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Ziesel-Demo-2016-04-03

Ziesel sind europaweit streng geschützt und stehen in Österreich auf der Roten Liste ganz oben. Doch beim Wiener Heeresspital geht es jetzt einem großen Vorkommen an den Kragen. Ab April werden dort Baumaschinen anrücken [1] um große Teile des Oberbodens abzutragen und damit Lebensraum unwiederbringlich zu zerstören.

Damit fallen nun im Wiener Ziesel-Skandal endgültig die scheinheiligen Masken. Denn allen penetranten PR-Inszenierungen zum Trotz, sind die herzigen Nager nicht vom Bauland nördlich des Heeresspitals abgewandert, sondern haben sich ausgebreitet. Neue juristische Winkelzüge einer völlig eingeschüchterten Naturschutzbehörde sollen nun der mit der Politik eng vernetzten Baulobby dennoch zu einem Baubeginn verhelfen.

Zugleich poltert die Wiener SPÖ vom Bürgermeister abwärts gegen den Schutz der Ziesel [2], deren Großvorkommen beim Heeresspital schon vor Planungen und Investitionen amtsbekannt war [3], aber seitdem beharrlich ignoriert wurde. Obwohl dazu verpflichtet, will man offenbar das strenge Naturschutzgesetz nicht mehr exekutieren und freundschaftlichen Profit an dessen Stelle treten lassen. Selbstredend mischt auch die skandalgebeutelte SPÖ-nahe Sozialbau, die zuletzt mit fürstlichen Gagen erneut in die Schlagzeilen geraten war [4], beim Heeresspital mit.

Hingegen zeichnen ungenutzte Flächenwidmungen im Ausmaß von 33.000 Wohnungen [5] und 2,3 Mio. Quadratmeter Bauland im direkten Besitz der Stadt Wien [6]ein drastisches Bild politischen Unvermögens, freilich ohne dass dies zu selbstkritischer Reflexion der Verantwortlichen führen würde. Angesichts solch üppiger Voraussetzungen kann jedenfalls weder die angespannte Situation am Wiener Wohnungsmarkt auf die streng geschützten Ziesel abgewälzt werden, noch das Projekt beim Heeresspital alternativenlos sein.

Bis hierher und nicht weiter – Sofortiger Baustopp!

Gegen die empörende und rücksichtslose Offensive der Stadt Wien gegen die Ziesel beim Heeresspital formiert sich nun massiver ziviler Widerstand auf allen Ebenen [7].

Als Sofortmaßnahme fordern die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal und ihre Unterstützer, die sich gemeinsam schon seit Jahren für den Ziesel-Schutz einsetzen, einen sofortigen Baustopp beim Heeresspital.

Erst wenn die EU-Kommission, die derzeit eine entsprechende Beschwerde der IGL-Marchfeldkanal im Detail prüft, trotz der haarsträubenden neuen Wiener Bescheide tatsächlich zur Einschätzung gelangen würde, dass das Vorgehen beim Heeresspital artenschutzrechtlich einwandfrei wäre, darf über eine Wiederaufnahme behutsamer Lenkungsmaßnahmen überhaupt erst wieder nachgedacht werden.

Jetzt entschieden Zeichen setzen – Demo am 3. April 2016

Am Sonntag, dem 3. April 2016, findet eine Demonstration gegen den unmittelbar bevorstehenden Oberbodenabtrag und für einen sofortigen Baustopp beim Heeresspital statt.

Treffpunkt ist um 14:30 Uhr bei der Endstation der Straßenbahnlinie 31, Bahnhofplatz/Stammersdorf.

Ort der Demo ist beim Zieselfeld, Ecke Gaswerkstraße / Jane-Tilden-Gasse, 1210 Wien.

Ansprachen

Folgende Vertreter von Politik und NGOs haben freundlicherweise einen Redebeitrag zur Darlegung ihrer Positionen zugesagt:

  • Madeleine Petrovic, Präsidentin Wiener Tierschutzverein
  • Udo Guggenbichler, Umweltsprecher FPÖ Wien
  • Rüdiger Maresch, Umweltsprecher Grüne Wien
  • Elisabeth Olischar, Umweltsprecherin ÖVP Wien
  • Bettina Emmerling, Umweltsprecherin NEOS Wien
  • Hans Jörg Schimanek, WIFF
  • Tom Putzgruber, Verein Respektiere

Nehmen Sie mit Familie, Freunden und Bekannten teil um entschieden gegen die verheerenden Zerstörungen im Ziesel-Habitat zu protestieren. Gemeinsam setzen wir ein unmissverständliches Zeichen gegen den politisch gewollten, inakzeptablen Umgang mit streng geschützten Tierarten in Wien!

SMS-Kette koordiniert wirksame Protestaktionen

Sobald beim Heeresspital die Baumaschinen auffahren, werden vor Ort – im Rahmen der Legalität – wirksame Protestmaßnahmen stattfinden. Entsprechende Vorbereitungen wurden bereits getroffen. Wenn Sie an den Aktionen gegen unwiederbringliche Vernichtung von wertvollem Lebensraum und gegen vorsätzliche Gefährdung streng geschützter Ziesel aktiv mitwirken möchten, tragen Sie sich bitte in den dazu eingerichteten SMS-Verteiler ein.

Beitreten zum SMS-Verteiler

Real-Time-Infos in Facebook-Gruppe “Rettet die Ziesel”

Damit alle Ziesel-Unterstützer immer am letzten Stand sind, werden in der Facebook-Gruppe Aktion “Rettet die Ziesel” laufend aktuelle Infos gepostet. Bitte laden Sie auch Ihre Freunde in die Gruppe ein und teilen Sie die Ziesel-Demo auf Facebook.

Facebook “Rettet die Ziesel”

Heute noch die Ziesel – aber morgen schon …. ?

Das rücksichtslose Vorgehen Wiens gegen die Allerschwächsten im Stadtgebiet macht Angst. Wenn der Stadtregierung bei der Vernichtung wertvoller natürlicher Ressourcen ohne zwingende Not nicht Einhalt geboten wird, dann haben Rechtssicherheit, Respekt und Fairness ihre Zukunft hinter sich und Wien steuert düsteren Zeiten politischer Willkür entgegen.

Darum: Bis hier her und nicht weiter! Der Kampf um die Ziesel ist auch ein Kampf um eine lebenswerte Zukunft für Wien und geht uns alle an. Seien Sie dabei!

Referenzen

[1] Kurier, 17.2.2016: Umweltamt verteidigt Baggerungen auf Ziesel-Grund

[2] Kurier: 13.3.2016: Ruhephase der Ziesel hat bald ein Ende

[3] Kurier: 1.12.2011: Ziesel-Streit in der Verlängerung

[4] Die Presse, 11.3.2016: Sozialbau: Höhere Gagen als erlaubt

[5] Die Presse, 12.2.2016, Wohnbau: Genug Flächen, zu wenig Bauten

[6] wien.gv.at, 30.6.2015, 68. Wiener Gemeinderat (25)

[7] kurier.at, 24.3.2016, Streit um die Ziesel verlagert sich auf die Straße

Wie zuletzt durch die EU-Kommission von höchster Stelle bestätigt, verlief die Ziesel-Absiedlung beim Wiener Heeresspital bisher erfolglos. Ungeachtet dessen starten dort bald – direkt im Lebensraum der streng geschützten Ziesel und entgegen der Vorgaben eines früheren Bescheids – erste Baggerarbeiten um den Oberboden abzutragen und so unumkehrbar Fakten zu schaffen.

Ermöglicht wird dies durch beispiellose Bescheide der Wiener Umweltbehörde MA 22, die sogar die brutale Zerstörung bewohnter Zieselbaue gestattet. Das am Papier äußerst restriktive Wiener Naturschutzgesetz wurde, zugunsten des Profits von Bau- und Finanzlobby, de facto entsorgt. Die nun genehmigten Zerstörungen entsprechen weitgehend den schon im Sommer 2015 publik gewordenen, jedoch vor der Wien-Wahl noch scheinheilig abgestrittenen, Plänen.

