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Die nächste Zieselwanderung findet am 15. Juni 2013 statt. Alle Infos gibt es hier.

Ziesel-Wanderung am Marchfeldkanal beim Wiener Heeresspital Ziesel-Wanderung am Marchfeldkanal beim Wiener Heeresspital Ziesel-Wanderung am Marchfeldkanal beim Wiener Heeresspital

Ziesel-Wanderung am Marchfeldkanal beim Wiener Heeresspital Ziesel-Wanderung am Marchfeldkanal beim Wiener Heeresspital Ziesel-Wanderung am Marchfeldkanal beim Wiener Heeresspital

Zahlreiche Interessierte waren am Sonntag der Einladung der IGL Marchfeldkanal zur ersten Ziesel-Wanderung am Marchfeldkanal nahe dem Wiener Heeresspital gefolgt. Bei strahlendem Sonnenschein erläuterte der Biologe Mag. Erik Pauer viele Besonderheiten der Fauna und Flora beim Marchfeldkanal und den beeindruckenden Artenreichtum einer typischer ‚Gstettn‘.

Wertvoller Ziesel-Lebensraum mit Ablaufdatum?

Spannendes und intensiv diskutiertes Thema waren natürlich die Ziesel, die in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste stehen. Ihr angestammter Lebensraum nördlich des Heeresspitals soll bekanntlich schon bald einer Verbauung zum Opfer fallen. Jetzt Mitte Oktober, haben sich die meisten der Ziesel bereits in ihre zwei tiefen Meter Baue zu einem langem Winterschlaf, der bis Ende März dauern kann, zurückgezogen.

Die gegenwärtige Verbreitung der streng geschützten Nager, aber auch der aktuelle Stand zu den vorgesehenen, heftig kritisierten Ausgleichsflächen wurden bei der Führung vor Ort im Detail vorgestellt. Zentrale Elemente der Ausgleichsmaßnahmen, etwa die Ansiedlung der Ziesel an den Marchfeldkanal-Böschungen oder die bis dato von den Tieren gänzlich ignorierte Brücke, lösten bei den Anwesenden einhellig Kopfschütteln aus.

Weitere Wanderungen folgen

Herzlichen Dank an die vielen naturverbundenen Teilnehmer für ihr Kommen. Weitere Führungen in einem der letzten verbliebenen Wiener Rückzugsgebiete vieler selten gewordener Arten sind bereits in Planung.

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Bekanntlich sollen beim Wiener Heeresspital streng geschützte Ziesel in einer hochriskanten Aktion auf fragwürdige Ausgleichsflächen verstreut werden, um so Platz für ein Mega-Bauprojekt beim Marchfeldkanal zu schaffen. Kaum bekannt hingegen ist das tatsächliche Ausmaß der betroffenen Ziesel-Population, wie eine Grafik der Universität Wien eindrucksvoll verdeutlicht.

Neue eindeutige Fakten zeigen indes, dass die naturschutzrechtliche Prüfung des Bauvorhabens, die sich bloß auf das Gebiet nördlich des Heeresspitals beschränkt, unzureichend ist. Die Planungen betreffen auch Grünflächen direkt am Areal des Heeresspitals.

Ziesel-Großvorkommen rund um das Wiener Heeresspital

Ziesel-Kolonie beim Wiener Heeresspital

Quelle: Präsentation von Dr. Ilse Hoffmann, Universität Wien, Stand 08/2011

Obenstehende Grafik illustriert mit Stand August 2011 die Verbreitung der Ziesel auf den Grünflächen am Areal des Wiener Heeresspitals sowie auf den umliegenden Gebieten nördlich und südlich davon. Die grünen Punkten zeigen dabei die Positionen der Zieselbaue. Mittlerweile ist auch die teilweise Besiedlung des östlich gelegenen Feldes durch die Tiere bekannt.

Die Darstellung verdeutlicht die tatsächliche Ausdehnung der Ziesel-Kolonie, aber auch ihre isolierte Situation. Brünner Straße, Marchfeldkanal und Verbauung im Norden bilden für die Tiere unüberwindbare Barrieren. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um ein verinseltes Relikt-Vorkommen, das einst Teil einer großen Population vom Bisamberg nach Gerasdorf hinaus ins Weinviertel war.

Bei der Kartierung in 2011 wurde durch die Universität Wien ein Bestand von 828 Zieseln erhoben. Damit ist dieses Vorkommen beim Wiener Heeresspital eines der letzten großen in Österreich. Basierend auf den EU-FFH-Artikel 17 Daten und publizierter Zahlen aus Niederösterreich und Burgenland, könnten beim Heeresspital mehr als 20 Prozent des Wiener Gesamtbestands leben.

Eine einzige große Ziesel-Gesamtpopulation

Wider offensichtlicher Gegebenheiten, geht die Wiener Naturschutzbehörde MA22 davon aus, dass sich das Ziesel-Vorkommen beim Wiener Heeresspital in zwei getrennte, voneinander unabhängige Populationen aufteilt: Eine am Feld nördlich, sowie eine weitere am Heeresspital-Gelände und südlich davon. Wenig überraschend ist erstere deckungsgleich mit dem Projektgebiet des Bauvorhabens.

Im Gespräch vertrat man die Ansicht, dass die nördlichen Tiere über eine Brücke von der anderen Seite des Marchfeldkanals eingewandert wären und dementsprechend im Zuge der Ausgleichsmaßnamen am selben Weg wieder zurückgedrängt werden können. Neueste Untersuchungen widerlegen jedoch diese These, denn am Feld jenseits des Marchfeldkanals findet sich kein einziger Zieselbau.

Außergewöhnlich gezeichnetes Ziesel am Areal des Wiener Heeresspitals, (C) Norbert Szewieczek  Außergewöhnlich gezeichnetes Ziesel nördlich des Wiener Heeresspitals, (C) Yoko Muraoka
Zwei Ziesel mit außergewöhnlicher Fellfärbung
Links: Am Heeresspital-Areal, (C) Norbert Szewieczek
Rechts: Nördlich des Heeresspitals, (C) Yoko Muraoka

Sowohl am Heeresspital-Areal als auch nördlich davon, wurden Ziesel mit einer außergewöhnlichen, hellen Fellzeichnung am Kopf (siehe Fotos) festgestellt. Frau Dr. Hoffmann meinte dazu, dass ihr ein derartiger Farbschlag „so noch nicht untergekommen ist“.

