nur deshalb keine Mahnung eingeleitet, weil außer unterlassener Mahd noch keine massiven Schritte, wie pflügen oder Erdabtrag, gegen die Ziesel gesetzt wurden.

Lebensraumzerstörung durch Verbuschung

Die unten stehende Grafik verdeutlicht die hinter der unterbleibenden Mahd steckende Strategie der Bauträger. Ausgehend von dem bereits 2014 nicht mehr gemähten Gebiet auf der linken (westlichen) Seite verschiebt sich die Mahdgrenze immer weiter nach rechts (östlich) Richtung Marchfeldkanal, mit dem Ziel, die Ziesel zu einer sogenannten “freiwilligen” Abwanderung zu bewegen. Doch daran wollen die Ziesel nicht denken obwohl der zieselgerecht gepflegte Teil der Projektfläche immer kleiner wird. Ein Teil trotzt diesem Zynismus und verbleibt offenbar trotz hohem Bewuchs an seinem angestammten Platz, der Rest drängt sich immer dichter auf dem gemähten Teil der Projektfläche. Dabei wird die durch den Bescheid vorgeschriebene, zieselgerecht zu pflegende, Mindestfläche von 3.6 ha eindeutig unterschritten (ca. 3 ha). Detail am Rande: die 3.6 ha ergeben sich aus der Überlappung des damaligen Vorkommens mit der Projektfläche, wobei die Tiere, die zwischen dem Baugrund und dem Marchfeldkanal leben, konsequent ignoriert wurden und werden, wohl in der phantasievollen Annahme, dass die Baustelle bzw. 1000 bewohnte Wohnungen direkt nebenan keine stören Auswirkungen auf die Tiere haben werden. Oder aber auch, weil die Bauträger nicht in der Lage waren, auch für diese ebenso in ihrem Besitz befindliche Fläche Ausgleichsflächen bereitzustellen.

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Aggressive Ignoranz seitens der Behörde lässt für das Frühjahr nichts Gutes erwarten

Auch wenn alle Aufrufe an die MA 22 eine Mahd anzuordnen bislang fruchtlos geblieben sind,  wurde letztes Jahr zumindest der für den Sommer geplante Erdabtrag in Teilen der Fläche verhindert. Vermutlich gelang dies aber nur wegen der im Herbst anstehenden Wahl in Wien. Diese ist nun, mit bekanntem Ausgang geschlagen und alles blieb – für einen gelernten Österreicher wenig überraschend – beim Alten. Nur für die Ziesel ist nun eine anstehende Wahl als Schutzfaktor weggefallen und es ist zu befürchten, dass die Lebensraumzerstörung – die 2014 und 2015 noch tabu war – diesmal durchgewunken wird. Die inzwischen großflächige Pflegeeinstellung sowie die im Herbst abgehaltenen Bauverhandlungen für die westlichsten Teilprojekte nähren stark den Verdacht, dass zumindest einen Teil der Ziesel im Frühjahr ein böses Erwachen erwarten könnte.

PS: Geschützte Tierarten „verhindern“ Bauprojekte

Wie Sie vielleicht bemerkt haben, ist in den vergangenen Tagen in verschiedenen Medien eine Reihe von nervös klingenden Artikeln erschienen, laut denen sich geschützte Tierarten auf diversen Grundstücken „breitgemacht haben“ (obwohl die Tiere dort wohl seit langem heimisch sind) und von Projektgegnern angeblich instrumentalisiert werden  (Wechselkröte beim Nordbahnhof, Juchtenkäfer beim Hörndlwald, Ziesel beim Heeresspital). Eigentlich wäre zu erwarten, dass die Anwesenheit einer geschützten Art auf einem Projektgebiet an sich ausreichend sein müsste, ein ordentliches naturschutzrechtliches Verfahren auszulösen, dessen Ergebnis in einem Rechtsstaat nicht vom Vorhandensein einer Bürgerinitiative und entsprechender Medienpräsenz abhängen sollte. Wir möchten auch darauf hinweisen, dass verpflichtende Artenscreenings vor Widmungen und größeren Projekten „überraschende“ Funde und Projektverzögerungen verhindern helfen würden.