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Seit Bekanntwerden des behördlich abgesegneten, schamlosen Frontalangriffs gegen jene Tierart, die in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste rangiert, formiert sich in den sozialen Netzwerken, energischer Widerstand. Zur Koordination wirksamer Protestmaßnahmen für jenen Tag, an dem die Bagger anrücken, haben Aktivisten u.a. eine SMS-Kette ins Leben gerufen. Zahlreiche aufgebrachte Bürger haben sich bereits in den Verteiler eingetragen.

Am Sonntag, dem 3. April 2016, wird eine Protestkundgebung stattfinden. Treffpunkt um 14:30 am Bahnhofsplatz, Endstation Linie 31, Wien-Stammersdorf.

Kein Ziesel kommt zu Schaden – oder?

Im April bzw. Juni 2016 (vor bzw. nach der Jungenaufzucht) darf laut Genehmigung der MA 22 eine 30cm dicke Bodenschicht abgetragen werden. Sollten sich Ziesel weigern ihre Baue zu verlassen, werden die Baue rücksichtlos schichtweise weggebaggert – solange bis die Tiere die Flucht ergreifen müssen. Auf Teilen der Ausgleichsflächen, wohin die Tiere bis dato ihren Weg nicht gefunden haben, sollen Ersatzröhren vorgebohrt werden. Die wegen ausgebliebener Mahd im letzten Jahr von der betroffenen Fläche bereits verschwundenen Tiere kamen dort jedenfalls nicht an.

Wie man Wiens restriktives Naturschutzgesetz spielerisch aushebelt

Wie gelang es der Behörde nun, einen neuen, für die Bauträger günstigeren Bescheid für das selbe Projekt auszustellen? Ein Vorhaben darf bei unveränderter Ausgangslage nämlich nicht einfach so oft eingereicht werden, bis der erteilte Bescheid Politik und Baulobby genehm ist.

Zunächst kommt hier die bei größeren, UVP-pflichtigen, Projekten explizit verbotene “Salami-Taktik” zur Anwendung: Das Projekt wird in separate Teile zerstückelt, beantragt wird der Bodenabtrag vorerst nur für ca. ⅓ der Gesamtfläche – und voila, die Anzahl der betroffenen Tiere erscheint mit 10 (statt 270) verschwindend klein im Vergleich zur Gesamtpopulation von 900 Tieren beim Heeresspital, und die Auswirkungen des Eingriffs somit als gering. Damit kann die Behörde auch fröhlich die von der aktuellen Einreichung nicht erfassten Teile der Projektfläche, die natürlich auch ein Ablaufdatum haben, als nicht betroffenen Ziesellebensraum anführen:

„Die Baufeldfreimachung betrifft ca. 1,1 ha (ca. 5 bis 10 Ziesel- oder Hamsterbaue). Auf der Fläche nördlich des Heeresspitals gibt es noch ca. 5 ha weiteren Lebensraum (ca. 250 Baue), die von den gegenständlichen Maßnahmen nicht betroffen sind.“

..und darüber hinaus den ORF-Zusehern via ZIB 2 landesweit die freudige Botschaft aus Wien überbringen, dass im April Vorarbeiten „auf jenem Teil des Grundstückes, wo ohnehin kaum Zieselbaue sind“ begonnen werden können.

Ignoriert wird dabei, dass ein Jahr zuvor noch ca. 45 Ziesel nachgewiesen auf dieser Fläche lebten und der Bestand nur aufgrund gezielt unterlassener Mahd stark gesunken ist (durch den Bescheid 2013 explizit untersagt!).

Herbeigeredeter Zieselboom in Wien

Das Wiener Naturschutzgesetz lässt Ausnahmebewilligungen ausdrücklich nur dann zu, wenn der Erhaltungszustand der betroffenen Tierart vor und nach Durchführung von Eingriffen günstig ist. Diese notwendige Voraussetzung trifft für das Ziesel zweifelsfrei nicht zu, weswegen die Wiener Behörde sämtliche Anträge der Bauträger umgehend zurückweisen hätte müssen. Denn erst im Vorjahr wurde von der Republik Österreich, im Rahmen verpflichtender Reportings, für das Ziesel der schlechtest mögliche Zustand, nämlich „U2(-) – Unfavourable Bad, mit negativer Aussicht“, an Brüssel gemeldet.

Dieses Problem wurde jetzt auf typisch wienerische Art gelöst – man redet die Realität schön, und betreibt Jubel-PR. Tatsache ist, eine 2014/15 durchgeführte Zählung der Wiener Ziesel hat eine Anzahl von 9500 Tieren ergeben, während 2002-2005 durchgeführte Erhebungen 4500-6500 Tiere schätzten

Auch wenn noch so sehr quer durch alle Medien über ein gigantisches Wachstum und den guten Erhaltungszustand der Ziesel in Wien frohlockt wird, wahr und seriös wird dadurch diese Behauptung dennoch nicht, denn selbst die für die alte Schätzung verantwortliche Expertin Dr. Ilse Hoffmann meint, dass die beiden Zahlen wegen unterschiedlicher verwendeter Verfahren nicht vergleichbar seien, und es “reichlich gewagt” sei, von einem Anwachsen zu sprechen. Die einzige zwischen den Zählungen tatsächlich vergleichbare Größe ist der besiedelte Lebensraum, und dieser ist – wie die Behörde selbst im Bescheid eingesteht – geschrumpft.

Aus Fehlern nichts gelernt

Bereits der Bescheid aus dem Jahr 2013 stand europarechtlich auf äußerst schwachen Beinen, Die IGL-Marchfeldkanal legte Beschwerde bei der EU-Kommission ein. Anstatt ihre Fehler zu korrigieren, setzt die Behörde nun weitere drauf.

Die uns zur Verfügung gestellten Unterlagen enthalten keine Hinweise auf die korrekte Durchführung einer artenschutzrechtlichen Prüfung. Weder wurden alternative Standorte für das Bauprojekt geprüft, das ohne Zweifel das Endziel des Erdabtrags ist, noch wurden die Auswirkungen der Errichtung und des Betriebs (über 2000 neue Bewohner und ihre Haustiere) auf die umgebende Zieselpopulation geprüft.

Ausnahmen nach dem Wiener Naturschutzgesetz können nur dann erteilt werden, wenn das eingereichte Projekt, unter ökonomisch zumutbaren Bedingungen, nicht einem anderen Standort realisiert werden kann. Dies ist in der Bundeshauptstadt nicht der Fall, denn allein im Eigentum der Stadt Wien befinden sich riesige 2 Mio. Quadratmeter an Bauland.

In Wahrheit können also keine zwingenden Gründe vorliegen, die Zerstörung eines der letzten großen Ziesel-Habitate für eine Verbauung überhaupt anzudenken, vor allem wenn ein Teil der Fläche über Jahre lediglich als Parkplatz genutzt werden soll.

Dennoch gelangte die MA 18 befremdlicherweise zur Erkenntnis, dass das Vorliegen zwingender Gründe öffentlichen Interesses tatsächlich gegeben sei:

„Ja, als zwingende Gründe gem. §11, Abs. 2, Z. 5, Wiener Naturschutzgesetz überwiegt aus Sicht der Wiener Stadtentwicklung das öffentliche Interesse des Gemeinwohls, also die zeitnahe Errichtung von infrastrukturell gut erschlossenem Wohnraum auf dem Areal nördlich des Heeresspitals, gegenüber dem öffentlichen Interesse der Erhaltung dauerhaft lebensfähiger Bestände.“

Absurder geht es nun wirklich nicht. Öffentliches Interesse, wonach Wohnraum zwingend am Stadtrand beim Heeresspital geschaffen werden muss, liegt schlicht und einfach nicht vor. Zahlreiche, im Einzugsbereich an der Brünner Straße errichtete, eingeschossige Supermärkte mit riesigen Parkflächen (zuletzt erst im Sommer 2015), zeugen davon, dass Flächenverbrauch, trotz gut erschlossener Infrastruktur, hier offensichtlich kein Thema ist.