Das Auftreten dieser seltenen Fellfärbung auf beiden Seiten der künstlichen Trennlinie ist somit ein weiteres klares Indiz für die Zusammengehörigkeit beider Ziesel-Lebensräume.

Anders als in geschönten Darstellungen sucht man also kein neues Zuhause für eine Handvoll Ziesel. Vielmehr soll aus einer Population ein Teil herausgelöst werden und auf einen Fleckerlteppich aus Einzelflächen, deren langfristige Eignung als Habitat fragwürdig ist, zerstreut werden. Framentierung und Isolation sind erwiesene Hauptgründe für den bedrohlichen Rückgang der Ziesel in Österreich. Zweifellos würden daher die befürchteten Ausgleichsmaßnahmen eine Verschlechterung der Habitatsbedingungen für die gesamte Heeresspital-Population bedeuten. Ausgleichsmaßnahmen, die eine Verschlechterung bewirken, sind jedoch nach geltendem europäischem Recht unzulässig (Verschlechterungsverbot).

Drohende Fragmentierung aufgrund von Verbuschung

Seit in 2007 durch die Behörden eine dichtes Ziesel-Population am Heeresspital-Areal festgestellt wurde, setzte entlang dessen Grenze eine zunehmende Verbuschung ein. Als Konsequenz könnte nun die Verbindung zum nördlichen Vorkommen beeinträchtigt sein. In Kenntnis des ungünstigen Einflusses von Lebensraum-Fragmentierung, muss – statt diese als gegebenes Faktum hinzunehmen – die Wiederherstellung des optimalen Austauschs zwischen den betroffenen Flächen höchste Priorität haben.

Luftaufnahmen aus 2007 zeigen zweifelsfrei, dass seinerzeit keine nennenswerte Verbuschung entlang des Heeresspitalzauns existierte. Die Behörden konnten somit im Rahmen des Widmungsverfahrens keineswegs davon ausgehen, das dichte Ziesel-Vorkommen beschränke sich ausschließlich auf das Bundesheer-Areal, anliegende Flächen seien aber nicht besiedelt.

Heeresspital-Areal ist vom Bauprojekt direkt betroffen

Bauprojekt überschneidet sich mit Areal des Wiener Heeresspitals  Bauprojekt überschneidet sich mit Areal des Wiener Heeresspitals

Quelle: Stadt Wien – ViennaGIS

Unabhängig davon, ob eine oder zwei Ziesel-Populationen beim Wiener Heeresspital existieren, steht jedenfalls eines zweifelsfrei fest: Die Planungen für das Bauvorhaben nördlich des Heeresspitals reichen hinein auf das heutige Heeresspital-Areal, wo sie sogar punktuell mit den kartierten Zieselbauen kollidieren.

Wie oben ersichtlich, überschneiden sich die Grundstücke 868/13 und 868/14 (beide KG 01616) mit bestehenden Grünflächen am Bundesheer-Gelände. Konkret sehen sowohl die bestehende Flächenwidmung, als auch kolportierte Projektpläne, dort ein Wohngebäude und eine Zufahrtsstraße mit Wendekreis vor.

Die Verbauung dokumentierter Lebensräume von europarechtlich nach FFH-Richtlinien-Anhang IV geschützter Arten ist – außer Streit stehend – unzulässig. Folglich wäre eine Prüfung des Bauprojekts durch die Naturschutzbehörde, ohne Berücksichtigung der Auswirkungen auf das heutige Areal des Wiener Heeresspitals, unvollständig und somit unzureichend.

Schon 7.500 Unterschriften für Ziesel-Schutzgebiet

Die Ziesel stehen in Österreich seit vielen Jahren auf Platz 1 der Roten Liste vom Aussterben bedrohten Säugetiere. Trotzdem begegnet man der bedeutsamen Ziesel-Kolonie beim Wiener Heeresspital seit ihrer Entdeckung konsequent mit Ignoranz. Obwohl ihr Lebensraum in einem Zielgebiet der Stadtentwicklung liegt, kam es statt wissenschaftlicher Untersuchungen zu teuren Grundstücksankäufen. Im Flächenwidmungsverfahren fielen die streng geschützten Tiere kommentarlos „unter den Tisch“, obwohl die Verwirklichung der zugrunde liegenden Projektpläne zweifelsfrei erhebliche Auswirkungen auf ihr schützenwertes Habitat hätte.

Die IGL-Marchfeldkanal fordert unverändert die Einrichtung eines geeigneten Naturschutzgebiets auf den Grünflächen am und rund um das Wiener Heeresspital. Nur so kann dort der fortwährende ökonomische Druck auf jene Tierart, die in Österreich ohnehin mit dem Rücken zur Wand steht, beendet werden.

Bereits 7.500 Menschen unterstützen dieses Anliegen und haben mit ihrer Unterschrift ein Zeichen zum Schutz der bedrohten Ziesel und Feldhamster beim Wiener Heeresspital gesetzt. Unterschreiben auch Sie!

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Die nächste Zieselwanderung findet am 15. Juni 2013 statt. Alle Infos gibt es hier.

Im Rahmen einer Führung um das vieldiskutierte Zieselfeld beim Wiener Heeresspital wird der Biologe Mag. Erik Pauer den Lebensraum der Ziesel vorstellen.

Neben der Vermittlung von Informationen wollen wir auch erörtern, welchen Stellenwert die Natur in der Stadt hat. Wir werden uns auch die Vegetation einer typischen „Gstettn“ anschauen und einen Abstecher zum Marchfeldkanal machen.

Anmeldung ist erwünscht unter erik.pauer@ziesel.org

Treffpunkt: Johann Orth Platz (Nähe 31er Endstation)
Beginn: Sonntag, 14.10.2012, 15:00 Uhr
Dauer: ca. 1 Stunde

Ziesel-Wanderung am 14.10.2012 - Klicken um zu Vergrößern

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Die jetzt gelüfteten Details zu den Ziesel-Ausgleichsflächen nördlich des Wiener Heeresspitals lassen in jeder Hinsicht Schlimmes befürchten.

Nicht nur, dass man die massiv vom Aussterben bedrohten Tiere in einem kaum durchführbaren, aber hochriskanten Manöver auf einen weitläufig verteilten Fleckerlteppich zerstreuen will. Auch den Böschungen am Marchfeldkanal droht entlang des Heeresspitals, einem beliebten Naherholungsgebiet, ein heftiger Kahlschlag.

Weil sich bei den Turboplanungen des Monsterprojekts beim Heeresspital niemand für den Schutz einer der letzen großen Ziesel-Kolonien Österreichs interessieren wollte, könnte es somit – bei Genehmigung der Eingriffe – im Norden von Wien zu einem ökologischen Fiasko kommen.

