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Archive for the ‘Bauprojekt nördlich des Wiener Heeresspitals’ Category

Ziesel beim Stammersdorfer Winzerlauf

Der Stammersdorfer Winzerlauf steht für Laufsport vom Feinsten. Etwa 1.500 Aktive nahmen dieses Jahr bei idealem Laufwetter und großartiger Stimmung an dem Traditionsevent in den Stammersdorfer Weinbergen teil.

Mit dabei waren auch 10 Ziesel-Runner und viele Ziesel-Fans, die mit Ziesel-T-Shirts und Ziesel-Fahnen auf die massiv bedrohte Ziesel-Population beim Wiener Heeresspital aufmerksam machten. Obwohl in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste, blicken die nicht unweit vom Veranstaltungsort lebenden Tiere – trotz strenger Naturschutzgesetze – einer äußerst ungewissen Zukunft entgegen.

Zustimmenden Applaus für die Ziesel setzte es, als die Ziesel-Runner dem Moderator und dem Publikum den Hintergrund für die vielen Ziesel-Fahnen und -Shirts erläuterten. Auch in persönlichen Gesprächen drückten viele Anwesende ihre Solidarität mit den gefährdeten Nagern aus.

Ziesel beim Stammersdorfer Winzerlauf Ziesel beim Stammersdorfer Winzerlauf

Ziesel beim Stammersdorfer Winzerlauf Ziesel beim Stammersdorfer Winzerlauf

Für den Start in den Laufherbst in einem wundervollen Ambiente ist der Stammersdorfer Winzerlauf längst die Empfehlung. Die IGL-Marchfeldkanal gratuliert dem Organisator und seinem dynamischen Team zu einer rundum gelungenen Veranstaltung!

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Auf den Grünflächen rund um das Wiener Heeresspital existiert eine der letzten großen Ziesel-Kolonien Österreichs. Nach dem nördlichen Abschnitt plant die Stadt Wien nun auch den Bereich südlich des Heeresspitals, gegenüber dem Ekazent B7, in Bauland umzuwidmen. Eine entsprechende Studie findet sich bereits im Internet.

Wie schon beim letzten Widmungsverfahren, drohen also die streng geschützten Tiere, die in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste stehen, erneut unter den Tisch zu fallen.

Indes legt die Wiener Naturschutzbehörde keinen allzu großen Wert auf den Schutz der betroffenen Tiere und die artgerechte Pflege ihres Lebensraums.

Planungen und Verkaufsgespräche im Laufen

Südlich des Wiener HeerespitalsZiesel-Lebensraum südlich des Wiener Heeresspitals 

Das Ziesel-Vorkommen südlich des Wiener Heeresspitals ist seit Sommer 2011 durch die Universität Wien im Auftrag der Wiener Naturschutzbehörde MA 22 dokumentiert. Darüber hinaus sind dort auch Vorkommen der europaweit ebenso streng geschützten Feldhamster und Zauneidechsen bekannt.

Ziesel-Habitat südlich des Wiener Heeresspital   Ziesel-Habitat südlich des Wiener Heeresspital
Zieselbaue südlich des Wiener Heeresspitals

Anfang August 2012 wurden auf den Internetseiten der Wiener MA18, zuständig für Stadtentwicklung, entsprechende Absichten für eine Umwidmung der Flächen südlich des Heeresspitals in Bauland publiziert:

Im Bereich südlich des Heeresspitals bestehen ebenfalls Flächen für einen potenziellen Städtebau. Wenngleich hier erst der Anfang der Planungsphase erreicht ist, stellt insbesondere der Nahbereich des Marchfeldkanals eine attraktive Wohnperspektive dar.

Inzwischen wurde diese Textpassage von der Stadtplanungswebsite, die befremdlicherweise jeden Hinweis auf die dort ansäßigen, „prioritär bedeutenden“ Ziesel vermied, wieder entfernt.

Laut Medienberichten dürften die Planungen jedoch weitergehen. Übereinstimmend war zudem von zwei verschiedenen Quellen zu erfahren, dass entsprechende Verhandlungen über den Verkauf der derzeit für Landwirtschaft gewidmeten Flächen im Laufen sein sollen.

History repeats itself?

Unweigerlich werden Erinnerungen an den eiligen Widmungsvorgang in 2010 wach. Schon damals war das dichte Ziesel-Vorkommen beim Wiener Heeresspital längst dokumentiert. Das Gebiet nördlich des Heeresspitals wurde trotzdem kommentarlos, ohne Berücksichtigung des gesetzlichen Artenschutzes, für Wohnbau umgewidmet, obwohl sich das beabsichtigte Projekt mit dem bereits bekannten Habitat überschnitt.

Nach Expertenmeinung des Lebensministeriums würde die Verbauung des Habitats nördlich des Wiener Heeresspitals gegen geltendes EU-Recht verstoßen

Studie bereits im Internet

Für die Verbauung südlich des Wiener Heeresspitals existiert eine Studie des Architekten Johannes Kastner-Lanjus, der auch das städteplanerische Konzept für das Projekt nördlich des Heeresspitals erstellt hat:

Bebauungsplan südlich Wiener Heeresspital

Link zum Verbauungskonzept südlich des Heeresspitals

Demnach ist auf den Flächen südlich des Heeresspitals, gegenüber dem Einkaufszentrum B7, die Errichtung von bis zu 8-geschößigen Gebäuden vorgesehen.

Zudem soll auch der vor dem Heeresspital an der Brünner Straße befindliche Parkplatz verbaut werden, was ein weiteres Indiz für die bevorstehende Schließung des Wiener Heeresspitals wäre.

Landwirtschaft in Ziesel-Habitat ohne behördliche Auflagen

Zurzeit wird auf einem Teil der Flächen südlich des Wiener Heeresspitals Landwirtschaft betrieben, der Rest liegt brach. Aus dem Ziesel-Gutachten von 2011 geht klar hervor, dass bei der Bewirtschaftung von Ziesel-Habitaten bestimmte Einschränkungen zum Schutz der Tiere einzuhalten sind.

In einem Mail von der MA 22 werden die einzuhaltenden Schutzmaßnahmen so zusammengefasst:

Auch landwirtschaftliche Nutzung benötigt keine Bewilligung, wenn auf die Bedürfnisse der Tiere Rücksicht genommen wird. Dazu gehört der Verzicht auf Gülle, Herbizide und Pestizide, es muss weiterhin genug Nahrung zur Verfügung stehen (z.B.: alle 50 m einen Streifen unbearbeitet lassen) und die Bearbeitungstiefe darf 30 cm nicht übersteigen.

Trotz des wissenschaftlich fundierten Kenntnisstands wurden die Grundstückseigentümer südlich des Heeresspitals von der Naturschutzbehörde nicht über die einzuhaltenden Auflagen informiert. Wie sonst hätten die betroffenen Eigentümer über die zu berücksichtigenden Bedürfnisse zur Einhaltung des Artenschutzes erfahren sollen?