Zwei widersprüchliche rechtsgültige Bescheide für dieselbe Fläche

Da kein juristischer Akt bekannt ist, der den Bescheid von 2013 außer Kraft setzen würde, existieren derzeit für die selbe Fläche zwei rechtsgültige Bescheide mit widersprüchlichen Auflagen. Während der ursprüngliche Bescheid eine Zerstörung des Lebensraums an die nachweisliche Annahme der Ausgleichsflächen durch ausreichend viele Tiere knüpft, erlaubt der neue Bescheid nun unmittelbar die Zerstörung ohne jegliche Vorbedingungen.

Die Zeit drängt: Widerstand auf allen Ebenen

Mit seinen fast 1.000 Tieren ist das Ziesel-Habitat rund um das Heeresspital eines der letzten großen Vorkommen in Österreich. Sobald die Bauarbeiten vom Rand her beginnen, werden Vibrationen, Lärm und Schmutz den verbliebenen Lebensraum der Tiere extrem beeinträchtigen und die Kolonie massiv schwächen. Die Absicht ist klar: Das Vorkommen beim Heeresspital soll abgewickelt werden, Stadterweiterungsgebiet ist Stadterweiterungsgebiet, egal, ob dort relevante Vorkommen geschützter Tierarten existieren oder nicht.

Die IGL-Marchfeldkanal wird ein solches Vorgehen der Behörde nicht einfach hinnehmen und den Versuch, eine korrekte Anwendung von Artenschutzgesetzen zu umgehen, entschieden bekämpfen.

Setzen Sie gemeinsam mit uns ein Zeichen für den Artenschutz:

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Am So, 3. April, 14:30 Uhr, findet eine Protestkundgebung gegen Lebensraumzerstörung und politisch gefällige Behördenwillkür statt.
Treffpunkt: Bahnhofsplatz, Endstation Linie 31, Stammersdorf.
Ort: Ecke Jane-Tilden-Gasse/Gaswerkstrasse. – dort sollen die Baggerarbeiten beginnen.

Für spontane Aktionen im Fall der Aufnahme von Bauarbeiten wurde eine SMS-Kette eingerichtet.

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Das Zieselvorkommen beim Stammersdorfer Heeresspital beschäftigt inzwischen auch das Europäische Parlament. Die Antwort auf eine von der Grünen EU-Abgeordneten Monika Vana eingebrachte Anfrage an die Europäische Kommission legt das ganze Desaster des Wiener Zieselschutzes offen. Sowohl zu den Umsiedlungsmaßnahmen als auch zur Benachteiligung des Vorkommens durch den Zieselaktionsplan findet die Kommission eindeutige Worte.

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War die “Umlenkung” erfolgreich?

Den Erfolg der von der Behörde genehmigten Maßnahmen zur Umsiedlung der Ziesel beim Heeresspital umschreibt die Kommission mit

Dem neuesten Bericht zufolge hat die Maßnahme bei der Umsiedlung der Ziesel noch nicht zum angestrebten Ergebnis geführt.

Diese eindeutige Aussage straft die immer wieder auftauchenden, von der PR-Agentur der Bauträger lancierten, Jubelmeldungen Lügen und ist anhand der vierteljährlichen Berichte der ökologischen Aufsicht leicht nachvollziehbar [1][2][3][4].

So hat sich der Bestand auf der Projektfläche seit 2014 kaum verändert, gleichzeitig nimmt der Bestand auf den Ausgleichsflächen nicht zu, trotz des immensen Drucks auf die Tiere durch das (absichtliche) Verbrachen lassen von beinahe der Hälfte der Projektfläche. (Der Bestand auf den Ausgleichsflächen wird erst seit 2014 erhoben). Nach wie vor leben auf der Projektfläche 10 mal mehr Tiere als auf den Ausgleichsflächen, eine Verbauung ist laut gültigem Bescheid erst möglich, wenn auf den Ausgleichsflächen gleich viele Tiere leben wie auf der Projektfläche.

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Interessantes offenbart auch ein Blick auf die Details zu den einzelnen Ausgleichsflächen. So hat die Anzahl der Zieselbaue auf der anderen Seite des Marchfeldkanals (wir erinnern uns alle an die um satte 70.000 € errichtete Zieselbrücke) nicht nur nicht zu, sondern gar von 12 auf 9 abgenommen! Wobei sich drei davon auch noch auf einer Fläche befinden die per Gerichtsbeschluss nicht als Ausgleichsfläche geführt werden darf. Böse Zungen könnten behaupten, die Ziesel seien in die falsche Richtung über die Brücke gezogen. Lediglich eine einzelne direkt an das Heeresspital grenzende Ausgleichsfläche zeigt (wie erwartet) ein langsames Anwachsen der Population auf prickelnde 13 Baue – derzeit.

Warum werden die Heeresspitalsziesel im Wiener Zieselaktionsplan benachteiligt?

Der letztes Jahr von der Stadt Wien veröffentlichte Zieselaktionsplan sollte eigentlich eine Grundlage für den langfristigen Erhalt der Ziesel in Wien bilden. Sollte, denn bereits ein kurzer Blick genügt um festzustellen, dass die Zukunftsaussichten sowie das Überleben der einzelnen Populationen mehr am seidenen Faden politischer Wünsche hängen und von diesen getragen werden als vom Erhaltungsgedanken und objektiven Schutz-Kriterien. So sieht der Aktionsplan der MA 22 für die nach dem Bisamberg mit über 800 Tieren zweitgrößte Population Wiens unverständlicherweise keinerlei Fördermaßnahmen vor, sondern nur „Ausgleichsmaßnahmen im Zuge von Bewilligungsverfahren bei allfälligen Nutzungsänderungen“. Das heißt, bei weiteren Bauprojekten in der Umgebung des Heeresspitals, soll genau so verfahren werden, wie derzeit mit lauem Erfolg beim Projekt nördlich des Heeresspitals. Nach dem Willen der Wiener Umweltbehörde sollen die streng geschützten Ziesel demnach auf Ausgleichsflächen abwandern, das Vorkommen weiter verstreut und gegebenenfalls geschwächt werden.

Die Stellungnahme der Europäischen Kommission auf die Frage, ob die Stadt einen Grund für diese Ungleichbehandlung nennen konnte:

Die Kommission weiß nicht, warum der Wiener Ziesel-Aktionsplan keine Vorschriften für aktive Fördermaßnahmen zum Schutz der Population dieser Art in der Umgebung des Heeresspitals enthält. Sie möchte jedoch darauf hinweisen, dass die Vorschriften der FFH-Richtlininie einschließlich Artikel 12, wonach ein „ein strenges Schutzsystem“ eingeführt werden muss, das u. a. ,jede Beschädigung oder Vernichtung der Fortpflanzungs-und Ruhestätten“ verbietet, durch einen nicht rechtsverbindlichen Aktionsplan nicht außer Kraft gesetzt werden kann.

Eine Benachteiligung wird also von der Kommission nicht bestritten, auch die Stadt Wien konnte dafür scheinbar keine plausible Erklärung liefern. Aus Sicht der Kommission kann aber ein mißlungener Zieselaktionsplan nicht den gesetzlich festgelegten Schutz der Tiere aushebeln.

Was ist der Stand der EU-Beschwerde?

2013 brachte die IGL-Marchfeldkanal bei der Europäischen Kommission Beschwerde gegen den nach Meinung von Experten in zahlreichen Punkten rechtswidrigen Bescheid der MA 22 ein.

Zum Stand dieses Verfahrens meint die Kommission nun:

Nach Eingang von Beschwerden einer örtlichen Bürgerinitiative hat die Kommission eine Untersuchung eingeleitet und die Wiener Behörden um Auskunft zu der Regelung gebeten. An diese erste Anfrage schlossen sich mehrere bilaterale Gespräche mit den Wiener Behörden und mit dem Beschwerdeführer an . Die Untersuchung ist zur Zeit noch in Gang, da der Informationsaustausch noch nicht abgeschlossen ist.