Naturschutzbehörde teilte Ausgleichsflächen mit

Ziesel-Ausgleichsflächen beim Wiener Heeresspital

Schemagrafik der beantragten Ziesel-Ausgleichsflächen (1 – 6, rot)
und des betroffenen Ziesel-Reservats (Z, grün)

In der Grafik oben sind das aktuelle Verbreitungsgebiet der betroffenen Ziesel nördlich des Heeresspitals und die angesuchten Ausgleichsflächen anhand von der Naturschutzbehörde MA 22 übermittelter Unterlagen und Grundstücksnummern, dargestellt.

Die einzelnen Teilflächen werden den Bauträgern Kabelwerk und Donaucity vom Wiener Forstamt MA 49 sowie der Marchfeldkanal-Gesellschaft bereitgestellt. Weitere anliegende und nahegelegene Liegenschaften sind nicht Teil der Ausgleichslösung, denn diese weisen eine Vielzahl unterschiedlicher Besitzer auf. Zur Lenkung der europarechtlich streng geschützten Ziesel auf diese Liegenschaften bedarf es der ausdrücklichen Zustimmung der jeweiligen Eigentümer.

Das große Heeresspital-Areal selbst und der Bereich südlich davon kommen als Ausgleichsflächen ebenfalls nicht in Frage, denn diese sind von Zieseln besiedelt. Klarerweise handelt es sich bei dem großen Vorkommen rings um das Heeresspital um eine einzige große, aber isolierte Population.

Verpönte Lebensraum-Fragmentierung als Problemlöser

Ein erwiesener Hauptgrund für den unverändert bedrohlichen Rückgang der Ziesel in Österreich ist die Fragmentierung ihrer Lebensräume, die in der Folge zu Isolation und Erlöschen von Populationen führt. Trauriges Beispiel dafür ist das Verschwinden der Ziesel-Kolonie bei der Seeschlacht in Langenzersdorf.

Genau diese gefährliche Zersplitterung soll nun mit dem Zieselbestand nördlich des Wiener Heeresspitals passieren. Nach Abtrennung von der großen Kernpopulation am Heeresspitalgelände, sollen die Tiere auf einen weitläufig verteilen „Fleckerlteppich“ umgelenkt werden.

Stellt man in der Grafik oben, die roten Teilflächen dem aktuellen Lebensraum (grün) gegenüber, wird die substanzielle Verschlechterung der Habitatsbedingungen offenkundig.

Umgekehrt käme es auch zu einer signifikanten Schwächung der großen Gesamtpopulation rund um das Wiener Heeresspital, denn diese würde mit einem Schlag um 20 Prozent der Individuen reduziert werden.

Ziesel-Emigration über Brücke findet nicht statt

Bislang querte kein einziges Ziesel über diese Brücke den Marchfeldkanal

Kein einziges Ziesel querte bisher über diese Brücke den Marchfeldkanal

Unabhängig von der mangelnden Eignung mancher Flächen und ungeklärten naturschutzrechtlichen Fragen, erscheint die generelle Durchführbarkeit der Lenkungsmaßnahmen in der Praxis illusorisch. Denn ein Großteil der Ersatzgebiete liegt jenseits des Marchfeldkanals (3 bis 6) und ist nur über eine schmale Brücke erreichbar (siehe Bild).

Bis dato konnten Experten und Naturschützer auf der gegenüberliegenden Seite des Marchfeldkanals nicht einen einzigen Ziesel-Bau ausfindig machen. Auch zeigen die bisher vorliegenden Forschungsergebnisse ein ausgeprägt stationäres Verhalten der Tiere, d.h. es finden keine relevanten Wanderbewegungen statt.

Daher ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen, dass die Ziesel jemals freiwillig und in großer Zahl auf Flächen jenseits des Marchfeldkanals übersiedeln werden.

Wie also sonst sollen die Ziesel den Marchfeldkanal überwinden? Treibt man sie mit handfesten Methoden über die Brücke, so wäre diese künstliche Ziesel-Kolonie, aufgrund ihrer geringen Größe und der nachweislich fehlenden Verbindungen zur Stammpopulation, zum Erlöschen verurteilt.

Marchfeldkanalböschungen als „gleichwertige“ Ausgleichsflächen

Marchfeldkanal-Böschungen als Ziesel-Ausgleichsflächen Marchfeldkanal-Böschungen als Ziesel-Ausgleichsflächen Marchfeldkanal-Böschungen als Ziesel-Ausgleichsflächen

  Ein Teil der dauerhaft zu rodenden Böschung entlang des Marchfeldkanals

Ein Teil der Ziesel soll nach den vorliegenden Unterlagen an die kaum drei Meter hohen, aber steilen Böschungen des Marchfeldkanals (Flächen 2 und 3) übersiedeln.

Damit jedoch die abschnittsweise extrem dicht verwachsenen Ufer überhaupt als Ausgleichsfläche oder Durchzugskorridor verwendbar wären, ist deren dauerhafte teilweise Rodung unvermeidlich. Denn als Steppentiere bevorzugen Ziesel offene Graslandschaften. In Büschen und Wäldern kommen sie hingegen nicht vor.

Insbesondere die, flussabwärts gesehen, rechts gelegene Böschung wäre massiv betroffen, wie die Fotos oben oder Satellitenbilder zweifelsfrei bestätigen.

Langfristig kann aber selbst nach den Abholzungen die Funktion der Marchfeldkanal-Böschungen als Ziesel-Ersatzlebensraum, aufgrund der schmalen Schlauchform und der unmittelbaren Nähe zum Wasser, nicht gegeben sein. Eingekesselt zwischen Kanal sowie gut frequentierten Fuß- und Radwegen, wären die Tiere ständig erheblichen Störungen ausgesetzt.

Zudem graben Ziesel 1,5 Meter tiefe Erdbaue, womit diese, wenn nicht direkt an den Wegen gelegen, bis an oder sogar unter den Wasserspiegel reichen werden. Spätestens wenn, wie in der Vergangenheit bei Donau-Hochwasseralarm die Flutung des Marchfeldkanals erforderlich wird, ist die Katastrophe für die am Ufer lebenden Ziesel vorprogrammiert.