Seitens der MA22 wurden somit keine präventiven Maßnahmen zum Schutz der streng geschützten Ziesel und ihres Lebensraumes gesetzt. Die gezeigte Passivität der Behörde verwundert jedoch sehr, denn aufgrund Europäischen Rechts besteht die Verpflichtung zum Setzen präventiver Maßnahmen, damit es möglichst erst gar nicht zu Verstößen gegen das Störungs- und Tötungsverbot kommen kann. Das strenge Schutzsystem der FFH-Richtlinie setzt also den Erlass kohärenter und vorbeugender Maßnahmen voraus.

Dichte Bewirtschaftung bringt Ziesel unter Druck

Lichtundurchlässiges Hirsefeld südlich des Wiener Heeresspitals
Suboptimale Ziesel-Habitatsbewirtschaftung südlich des Wiener Heeresspitals

In diesem Jahr wurde auf dem Feld südlich des Heeresspitals dicht Hirse angebaut. Das setzt jedoch das dortige Ziesel-Vorkommen massiv unter Druck, denn aufgrund der resultierenden fehlenden Lichtdurchlässigkeit ist die Rundumsicht und Orientierung der Tiere erheblich eingeschränkt. Im Ziesel-Gutachten der Universität Wien aus der Jahr 2005 über den Einfluss der Lichtverhältnisse auf Ziesel-Lebensräume liest man dazu:

Wichtiger als die Höhe der Vegetation scheint deren Zusammensetzung und damit optische Transparenz zu sein.

Durch eine proaktive Beratung bei der Fruchtwahl durch die Naturschutzbehörde hätte sicher eine Lösung gefunden werden können, die den Zieseln und ihrem Lebensraum zuträglicher gewesen wäre. So stellt sich nun die Frage nach der allfälligen Verantwortlichkeit, sollte das Ziesel-Vorkommen südlich des Wiener Heeresspitals innerhalb von 12 Monaten zurückgegangen oder gar erloschen sein.

Verbrachung von öffentlichem Ziesel- und Hamsterlebensraum

Brache südlich des Wiener HeeresspitalsDas Grundstücke (871/1 KG 01616) südlich des Heeresspitals ist im Besitz der Republik Österreich. Auf der Liegenschaft inmitten eines dokumentierten Ziesel- und Feldhamster-Habitats erfolgen jedoch keinerlei Pflegemaßnahmen.

Dementsprechend ist der brachliegende Streifen mittlerweile überaus dicht mit Goldrute verwachsen, was aber den Fortbestand der streng geschützten Tiere dort massiv erschwert. Kartierungsdaten der Universität Wien legen nahe, dass das Grundstück mit Zieseln und Feldhamstern besetzt war, als es noch gemäht wurde. Jedenfalls ist dort in der Wiener Feldhamster-Verbreitungskarte aus dem Jahr 2010 ein Feldhamstervorkommen dokumentiert.

Auch für die im Besitz der öffentlichen Hand befindliche Liegenschaft ist somit zu klären, weshalb trotz der Kenntnis des Vorkommens der europarechtlich streng geschützten Ziesel und Feldhamster, präventive Maßnahmen zum Schutz der Tiere und dem dauerhaften Erhalt ihres Lebensraums unterblieben sind. Insbesondere sind die Ziesel-Lebensräume am gesamten Wiener Stadtgebiet streng geschützt, d.h. die unbeinträchtigte Aufrechterhaltung deren Funktion.

Als negative Konsequenz der Verbrachung ist die Verbindung zur Kernpopulation am Areal des Heeresspitals,  die für die Ziesel südlich davon vital notwendig ist, funktional stark oder ganz eingeschränkt.

6.500 Unterschriften für ein Naturschutzgebiet

Der dauerhafte Schutz und Fortbestand der großen Ziesel-Reliktpopulation beim Wiener Heeresspital muss endlich absolute Priorität haben! Dieser lässt sich jedoch nur erreichen, indem die Flächen am und rund um das Heeresspital in ein geeignetes Naturschutzgebiet umgewandelt und langfristig artgerechte Pflegemaßnahmen etabliert werden.

Andernfalls sind die massiv vom Aussterben bedrohten Tiere weiterhin anhaltendem Druck durch wirtschaftliche Interessen und möglichen Fehlplanungen aufgrund von bedauerlichen Kommunikationspannen ausgesetzt.

Bereits 6.500 Menschen unterstützen diese Forderung. Unterschreiben auch Sie!

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IGL-Marchfeldkanal bei den Artenschutztage Schönbrunn 2012

Trotz hochsommerlichem Badewetter kamen auch dieses Jahr wieder viele Interessierte zu den Artenschutztagen im Tiergarten Schönbrunn. Mehr als zwanzig Organisationen stellten nationale und internationale Projekte zum Erhalt der Artenvielfalt vor und informierten wie Artenschutz tagtäglich auch im Kleinen gelebt werden kann. Für die Kinder gab es eine spannende Rätselrally, woran viele Nachwuchsumweltschützer mit großem Eifer teilnahmen.

Infostand der IGL-Marchfeldkanal gut besucht

Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit sich am Stand der IGL-Marchfeldkanal über die prekäre Situation der Ziesel in Österreich und speziell in Wien zu informieren. Einst im Osten Österreichs weit verbreitet, stehen die Tiere heute auf Platz 1 der roten Liste. Trotz vieler Warnungen hält die Vernichtung und Fragmentierung ihrer Lebensräume unverändert an.

Erfreulicherweise war den meisten Gästen die bedrohte Ziesel-Kolonie beim Wiener Heeresspital schon aus zahlreichen Medienberichten bekannt. In persönlichen Gesprächen wurde über den tatsächlichen Stand der Dinge und die nach wie vor aufrechte Gefährdung durch die drohenden Umlenkungsmaßnahmen informiert. Viele Besucher nutzten vor Ort die Möglichkeit mit ihrer Unterschrift unsere Forderung zur Einrichtung eines Naturschutzgebietes rund um das Wiener Heeresspital zu unterstützen.

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Artenschutztage 2012 im Tiergarten SchönbrunnArten schützen und erhalten“ lautet das Motto der Artenschutztage 2012, die vom 2. bis zum 5. August im Tiergarten Schönbrunn stattfinden. Die IGL Marchfeldkanal wird von Freitag bis Sonntag erstmals vertreten sein.

Bis zum Jahr 2050 droht ein Drittel aller Tierarten für immer von dieser Welt zu verschwinden, warnt die IUCN. Ob groß oder klein, ob jung oder alt, jeder kann seinen persönlichen Beitrag leisten, damit dieses Schreckensszenario nicht Realität wird.