Referenzen

[1] Zwischenbericht der ökologischen Aufsicht Q3 2012
[2] Zwischenbericht der ökologischen Aufsicht Q3 2013
[3] Zwischenbericht der ökologischen Aufsicht Q3 2014
[4] Zwischenbericht der ökologischen Aufsicht Q3 2015

[5] Anfrage von Monika Vana und Antwort der Europäischen Kommission

[6] Krone 27.6.2015: Freibrief zum Zieselmord?

[7] Seltene Tiere bremsen Stadtentwicklung
[8] Faule Politik mit putzigen Tieren
[9] Geschützte Tiere auf dem Bau

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Hatte man im Sommer vor der Wien-Wahl noch Skrupel die Ziesel beim Heeresspital einfach auszubaggern, kennt die Wiener SPÖ nur zwei Wochen nach der Wahl kein Pardon mehr und gibt grünes Licht für die Verbauung des Zieselhabitats. Am 28. Oktober schon finden die ersten Bauverhandlungen zur Errichtung eines Wohnbaus sowie 30 oberirdischen Parkplätzen auf dem westlichen Ende des Zieselfelds statt.

Dass laut Umweltbehörde MA22 derzeit keine naturschutzrechtliche Genehmigung vorliegt, die auf der Zieselfläche Bautätigkeit erlauben würde, scheint weder die Bauträger noch die Baupolizei (MA37) zu stören. Offensichtlich wurde seitens der Stadt eine baldige “Lösung” der Probleme der wartenden Bauträger auf dem Rücken der Ziesel zugesagt.

Umweltanwaltschaft am Prüfstand

Im August noch meinte die Wiener Umweltanwaltschaft in ihrer Antwort auf einen offenen Brief [1] der Grünen Floridsdorf:

“Sollten Baggerarbeiten im Bereich von bewohnten Zieselbauen beantragt werden wird sich die Wiener Umweltanwaltschaft selbstverständlich gegen eine naturschutzbehördliche Bewilligung aussprechen.”

Es ist zu befürchten, dass es nicht dabei bleiben wird.

Zieselmonitoring wegen Verbuschung nicht möglich

Im Herbst letzten Jahres wurden auf der nun zur Verbauung freigegebenen Fläche noch 11 Zieselbaue festgestellt [2]. Im Zwischenbericht der ökologischen Bauaufsicht vom Juli 2015 heisst es dann bezogen auf die seit zwei Jahren nicht gemähte Fläche:

“Es ist nicht auszuschließen, dass der extrem geringe Fangerfolg auf die viertelstündlichen Fallenkontrollen zurückzuführen ist, die, bedingt durch die schlechte Einsehbarkeit der Zonen 1, 2a und des ungemähten Teilbereichs von 2b aus nächster Nähe erfolgen müssen und so die ohnehin fallenscheuen Tiere zusätzlich abschrecken; wie überhaupt die Vegetationshöhe auf der westlichen Hälfte der Projektfläche Individuenzählungen mittels Fernglas verunmöglicht.”

Zieselexpertin Dr. Ilse Hoffmann warnt, sie könne keine Tiere zählen weil sie im meterhohen Gras nichts sieht, woraufhin die Behörde, begeistert über fehlende Zieselsichtungen, sogleich an einer Genehmigung für den Bau zu werken beginnt, ohne vorher das Grundstück mähen und objektiv überprüfen zu lassen.

Naturschutzstandards im freien Fall

Der gültige naturschutzrechtliche Bescheid von 2013 fordert einen Sicherheitsabstand von 50 Metern vom Baufeld zum nächstgelegenen Zieselbau. Man darf gespannt sein, ob dieser Abstand auch in einem in Bälde erwarteten neuen Bescheid wiederzufinden sein wird. Die Verpflichtung der Bauträger die Fläche zu mähen, die 2012 noch im Monitoring-Bescheid [3] aufscheint, sucht man in dessen Verlängerung 2014 jedenfalls vergeblich (mit der Folge, dass auf dem nicht gemähten Teil der Fläche das vorgeschriebene Monitoring kaum noch durchführbar ist).