Nebenbei bemerkt, ist die naturnahe Ufergestaltung des Marchfeldkanals kein Produkt puren Zufalls, sondern war erklärtes Ziel bei Planung und Realisierung des künstlichen Gewässers. Beachtliche Summen wurden bisher in Anlage und laufende Erhaltung des Naturjuwels im Norden von Wien investiert. Viele selten gewordene Tierarten finden hier wertvollen Lebensraum und die Floridsdorfer ein liebgewonnenes Naherholungsgebiet. Es stellt sich daher die Frage, ob sich die Verantwortlichen der Marchfeldkanal-Gesellschaft tatsächlich der vollen Tragweite und Außenwirkung der möglichen anstehenden Eingriffe bewusst sind.

Jungbürgerwald ade?

Ziesel-Ausgleichsfläche statt Jungbürgerwald?

Auch der erst 2007 von jungen Menschen mit viel Engagement angelegte, inzwischen kräftig angewachsene, Jungbürgerwald (in der Grafik als J markiert), wird wohl bei den freiwilligen Ziesel-Wanderungen im Weg sein. Denn um auf die immerhin schon 800 Meter entfernten Ausgleichsfläche (6) zu gelangen, müsste von vielen Nagern ein schmaler Trampelpfad seitlich vorbei am Wald aufgefunden und zurückgelegt werden.

Es steht somit zu befürchten, dass zur Unterstützung der freiwilligen Ziesel-Übersiedlung bzw. um zusätzliche Ersatzflächen (zwischen 5 und 6) am Marchfeldkanal zu schaffen, eine zumindest teilweise Schlägerung des Jungbürgerwalds unausweichlich ist.

Endgültiger Todesstoß für den Donaufeldbach

Visualisierung Donaufeldbach beim Heeresspital, (C) Grüne Donaustadt
Der geplante Donaufeldbach nahe dem Heeresspital in einer Fotomontage
(C) Grüne Donaustadt

An anderer Stelle kollidiert die beabsichtigte Ziesel-Umsiedlung mit bereits lange bestehenden Stadtplanungen. Ausgleichsfläche (6) überschneidet sich zwischen Heeresspital und Draugasse zur Gänze mit der Trasse des schon vor Jahren konzipierten Donaufeldbachprojekts, das 2010 in Floridsdorf auch Wahlkampfthema war.

Würden die heute dort befindlichen Felder tatsächlich mit Heeresspital-Ziesel besetzt, so ist die Realisierung des künstlichen Gewässers als zusätzliches Floridsdorfer Naherholungsgebiet samt Radwegen wohl endgültig vom Tisch. Eine abermalige, hochriskante Umsiedlung der Ziesel – wohin auch immer – wird kein Verantwortlicher in Kauf nehmen wollen.

Das magische Ziesel-Dreieck!

Teilausgleichsfläche (4) hat ein Riesenproblem: Für die Ziesel führt kein direkter Weg dorthin. Um auf ihrer freiwilligen Wanderung dorthin zu gelangen, müssten die Tiere auch Grundstücke durchqueren, die nicht Teil der Ausgleichslösung sind.

Selbst wenn die Ziesel auf wundersame Weise doch in dem Dreieck ankommen, dann erwartet sie dort eine isolierte Existenz, die in keinem, vital notwendigen Austausch mit anderen Populationen stehen kann. Somit ist auch diese Teilfläche als Ziesel-Lebensraum ungeeignet.

Ausgleichsfeld beim Heeresspital – Leider schon besetzt!

Zieselbau am Luzernefeld östlich des Wiener Heeresspitals Zieselbau am Luzernefeld östlich des Wiener Heeresspitals

Zwei Zieselbaue östlich des Heeresspitals

Die Ausgleichsfläche (1) diesseits des Marchfeldkanals ist für die Ziesel lediglich über einen schmalen, noch gar nicht existenten Verbindungspfad entlang des Heeresspitalzauns erreichbar. Bei Besichtigung des Feldes zeigt sich jedoch schnell, dass es schon von Zieseln besiedelt ist. Es handelt sich dabei um Ausläufer von der Ziesel-Kernpopulation am Heeressspital.

Wird nun das heutige Luzernefeld als Ziesel-Lebensraum attraktiviert, so werden vermehrt auch die am Heeresspital-Areal lebenden Tiere herauswandern. Im Unterschied zu den nördlichen Artgenossen müssen sie jedoch keinen schmalen Korridor freiwillig auffinden und durchwandern, sondern – so wie bisher – einfach nur unter dem Zaun durchschlüpfen.

Somit ist selbst Ausgleichfläche (1), wenn überhaupt, nur zu einem geringen Teil als solche geeignet.

Stadträtin Sima im Interessenskonflikt

Sowohl die Naturschutzbehörde MA 22, als auch das Forstamt MA 49 fallen beide in den Geschäftsbereich Umwelt, dem Stadträtin Ulli Sima vorsteht.

Während die MA 22 im Zuge eines Naturschutzrechtlichen Verfahren das Ansuchen der Bauträger auf Umlenken der Ziesel auf Ausgleichsflächen zu prüfen hat, stellt wiederum die MA 49 mit den Bauträgern ausverhandelte Ausgleichsflächen zur Verfügung.

Diese Situation birgt einen offensichtlichen, klassischen Interessenskonflikt in sich, denn bei Ablehnung des Ausnahmebegehrens durch die MA 22, entgehen der MA 49 künftige Pachteinnahmen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit knappen Budgets stehen einander somit konsequenter Naturschutz auf der einen und mögliche Zusatzeinkünfte auf der anderen Seite gegenüber.

Nicht jeder Beobachter mag darin eine günstige Optik für das Umweltressort erkennen, das bekanntlich schon im Flächenwidmungsverfahren auf schriftliche Hinweise zum dokumentierten dichten Ziesel-Vorkommen beim Wiener Heeresspital verzichtet hat.

7.100 Unterschriften für nachhaltigen Zieselschutz

Die Situation für die Ziesel beim Wiener Heeresspital und die ebenso dort vorkommenden Feldhamster ist ernst. Obwohl ihr Vorkommen spätestens seit 2005 dokumentiert ist und die Tiere samt ihrer Lebensräume naturschutzrechtlich streng geschützt sind, droht eine beispiellose Entsorgung des Artenschutzes im nahen Marchfeldkanal.

Unverändert fordert die IGL-Marchfeldkanal zum dauerhaft Erhalt des einzigarten Biotops die Einrichtung eines geeigneten Naturschutzgebiets auf den Grünflächen am und rund um das Wiener Heeresspital. Nur so kann dort der fortwährende ökonomische Druck auf jene Tierart, die in Österreich ohnehin auf Platz 1 der Roten Liste steht, beendet werden.