Mehr als 20 Organisationen stellen bei den Artenschutztagen ihre ambitionierten Projekte zum Erhalt der Biodiversität vor. Der Tiergarten Schönbrunn präsentiert das EU LIFE+ Projekt zum Schutz der Wiesenotter und sein Engagement in Südostasien zum Schutz der Asiatischen Elefanten auf Sri Lanka und der Batagur-Flussschildkröte in Bangladesch.

IGL-Marchfeldkanal mit Stand vertreten

IGL-Marchfeldkanal bei Artenschutztagen 2012 im Tiergarten SchönbrunnÜber das Ziesel, das in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste steht, wird die IGL Marchfeldkanal informieren. Trotz anhaltender Bestandsrückgänge, hat der Erhalt der bedrohten Nager und ihrer Lebensräume längst nicht jenen Stellenwert, den sie aufgrund der strengen Naturschutzgesetze eigentlich genießen würden. Insbesondere beim Wiener Heeresspital, wo der Lebensraum einer der letzten großen Ziesel-Kolonien Österreichs kommentarlos teilweise in Bauland umgewidmet wurde, droht schon bald ein fataler Eingriff in das Habitat der Tiere.

Besuchen Sie die Artenschutztage 2012 und schauen Sie auch am Stand der IGL Marchfeldkanal vorbei (Freitag bis Sonntag). Ein buntes Programm für die ganze Familie mit vielen interessanten Ideen zum „Arten schützen und erhalten“ erwartet Sie. Alle Infos gibt es hier.

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Kürzlich erklärte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig in einem Interview mit dem „Standard“ einer staunenden Leserschaft, dass die Ziesel in Wien wieder vermehrt auftreten würden.

Tatsächlich stehen die Europäischen Ziesel in Österreich jedoch schon seit vielen Jahren auf Platz 1 der Roten Liste und die Prognosen sind negativ. Der landesweit schlechte Erhaltungszustand und die dramatischen Bestandsrückgänge lassen sich anhand einer Vielzahl einschlägiger Quellen zweifelsfrei nachvollziehen. Für den behaupteten positiven Trend in der Bundeshauptstadt fehlt hingegen ein objektiv nachvollziehbarer Beleg.

Trotz des begründeten strengen Schutzstatus der Ziesel, wurde beim Wiener Heeresspital 2010 der Lebensraum einer der letzten großen Ziesel-Kolonien kommentarlos teilweise für Wohnbau umgewidmet. Nun droht eine Absiedlung der sensiblen Tiere auf ominöse Ausgleichsflächen, deren Lage bislang – wenn überhaupt – nur die eingeschaltete PR-Agentur kennt.

Nachfolgend eine Zusammenstellung seriöser Quellen, die sich mit dem realen Erhaltungszustand der Ziesel in Österreich auseinandersetzen. Sie alle legen nahe, dass jeder vermeidbare Eingriff in Ziesel-Lebensräume ein unverantwortlicher ist.

EU-Biodiversitätsdatenbank: „Unfavourable Bad“

In der Biodiversitätsdatenbank der Europäischen Union sind für die nichtalpine biogeographische Region Österreichs lediglich vier Säugetierarten mit dem schlechtest möglichen Erhaltungszustand „U2 – Unfavourable Bad“ ausgewiesen. Neben dem Europäischem Ziesel (Spermophilus citellus) befinden sich drei Fledermausarten in diesem Status.

Ziesel in EU-Biodiversitätsdatenbank

Für Details klicken – Siehe Spermophilus citellus
(C) Eionet – European Topic Centre on Biological Diversity

Die zugrundeliegenden Daten wurden nicht etwa im fernen Brüssel geschätzt, sondern basieren auf authentischem Datenmaterial aus Österreich. Die Datenqualität ist dabei ausdrücklich als „Good“, d.h. basierend auf umfangreichen Erhebungen, ausgewiesen.

Sowohl Bestandszahlen als auch Habiatsgrößen zeigen substanzielle Einbrüche gegenüber den Vergleichswerten. Dazu kommt, dass die Zukunftsperspektive für die Ziesel in Österreich zusammenfassend als „Bad“ eingestuft ist.

Rote Liste des Lebensministeriums: Scharfe Kritik an Wien

Rote Listen gefährdeter Tiere Österreichs, Herausgeber LebensministeriumAuch in der der vom Lebensministerium herausgegebenen „Rote Listen gefährdeter Tiere Österreichs“ (2005) zeigt sich ein analoges Bild. Der Erhaltungszustand des Europäische Ziesel wird darin als „Endangered“ klassifiziert, d.h. es besteht sehr hohes Risiko, dass es in Österreich in naher Zukunft ausstirbt.

Sowohl hinsichtlich Bestands- als auch Habitatsentwicklung wird ein massiv negativer Trend dokumentiert und dringender Handlungsbedarf zum Erhalt der Art festgehalten.

Mit scharfen Worten kritisiert die Expertin Friederike Spitzenberger (renommierte Ziesel-Forscherin und ehemalige Leiterin der Säugetierabteilung des Wiener Naturhistorischen Museums) in den Erläuterungen zur Roten Liste den Wiener Umgang mit der „prioritär bedeutenden“ Art:

Obwohl das Ziesel in Anhang II der Flora-Fauna-Habitats-Richtlinie steht, wird es beispielsweise im Bundesland Wien, in dem die Art naturschutzrechtlich als ‚prioritär bedeutend‘ geschützt ist, von Flächen auf denen es ‚stört‘, auf andere ,transloziert‘. Derartige Umsiedlungen führten bisher immer zu großen Verlusten.

Prioritätenliste des Umweltdachverbands

Prioritätenliste der 50 bedrohtesten Tierarten ÖsterreichsIm Mai 2008 veröffentlichte der Umweltdachverband eine Prioritätenliste jener 50 Tierarten für deren Erhalt in Österreich der dringlichste Handlungsbedarf besteht. An erster Stelle dieser Aufstellung findet sich das Europäische Ziesel.

„Österreichs biologischer Reichtum schwindet rasant“, warnte Umweltdachverbands-Präsident Gerhard Heilingbrunner anlässlich der Präsentation der Prioritätenliste im Rahmen einer Pressekonferenz eindringlich. Zugleich betonte man, dass es in Österreich vermutlich nur noch mehrere tausend Ziesel gebe, deren Lebensräume aber stark bedroht sind.

Dramatischer Rückgang in Wien seit 1970

Wie aus dem Standardwerk „Die Säugetierfauna Österreichs“ (F. Spitzenberger, 2001) hervorgeht, sind am Wiener Stadtgebiet zwischen den Jahren 1970 und 2000 eine große Anzahl der dokumentierten Ziesel-Populationen unwiederbringlich erloschen.