Das Verfahren ist also immer noch im Laufen. Ungewöhnlich dabei ist die lange Dauer der ersten Stufe des Verfahrens, der sogenannten Pilotstufe. Üblicherweise wird innerhalb weniger Monate entschieden, ob eine Vertragsverletzung seitens eines Mitgliedsstaates vorliegt und eine Mahnung folgt, oder ob die Beschwerde als unbegründet zurückgewiesen werden soll. Im Fall der Ziesel zieht sich das Pilotverfahren seit mehr als zwei Jahren, womit klar ist, dass der vorliegende Umgang mit den Zieseln keineswegs so unproblematisch ist, wie es die Wiener Umweltbehörde anscheinend gerne hätte. Möglicherweise wurde bisher nur deshalb keine Mahnung eingeleitet, weil außer unterlassener Mahd noch keine massiven Schritte, wie pflügen oder Erdabtrag, gegen die Ziesel gesetzt wurden.

Lebensraumzerstörung durch Verbuschung

Die unten stehende Grafik verdeutlicht die hinter der unterbleibenden Mahd steckende Strategie der Bauträger. Ausgehend von dem bereits 2014 nicht mehr gemähten Gebiet auf der linken (westlichen) Seite verschiebt sich die Mahdgrenze immer weiter nach rechts (östlich) Richtung Marchfeldkanal, mit dem Ziel, die Ziesel zu einer sogenannten “freiwilligen” Abwanderung zu bewegen. Doch daran wollen die Ziesel nicht denken obwohl der zieselgerecht gepflegte Teil der Projektfläche immer kleiner wird. Ein Teil trotzt diesem Zynismus und verbleibt offenbar trotz hohem Bewuchs an seinem angestammten Platz, der Rest drängt sich immer dichter auf dem gemähten Teil der Projektfläche. Dabei wird die durch den Bescheid vorgeschriebene, zieselgerecht zu pflegende, Mindestfläche von 3.6 ha eindeutig unterschritten (ca. 3 ha). Detail am Rande: die 3.6 ha ergeben sich aus der Überlappung des damaligen Vorkommens mit der Projektfläche, wobei die Tiere, die zwischen dem Baugrund und dem Marchfeldkanal leben, konsequent ignoriert wurden und werden, wohl in der phantasievollen Annahme, dass die Baustelle bzw. 1000 bewohnte Wohnungen direkt nebenan keine stören Auswirkungen auf die Tiere haben werden. Oder aber auch, weil die Bauträger nicht in der Lage waren, auch für diese ebenso in ihrem Besitz befindliche Fläche Ausgleichsflächen bereitzustellen.

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Aggressive Ignoranz seitens der Behörde lässt für das Frühjahr nichts Gutes erwarten

Auch wenn alle Aufrufe an die MA 22 eine Mahd anzuordnen bislang fruchtlos geblieben sind,  wurde letztes Jahr zumindest der für den Sommer geplante Erdabtrag in Teilen der Fläche verhindert. Vermutlich gelang dies aber nur wegen der im Herbst anstehenden Wahl in Wien. Diese ist nun, mit bekanntem Ausgang geschlagen und alles blieb – für einen gelernten Österreicher wenig überraschend – beim Alten. Nur für die Ziesel ist nun eine anstehende Wahl als Schutzfaktor weggefallen und es ist zu befürchten, dass die Lebensraumzerstörung – die 2014 und 2015 noch tabu war – diesmal durchgewunken wird. Die inzwischen großflächige Pflegeeinstellung sowie die im Herbst abgehaltenen Bauverhandlungen für die westlichsten Teilprojekte nähren stark den Verdacht, dass zumindest einen Teil der Ziesel im Frühjahr ein böses Erwachen erwarten könnte.

PS: Geschützte Tierarten „verhindern“ Bauprojekte

Wie Sie vielleicht bemerkt haben, ist in den vergangenen Tagen in verschiedenen Medien eine Reihe von nervös klingenden Artikeln erschienen, laut denen sich geschützte Tierarten auf diversen Grundstücken „breitgemacht haben“ (obwohl die Tiere dort wohl seit langem heimisch sind) und von Projektgegnern angeblich instrumentalisiert werden  (Wechselkröte beim Nordbahnhof, Juchtenkäfer beim Hörndlwald, Ziesel beim Heeresspital). Eigentlich wäre zu erwarten, dass die Anwesenheit einer geschützten Art auf einem Projektgebiet an sich ausreichend sein müsste, ein ordentliches naturschutzrechtliches Verfahren auszulösen, dessen Ergebnis in einem Rechtsstaat nicht vom Vorhandensein einer Bürgerinitiative und entsprechender Medienpräsenz abhängen sollte. Wir möchten auch darauf hinweisen, dass verpflichtende Artenscreenings vor Widmungen und größeren Projekten „überraschende“ Funde und Projektverzögerungen verhindern helfen würden.

Referenzen

[1] Zwischenbericht der ökologischen Aufsicht Q3 2012
[2] Zwischenbericht der ökologischen Aufsicht Q3 2013
[3] Zwischenbericht der ökologischen Aufsicht Q3 2014
[4] Zwischenbericht der ökologischen Aufsicht Q3 2015

[5] Anfrage von Monika Vana und Antwort der Europäischen Kommission

[6] Krone 27.6.2015: Freibrief zum Zieselmord?

[7] Seltene Tiere bremsen Stadtentwicklung
[8] Faule Politik mit putzigen Tieren
[9] Geschützte Tiere auf dem Bau

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Hatte man im Sommer vor der Wien-Wahl noch Skrupel die Ziesel beim Heeresspital einfach auszubaggern, kennt die Wiener SPÖ nur zwei Wochen nach der Wahl kein Pardon mehr und gibt grünes Licht für die Verbauung des Zieselhabitats. Am 28. Oktober schon finden die ersten Bauverhandlungen zur Errichtung eines Wohnbaus sowie 30 oberirdischen Parkplätzen auf dem westlichen Ende des Zieselfelds statt.

Dass laut Umweltbehörde MA22 derzeit keine naturschutzrechtliche Genehmigung vorliegt, die auf der Zieselfläche Bautätigkeit erlauben würde, scheint weder die Bauträger noch die Baupolizei (MA37) zu stören. Offensichtlich wurde seitens der Stadt eine baldige “Lösung” der Probleme der wartenden Bauträger auf dem Rücken der Ziesel zugesagt.

Umweltanwaltschaft am Prüfstand

Im August noch meinte die Wiener Umweltanwaltschaft in ihrer Antwort auf einen offenen Brief [1] der Grünen Floridsdorf:

“Sollten Baggerarbeiten im Bereich von bewohnten Zieselbauen beantragt werden wird sich die Wiener Umweltanwaltschaft selbstverständlich gegen eine naturschutzbehördliche Bewilligung aussprechen.”

Es ist zu befürchten, dass es nicht dabei bleiben wird.

Zieselmonitoring wegen Verbuschung nicht möglich

Im Herbst letzten Jahres wurden auf der nun zur Verbauung freigegebenen Fläche noch 11 Zieselbaue festgestellt [2]. Im Zwischenbericht der ökologischen Bauaufsicht vom Juli 2015 heisst es dann bezogen auf die seit zwei Jahren nicht gemähte Fläche:

“Es ist nicht auszuschließen, dass der extrem geringe Fangerfolg auf die viertelstündlichen Fallenkontrollen zurückzuführen ist, die, bedingt durch die schlechte Einsehbarkeit der Zonen 1, 2a und des ungemähten Teilbereichs von 2b aus nächster Nähe erfolgen müssen und so die ohnehin fallenscheuen Tiere zusätzlich abschrecken; wie überhaupt die Vegetationshöhe auf der westlichen Hälfte der Projektfläche Individuenzählungen mittels Fernglas verunmöglicht.”

Zieselexpertin Dr. Ilse Hoffmann warnt, sie könne keine Tiere zählen weil sie im meterhohen Gras nichts sieht, woraufhin die Behörde, begeistert über fehlende Zieselsichtungen, sogleich an einer Genehmigung für den Bau zu werken beginnt, ohne vorher das Grundstück mähen und objektiv überprüfen zu lassen.