Bereits 7.100 Menschen unterstützen dieses Anliegen und haben mit ihrer Unterschrift ein Zeichen zum Schutz der bedrohten Ziesel und Feldhamster beim Wiener Heeresspital gesetzt.

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Auf den Grünflächen rund um das Wiener Heeresspital existiert eine der letzten großen Ziesel-Kolonien Österreichs. Nach dem nördlichen Abschnitt plant die Stadt Wien nun auch den Bereich südlich des Heeresspitals, gegenüber dem Ekazent B7, in Bauland umzuwidmen. Eine entsprechende Studie findet sich bereits im Internet.

Wie schon beim letzten Widmungsverfahren, drohen also die streng geschützten Tiere, die in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste stehen, erneut unter den Tisch zu fallen.

Indes legt die Wiener Naturschutzbehörde keinen allzu großen Wert auf den Schutz der betroffenen Tiere und die artgerechte Pflege ihres Lebensraums.

Planungen und Verkaufsgespräche im Laufen

Südlich des Wiener HeerespitalsZiesel-Lebensraum südlich des Wiener Heeresspitals 

Das Ziesel-Vorkommen südlich des Wiener Heeresspitals ist seit Sommer 2011 durch die Universität Wien im Auftrag der Wiener Naturschutzbehörde MA 22 dokumentiert. Darüber hinaus sind dort auch Vorkommen der europaweit ebenso streng geschützten Feldhamster und Zauneidechsen bekannt.

Ziesel-Habitat südlich des Wiener Heeresspital   Ziesel-Habitat südlich des Wiener Heeresspital
Zieselbaue südlich des Wiener Heeresspitals

Anfang August 2012 wurden auf den Internetseiten der Wiener MA18, zuständig für Stadtentwicklung, entsprechende Absichten für eine Umwidmung der Flächen südlich des Heeresspitals in Bauland publiziert:

Im Bereich südlich des Heeresspitals bestehen ebenfalls Flächen für einen potenziellen Städtebau. Wenngleich hier erst der Anfang der Planungsphase erreicht ist, stellt insbesondere der Nahbereich des Marchfeldkanals eine attraktive Wohnperspektive dar.

Inzwischen wurde diese Textpassage von der Stadtplanungswebsite, die befremdlicherweise jeden Hinweis auf die dort ansäßigen, „prioritär bedeutenden“ Ziesel vermied, wieder entfernt.

Laut Medienberichten dürften die Planungen jedoch weitergehen. Übereinstimmend war zudem von zwei verschiedenen Quellen zu erfahren, dass entsprechende Verhandlungen über den Verkauf der derzeit für Landwirtschaft gewidmeten Flächen im Laufen sein sollen.

History repeats itself?

Unweigerlich werden Erinnerungen an den eiligen Widmungsvorgang in 2010 wach. Schon damals war das dichte Ziesel-Vorkommen beim Wiener Heeresspital längst dokumentiert. Das Gebiet nördlich des Heeresspitals wurde trotzdem kommentarlos, ohne Berücksichtigung des gesetzlichen Artenschutzes, für Wohnbau umgewidmet, obwohl sich das beabsichtigte Projekt mit dem bereits bekannten Habitat überschnitt.

Nach Expertenmeinung des Lebensministeriums würde die Verbauung des Habitats nördlich des Wiener Heeresspitals gegen geltendes EU-Recht verstoßen

Studie bereits im Internet

Für die Verbauung südlich des Wiener Heeresspitals existiert eine Studie des Architekten Johannes Kastner-Lanjus, der auch das städteplanerische Konzept für das Projekt nördlich des Heeresspitals erstellt hat:

Bebauungsplan südlich Wiener Heeresspital

Link zum Verbauungskonzept südlich des Heeresspitals

Demnach ist auf den Flächen südlich des Heeresspitals, gegenüber dem Einkaufszentrum B7, die Errichtung von bis zu 8-geschößigen Gebäuden vorgesehen.

Zudem soll auch der vor dem Heeresspital an der Brünner Straße befindliche Parkplatz verbaut werden, was ein weiteres Indiz für die bevorstehende Schließung des Wiener Heeresspitals wäre.

Landwirtschaft in Ziesel-Habitat ohne behördliche Auflagen

Zurzeit wird auf einem Teil der Flächen südlich des Wiener Heeresspitals Landwirtschaft betrieben, der Rest liegt brach. Aus dem Ziesel-Gutachten von 2011 geht klar hervor, dass bei der Bewirtschaftung von Ziesel-Habitaten bestimmte Einschränkungen zum Schutz der Tiere einzuhalten sind.

In einem Mail von der MA 22 werden die einzuhaltenden Schutzmaßnahmen so zusammengefasst:

Auch landwirtschaftliche Nutzung benötigt keine Bewilligung, wenn auf die Bedürfnisse der Tiere Rücksicht genommen wird. Dazu gehört der Verzicht auf Gülle, Herbizide und Pestizide, es muss weiterhin genug Nahrung zur Verfügung stehen (z.B.: alle 50 m einen Streifen unbearbeitet lassen) und die Bearbeitungstiefe darf 30 cm nicht übersteigen.

Trotz des wissenschaftlich fundierten Kenntnisstands wurden die Grundstückseigentümer südlich des Heeresspitals von der Naturschutzbehörde nicht über die einzuhaltenden Auflagen informiert. Wie sonst hätten die betroffenen Eigentümer über die zu berücksichtigenden Bedürfnisse zur Einhaltung des Artenschutzes erfahren sollen?

Seitens der MA22 wurden somit keine präventiven Maßnahmen zum Schutz der streng geschützten Ziesel und ihres Lebensraumes gesetzt. Die gezeigte Passivität der Behörde verwundert jedoch sehr, denn aufgrund Europäischen Rechts besteht die Verpflichtung zum Setzen präventiver Maßnahmen, damit es möglichst erst gar nicht zu Verstößen gegen das Störungs- und Tötungsverbot kommen kann. Das strenge Schutzsystem der FFH-Richtlinie setzt also den Erlass kohärenter und vorbeugender Maßnahmen voraus.