Einst kamen die Tiere in Alt-Floridsdorf, Kagran – Leopoldau, Neukagran, Aspern, im Prater, auf den Aspanggründen, im Erdberger Mais, auf der Simmeringer Haide, zwischen Matzleinsdorfer Platz und Wienerberg, am westlichen Laaer Berg, im Bereich Hetzendorf – Altmannsdorf – Alterlaa – Neusteinhof, Rodaun – Kalksburg, im Lainzer Tiergarten und am Roten Berg vor.

Nachfolgende Abbildung verdeutlicht augenscheinlich den dramatischen Rückgang der Wiener-Zieselpopulationen in den letzten Jahrzehnten. Die Rechtecke repräsentieren dabei die südwestlichen Eckpunkte der Geokoordinaten-Minuten-Intervalle (WGS 84) einstiger (rot), fraglicher (grau) und bestehender Vorkommen (grün), entnommen aus der Begleit-CD des Säugetier-Atlas.

Bestandsrückgang der Ziesel in Wien seit 1970 (Quelle: F. Spitzenberger)
Ziesel-Vorkommen in Wien:
Rot = Erloschen, Grün = Aktuell, Grau = Fraglich
Quellen: Die Säugetierfauna Österreichs (F. Spitzenberger), Uni Wien (I. Hoffmann)
Visualisierung: geoland.at

„Die geschützten Säugetiere Wiens“

Die geschützten Säugetiere WiensZur Gefährdungssituation der Ziesel in Wien findet sich auf den Internet-Seiten der Stadt Wien und der Wiener Umweltschutzabteilung MA 22 viel an Information.

So beschreibt etwa das Dokument „Die geschützten Säugetiere Wiens“ die Situation aller in Wien vorkommender geschützter Säugetiere.

Speziell für die Ziesel wird das Verschwinden zahlreicher Populationen in den letzten Jahrzehnten bestätigt und vor der aufrechten Bedrohung und deren Ursachen für den verbliebenen Bestand gewarnt:

Diese letzten Restvorkommen in Wien sind jedoch durch neue Bauvorhaben (Wohnbauten, Straßen, “gepflegte” Erholungslandschaften (keine Nahrungsgrundlage) weiter gefährdet; auch freilaufende Katzen und aktive Verfolgung (Fallen) wegen unerwünschter Grabetätigkeit tragen in machen Gebieten zum Erlöschen von Kolonien bei (z.B. Erholungsgebiet “Seeschlacht” bei Langenzersdorf).

Ziesel-Erhaltungszustand in Wien ungewiss

Anders als in Niederösterreich, wo durch die engagierte Initiative „Netzwerk Ziesel“ unter Führung des Naturschutzbund NÖ ein fortlaufendes Monitoring der Ziesel-Bestände stattfindet, liegen in Wien diesbezüglich keine aktuellen Zahlen vor.

Soweit bekannt, fanden die letzte Bestandserhebungen im Süden Wiens im Jahr 2002, im Norden in 2005 statt. Lediglich das, seit spätestens dem Jahr 2007 dokumentierte, dichte Vorkommen beim Wiener Heeresspital, welches dort bekanntlich einem, erst zeitlich später geplanten, Großbauvorhaben „im Weg steht“, wurde im Sommer 2011 kartiert.

Insbesondere die Daten zu den südlichen Populationen, die im Schnitt kleiner als jene im Norden und damit stärker gefährdet sind, erscheinen im Lichte dessen stark veraltet. Auch zur verbliebenen Population am Gelände der Pädagogischen Akademie, die 2001 nur zum Teil auf den Bisamberg abgesiedelt wurde, liegt kein aktuelles Monitoring vor. Dem Vernehmen nach könnte der Bestand dort stark zurückgegangen oder das Vorkommen gar Erloschen sein.

Aufgrund von fehlendem aktuellen Datenmaterials, trotz aufrechter Gefährdungsfaktoren, ist eine objektiv nachvollziehbare Beurteilung des Ziesel-Erhaltungszustands und der Entwicklungstendenzen für das Wiener Stadtgebiet somit nicht möglich.

„Günstiger Erhaltungszustand“ notwendig für Ausnahmegenehmigung

Für die drohenden Eingriffe in den Lebensraum der Ziesel und Feldhamster beim Wiener Heeresspital ist die Gewährung einer Ausnahmegenehmigung nach dem Wiener Naturschutzgesetz erforderlich. Notwendige, aber freilich nicht hinreichende Voraussetzung zur Erteilung einer solchen Genehmigung ist, dass sich in Wien die Populationen beider Arten in einem günstigen Erhaltungszustand befinden.

Zum Nachweis des günstigen Erhaltungszustandes reicht jedoch nicht die bloße Behauptung, dass ein solcher gegeben wäre. Vielmehr ist dafür ein objektiv nachvollziehbarer Nachweis anhand anerkannter Kriterien erforderlich.

Unabhängig davon verpflichtet die FFH-Richtlinie die EU-Mitgliedstaaten den Erhaltungszustand der EU-weit geschützten Arten und Lebensräume innerhalb der jeweiligen Staatsgrenzen zu überwachen. Die Ergebnisse dieses Monitorings müssen gemeinsam mit den Informationen über die in den Natura 2000-Gebieten gesetzten Erhaltungsmaßnahmen und deren Auswirkungen alle sechs Jahre in Berichten der Europäischen Kommission vorgelegt werden.

5.550 Unterschriften für kompromisslosen Artenschutz

Viele Quellen dokumentieren also glaubhaft und übereinstimmend eine düstere Perspektive zum Fortbestand der Ziesel in Österreich. Dennoch droht nun beim Wiener Heeresspital die riskante Vertreibung der dort lebenden Ziesel aus ihrem funktionierenden Lebensraum. Auch einer größere Kolonie der ebenso streng geschützten Feldhamster wäre betroffen.

Die überparteiliche Bürgerinitiative IGL Marchfeldkanal fordert Priorität für den Schutz der Ziesel und Hamster, ohne Wenn und Aber! Daher treten wir gemeinsam mit bereits 5.550 Unterstützern für die Einrichtung eines Naturschutzgebietes auf sämtlichen unverbauten Flächen rund um das Wiener Heeresspital ein.

Unterschreiben auch Sie!

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Begleitet von großem PR-Rummel ließen die Bauträger Kabelwerk und Donaucity kürzlich verlauten, dass für die streng geschützten Ziesel nördlich des Wiener Heeresspitals Ausgleichsflächen gefunden seien und die Tiere freiwillig dorthin abwandern würden.

Just die wichtigste Information, nämlich die genaue Lage dieser Ausgleichsflächen, blieb man bis dato jedoch schuldig. Wie ein brisanter Bescheid der Naturschutzbehörde nahelegt, ist zudem zu befürchten, dass die Abwanderung der Tiere gar nicht so freiwillig vonstattengehen soll.

Hinter verschlossenen Türen scheinen schon jetzt Bewilligung und Erfolg der Lenkungsmaßnahmen festzustehen, denn der Bauträgerwettbewerb für das von den Zieseln bewohnte Biotop soll noch heuer starten.