Naturschutzstandards im freien Fall

Der gültige naturschutzrechtliche Bescheid von 2013 fordert einen Sicherheitsabstand von 50 Metern vom Baufeld zum nächstgelegenen Zieselbau. Man darf gespannt sein, ob dieser Abstand auch in einem in Bälde erwarteten neuen Bescheid wiederzufinden sein wird. Die Verpflichtung der Bauträger die Fläche zu mähen, die 2012 noch im Monitoring-Bescheid [3] aufscheint, sucht man in dessen Verlängerung 2014 jedenfalls vergeblich (mit der Folge, dass auf dem nicht gemähten Teil der Fläche das vorgeschriebene Monitoring kaum noch durchführbar ist).

Gespannt dürfen wir auch auf die Berücksichtigung zahlreicher anderer auf der Fläche vorkommender, ebenso streng geschützter Tierarten sein. So heisst es im Bescheid von 2013 [4] in Bezug auf die hier vorkommende streng geschützte Wiener Schnirkelschnecke:

“Die Antragstellerinnen müssen vor Beginn der in Punkt 1.8.4. der Beilage 1 beschriebenen Lenkungsmaßnahmen die Flächen nördlich des Heeresspitals von Mollusken-Fachkundigen auf das Vorkommen von Exemplaren der Kartäuserschnecke (Monacha cartusiana) und der Wiener Schnirkelschnecke (Cepaea vindobonensis, auch Gerippte Bänderschnecke genannt) untersuchen lassen und alle lebenden Exemplare im Spätsommer absammeln sowie in geeigneten Randlinienstrukturen in den Ausgleichsflächen A2, A3, A6, A7 und A8 ausbringen.”

Nachdem der Spätsommer unzweifelhaft vorbei ist, und mit dem Baubeginn angesichts der offensichtlichen Eile der Bauträger kaum bis Spätsommer 2016 abgewartet werden wird, dürfte die Behörde wohl auf “kreative” Lösungen zurückgreifen. Auch Zauneidechsen wurden von der Ökologischen Bauaufsicht trotz hohem Gras auf dem Areal mehrfach gesichtet [5], womit die bisherige Behauptung der MA22, Zauneidechsen würden vor allem auf den Marchfeldkanalböschungen leben und nur sporadisch auf der Projektfläche vorkommen, Lügen gestraft wird (die Sichtungen erfolgten fast 300m vom Marchfeldkanal entfernt).

Salamitaktik umgeht Artenschutz

Das Vorgehen von Bauträgern und Behörde ist ein Musterbeispiel der für größere Projekte explizit im Gesetz verbotenen, von Projektwerbern aber dennoch oft versuchten Salamitaktik. Um erwartete Probleme bei der Genehmigung eines Vorhabens zu umgehen, wird dieses in kleine Einzelprojekte zerlegt, von denen jedes einzelne nur geringe Auswirkungen auf die Umwelt hat, und somit ohne Schwierigkeiten genehmigt wird.

Ziesel-Vorkommen noerdlich Heeresspital Wien-Diagramm 500pxAuch beim Heeresspital wird nicht anders vorgegangen: Da die groß beworbene “freiwillige” Umsiedlung der Ziesel seit Jahren nachweisbar nicht funktionieren will, wird einfach eine Teilfläche aus dem Gesamtprojekt herausgelöst und vermutlich mit der Begründung, dass auf irgendeiner der Ausgleichsflächen doch noch einige Ziesellöcher festgestellt werden konnten, die Verbauung dieser Fläche genehmigt und vorangetrieben. Zur Erinnerung: der gültige Bescheid erlaubt Vertreibungsmaßnahmen und Bebauung erst wenn 50% der Tiere “freiwillig” übersiedelt sind.

Ein Nachweis, dass die Tiere auf der Ausgleichsfläche von der Projektfläche stammen, wie vom gültigen Bescheid verlangt, wird wohl jetzt nach der Wien-Wahl in entspannter Atmosphäre nicht mehr erforderlich sein.

Ist das dünne Naturschutz-Tarnmäntelchen der alten Bescheide zu hinderlich für die Projektdurchführung, wird es einfach in der Neuauflage weggelassen, Hauptsache, die politisch herbeigesehnte Bebauung des Areals kann ungehindert stattfinden.

Auch für vor weiteren Teile des Zieselhabitats wird dieses Vorgehen nicht haltmachen. Das Grundrezept: man mäht für zwei-drei Jahre nicht (die Mahd wurde bereits vor einem Jahr auf weiteren Flächen eingestellt), stellt dann erfreut fest, dass auf dem nächsten Baufeld kaum noch Ziesel sind, rechnet sie unter dem milden Blick der Behörde großzügig mit ein paar vereinzelten Tieren auf den Ausgleichsflächen gegen, und schon kann ein weiterer Teil des Projekts rasch gebaut werden. Im Endeffekt hat man dann den gesamten Ziesellebensraum zubetoniert, ohne gegen willfährig ausgestellte naturschutzrechtliche Bescheide zu verstoßen, jedoch auch ohne dass sich eine nennenswerte Anzahl an Zieseln auf die Ausgleichsflächen retten konnte. Für diese Art von Naturschutz braucht es keine teure Naturschutzabteilung mit eigener Stadträtin.

EU-Beschwerde noch im Laufen

Eine allzu bauträgerfreundliche Vorgehensweise kann sich für Stadt und Steuerzahler bitter rächen. Obwohl mehr als zwei Jahre vergangen sind, seit die IGL-Marchfeldkanal bei der EU-Kommission Beschwerde gegen den Bescheid[link] der MA22 eingelegt hat, konnte die Stadt die EU-Kommission immer noch nicht von der Korrektheit ihrer Vorgehensweise überzeugen. Die offensichtlich sehr unorthodoxe Auslegung der EU-Richtlinien durch Wien war jedenfalls wieder Thema bei einem kürzlichen Treffen zwischen Vertretern der EU-Kommisision und österreichischen Beamten.

Der Artenschutzkalender 2016 ist da!

Ziesel-Kalender 2016 - Coming soon!Bezaubernde Fotos von Zieseln und weiteren geschützten Tieren aus der Umgebung des Heeresspitals in ihrem natürlichen Lebensraum, stehen im Mittelpunkt dieses einzigartigen Artenschutzkalenders 2016, der ab sofort erhältlich ist!

Wir danken dem mehrfach preisgekrönten Floridsdorfer Fotografen Leopold Kanzler, dessen Werke weit über die Grenzen seines Heimatbezirks hinweg große Anerkennung finden, für die atemberaubenden Bilder.

Ziesel-Schutz kostet Geld – Bitte helfen Sie!

Der Kalender ist als Dankeschön für eine freiwillige Spende ab 8 Euro erhältlich. Eingehende Spenden werden unter anderem für Rechtsbeistand dringend benötigt. Der Artenschutzkalender 2016 ist in Wien-Floridsdorf in der Buchhandlung “Bücher am Spitz” und dem Bio-Nahversorger “Lebenskraft Natur”, sowie weiteren Partnern erhältlich. Nähere Infos finden Sie auf der Kalender-Seite.

 

Ziesel-Petition im Parlament

Auf der Homepage des Österreichischen Parlaments kann zur Zeit eine vom Abgeordneten Michael Pock (NEOS) eingebrachte Petition [6] für die Ziesel beim Heeresspital unterzeichnet werden.

Die Forderungen sind (wie auch bei unserer Petition nach dem Wiener Petitionsgesetz sowie unserer österreichweiten Sammlung von Unterstützungserklärungen – insgesamt über 12000 Unterstützer!):

  • Das Zieselhabitat im und um das Heeresspital soll unter Naturschutz gestellt werden.
  • Die Stadt Wien soll im Zuge eines Grundstückstausches eine Ersatzfläche für die Bauträger zur Verfügung stellen – sie verfügt über ca. 2Mio. m2 Baulandreserve.

Bitte unterstützen Sie die Ziesel mit ihrer Unterschrift!