Gespannt dürfen wir auch auf die Berücksichtigung zahlreicher anderer auf der Fläche vorkommender, ebenso streng geschützter Tierarten sein. So heisst es im Bescheid von 2013 [4] in Bezug auf die hier vorkommende streng geschützte Wiener Schnirkelschnecke:

“Die Antragstellerinnen müssen vor Beginn der in Punkt 1.8.4. der Beilage 1 beschriebenen Lenkungsmaßnahmen die Flächen nördlich des Heeresspitals von Mollusken-Fachkundigen auf das Vorkommen von Exemplaren der Kartäuserschnecke (Monacha cartusiana) und der Wiener Schnirkelschnecke (Cepaea vindobonensis, auch Gerippte Bänderschnecke genannt) untersuchen lassen und alle lebenden Exemplare im Spätsommer absammeln sowie in geeigneten Randlinienstrukturen in den Ausgleichsflächen A2, A3, A6, A7 und A8 ausbringen.”

Nachdem der Spätsommer unzweifelhaft vorbei ist, und mit dem Baubeginn angesichts der offensichtlichen Eile der Bauträger kaum bis Spätsommer 2016 abgewartet werden wird, dürfte die Behörde wohl auf “kreative” Lösungen zurückgreifen. Auch Zauneidechsen wurden von der Ökologischen Bauaufsicht trotz hohem Gras auf dem Areal mehrfach gesichtet [5], womit die bisherige Behauptung der MA22, Zauneidechsen würden vor allem auf den Marchfeldkanalböschungen leben und nur sporadisch auf der Projektfläche vorkommen, Lügen gestraft wird (die Sichtungen erfolgten fast 300m vom Marchfeldkanal entfernt).

Salamitaktik umgeht Artenschutz

Das Vorgehen von Bauträgern und Behörde ist ein Musterbeispiel der für größere Projekte explizit im Gesetz verbotenen, von Projektwerbern aber dennoch oft versuchten Salamitaktik. Um erwartete Probleme bei der Genehmigung eines Vorhabens zu umgehen, wird dieses in kleine Einzelprojekte zerlegt, von denen jedes einzelne nur geringe Auswirkungen auf die Umwelt hat, und somit ohne Schwierigkeiten genehmigt wird.

Ziesel-Vorkommen noerdlich Heeresspital Wien-Diagramm 500pxAuch beim Heeresspital wird nicht anders vorgegangen: Da die groß beworbene “freiwillige” Umsiedlung der Ziesel seit Jahren nachweisbar nicht funktionieren will, wird einfach eine Teilfläche aus dem Gesamtprojekt herausgelöst und vermutlich mit der Begründung, dass auf irgendeiner der Ausgleichsflächen doch noch einige Ziesellöcher festgestellt werden konnten, die Verbauung dieser Fläche genehmigt und vorangetrieben. Zur Erinnerung: der gültige Bescheid erlaubt Vertreibungsmaßnahmen und Bebauung erst wenn 50% der Tiere “freiwillig” übersiedelt sind.

Ein Nachweis, dass die Tiere auf der Ausgleichsfläche von der Projektfläche stammen, wie vom gültigen Bescheid verlangt, wird wohl jetzt nach der Wien-Wahl in entspannter Atmosphäre nicht mehr erforderlich sein.

Ist das dünne Naturschutz-Tarnmäntelchen der alten Bescheide zu hinderlich für die Projektdurchführung, wird es einfach in der Neuauflage weggelassen, Hauptsache, die politisch herbeigesehnte Bebauung des Areals kann ungehindert stattfinden.

Auch für vor weiteren Teile des Zieselhabitats wird dieses Vorgehen nicht haltmachen. Das Grundrezept: man mäht für zwei-drei Jahre nicht (die Mahd wurde bereits vor einem Jahr auf weiteren Flächen eingestellt), stellt dann erfreut fest, dass auf dem nächsten Baufeld kaum noch Ziesel sind, rechnet sie unter dem milden Blick der Behörde großzügig mit ein paar vereinzelten Tieren auf den Ausgleichsflächen gegen, und schon kann ein weiterer Teil des Projekts rasch gebaut werden. Im Endeffekt hat man dann den gesamten Ziesellebensraum zubetoniert, ohne gegen willfährig ausgestellte naturschutzrechtliche Bescheide zu verstoßen, jedoch auch ohne dass sich eine nennenswerte Anzahl an Zieseln auf die Ausgleichsflächen retten konnte. Für diese Art von Naturschutz braucht es keine teure Naturschutzabteilung mit eigener Stadträtin.