Ziesel-Exodus über Marchfeldkanal-Brücke

Zwar stehen Ausgleichsflächen angeblich schon bereit, dennoch wurden konkrete Angaben zu deren Lage tunlichst vermieden. Durchgedrungen ist bislang lediglich, dass ein Teil der Ausgleichsflächen jenseits des Marchfeldkanals liegen soll.

Um aus eigener Kraft dorthin zu gelangen, müssten die Ziesel jedoch eine schmale Brücke über den Marchfeldkanal queren. Aus der Perspektive der am Feld nördlich des Wiener Heeresspitals lebenden Ziesel, sieht diese Brücke so aus:


Blick aus der Ziesel-Perspektive auf die Exodus-Brücke

Bislang existiert kein Nachweis, dass auch nur ein einziges Ziesel jemals diese Brücke über den Marchfeldkanal überquert hat, die bei schönem Wetter, wo die scheuen Tiere die meiste Oberflächenaktivität zeigen, auch von vielen erholungssuchenden Menschen frequentiert wird.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Marchfeldkanals zeigt sich ein ernüchterndes Bild. Entgegen der kommunizierten Darstellung, stehen für die Ziesel jenseits der Brücke offensichtlich keine geeigneten Ausgleichsflächen bereit. Keine Spur von den „vielfältigen Blumenwiesen mit vielen Arten von Gräsern und Blütenpflanzen“.

Brisant: Antrag auf Ziesel-Lenken ohne Ausgleichsflächen!

Seitens der Bauträger ist man bemüht zu betonen, dass die Ziesel freiwillig auf die Ausgleichsflächen abwandern sollen. „Alle Zeitpläne sind Spekulation, wir richten uns ganz nach den Tieren“, gibt man sich gegenüber der Kronen Zeitung geduldig.

MA22 Bescheid 593 2012Ein brisanter Bescheid der Wiener Naturschutzbehörde MA 22 nährt jedoch massiv Zweifel, ob den Zieseln nördlich des Wiener Heeresspitals überhaupt Zeit zum Abwandern gegeben werden soll. Denn bereits im Februar 2012 beantragten die Bauträger bei der MA 22 die Erlaubnis zum Lenken der Ziesel auf Ausgleichsflächen durch streifenweises Bearbeiten ihres Lebensraums.

 

Doch wie aus dem Papier hervorgeht, konnten die Bauträger auf behördliche Nachfrage nicht darlegen, wohin denn die streng geschützten Tiere gelenkt werden sollen! Folgerichtig lehnte die MA 22 das offensive Ansinnen ab. Jede andere Entscheidung hätte einen veritablen Naturschutzskandal bedeutet.

Zu befürchten ist also, dass jetzt, wo Ausgleichsflächen angeblich vorhanden sind, der freiwilligen Ziesel-Abwanderung mit schwerem Gerät nachgeholfen werden soll. Angesichts eines mächtigen Pflugs werden die kleinen Tiere zwar instinktiv, jedoch keineswegs freiwillig ihren Lebensraum verlassen.

Pflügen nördlich des Wiener Heeresspitals

Bauträgerwettbewerb bereits angekündigt

Beim Wohnfonds Wien dürften jedenfalls keine Zweifel hinsichtlich der positiven Erledigung des Naturschutzrechtlichen Verfahrens beim Wiener Heeresspital und auch der freiwilligen Akzeptanz der Ausgleichsflächen durch die Ziesel bestehen. Noch im Jahr 2012 soll der Bauträgerwettbewerb zur Verbauung und damit zur unwiederbringlichen Zerstörung jenes wertvollen Lebensraums starten, wo heute noch die Ziesel und weitere streng geschützte Arten leben.

Die entsprechende Ankündigung und erste Details zu den Bauplätzen finden sich bereits auf der Website des Wohnfonds Wien.

Auftragsforschung zum Zweck der Absiedlung

Obwohl ein Ziesel-Vorkommen im Gebiet zwischen Marchfeldkanal und Brünner Straße schon seit 2006 durch die MA 22 dokumentiert ist, widmete man in 2010 einen Teil des Lebensraums kommentarlos für Wohnbau um. Weder erfolgte eine Umweltprüfung, noch wurden Alternativen geprüft, noch angesichts des drohenden Konflikts präventive Maßnahmen zum Schutz der Population gesetzt. Bereits damals standen die Ziesel in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste.

Da passt es nur allzu gut in das traurige Bild, dass man sich erst jetzt, wo die inzwischen medial bekannten Tiere einem Großbauprojekt unübersehbar im Weg stehen, mit ihnen auseinandersetzen will. Die Beauftragung zur Erforschung der Ziesel-Population erfolgte aber letztlich nur mit dem zentralen Ziel, diese abzusiedeln

Unverständlicherweise beschränken sich die Untersuchungen dabei ausschließlich auf jene Ziesel, die nördlich des Heeresspitals leben. Der Rest der großen Kolonie rund um das Heeresspital wird ausgeblendet, obwohl die Auswirkungen des Bauvorhabens mit Sicherheit über die Grundstücksgrenzen hinweg reichen.

5.400 Unterschriften für würdigen Artenschutz

Nach Expertenmeinung des Lebensministeriums würde die Verbauung des Habitats gegen geltendes EU-Recht verstoßen. Dennoch droht nun, weichgezeichnet durch professionelle PR-Inszenierungen, die riskante Vertreibung der massiv vom Aussterben bedrohten Ziesel und der ebenfalls dort ansässigen, streng geschützten Feldhamster aus ihrem funktionierenden Lebensraum.

Die überparteiliche Bürgerinitiative IGL Marchfeldkanal fordert Priorität für den Artenschutz, ohne Wenn und Aber! Daher treten wir gemeinsam mit bereits 5.400 Unterstützern für die Einrichtung eines Naturschutzgebietes auf sämtlichen unverbauten Flächen rund um das Wiener Heeresspital ein.

Unterschreiben auch Sie!

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Ernst Gruber von InselTV hat der Bürgerinitiative IGL Marchfeldkanal freundlicherweise ein weiteres sehenswertes Video von der sensationell besuchten Ziesel-Mahnwache, die am Samstag den 2. Juni 2012 stattfand, zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür!

(C) Ernst Gruber, inseltv.at

Frau Dr. Ilse Hoffmann (Universität Wien) betonte gegen Ende der Veranstaltung in einem spontanen Statement (O-Ton), dass es beim Wiener Heeresspital definitiv zu keiner Ziesel-Umsiedlung kommen wird.

Es wird definitiv nicht umgesiedelt. Es gibt einen Aktenvermerk in der MA22, dass über Erfolge von Ziesel-Umsiedlungen zu wenig bekannt ist, vor allem gar nichts positives bekannt. Es wird nicht umgesiedelt.