Dichte Bewirtschaftung bringt Ziesel unter Druck

Lichtundurchlässiges Hirsefeld südlich des Wiener Heeresspitals
Suboptimale Ziesel-Habitatsbewirtschaftung südlich des Wiener Heeresspitals

In diesem Jahr wurde auf dem Feld südlich des Heeresspitals dicht Hirse angebaut. Das setzt jedoch das dortige Ziesel-Vorkommen massiv unter Druck, denn aufgrund der resultierenden fehlenden Lichtdurchlässigkeit ist die Rundumsicht und Orientierung der Tiere erheblich eingeschränkt. Im Ziesel-Gutachten der Universität Wien aus der Jahr 2005 über den Einfluss der Lichtverhältnisse auf Ziesel-Lebensräume liest man dazu:

Wichtiger als die Höhe der Vegetation scheint deren Zusammensetzung und damit optische Transparenz zu sein.

Durch eine proaktive Beratung bei der Fruchtwahl durch die Naturschutzbehörde hätte sicher eine Lösung gefunden werden können, die den Zieseln und ihrem Lebensraum zuträglicher gewesen wäre. So stellt sich nun die Frage nach der allfälligen Verantwortlichkeit, sollte das Ziesel-Vorkommen südlich des Wiener Heeresspitals innerhalb von 12 Monaten zurückgegangen oder gar erloschen sein.

Verbrachung von öffentlichem Ziesel- und Hamsterlebensraum

Brache südlich des Wiener HeeresspitalsDas Grundstücke (871/1 KG 01616) südlich des Heeresspitals ist im Besitz der Republik Österreich. Auf der Liegenschaft inmitten eines dokumentierten Ziesel- und Feldhamster-Habitats erfolgen jedoch keinerlei Pflegemaßnahmen.

Dementsprechend ist der brachliegende Streifen mittlerweile überaus dicht mit Goldrute verwachsen, was aber den Fortbestand der streng geschützten Tiere dort massiv erschwert. Kartierungsdaten der Universität Wien legen nahe, dass das Grundstück mit Zieseln und Feldhamstern besetzt war, als es noch gemäht wurde. Jedenfalls ist dort in der Wiener Feldhamster-Verbreitungskarte aus dem Jahr 2010 ein Feldhamstervorkommen dokumentiert.

Auch für die im Besitz der öffentlichen Hand befindliche Liegenschaft ist somit zu klären, weshalb trotz der Kenntnis des Vorkommens der europarechtlich streng geschützten Ziesel und Feldhamster, präventive Maßnahmen zum Schutz der Tiere und dem dauerhaften Erhalt ihres Lebensraums unterblieben sind. Insbesondere sind die Ziesel-Lebensräume am gesamten Wiener Stadtgebiet streng geschützt, d.h. die unbeinträchtigte Aufrechterhaltung deren Funktion.

Als negative Konsequenz der Verbrachung ist die Verbindung zur Kernpopulation am Areal des Heeresspitals,  die für die Ziesel südlich davon vital notwendig ist, funktional stark oder ganz eingeschränkt.

6.500 Unterschriften für ein Naturschutzgebiet

Der dauerhafte Schutz und Fortbestand der großen Ziesel-Reliktpopulation beim Wiener Heeresspital muss endlich absolute Priorität haben! Dieser lässt sich jedoch nur erreichen, indem die Flächen am und rund um das Heeresspital in ein geeignetes Naturschutzgebiet umgewandelt und langfristig artgerechte Pflegemaßnahmen etabliert werden.

Andernfalls sind die massiv vom Aussterben bedrohten Tiere weiterhin anhaltendem Druck durch wirtschaftliche Interessen und möglichen Fehlplanungen aufgrund von bedauerlichen Kommunikationspannen ausgesetzt.

Bereits 6.500 Menschen unterstützen diese Forderung. Unterschreiben auch Sie!

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Begleitet von großem PR-Rummel ließen die Bauträger Kabelwerk und Donaucity kürzlich verlauten, dass für die streng geschützten Ziesel nördlich des Wiener Heeresspitals Ausgleichsflächen gefunden seien und die Tiere freiwillig dorthin abwandern würden.

Just die wichtigste Information, nämlich die genaue Lage dieser Ausgleichsflächen, blieb man bis dato jedoch schuldig. Wie ein brisanter Bescheid der Naturschutzbehörde nahelegt, ist zudem zu befürchten, dass die Abwanderung der Tiere gar nicht so freiwillig vonstattengehen soll.

Hinter verschlossenen Türen scheinen schon jetzt Bewilligung und Erfolg der Lenkungsmaßnahmen festzustehen, denn der Bauträgerwettbewerb für das von den Zieseln bewohnte Biotop soll noch heuer starten.

Ziesel-Exodus über Marchfeldkanal-Brücke

Zwar stehen Ausgleichsflächen angeblich schon bereit, dennoch wurden konkrete Angaben zu deren Lage tunlichst vermieden. Durchgedrungen ist bislang lediglich, dass ein Teil der Ausgleichsflächen jenseits des Marchfeldkanals liegen soll.

Um aus eigener Kraft dorthin zu gelangen, müssten die Ziesel jedoch eine schmale Brücke über den Marchfeldkanal queren. Aus der Perspektive der am Feld nördlich des Wiener Heeresspitals lebenden Ziesel, sieht diese Brücke so aus:


Blick aus der Ziesel-Perspektive auf die Exodus-Brücke

Bislang existiert kein Nachweis, dass auch nur ein einziges Ziesel jemals diese Brücke über den Marchfeldkanal überquert hat, die bei schönem Wetter, wo die scheuen Tiere die meiste Oberflächenaktivität zeigen, auch von vielen erholungssuchenden Menschen frequentiert wird.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Marchfeldkanals zeigt sich ein ernüchterndes Bild. Entgegen der kommunizierten Darstellung, stehen für die Ziesel jenseits der Brücke offensichtlich keine geeigneten Ausgleichsflächen bereit. Keine Spur von den „vielfältigen Blumenwiesen mit vielen Arten von Gräsern und Blütenpflanzen“.

Brisant: Antrag auf Ziesel-Lenken ohne Ausgleichsflächen!

Seitens der Bauträger ist man bemüht zu betonen, dass die Ziesel freiwillig auf die Ausgleichsflächen abwandern sollen. „Alle Zeitpläne sind Spekulation, wir richten uns ganz nach den Tieren“, gibt man sich gegenüber der Kronen Zeitung geduldig.

MA22 Bescheid 593 2012Ein brisanter Bescheid der Wiener Naturschutzbehörde MA 22 nährt jedoch massiv Zweifel, ob den Zieseln nördlich des Wiener Heeresspitals überhaupt Zeit zum Abwandern gegeben werden soll. Denn bereits im Februar 2012 beantragten die Bauträger bei der MA 22 die Erlaubnis zum Lenken der Ziesel auf Ausgleichsflächen durch streifenweises Bearbeiten ihres Lebensraums.