EU-Beschwerde noch im Laufen

Eine allzu bauträgerfreundliche Vorgehensweise kann sich für Stadt und Steuerzahler bitter rächen. Obwohl mehr als zwei Jahre vergangen sind, seit die IGL-Marchfeldkanal bei der EU-Kommission Beschwerde gegen den Bescheid[link] der MA22 eingelegt hat, konnte die Stadt die EU-Kommission immer noch nicht von der Korrektheit ihrer Vorgehensweise überzeugen. Die offensichtlich sehr unorthodoxe Auslegung der EU-Richtlinien durch Wien war jedenfalls wieder Thema bei einem kürzlichen Treffen zwischen Vertretern der EU-Kommisision und österreichischen Beamten.

Der Artenschutzkalender 2016 ist da!

Ziesel-Kalender 2016 - Coming soon!Bezaubernde Fotos von Zieseln und weiteren geschützten Tieren aus der Umgebung des Heeresspitals in ihrem natürlichen Lebensraum, stehen im Mittelpunkt dieses einzigartigen Artenschutzkalenders 2016, der ab sofort erhältlich ist!

Wir danken dem mehrfach preisgekrönten Floridsdorfer Fotografen Leopold Kanzler, dessen Werke weit über die Grenzen seines Heimatbezirks hinweg große Anerkennung finden, für die atemberaubenden Bilder.

Ziesel-Schutz kostet Geld – Bitte helfen Sie!

Der Kalender ist als Dankeschön für eine freiwillige Spende ab 8 Euro erhältlich. Eingehende Spenden werden unter anderem für Rechtsbeistand dringend benötigt. Der Artenschutzkalender 2016 ist in Wien-Floridsdorf in der Buchhandlung “Bücher am Spitz” und dem Bio-Nahversorger “Lebenskraft Natur”, sowie weiteren Partnern erhältlich. Nähere Infos finden Sie auf der Kalender-Seite.

 

Ziesel-Petition im Parlament

Auf der Homepage des Österreichischen Parlaments kann zur Zeit eine vom Abgeordneten Michael Pock (NEOS) eingebrachte Petition [6] für die Ziesel beim Heeresspital unterzeichnet werden.

Die Forderungen sind (wie auch bei unserer Petition nach dem Wiener Petitionsgesetz sowie unserer österreichweiten Sammlung von Unterstützungserklärungen – insgesamt über 12000 Unterstützer!):

  • Das Zieselhabitat im und um das Heeresspital soll unter Naturschutz gestellt werden.
  • Die Stadt Wien soll im Zuge eines Grundstückstausches eine Ersatzfläche für die Bauträger zur Verfügung stellen – sie verfügt über ca. 2Mio. m2 Baulandreserve.

Bitte unterstützen Sie die Ziesel mit ihrer Unterschrift!

Referenzen
[1] https://floridsdorf.gruene.at/themen/umwelt/offener-brief-an-die-wiener-umweltanwaltschaft

[2] https://marchfeldkanal.files.wordpress.com/2014/11/bericht_oeba_2014q3_20141015.pdf#page=3

[3] https://marchfeldkanal.files.wordpress.com/2012/06/ma22-bescheid-593-20121.pdf#page=5

[4] https://marchfeldkanal.files.wordpress.com/2013/08/flaechen_noerdlich_des_heeresspitals_bescheid_593_2012_15_04_13.pdf

[5] https://marchfeldkanal.files.wordpress.com/2015/08/bericht_oeba_2015q2_20150714.pdf#page=8

[6] http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/PET/PET_00056/index.shtml

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Rote Farte für rücksichtslose Lebensraumzerstörung bei der Ziesel-Wanderung, Heeresspital Wien, 15. Juni 2014

Das Ziesel-Vorkommen nördlich des Wiener Heeresspitals, das einem profitablen Bauprojekt weichen soll, ist erneut deutlich angewachsen. Erstmals ist nun auch klipp und klar nachgewiesen, dass die herbeigeredete Abwanderung nicht stattfindet. Die streng geschützten Tiere wandern lieber in die Projektfläche hinein.