„Umsiedeln“ meint jedoch nicht dasselbe wie „Umlenken“: Bereits im Vorfeld der Mahnwache wurden, begleitet von medialem Trommelwirbel, die Pläne zur Umlenkung der nördlich des Wiener Heeresspitals lebenden Ziesel und Feldhamster auf „Ausgleichsflächen“ bekräftigt. Wie sich zahlreiche Teilnehmer der ökologischen Führung persönlich überzeugen konnten, drängen sich geeignete Kandidaten für solche Ersatzflächen nicht mit freiem Auge auf.

Medienberichte

Weitere Berichte zur Ziesel-Mahnwache finden sich auf der Medienschau-Seite, wobei wir ganz besonders auf die eindringliche Kolumne von Frau Maggie Entenfellner hinweisen möchten.

Bemerkenswert an der Medienberichterstattung anläßlich der „Präsentation“ der Ausgleichsflächen durch die Bauträger ist außerdem, dass sich Frau Dr. Ilse Hoffmann von einigen Zitaten, die ihr in den Medien unterstellt wurden, mittlerweile in einem persönlichem Kommentar energisch distanziert hat.

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An die 400 Menschen waren am 2. Juni 2012 zur Ziesel-Mahnwache nach Stammersdorf gekommen um vor Ort gegen die drohende Verbauung eines der letzten Wiener Ziesel-Habitate zu protestieren. Die große Teilnehmerzahl an der von der überparteilichen Bürgerinitiative IGL Marchfeldkanal organisierten Veranstaltung unterstreicht eindrucksvoll, wieviele Wienerinnen und Wiener den empörenden Umgang mit den Zieseln am Marchfeldkanal nicht einfach hinnehmen wollen.

Zieselwache - Publikum vor Beginn; (c) IGL Marchfeldkanal

Neun hochkarätige Sprecherinnen und Sprecher beleuchteten in ihren interessanten Beiträgen die Problematik der Heeresspital-Ziesel aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. Die aufrüttelnden und teils sehr emotionalen Reden hatten die unabdingbare Notwendigkeit von Tier- und Naturschutz, das besondere Schutzbedürfnis der Ziesel, die aufklärungsbedürftigen Vorgänge rund um die Heeresspital-Flächenwidmung, Fehlentwicklungen in der Stadtplanung und Solidarität zwischen Bürgerinitiativen zum Inhalt. Allen gemeinsam war das eindringliche Plädoyer die Ziesel in ihrem angestammten Lebensraum zu schützen.

Gabriele Krenn - IGL-Marchfeldkanal; (c) IGL Marchfeldkanal Dipl.-Ing. Herbert Loder - IGG Gerasdorferstr. 153; (c) IGL Marchfeldkanal Dr. Barbara Herzig - Zieselexpertin iR; (c) IGL-Marchfeldkanal

Mag. Elisabeth Thomas - Wiener Tierschutzverein; (c) IGL-Marchfeldkanal Mario Wanderer - Naturfotografie; (c) IGL Marchfeldkanal Rosemarie Schreiner-Lein - WHA Gerasdorferstr. 55; (c) IGL-Marchfeldkanal

Mag. Mathias Sturm, MAS - Initiative Mühlweg; (c) IGL Marchfeldkanal Mag. Evelyn Weber - Verkehrsinitiative Donaufeld; (c) IGL-Marchfeldkanal Mag. Helmut Bauer - IGL Marchfeldkanal; (c) IGL Marchfeldkanal

Unter dem Eindruck des Gesagten ergriff gegen Schluss sogar die anwesende Frau Dr. Ilse Hoffmann (Universität Wien) – sie ist von den Bauträgern mit der Evaluierung und Durchführung von Ziesel-Lenkungsmaßnahmen auf Ausgleichsflächen beauftragt – das Wort um sich mit Klarstellungen an das Publikum zu wenden.

Dr. Ilse Hoffmann - Universität Wien; (c) IGL-Marchfeldkanal   Dr. Ilse Hoffmann und Dr. Barbara Herzig; (c) Andrea Mayrhofer, MAS

Als musikalisches Rahmenprogramm wurde das Kindermusical „SoKo Ziesel“ uraufgeführt. Unter der Leitung von Mag. Renate Schütz, aus deren Feder sowohl Musik als auch Text des Werkes stammen, präsentierten rund ein Dutzend Kinder und Jugendliche dem Publikum eine durch und durch begeisternde Darbietung des außergewöhnlichen Stücks.

(C) Ernst Gruber, inseltv.at

Viele Anwesende nutzten die Möglichkeit sich am Infostand rund um das zentrale Thema der Veranstaltung zu informieren und zum Schutz der Ziesel und Feldhamster beim Wiener Heeresspital zu unterschreiben. Ein weiterer Publikumsmagnet war das IGL-Buffet, wo man sich gegen eine freiwillige Spende mit Kaffee, Kuchen und weiteren Köstlichkeiten stärken konnte. Zudem bot die Ziesel-Mahnwache auch ein ideales Forum sich in persönlichen Gesprächen zu vernetzen und Kontakte für künftige gemeinsame Aktivitäten zu knüpfen.

Mag, Birgitta Bauer - IGL Marchfeldkanal; (c) IGL Marchfeldkanal Zieselwache - Infostand; (c) IGL Marchfeldkanal Zieselwache - Buffet; (c) IGL Marchfeldkanal

Auch die abschließende ökologische Führung rund um das Habitat der Ziesel und Feldhamster fand regen Anklang. Eine Vielzahl der Besucher nutzte die Gelegenheit von fachkundiger Seite mehr über die ökologischen Besonderheiten des bedrohten Ziesel-Habitats und des Marchfeldkanals zu erfahren. Zum spontanen Gaststar geriet ein neugieriger Biber, der just in jenem Augenblick vorbeischwamm, als über ihn und seine Artgenossen gesprochen wurde.

Ökologische Führung - Inge Konradi Gasse; (c) Mario Wanderer Ökologische Führung - Marchfeldkanal; (c) Mario Wanderer Marchfeldkanal-Biber bei Ökologischer Führung; (c) Mag. Gerhard Jordan

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal bedankt sich bei allen Mitwirkenden sehr herzlich für die engagierte Unterstützung! Unser besonderer Dank gilt Frau Renate Schütz und ihrem jungen Team für die Aufführung von „SoKo Ziesel“. Ebenfalls bedanken möchten wir uns bei der Firma Ströck für die großzügige Gebäckspende, den Floridsdorfer Grünen für die Bereitstellung der Infrastruktur und organisatorische Unterstützung im Vorfeld sowie bei den zahlreichen Fotografen für die kostenfreie Bereitstellung ihrer Bilder.

Ganz speziell möchten wir uns natürlich bei jenen Menschen bedanken, die den allerwichtigsten Beitrag zum Erfolg der Veranstaltung geleistet haben, den teilnehmenden Bürgerinnen und Bürgern.