Referenzen
[1] https://floridsdorf.gruene.at/themen/umwelt/offener-brief-an-die-wiener-umweltanwaltschaft

[2] https://marchfeldkanal.files.wordpress.com/2014/11/bericht_oeba_2014q3_20141015.pdf#page=3

[3] https://marchfeldkanal.files.wordpress.com/2012/06/ma22-bescheid-593-20121.pdf#page=5

[4] https://marchfeldkanal.files.wordpress.com/2013/08/flaechen_noerdlich_des_heeresspitals_bescheid_593_2012_15_04_13.pdf

[5] https://marchfeldkanal.files.wordpress.com/2015/08/bericht_oeba_2015q2_20150714.pdf#page=8

[6] http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/PET/PET_00056/index.shtml

Symbolfoto - Polizeieinsatz am Marchfeldkanal

Beim Wiener Heeresspital wird es für die Bauträger richtig eng. Denn rund um den kürzlich errichteten Zieselsteg werden nun immer mehr Tatsachen publik, die man sonst nur in einer Bananenrepublik für möglich gehalten hätte.

Einerseits bestätigte ein leitender Beamter der Baupolizei MA 37 auf Anfrage, dass es sich bei dem, in einem Landschaftsschutzgebiet befindlichen, Zieselsteg um ein bewilligungspflichtiges Bauwerk handelt und ein Verfahren derzeit im Laufen ist. Auf Nachfrage erklärte der Zuständige zudem, dass die Fertigstellung vor Erteilung der notwendigen Bewilligung für den Bauträger „Konsequenzen“ haben wird [1]. Entsprechende Anzeigen wurden bereits von mehreren Seiten eingebracht.

Andererseits wurden die Bauträger am Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen in letzter Instanz rechtskräftig wegen Besitzstörung verurteilt (Aktenzahl 36 R 11/15g). Sie dürfen kraft des Gerichtsbeschlusses jene zentrale Ausgleichfläche, wohin die Ziesel mittels der Brücke über den Marchfeldkanal gelenkt werden hätten sollen, nicht zur Ansiedlung der streng geschützten Nager verwenden [2].

Bezeichnenderweise wurde trotz Urteilsfällung zu Beginn der Arbeiten, in der Folge das Vorhaben unbeirrt weiter realisiert. Erst nachdem man den Medien den Zieselsteg als magische Lösung der Ziesel-Causa serviert hatte, wurden klammheimlich die Röhren, die auf der untersagten Ausgleichsfläche endeten, entfernt.

Ziesel verlassen Ausgleichsflächen

Indes pfeifen die Ziesel auf das sinnfreie, dafür aber sündteure Konstrukt. Während die ungeliebten Tiere sich auf der Projektfläche, wo ihr angestammter Lebensraum ist, weiterhin vermehren, ist ihr Bestand laut aktuellem Bericht der Bauträger an die MA 22 auf den Ausgleichsflächen gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel, von 15 auf 10 Baue, eingebrochen [3].

Bedenkt man, dass sich von diesen 10 Bauen gleich 5 auf jener Fläche befinden, die schon 2012, also vor Beginn der Absiedlungsversuche von Zieseln besiedelt war [5], wird das wahre Ausmaß der unterbliebenen Abwanderung sichtbar. Zum Vergleich: Auf der Projektfläche wurden 231 genutzte Bausysteme erhoben.

Wer aus diesen ernüchternden Zahlen noch immer Hoffnung auf das Gelingen der Zieselumlenkung schöpft oder darin gar einen Erfolg erkennen kann, hat schlicht ein Problem und zwar ein gewaltiges.

Durchsichtige Diffamierungen als Ablenkung vom eigenen Scheitern

Angesichts ihres totalen Scheiterns verwundert es nicht, dass die Bauträger die Schuld an der Misere anderen in die Schuhe schieben wollen. Auch Ex-Sensenmann Tony Rei, jetzt enger Verbündeter der Bauträger, sonderte haarsträubende Anschuldigungen ab. Über die Medien verdächtigte man unbescholtene Bürger und Bezirkspolitiker der „Sabotage“ des Zieselstegs und gar des „Terrors gegen Ziesel“.

Wenn jedoch ein Zaun, der bloß wenige Zentimeter tief im Erdreich fixiert war, seinen tapferen Kampf gegen die Schwerkraft verliert, können dafür – sofern es der intellektuelle Horizont zulässt – viele mögliche Ursachen in Betracht gezogen werden. Etwa dass ein Hund am Zaun zu ungestüm seine Notdurft verrichtet hat.

Trotz all der künstlichen Aufregung wollte der Geschäftsführer des Kabelwerks, Peter Fleissner, keine Anzeige einbringen. In der Tat dürfte es schwierig sein, an einem Bauwerk, das eigentlich gar nicht existieren dürfte, einen Schaden nachzuweisen. Dafür ist er zuletzt selbst in die Schlagzeilen geraten, denn gegen ihn war laut „Standard“ bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung eingebracht worden [4].

Als Erfinder der Zieselbrücke gilt übrigens Tony Rei. Nur gut zwei Jahre nachdem die Bauträger im August 2013 ein vom Naturschutzbund NÖ getestetes Röhrensystem über den Marchfeldkanal als mögliche Alternative dokumentiert hatten, zauberte er die hölzerne Sensation auf Betonfundamenten hervor, ohne dass sich die begeistert applaudierenden Bauträger an ihre ursprüngliche Einreichung bei der MA 22 erinnert fühlten. Tony gebührt dafür neidlos die goldene Sense. Auf dem Balken des Erfolgs schwebend, könnte er als nächstes eine Brücke für die Neuntöter erfinden, denn diese streng geschützte Art kommt beim Heeresspital nämlich ebenso vor.

Ziesel-Petition: Chance für Ziesel und Bauträger

Schon bald hat es die Wiener Stadtregierung in der Hand, das, durch Ignorieren des beim Heeresspital schon jahrelang amtsbekannten Ziesel-Großvorkommens, selbst verursachte Problem zu lösen und ein mögliches, von der EU-Kommission eingeleitetes Verfahren wegen Verstoßes gegen die EU-FFH-Richtlinie abzuwenden.

Tausende Wiener Bürgerinnen und Bürger haben nämlich die Petition der Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal unterschrieben, die die Festsetzung eines Naturschutzgebiets beim Heeresspital und die Realisierung des Bauprojekts an einem anderen Standort fordert.

Die Petition ist mittlerweile eingebracht und durch die zuständige Magistratsabteilung akzeptiert. Angesichts der für Stadt Wien und Bauträger ausweglosen Situation ist zu hoffen, dass der Petitionsausschuss des Gemeinderats die gebotene Chance ergreifen wird und die Umsetzung des Petitionsanliegens im Interesse der vom Aussterben bedrohten Ziesel und auch der glücklosen Bauträger auf Schiene bringt.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern der Ziesel-Petition!

Sie haben ein engagiertes Zeichen für Naturschutz und Respektierung von Gesetzen und gegen rücksichtslose Verwertung eines letzten Wiener Naturschatzes gesetzt!

Quellenverweise

[1] Auszug aus Schriftverkehr mit der Wiener Baupolizei MA 37, 24. August 2015: „Für den bauträger hat das konsequenzen

[2] Beschluss des Landesgerichts für ZRS Wien, 11. Juni 2015, Aktenzahl 36 R 11/15g (Einsicht auf Anfrage)

[3] Bericht ökologische Aufsicht 14.07.2015, Quelle MA 22

[4] Der Standard, 6. Juli 2015: Aufregung um Managerbüro in Sozialwohnung

[5] Bausysteme auf Ausgleichsfläche A3 vor Beginn der versuchten Zieselabsiedlung, April 2012

Bagger gegen wehrlose Ziesel beim Heerespital ab Juli 2015

Infos zur SMS-Alarmkette am Ende des Artikels!