Freilich sind diese, an sich erfreulichen, Fakten nicht aufopfernden Pflegemaßnahmen der Bauträger zu verdanken. Und schon gar nicht den zuständigen Behörden. Denn seit heuer wird rund die Hälfte des Areals vorsätzlich nicht mehr gemäht, wodurch für die Ziesel ein Anreiz zum Abwandern gesetzt werden sollte.

Obwohl die Projektbetreiber kraft eines gültigen Bescheids zur regelmäßigen Mahd des Lebensraums verpflichtet wären, werden die Wiener Behörden nicht aktiv. Es scheint als praktiziere man, vielleicht aus Rücksicht auf höhere Interessen, lieber Artenschutz-Mikado, dessen Motto da laute könnte: „Wer sich bewegt, hat verloren.“

Zuletzt haben im Juni rund 400 besorgte Bürger und zahlreiche lokale Politiker gegen die drohende teilweise Lebensraumzerstörung einer der letzten großen Ziesel-Vorkommen Österreichs protestiert und den Verantwortlichen energisch die rote Karte gezeigt. Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal dankt sehr herzlich für die zahlreiche Teilnahme!

Für besonderes Aufsehen sorgte die Ansprache des Gemeinderats und Umweltsprecher der Wiener Grünen, Rüdiger Maresch. Er kündigte an, die Einrichtung eines Naturdenkmals beim Heeresspital zum Schutz der Ziesel sei Thema in Verhandlungen für eine Fortsetzung der Rot/Grünen-Koalition nach der nächsten Wiener Wahl (Link zum Video).

Aber schon jetzt müssen seiner Botschaft dringend Taten folgen! Denn sollte der Wiener Ziesel-Skandal nicht bald ein für die Tiere glückliches Ende finden, droht den österreichischen Steuerzahlern enormes Ungemach. Eine Verurteilung durch den EuGH hätte eine hohe Millionenstrafe und sündteure Wiederansiedelungs-Programme zur Folge. Anders als in der Hypo-Causa, stünden die Verantwortlichen auch ohne Untersuchungsausschuss schon jetzt fest.

Massiver Absiedlungs-Flop nun Schwarz auf Weiß !

Bericht der ökologischen Baufsicht vom Juli 2014 an die MA 22Noch kann die Ziesel-Population beim Heeresspital, entgegen der intensiven Bemühungen der Bauträger und ihrer Auftragsexperten, der Umlenkungsmaschinerie trotzen. In einem aktuellen Bericht an die Naturschutzbehörde musste man das erneute Anwachsen des Vorkommens eingestehen:

„Im Vergleich zum Maximalbestand 2013 (Quartalsbericht Jänner 2014: Tab. 1) entspricht dies einem Populationswachstum von insgesamt 6%.“

Ausgewertete Bewegungsdaten von Fang und Wiederfang markierter Zieseln zeigen ebenso ein eindeutiges Bild. Die Tiere wandern weiterhin in die Projektfläche hinein, während umgekehrt kein Nachweis für die Abwanderung auch nur eines einzigen Ziesels existiert.

„Dies weist auf Ortstreue und Langlebigkeit vor allem der männlichen Ziesel auf der Projektfläche hin. Was die in sechs Fällen nach Westen (Anm: in das Bauland) tendierende Verlagerung der individuellen Fangorte betrifft  …“

Download des Berichts der Bauträger vom Juli 2014 an die MA 22

Notwendige Fanggenehmigung im Juni 2104 abgelaufen !

Das absurde Theater am Marchfeldkanal ist zudem um eine Facette reicher. Den Bauträgern ist das Fangen und Markieren von Zieseln nicht mehr möglich, denn die dafür notwendige behördliche Erlaubnis war nur bis zum 30. Juni 2014 erteilt.

Um überhaupt Lenkungsmaßnahmen beginnen zu können, bedarf es der nachgewiesenen Akzeptanz der Ausgleichsflächen durch die Ziesel. Dazu müssten dort aber vom Feld nördlich des Heeresspitals stammende Tiere wiedergefangen werden – was nun mangels Genehmigung grob gegen das Wiener Naturschutzgesetz verstoßen würde.

Fortan muss also die Expertin der Uni Wien, Dr. Ilse Hoffmann, Wanderungen der Ziesel mit anderen Methoden belegen. Ob sie dabei auch auf Befragungen von Tieren mittels Imitierung ihrer Pfeiflaute zurückgreift, ist vorerst nicht bestätigt.