Ohne ihr Kommen wäre die Ziesel-Mahnwache nicht das geworden, was sie war: Ein unübersehbares Signal an die Wiener Politik die Ziesel und Feldhamster beim Wiener Heeresspital keinen weiteren Risiken auszusetzen und stattdessen das gesamte Biotop rund um das Heeresspital als Naturschutzgebiet zu widmen.

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Ziesel-Mahnwache am 2.6.2012

Purem Glück ist es zu verdanken, dass die Ziesel beim Wiener Heeresspital den Baggern entkommen sind. Dennoch blicken sie in eine äußerst düstere Zukunft.

Obwohl europaweit streng geschützt und in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste, sollen die Tiere einem Monsterbauprojekt weichen, bei dessen Planung man keine Rücksicht auf das längst bekannte Ziesel-Vorkommen nahm.

Mit enormem Druck verfolgt man weiterhin das Ziel, die Ziesel aus ihrem funktionierenden Lebensraum abzudrängen. Naturschutz hin oder her – die 1.000 Wohnungen nahe dem Marchfeldkanal sollen in vollem Umfang realisiert werden.

Zahlreiche Studien ähnlicher Fälle warnen: Die beabsichtigten Eingriffe gefährden massiv den langfristigen Fortbestand des zwischen Brünner Straße und Marchfeldkanal eingekesselten Relikt-Reservats. Auch würde nach Expertenmeinung des Lebensministeriums die Realisierung des Vorhabens gegen geltendes EU-Recht verstoßen.

Aufruf zur Ziesel-Mahnwache

Für die Ziesel und die ebenso streng geschützten Feldhamster beim Wiener Heeresspital ist es fünf vor zwölf:

Kleinreden, Herunterspielen, Beschwichtigen, Pflügen und Lenken sind keine tauglichen Instrumente für ihren nachhaltigen Schutz.

Aus Protest gegen diesen zutiefst empörenden Umgang mit dem Artenschutz, ruft die überparteiliche Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal zu einer Mahnwache vor Ort auf.

Wir fordern die Errichtung eines Naturschutzgebietes auf den Flächen am und rund um das Wiener Heeresspital. Nur so kann der immense wirtschaftliche Druck, der unweigerlich zum Erlöschen der streng geschützten Ziesel- und Hamster-Populationen führen wird, ein für alle Mal gebannt werden.

Wann: Samstag, 2. Juni 2012, 15:00 Uhr
Wo:     Ecke Weilandgasse / Johann-Orth-Platz, 1210 Wien

Ziesel-Mahnwache am 2..6.2012

Ablauf: Es erwartet Sie ein interessantes Programm mit hochkarätigen Sprechern, Kostenproben aus einem neuen Ziesel-Musical und eine fachkundige ökologische Führung. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Ankündigung.

Anreise: Mit der Straßenbahnlinie 31 bis Endstation Stammersdorf oder mit dem Fahrrad. Falls sie mit dem PKW kommen, bitte z.B. entlang der Johann-Weber-Straße parken, am Johann-Orth-Platz kann während der Mahnwache nicht geparkt werden.

Selbstverständlich findet die Mahnwache bei jedem Wetter statt. Von zahnlosem Schönwetter-Naturschutz, beschränkt auf die virtuellen Welten aufwändiger Hochglanzbroschüren, haben wir genug.

Ihre Teilnahme ist entscheidend!

Senden wir gemeinsam ein unübersehbares Signal, dass der Schutz von bedrohten Arten und Lebensräumen Priorität gegenüber wirtschaftlichen Interessen haben muss! Anders als beim Wiener Heeresspital, muss Artenschutz pro-aktiv im Zuge von Planungen stattfinden und nicht erst im Nachhinein zur bloßen Schadensbegrenzung auf Kosten geschützter Arten und deren Lebensräume.

Ihre Teilnahme an der Ziesel-Mahnwache kann dazu beitragen, die wertvollen Biotope am Marchfeldkanal rund um das Wiener Heeresspital vor einer Verbauung zu bewahren und so den Fortbestand der dort ansässigen Ziesel- und Hamster-Kolonie zu sichern. Kommen auch Sie hin!

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Beim Wiener Heeresspital lebt eine der letzten großen Ziesel-Kolonien Österreichs. Obwohl ihre Existenz schon Jahre dokumentiert war, wurden Teile des Habitats – ohne Berücksichtigung der streng geschützten Ziesel – in Bauland umgewidmet.

Da man seitens der Politik unverändert an der Errichtung von fast 1.000 Wohnungen festhält, drohen nun Eingriffe in den Lebensraum der zwischen Marchfeldkanal und Brünner Straße eingekesselten Tiere, deren absehbare Risiken und Folgen in der Fachwelt längst außer Zweifel stehen.

Dichtes Ziesel-Vorkommen spätestens seit 2007 bekannt

Aus dem Ziesel-Gutachten von 2011 geht hervor, dass im August 2007 am Gelände des Wiener Heeresspitals durch die Wiener Umweltschutzabteilung MA22 und die Universität Wien eine dichte Ziesel-Population festgestellt wurde. „Auf einen Blick waren mehrere Tiere sichtbar“, heißt es darin. Wortwörtlich sprach man seitens des Bundesheeres sogar von einer „Zieselplage“.

Soweit bekannt, wurden in der Folge keine Präventivmaßnahmen eingeleitet um das entdeckte Großvorkommen näher zu erforschen und dem drohenden Konflikt in einem Zielgebiet der Wiener Stadtentwicklung frühzeitig – noch vor ersten Investitionen – entgegen zu wirken.

Bereits seit 2006 weist das Wiener Arten- und Lebensraumschutzprogramm „Netzwerk Natur“ im Gebiet des Heeresspitals das Vorkommen der naturschutzrechtlich „prioritär bedeutenden“ Ziesel als bestätigt aus, was wohl auf Grundlage einschlägiger Beobachtungen erfolgt sein wird.

Flächenwidmung ohne Umweltprüfung

Im Februar 2010 beschloss der  Wiener Gemeinderat eine abgeänderte Flächenwidmung, die auch auf Teilen des Heeresspital-Areals, also dort wo die Ziesel-Population längst dokumentiert war, Wohnbau vorsieht. In den Begleitunterlagen zum Plandokument 7906 wurden die streng geschützten Ziesel jedoch mit keinem Wort erwähnt. Weder im Erläuterungsbericht zur öffentlichen Auslage, noch im Vorlagebericht zur Beschlussfassung, wird auf den absehbaren und planungsrelevanten Konflikt mit dem Artenschutz hingewiesen. Statt einer Umweltprüfung wurde lediglich ein „Screening“ durchgeführt, dessen Ergebnis die Berichte unter „Umwelterwägungen“ so zusammenfassen:

Durchwegs keine bis positive Auswirkungen konnten dabei den Schutzgütern „Biologische Vielfalt“, „Bevölkerung“, „Gesundheit“, „Fauna und Flora“, „Boden und Wasser“ sowie „Landschaft“ zugeordnet werden.