 

Doch wie aus dem Papier hervorgeht, konnten die Bauträger auf behördliche Nachfrage nicht darlegen, wohin denn die streng geschützten Tiere gelenkt werden sollen! Folgerichtig lehnte die MA 22 das offensive Ansinnen ab. Jede andere Entscheidung hätte einen veritablen Naturschutzskandal bedeutet.

Zu befürchten ist also, dass jetzt, wo Ausgleichsflächen angeblich vorhanden sind, der freiwilligen Ziesel-Abwanderung mit schwerem Gerät nachgeholfen werden soll. Angesichts eines mächtigen Pflugs werden die kleinen Tiere zwar instinktiv, jedoch keineswegs freiwillig ihren Lebensraum verlassen.

Pflügen nördlich des Wiener Heeresspitals

Bauträgerwettbewerb bereits angekündigt

Beim Wohnfonds Wien dürften jedenfalls keine Zweifel hinsichtlich der positiven Erledigung des Naturschutzrechtlichen Verfahrens beim Wiener Heeresspital und auch der freiwilligen Akzeptanz der Ausgleichsflächen durch die Ziesel bestehen. Noch im Jahr 2012 soll der Bauträgerwettbewerb zur Verbauung und damit zur unwiederbringlichen Zerstörung jenes wertvollen Lebensraums starten, wo heute noch die Ziesel und weitere streng geschützte Arten leben.

Die entsprechende Ankündigung und erste Details zu den Bauplätzen finden sich bereits auf der Website des Wohnfonds Wien.

Auftragsforschung zum Zweck der Absiedlung

Obwohl ein Ziesel-Vorkommen im Gebiet zwischen Marchfeldkanal und Brünner Straße schon seit 2006 durch die MA 22 dokumentiert ist, widmete man in 2010 einen Teil des Lebensraums kommentarlos für Wohnbau um. Weder erfolgte eine Umweltprüfung, noch wurden Alternativen geprüft, noch angesichts des drohenden Konflikts präventive Maßnahmen zum Schutz der Population gesetzt. Bereits damals standen die Ziesel in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste.

Da passt es nur allzu gut in das traurige Bild, dass man sich erst jetzt, wo die inzwischen medial bekannten Tiere einem Großbauprojekt unübersehbar im Weg stehen, mit ihnen auseinandersetzen will. Die Beauftragung zur Erforschung der Ziesel-Population erfolgte aber letztlich nur mit dem zentralen Ziel, diese abzusiedeln

Unverständlicherweise beschränken sich die Untersuchungen dabei ausschließlich auf jene Ziesel, die nördlich des Heeresspitals leben. Der Rest der großen Kolonie rund um das Heeresspital wird ausgeblendet, obwohl die Auswirkungen des Bauvorhabens mit Sicherheit über die Grundstücksgrenzen hinweg reichen.

5.400 Unterschriften für würdigen Artenschutz

Nach Expertenmeinung des Lebensministeriums würde die Verbauung des Habitats gegen geltendes EU-Recht verstoßen. Dennoch droht nun, weichgezeichnet durch professionelle PR-Inszenierungen, die riskante Vertreibung der massiv vom Aussterben bedrohten Ziesel und der ebenfalls dort ansässigen, streng geschützten Feldhamster aus ihrem funktionierenden Lebensraum.

Die überparteiliche Bürgerinitiative IGL Marchfeldkanal fordert Priorität für den Artenschutz, ohne Wenn und Aber! Daher treten wir gemeinsam mit bereits 5.400 Unterstützern für die Einrichtung eines Naturschutzgebietes auf sämtlichen unverbauten Flächen rund um das Wiener Heeresspital ein.

Unterschreiben auch Sie!

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Ernst Gruber von InselTV hat der Bürgerinitiative IGL Marchfeldkanal freundlicherweise ein weiteres sehenswertes Video von der sensationell besuchten Ziesel-Mahnwache, die am Samstag den 2. Juni 2012 stattfand, zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür!

(C) Ernst Gruber, inseltv.at

Frau Dr. Ilse Hoffmann (Universität Wien) betonte gegen Ende der Veranstaltung in einem spontanen Statement (O-Ton), dass es beim Wiener Heeresspital definitiv zu keiner Ziesel-Umsiedlung kommen wird.

Es wird definitiv nicht umgesiedelt. Es gibt einen Aktenvermerk in der MA22, dass über Erfolge von Ziesel-Umsiedlungen zu wenig bekannt ist, vor allem gar nichts positives bekannt. Es wird nicht umgesiedelt.

„Umsiedeln“ meint jedoch nicht dasselbe wie „Umlenken“: Bereits im Vorfeld der Mahnwache wurden, begleitet von medialem Trommelwirbel, die Pläne zur Umlenkung der nördlich des Wiener Heeresspitals lebenden Ziesel und Feldhamster auf „Ausgleichsflächen“ bekräftigt. Wie sich zahlreiche Teilnehmer der ökologischen Führung persönlich überzeugen konnten, drängen sich geeignete Kandidaten für solche Ersatzflächen nicht mit freiem Auge auf.

Medienberichte

Weitere Berichte zur Ziesel-Mahnwache finden sich auf der Medienschau-Seite, wobei wir ganz besonders auf die eindringliche Kolumne von Frau Maggie Entenfellner hinweisen möchten.

Bemerkenswert an der Medienberichterstattung anläßlich der „Präsentation“ der Ausgleichsflächen durch die Bauträger ist außerdem, dass sich Frau Dr. Ilse Hoffmann von einigen Zitaten, die ihr in den Medien unterstellt wurden, mittlerweile in einem persönlichem Kommentar energisch distanziert hat.

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An die 400 Menschen waren am 2. Juni 2012 zur Ziesel-Mahnwache nach Stammersdorf gekommen um vor Ort gegen die drohende Verbauung eines der letzten Wiener Ziesel-Habitate zu protestieren. Die große Teilnehmerzahl an der von der überparteilichen Bürgerinitiative IGL Marchfeldkanal organisierten Veranstaltung unterstreicht eindrucksvoll, wieviele Wienerinnen und Wiener den empörenden Umgang mit den Zieseln am Marchfeldkanal nicht einfach hinnehmen wollen.