„Teilweise Bescheid-Konsumation“ als zweifelhafte Rechtfertigung

Ebenso eigenartig erscheint die auf der Facebook-Seite „Rettet die Ziesel“ gegebene Rechtfertigung der Forscherin, warum die Mahd auf der halben Projektfläche unterbleibt. Dies gehe für ihre Auftraggeber in Ordnung, da man den Bescheid der Naturschutzbehörde nur teilweise konsumiere.

 Ilse Hoffmann auf Facebook am 25-Juli-2014

Warum es allerdings in einem funktionierenden Rechtsstaat möglich sein sollte, aus einem behördlichen Bescheid zwar sämtliche erteilten Rechte zu konsumieren, ohne dabei alle auferlegten Pflichten zu erfüllen, lässt Frau Hoffmann vielsagend offen:

 Ilse Hoffmann auf Facebook am 25-Juli-2014

Zur Erinnerung: Die Naturschutzbehörde gab die Umlenkung der Ziesel nur unter der Auflage frei, dass diese gemäß den eingereichten Unterlagen durchgeführt wird. Die Einreichung sah jedoch vor, erst dann die Mahd einzustellen, wenn die Akzeptanz der Ausgleichflächen durch die Ziesel nachgewiesen ist. Bekanntlich existiert dafür bis dato kein Beleg.

Zaudernde Umweltanwaltschaft sieht keine rechtliche Handhabe

Brief der WUA Umweltanwaltschaft 2014-05-26 an den Floridsdorfer BezirksvorsteherTrotz Aufforderungen vom Floridsdorfer Bezirksparlament und von Bürgern verharren MA22 und Wiener Umweltanwaltschaft in selbst auferlegter Tatenlosigkeit.

In einem Brief an den Floridsdorfer Bezirksvorsteher führt die Wiener Umweltanwältin aus, „keine ausreichende Grundlage“ zur Durchsetzung der zieselgerechten Pflege des Feldes nördlich des Heeresspitals zu sehen.

Anders als ihr Name vermuten lässt, geht die Umweltanwaltschaft Naturschutz-Konflikten offenbar lieber aus dem Weg. Das Schreiben der Wiener Umweltanwaltschaft steht hier zum Download.

Dabei wäre für die zaudernde Behörde gewichtige Rückdeckung gegeben. Denn wiederum auf Facebook hält Ilse Hoffmann nämlich fest:

„aus Sicht der Ziesel wäre eine zieselgerechte Pflege naturgemäß wünschenswert“

Wiener Grüne: Naturdenkmal für Ziesel ist Thema in Koalitionsverhandlungen

Schon mit Bekanntwerden der gefährdeten Ziesel-Population beim Heeresspital hat sich die Mehrheit der Wiener und der lokalen Floridsdorfer politischen Kräfte für den Schutz der Tiere stark gemacht. FPÖ, ÖVP und Junge ÖVP, NEOS sowie das Floridsdorfer WIFF unterstützen mit zahlreichen Initiativen

Ebenso traten die Floridsdorfer Grünen von Beginn an energisch für den vollständigen Erhalt des bedrohten Ziesel-Lebensraums ein.

Nun hat sich auch erstmals der Umweltsprecher der Wiener Grünen, Gemeinderat Rüdiger Maresch, mit deutlichen Worten positioniert. Anlässlich der Zieselwanderung im Juni 2014 erklärte er vor fast 400 Teilnehmern:

„Bei den nächsten Koalitionsverhandlungen, so die SPÖ mit uns wieder koalieren möchte im Jahr 2015, werden wir diese Geschichte so erledigen, dass hier nie wieder gebaut wird, sondern ein Naturdenkmal kommt. Das ist und muss unser Ziel sein.“

Die Rede von Rüdiger Maresch kann unter folgendem Link nachgelesen werden: Download Transskript

Jetzt Zieselschutz statt immenser Millionenstrafe !

Keine heimische Tierart ist so massiv vom Aussterben bedroht wie das Ziesel. Wie der Naturschutzbund gegenüber dem „Kurier“ betont, befindet sich die einzig wirklich stabile Population Österreichs im Raum Krems.