Angesprochen auf die offensichtliche Absenz der Ziesel in den Dokumenten, erklärte der zuständige leitende Beamte (MA 21B) gegenüber dem „Kurier“:

„Der Bericht der Kollegen ist wohl unter den Tisch gefallen.“

Heeresspital-Verbauung ist Teil des Bauprojekts

Bebauung beim Wiener Heeresspital - Stand Mai 2011

Seitens der Behörden wird betont, dass man von den Zieseln am Areal nördlich des Wiener Heeresspitals bis vor kurzem keine Kenntnis hatte, sondern nur von der Population innerhalb des Heeresspital-Areals wusste. Diese Argumentation geht jedoch ins Leere, denn aus den Widmungsunterlagen geht in fetten Lettern hervor, dass 140 Wohneinheiten auf Flächen des Wiener Heeresspitals, d.h. im damals bereits dokumentierten Ziesel-Habitat, zur Errichtung gelangen könnten.

Dass diese Planungen keineswegs abstrakt, sondern sehr konkret sind, zeigt zudem jene Kubatur, die im Mai 2011 bei einer Informationsveranstaltung offiziell vorgestellt wurde. In der präsentierten Visualisierung sind klar drei Objekte zu erkennen, die am heutigen Areal des Heeresspitals positioniert und aufgrund der gewählten Farbgebung offensichtlich Teil des beabsichtigten Gesamtprojekts sind.

Im Juli 2010, also nach Widmungsbeschluss und 10 Monate vor der öffentlichen Projektpräsentation, besichtigten Vertreter der MA 22 und der Uni Wien erneut das Areal des Wiener Heeresspitals und stellten dabei eine anhaltend dichte Ziesel-Population fest. Offenbar bewirkten diese Beobachtungen in der Folge jedoch keine Adaptierungen der Projektpläne.

Kritik an „Turbo“-Widmung

Schon vor Beschluss der Widmung wurde die ungewöhnliche, selbst auferlegte Eile bei der Begutachtung des Großprojekts kritisiert. In nur zehn Arbeitstagen des Augusts 2009, d.h. mitten in der Urlaubszeit, sollten von anderen Behörden Stellungnahmen zum Plandokument an die MA 21B abgegeben werden. So könnte es ein Hinweis auf den seinerzeitigen Zeitdruck sein, dass der von der MA 21B verfasste Erläuterungsbericht und die Stellungnahme der Wiener Umweltanwaltschaft, das gleiche Datum, nämlich den 24. August 2009, tragen, der zugleich auch der letzte Tag des vorgegebenen Zeitfensters war.

Ziesel-Vorkommen sind planungsrelevant

Die Ziesel stehen in Österreich an erster Stelle der Roten Liste. Sowohl die Tiere selbst, als auch ihre Lebensräume, sind nach der EU-FFH-Richtlinie und dem Wiener Naturschutzgesetz am gesamten Stadtgebiet streng geschützt. U.a. sind absichtliche Störungen, Fangen und Transportieren, absichtliches und unabsichtliches Töten der Tiere sowie Beschädigungen ihrer Fortpflanzungs- und Ruhestätten verboten.

Für erhebliche Habitats-Eingriffe bedarf es Ausnahmegenehmigungen, deren Erteilung aber nur für tatsächliche Ausnahmesituationen vorgesehen ist, d.h. keineswegs der Regelfall sein kann. Notwendige Voraussetzungen sind u.a. überwiegendes öffentliches Interesse, nachweisliche Prüfung von Alternativen und ein günstiger Erhaltungszustand der betroffenen Population.

Keiner dieser drei Gründe trifft jedoch auf das Projekt beim Wiener Heeresspital zu. Die dokumentierte Ziesel-Population wurde in den Planungen nicht berücksichtigt, d.h. aus Sicht des Artenschutzes keine Alternativen geprüft und es besteht auch kein öffentliches Interesse genau im Lebensraum einer vom Aussterben bedrohten Art Wohnbau zu betreiben. Auch ist der Erhaltungszustand der Relikt-Kolonie aufgrund ihrer isolierten Situation, ohne den vital notwenigen Austausch mit anderen Ziesel-Populationen, inhärent ungünstig.

Verbauung der Radio Austria Gründe wurde abgesagt

Es waren wohl die oben genannten Gründe, die im Jahr 2005 die Verbauung der ehemaligen Radio Austria Gründe verhinderten. Auf dem acht Hektar großen Areal in Wien-Favoriten, also vergleichbar zum Projekt beim Wiener Heeresspital, war der Fortbestand einer Ziesel-Kolonie durch ein Bauprojekt bedroht. Auf Antrag der SPÖ fasste der Wiener Gemeinerat den einstimmigen Beschluss, die Ziesel in ihrem Lebensraum zu schützen und die Planungen zu verwerfen.

Priorität für Ziesel- und Feldhamster-Schutz

Bedauerlicherweise ist die Situation rund um die Ziesel und  die ebenso streng geschützten Feldhamster beim Wiener Heeresspital verfahren. Naturgemäß stehen die involvierten Bauträger unter großem wirtschaftlichem Druck das Bauprojekt in der beabsichtigten Form durchzuziehen, denn es wurden bereits enorme Geldbeträge investiert, vermutlich ohne Kenntnis der großen Ziesel-Population im Widmungsgebiet.

Zudem ist zu bezweifeln, dass der Widmungsprozess beim Heeresspital optimal gelaufen ist. Wann und in welcher Projektphase  wären konkrete naturschutzrechtliche Maßnahmen zum Schutz der Ziesel und Feldhamster ergriffen worden? Am Feld nördlich des Heeresspitals wurden schon vor Widmungsbeschluss bei Stichproben mögliche Hinweise auf Ziesel- oder Hamsterbaue entdeckt und im Jahr 2010 wurde das dort befindliche Feldhamster-Vorkommen im Auftrag der MA 22 kartiert.

Aus Sicht der Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal muss der strenge Schutz der vom Aussterben bedrohten Ziesel und der Feldhamster Priorität haben. Wir appellieren daher an die Politik eine Lösung im Interesse der Tiere zu finden und sie vor riskanten Eingriffen in ihren Lebensraum mit ungewisser Perspektive zu bewahren.

Um den nachhaltigen Schutz der Tiere zu gewährleisten, tritt die IGL-Marchfeldkanal für die Einrichtung eines geeigneten Naturschutzgebietes auf den Flächen am und rund um das Wiener Heeresspital ein. Bereits 4.300 Menschen unterstützten diese Forderung mit ihrer Unterschrift. Unterschreiben auch Sie!

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