Was ein lautstarkes Gespräch zwischen Bauträger und STRABAG beim Zieselfeld offenbarte, wurde von der Stadt Wien gegenüber der „Krone“ offiziell bestätigt:

Ab Juli 2015 werden beim Heeresspital die Bagger auffahren um einen großen Teil des Ziesel-Habitats zu vernichten und ansässige Ziesel zu vertreiben. Bis zuletzt war das Vorkommen, trotz aller Maßnahmen, stetig angewachsen. SPÖ und Bauwirtschaft verlieren jetzt die Geduld.

Ermöglicht wird die beispiellose Offensive gegen jene Art, die in Österreich Platz 1 der Roten Liste belegt, durch einen neuen Bescheid der Naturschutzbehörde. Zu befürchten ist, dass die Behörde diesmal – zusätzlich zum Oberbodenabtrag – weitere äußerst brutale Mittel gestattet hat. So etwa die Zerstörung von Bausystemen, wenn verängstigte Tiere dorthin vor den tonnenschweren Maschinen fliehen.

Als bloße Inszenierung entpuppt sich hingegen die romantisch präsentierte Zieselbrücke. Durch Geheimhaltung der weiteren radikalen Pläne sollten Öffentlichkeit und Medien offenbar hinters Licht geführt werden.

In ihrer Panik werden die zahlreich betroffenen Zieseln sicher nicht nach Brücken suchen, sondern sich in alle Richtungen zerstreuen. Wie bei Umsiedlungen mittels Käfigen, muss von massiven Verlusten unter den Tieren ausgegangen werden. Beraubt um ihre Baue, will sie die Stadt Wien erbarmungslos ihrem düsteren Schicksal überlassen.

Nun sind alle Augen auf die Wiener Umweltanwaltschaft gerichtet, denn sie hat Parteistellung im Bescheidverfahren und ist die allerletzte Hoffnung für die Ziesel. Verzichtet Sie auf ihr Parteirecht, wäre der Bescheid unmittelbar rechtskräftig und damit der barbarische Naturschutz-Horror endgültig auf Schiene.

‚Licht aus‘ auch für andere bedrohte Tierarten

Mit dem Ziesel haben beim Heeresspital auch andere geschützte Arten, darunter Feldhamster, Zauneidechse, Feldhase sowie seltene Vogel- und Schneckenarten, ein ungestörtes Rückzugsgebiet gefunden. Auch sie werden einen großen Teil ihres Lebensraums verlieren. Insbesondere bei den Junghasen und der besonders häufig vorkommenden Zauneidechse drohen zudem Verluste von Individuen.

Beschämende Interpretation des strengen Wiener Naturschutzgesetzes

Damit der neue Bescheid überhaupt zustande kommen konnte, bedurfte es seitens der MA 22 einer außergewöhnlichen Eruption an kreativer Energie. Denn das Wiener Naturschutzgesetzes gestattet Maßnahmen gegen eine streng geschützte Art nur dann, wenn ihr Erhaltungszustand vor und nach dem Eingriff günstig ist.

Angesichts des europaweit ungünstigen Zustands des Ziesels und dramatischer Bestandrückgänge, müsste also jedes Ansuchen um Ausnahmen zurückgewiesen werden, unabhängig vom politischen Netzwerk der Ansuchenden.

Völlig fantasielos ging die Behörde hingegen bei der Prüfung anderer zentraler Aspekte vor, nämlich der von Standortalternativen und des Vorliegens zwingender Gründe öffentlichen Interesses. Im Besitz des Stadt Wien befinden sich zwei Mio. m² an zieselfreiem Bauland und somit eine Fülle an ersatzweisen Optionen.

Trotz Forderung vom Floridsdorfer Bezirksparlament und von tausenden Petitionsunterzeichnern nach Verlegung des Bauprojekts, muss ausgerechnet beim Heeresspital gebaut werden.

Ziviler Ungehorsam zum Schutz der Ziesel

Indes formiert sich im Internet Widerstand gegen die bevorstehende Vertreibung von Zieseln beim Heeresspital und für die Respektierung des Naturschutzes. Besorgte Bürgerinnen und Bürger organisieren Protestaktionen, die vor Ort stattfinden werden.

Um über das Auftauchen von Baumaschinen und den Treffpunkt für, im Rahmen der Gesetze zulässige, Proteste alarmiert zu werden, wurde ein SMS-Verteiler eingerichtet, in den man sich ab sofort eintragen kann.

Aufnahme in SMS-Alarmkette

Außerdem werden in einer Facebook-Gruppe aktuelle Entwicklungen in Echtzeit gepostet und weitere Maßnahmen koordiniert.

Facebook-Gruppe Aktion „Rettet die Ziesel“

Häupl-Sima-Ziesel-Juli 2005

Roter Wahlkampf anno 2005. 10 Jahre später pfeift die SPÖ auf Zieselschutz.

In den Kampf gegen das Ziesel-Habitat beim Heeresspital – eines der letzten großen in Österreich soll verbaut werden – mischt sich nun auch Andreas Schieder, SPÖ-Klubobmann im Parlament und mitverantwortlich an der Hypo-Notverstaatlichung, ein.

Befragt vom „Kurier“, was denn die SPÖ den in Scharen davonlaufenden Wählern bieten könne, echauffiert sich Schieder – sehr zum Erstaunen der Leser – zu allererst darüber, dass am Stadtrand von Wien auf Ziesel Rücksicht genommen werden muss, statt diese rücksichtslos abzusiedeln. Routiniert im Drüberfahren über Bürger, muss es dem roten Multifunktionär wohl quälende Schmerzen bereiten, wenn jetzt plötzlich ein paar hundert Nager einen Sonderstatus genießen sollten.

Aussichtsverliebte „Anrainer“ als Sündenböcke

Bezeichnenderweise hat Schieder „Anrainer“ der Ziesel als Verhinderer des Bauprojekts ausgemacht. Offenbar weiß er aber nicht, dass besagter Terminus im Wiener Naturschutzgesetz gar nicht vorkommt. Folglich kennt es keinen Paragraphen, wonach bei Präsenz von Anrainern das Naturschutzgesetz automatisch außer Kraft treten würde.

Häupl und Sima als Verhinderungsprofis an Grenze zum Populismus

Beiseite nehmen sollte sich Schieder allerdings seine Parteifreunde Michael Häupl und Ulli Sima. Sie haben sich 2005 im Verhindern eines Bauprojekts verdient gemacht und das ausgerechnet wegen einer Ziesel-Population! Auf den ehemaligen Radio Austria Gründen waren die Tiere ebenfalls der Verwertung des Areals im Weg. Zufällig war jedoch gerade Wahlkampf. Da haben Bürgermeister und Umweltstadträtin das Projekt durch den Gemeinderat stoppen lassen und sich sogar in persönlichen Schreiben an die dortigen „Anrainer“ für deren Engagement bedankt.

Stadt Wien besitzt 2 Millionen Quadratmeter an Bauland

Spannende Infos könnte Herr Schieder vom Wiener Wohnbaustadtrat Michael Ludwig erzählt bekommen, wenn dieser nicht gerade wieder mal beschäftigt ist in seinem Ressort für Ordnung zu sorgen. Im Besitz der Stadt Wien befinden sich nämlich zwei Millionen Quadratmeter an Bauland. Die Gemeinde hätte also sofort nach Bekanntwerden der Ziesel das Bauprojekt nördlich des Heeresspitals an einen anderen Ort verlegen können. Das hätte Zeit und Geld gespart und die dringend benötigten Wohnungen würden längst stehen. Angesichts der riesigen Baulandreserve ist die Knappheit an Wohnraum sicher nicht auf ein Vorkommen streng geschützter Zieseln zurückzuführen, sondern könnte schlicht auch mit mangelnder Qualifikation der handelnden Personen zu tun haben.

Genosse im Burgenland zuckt völlig aus – nicht nur wegen Rot/Blau

Richtige Verhinderungsprofis sind auch seine, jüngst in Ungnade gefallenen burgenländischen, Genossen. Diese erdreisten sich in Parndorf für den Fortbestand einer Kolonie von 200 Zieseln einzusetzen. „Für mich ist es fünf vor zwölf. Und wenn jetzt nicht bald etwas geschieht, dann haben wir dieses Naturjuwel vor der Haustür endgültig verloren.“, heißt es von einem lokalen SPÖ-Gemeinderat.