Beim Wiener Heeresspital geht es, entgegen beharrlich lancierter PR-Märchen, um weit mehr als um eine Handvoll Ziesel. Vielmehr ist das Vorkommen, dass schon vor den im Rahmen des Bauprojekts getätigten Investitionen und Planungen amtsbekannt war, mit in Summe fast 1.000 Tieren eines der letzten nationalen Großvorkommen.

Eine Verurteilung der Republik Österreich durch den EuGH wegen groben Zuwiderhandelns gegen europäisches Naturschutzrecht steht im Raum.

Dem unschuldigen Steuerzahler käme das Debakel teuer zu stehen. Ein hoher zweistelliger Millionenbetrag und kostspielige Wiederansiedlungsprogramme drohen.

Petition zum Schutz der Ziesel beim Heeresspital WienDaher fordert die Bürgerinitaitive IGL-Marchfeldkanal, so wie das Bezirksparlament Floridsdorf und viele Bürgerinnen und Bürger, die Realisierung des Bauprojekts an einem anderen Standort und die Festsetzung eines Naturschutzgebietes auf den Grünflächen in und umliegend des Wiener Heeresspitals.

Wenn Sie Ihren Hauptwohnsitz in Wien haben, unterstützen auch Sie bitte unsere Petition nach dem Wiener Petitionsgesetz!

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Zieselwanderung beim Wiener Heeresspital 15. Juni 2014

Ein neuer Bericht des Umweltbundesamts an die EU zeichnet ein düsteres Bild. Das Ziesel, das in Österreich an Platz 1 der Roten Liste steht, musste in den letzten sechs Jahren abermals bittere Bestandsverluste hinnehmen. Hauptgrund ist massiver Rückgang an verfügbaren Lebensräumen.

Nun droht auch den wehrlosen Zieseln beim Wiener Heeresspital die letzte Stunde zu schlagen. Denn trotz der dramatischen Bestandsentwicklungen hält Wien eiskalt daran fest, beim Heeresspital eine der letzten großen Ziesel-Kolonien – zugunsten profitabler Bauprojekte – aus ihrem Habitat zu vertreiben.

Mit Zustimmung der Wiener Naturschutzbehörde wurde nun die, für die Ziesel überlebensnotwendige, Pflege von Flächen rund um das Heeresspital eingestellt. Als fatale Konsequenz wird der Ziesel-Lebensraum sukzessive an Funktion verlieren und das – offensichtlich nur am Papier – streng geschützte Vorkommen zusammenbrechen.

Experten der Europäischen Kommission, die sich mittlerweile in den Konflikt eingeschaltet hat, sind sich sicher: Einstellung von Graslandbewirtschaftung ist die Hauptbedrohung für das Ziesel:

„The critical threats are connected either to lack of grassland management – such as low (insufficient) intensity of grazing or mowing, or a total absence of those – i.e. land abandonment“

Die drohende Millionenstrafe der EU wird jedoch nicht an den Verantwortlichen, sondern an den schuldlosen Steuerzahlern, hängenbleiben.

Allerletzte Chance ein bedrohtes Naturparadies kennenzulernen?

Vor diesem skandalösen Hintergrund lädt die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal herzlich ein, sich – vielleicht zum letzten mal – ein objektives Bild von der außergewöhnlichen Ziesel-Population beim Heeresspital und ihrem bedrohten Lebensraum zu machen.

Wann: Sonntag, 15. Juni 2014, 14:30 Uhr

Wo: Johann-Orth-Platz, 1210 Wien (Ecke Inge-Konradi-Gasse/Weilandgasse)

Dauer: ca. 1,5 Stunden

Anreise: Der Treffpunkt befindet sich nahe der Endstation der Straßenbahn-Linie 31 (Kurzer Fußweg siehe Karte). Falls Sie mit dem Auto anreisen, nutzen Sie bitte die Parkmöglichkeiten entlang der Johann-Weber-Straße. Am Johann-Orth-Platz ist das Parkplatzangebot nur gering.

Reichhaltiges Buffet: Vor und nach der Zieselwanderung ist für leibliches Wohl und Erfrischungen bestens gesorgt.

Tipp: Zum Beobachten der Ziesel bitte Fernglas mitnehmen! Aus Rücksicht auf die empfindlichen Tiere werden wir ihren Lebensraum nicht betreten.

Selbstverständlich findet die Führung bei jeder Witterung statt.

Zahlreiche Gäste aus Politik und Forschung !

Wir freuen uns über viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Forschung und dem gesamten politischen Spektrum, die auch zum offenen Meinungsaustausch über die bedrohten Ziesel beim Heeresspital zur Verfügung stehen werden.

  • Dr. Friederike Spitzenberger ist international anerkannte Ziesel-Expertin und wird einleitende Worte sprechen. Sie ist ehemalige Leiterin der Säugetierabteilung des Naturhistorischen Museums, Verfasserin des Standardwerks „Die Säugetierfauna Österreichs“ und Co-Autorin der Roten Listen Österreichs.
  • Dr. Madeleine Petrovic (Präsidentin Wiener Tierschutzverein und Landtagsabgeordnete der Grünen NÖ)
  • Gemeinderat Mag. Rüdiger Maresch (Umweltsprecher der Wiener Grünen)
  • Gemeinderat Ing. Udo Guggenbichler (Umweltsprecher FPÖ Wien)
  • Bezirksrätin Andrea Mayrhofer, MAS (NEOS)
  • Bezirksrätin Gabriele Tupy (Grüne Floridsdorf)
  • Bezirksrat Hans-Jörg Schimanek (Wir für Floridsdorf)
  • Vertreterinnen und Vertreter der Jungen ÖVP

Wiener Stadtregierung riskiert massive EU-Strafe

2 Millionen Quadratmeter Bauland befinden sich im Besitz der Stadt Wien und stünden als Alternative zur Verfügung. Die vom lokalen, demokratisch gewählten Bezirksparlament Floridsdorf mehrheitlich geforderte Verlegung der Heeresspital-Bauprojekte wurde jedoch von der Stadtregierung stets vom Tisch gewischt.

In ihrer Sturheit riskiert die Stadtregierung sogar eine hohe zweistellige Millionenstrafe durch den EuGH. Freilich wird diesen Betrag nicht die schweigsame Umweltstadträtin von ihrem Gehalt abzahlen müssen. Vielmehr werden sämtliche österreichischen Steuerzahler dafür zum Handkuss kommen.

Hinkommen und entschiedenes Zeichen gegen Naturzerstörung setzen !

Mit Ihrer Teilnahme an der Ziesel-Wanderung setzen Sie ein starkes Zeichen für Einhaltung der Naturschutzgesetze und konsequenten Schutz bedrohter heimischer Tierarten.

Zeigen wir gemeinsam, dass es in Wien keine Toleranz gegenüber Aushöhlung des Umweltschutzes zugunsten von Profit geben darf! Zeigen wir, dass es keine Steuergeldverschwendung zugunsten einflussreicher Lobbys geben darf! Zeigen wir, dass es, statt Aussitzen von Problemen, einen aktiven Tierschutz braucht!

Zeigen wir den Verantwortlichen gemeinsam die rote Karte!

Wieder einseitige PR-Offensive im Vorfeld ?

Es ist davon auszugehen, dass die von den Betreibern der Ziesel-Absiedlung engagierte PR-Agentur Unique Relations (Eigentümer ist ein ehemaliger SPÖ-Bundesgeschäftsführer) erneut versuchen wird, im Vorfeld der Veranstaltung „handverlesene“ Informationen zu streuen und die üblichen Stereotypen zu bedienen.

Deren Ziel war und ist klarerweise die öffentliche Meinung in eine Richtung zu steuern, die es den involvierten Akteuren ermöglicht, ein EU-weit bedeutsames Vorkommen einer vom Aussterben bedrohten Tierart ohne Gesichtsverlust loszuwerden.

Wenn hochbezahlte Profis in Krisenkommunikation (bis zu 350 Euro die Stunde !) losgeschickt werden, um Eingriffe in ein schützenswertes Habitat schönzureden, muss wohl ordentlich viel Geld im Spiel sein, aber noch weit mehr unliebsame Wahrheit im Busch.

Diese Wahrheit – und nur diese – gibt es bei der Zieselwanderung am 15. Juni zu sehen und zu hören – ganz ohne PR-Schlagseite.

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal freut sich auf Ihr Kommen!

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