Wer stirbt früher aus? SPÖ oder Ziesel Klarerweise wollen die Wiener Genossen die Schlacht um das Heeresspital bis zum letzten Ziesel ausfechten. Denn wenn sie nördlich davon klein beigeben, dann ist das gesamte Areal innerhalb des Heeresspitals und auch der Bereich südlich davon, auf Jahrzehnte hinaus verloren. Darum wird es in der Stadt der allgegenwärtigen Freundschaft auch weiterhin kein Erbarmen für die Ziesel geben. Denken Sie am 11. Oktober 2015 daran und zeigen Sie rücksichtloser Zerstörung letzter Wiener Naturschätze die rote Karte !

Ziesel-Führung beim Wiener Heeresspital am 27. Juni 2015In der Causa rund um die bedrohten Ziesel beim Heeresspital setzt die Stadt Wien nach wie vor auf betreutes Denken für Bürger, statt auf konsequenten Naturschutz. Denn zum wiederholten Mal ließ man unter inszeniertem PR-Jubel verkünden, dass die Rettung der Ziesel jetzt aber wirklich bevorstünde.

Diesmal soll eine weitere Brücke über den Marchfeldkanal die massiv vom Aussterben bedrohten Nager zum massenhaften Exodus aus ihrem Lebensraum auf weit verstreute „Ausgleichsflächen“ ermuntern und so die Realisierung eines, für die involvierten Konzerne hochprofitablen, Bauprojekts doch noch ermöglichen.

Bloß hat auch der neueste Plan schwere Schönheitsfehler:

  • Schon heute gäbe es nämlich genügend Pfade für die Ziesel zur Abwanderung. Sie tun es aber schlicht und einfach nicht und vermehren sich stattdessen lieber in ihrem angestammten Habitat.
  • Auch ist gerade jener Bereich, wo die Brücke andocken soll, kaum von den streng geschützten Zieseln besiedelt.
  • Zur Nutzung der auf der anderen Seite des Marchfeldkanals gelegenen Ausgleichsfläche A8, verfügen die Bauträger zudem bis dato nicht über die Zustimmung aller Eigentümer, was jedoch vom Bezirksgericht Floridsdorf erstinstanzlich als dafür notwendig erkannt wurde.

Welchen magischen Anreiz nun das neue Konstrukt auf die bekannt standort-treuen Tiere ausüben soll, weiß offenbar selbst die mit der Ziesel-Absiedlung beauftragte Expertin Dr. Ilse Hoffmann nicht. Bezeichnenderweise wollte sie dazu gegenüber dem „Kurier“ keinen Kommentar abgeben.

Wenig mitteilungsfreudig geben sich auch Stadt und Bauträger, wenn es um Kosten und vor allem Kostenträger für den Zieselsteg geht. Vielsagendes Schweigen der Verantwortlichen lässt allerdings befürchten, dass der Steuerzahler als alleiniger Finanzier des wenig aussichtsreichen Naturschutzabenteuers auserkoren wurde.

Authentischer Lokalaugenschein bei den Zieseln am Marchfeldkanal

Aufgrund der aktuellen Entwicklung und des regen Interesses vieler naturverbundener Wienerinnen und Wiener, bietet die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal auch heuer wieder eine fachkundige Ziesel-Führung an.

Lernen Sie bei einem gemeinsamen Spaziergang entlang des Marchfeldkanals den artenreichen Lebensraum beim Heeresspital und viele seiner Bewohner kennen. Machen Sie sich zudem anhand der tatsächlichen Gegebenheiten ein persönliches Bild davon, wie absurd das beharrliche und teure Festhalten der Stadt Wien an den Ziesel-Absiedlungplänen ist.

Wann: Samstag, 27. Juni 2015, 15:30 Uhr

Treffpunkt: Johann-Orth-Platz, 1210 Wien (Link zum Wienplan)

Dauer: ca. 1,5 – 2 Stunden

Anreise: Der Treffpunkt befindet sich nahe der Endstation der Straßenbahn-Linie 31. Falls Sie mit dem Auto anreisen, nutzen Sie bitte die Parkmöglichkeiten entlang der Johann-Weber-Straße. Am Johann-Orth-Platz ist das Parkplatzangebot nur gering.

Tipp: Zum Beobachten der Ziesel bitte Fernglas mitnehmen!

Der Spaziergang findet bei jedem Wetter statt. Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal freut sich auf Ihr Kommen!

Ziesel-noerdlich-Heeresspital-Wien-April-2015

Bravo, tapfere Ziesel !

Ihr Vorkommen nördlich des Wiener Heeresspitals hat im 12-Monatsvergleich abermals deutlich zugelegt (plus 8,3 Prozent). Besonders am westlichen Rand, wo man die streng geschützten Nager besser heute als morgen loswerden will, um endlich bauen zu können.

Auf den Ausgleichsflächen brach der Bestand hingegen nahezu völlig zusammen (minus 71 Prozent). Ganze zwei Baue waren dort eventuell von Zieseln bewohnt. Diese ernüchternden Fakten mussten die Bauträger zuletzt an die Naturschutzbehörde MA 22 berichten [1, 2].

Angesichts des totalen Umsiedlungsfiaskos erhöhte man nun – vor den Augen der tatenlos zusehenden MA 22 – den Druck auf die wehrlosen Ziesel. Die zum Erhalt ihres Lebensraums notwendige Mahd wurde in noch weit größerem Ausmaß eingestellt. Um den ohnehin streichelweichen Bescheid von 2013 [4], laut dem die Pflege der Projektfläche erst dann unterbleiben darf, wenn die Akzeptanz der Ausgleichsflächen nachgewiesen ist [5], muss sich offenbar endgültig niemand mehr kümmern.

Wie jetzt zudem bekannt wurde, befinden sich Flächen nördlich des Heeresspitals im Eigentum der Stadt Wien. Doch selbst dort will die Stadt nicht mähen lassen, um so wenigstens auf öffentlichem Gut Ziesel-und Naturschutz durchzusetzen. Einen einstimmigen Antrag des Bezirksparlaments Floridsdorf wies die zuständige Stadträtin Ulli Sima zurück [3]. Die Flächen befänden sich im „physischen Besitz“ der Bauträger, so das Ohnmachtseingeständnis der selbsternannten „starken Stimme für aktive Umweltpolitik“ in Wien.

Jetzt gilt’s! Auf zum Ziesel-Wisch‘n am 30. Mai!

Setzen Sie ein Zeichen von Solidarität mit den tapferen Zieseln beim Heeresspital und kommen Sie zum Stammersdorfer Ziesel-Wisch’n !

Gemeinsam wollen wir öffentliche Flächen rund um den Lebensraum der streng geschützten Tiere von Müll und Unrat befreien. Denn Wind und Besucher haben dort auch im letzten Jahr wieder unschöne Spuren hinterlassen.

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal lädt alle Zieselfreunde herzlich ein, mitzumachen. Müllsäcke und Handschuhe werden von uns zur Verfügung gestellt. Vielleicht treffen wir auch das eine oder andere Ziesel?

Nach getaner Arbeit ist für Ihr leibliches Wohl wieder bestens gesorgt! Auf jeden Teilnehmer wartet außerdem eine kleine Überraschung.

Datum: Samstag, 30. Mai 2015 (bei jedem Wetter)

Beginn: 15:00 Uhr

Treffpunkt: 1210 Wien, Johann-Orth-Platz [Link zum Stadtplan]

Mitzubringen ist wie immer nur gute Laune! Wir freuen uns auf Ihr Kommen !


Quellennachweise

[1] Bericht ökologische Aufsicht 14. April 2015 [Download]

[2] Bericht ökologische Aufsicht 08. April 2014 [Download]

[3] Antragszurückweisung von Stadträtin Sima, November 2014 [Download]

[4] Bescheid MA 22 – 593/2012, April 2013 [Download]

[5] Beilage 1 zu Bescheid MA 22 – 593/2012 [Download]

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