Zieselwache - Publikum vor Beginn; (c) IGL Marchfeldkanal

Neun hochkarätige Sprecherinnen und Sprecher beleuchteten in ihren interessanten Beiträgen die Problematik der Heeresspital-Ziesel aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. Die aufrüttelnden und teils sehr emotionalen Reden hatten die unabdingbare Notwendigkeit von Tier- und Naturschutz, das besondere Schutzbedürfnis der Ziesel, die aufklärungsbedürftigen Vorgänge rund um die Heeresspital-Flächenwidmung, Fehlentwicklungen in der Stadtplanung und Solidarität zwischen Bürgerinitiativen zum Inhalt. Allen gemeinsam war das eindringliche Plädoyer die Ziesel in ihrem angestammten Lebensraum zu schützen.

Gabriele Krenn - IGL-Marchfeldkanal; (c) IGL Marchfeldkanal Dipl.-Ing. Herbert Loder - IGG Gerasdorferstr. 153; (c) IGL Marchfeldkanal Dr. Barbara Herzig - Zieselexpertin iR; (c) IGL-Marchfeldkanal

Mag. Elisabeth Thomas - Wiener Tierschutzverein; (c) IGL-Marchfeldkanal Mario Wanderer - Naturfotografie; (c) IGL Marchfeldkanal Rosemarie Schreiner-Lein - WHA Gerasdorferstr. 55; (c) IGL-Marchfeldkanal

Mag. Mathias Sturm, MAS - Initiative Mühlweg; (c) IGL Marchfeldkanal Mag. Evelyn Weber - Verkehrsinitiative Donaufeld; (c) IGL-Marchfeldkanal Mag. Helmut Bauer - IGL Marchfeldkanal; (c) IGL Marchfeldkanal

Unter dem Eindruck des Gesagten ergriff gegen Schluss sogar die anwesende Frau Dr. Ilse Hoffmann (Universität Wien) – sie ist von den Bauträgern mit der Evaluierung und Durchführung von Ziesel-Lenkungsmaßnahmen auf Ausgleichsflächen beauftragt – das Wort um sich mit Klarstellungen an das Publikum zu wenden.

Dr. Ilse Hoffmann - Universität Wien; (c) IGL-Marchfeldkanal   Dr. Ilse Hoffmann und Dr. Barbara Herzig; (c) Andrea Mayrhofer, MAS

Als musikalisches Rahmenprogramm wurde das Kindermusical „SoKo Ziesel“ uraufgeführt. Unter der Leitung von Mag. Renate Schütz, aus deren Feder sowohl Musik als auch Text des Werkes stammen, präsentierten rund ein Dutzend Kinder und Jugendliche dem Publikum eine durch und durch begeisternde Darbietung des außergewöhnlichen Stücks.

(C) Ernst Gruber, inseltv.at

Viele Anwesende nutzten die Möglichkeit sich am Infostand rund um das zentrale Thema der Veranstaltung zu informieren und zum Schutz der Ziesel und Feldhamster beim Wiener Heeresspital zu unterschreiben. Ein weiterer Publikumsmagnet war das IGL-Buffet, wo man sich gegen eine freiwillige Spende mit Kaffee, Kuchen und weiteren Köstlichkeiten stärken konnte. Zudem bot die Ziesel-Mahnwache auch ein ideales Forum sich in persönlichen Gesprächen zu vernetzen und Kontakte für künftige gemeinsame Aktivitäten zu knüpfen.

Mag, Birgitta Bauer - IGL Marchfeldkanal; (c) IGL Marchfeldkanal Zieselwache - Infostand; (c) IGL Marchfeldkanal Zieselwache - Buffet; (c) IGL Marchfeldkanal

Auch die abschließende ökologische Führung rund um das Habitat der Ziesel und Feldhamster fand regen Anklang. Eine Vielzahl der Besucher nutzte die Gelegenheit von fachkundiger Seite mehr über die ökologischen Besonderheiten des bedrohten Ziesel-Habitats und des Marchfeldkanals zu erfahren. Zum spontanen Gaststar geriet ein neugieriger Biber, der just in jenem Augenblick vorbeischwamm, als über ihn und seine Artgenossen gesprochen wurde.

Ökologische Führung - Inge Konradi Gasse; (c) Mario Wanderer Ökologische Führung - Marchfeldkanal; (c) Mario Wanderer Marchfeldkanal-Biber bei Ökologischer Führung; (c) Mag. Gerhard Jordan

Die Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal bedankt sich bei allen Mitwirkenden sehr herzlich für die engagierte Unterstützung! Unser besonderer Dank gilt Frau Renate Schütz und ihrem jungen Team für die Aufführung von „SoKo Ziesel“. Ebenfalls bedanken möchten wir uns bei der Firma Ströck für die großzügige Gebäckspende, den Floridsdorfer Grünen für die Bereitstellung der Infrastruktur und organisatorische Unterstützung im Vorfeld sowie bei den zahlreichen Fotografen für die kostenfreie Bereitstellung ihrer Bilder.

Ganz speziell möchten wir uns natürlich bei jenen Menschen bedanken, die den allerwichtigsten Beitrag zum Erfolg der Veranstaltung geleistet haben, den teilnehmenden Bürgerinnen und Bürgern.

Ohne ihr Kommen wäre die Ziesel-Mahnwache nicht das geworden, was sie war: Ein unübersehbares Signal an die Wiener Politik die Ziesel und Feldhamster beim Wiener Heeresspital keinen weiteren Risiken auszusetzen und stattdessen das gesamte Biotop rund um das Heeresspital als Naturschutzgebiet zu widmen.

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Ziesel-Mahnwache am 2.6.2012

Purem Glück ist es zu verdanken, dass die Ziesel beim Wiener Heeresspital den Baggern entkommen sind. Dennoch blicken sie in eine äußerst düstere Zukunft.

Obwohl europaweit streng geschützt und in Österreich auf Platz 1 der Roten Liste, sollen die Tiere einem Monsterbauprojekt weichen, bei dessen Planung man keine Rücksicht auf das längst bekannte Ziesel-Vorkommen nahm.

Mit enormem Druck verfolgt man weiterhin das Ziel, die Ziesel aus ihrem funktionierenden Lebensraum abzudrängen. Naturschutz hin oder her – die 1.000 Wohnungen nahe dem Marchfeldkanal sollen in vollem Umfang realisiert werden.

Zahlreiche Studien ähnlicher Fälle warnen: Die beabsichtigten Eingriffe gefährden massiv den langfristigen Fortbestand des zwischen Brünner Straße und Marchfeldkanal eingekesselten Relikt-Reservats. Auch würde nach Expertenmeinung des Lebensministeriums die Realisierung des Vorhabens gegen geltendes EU-Recht verstoßen.

Aufruf zur Ziesel-Mahnwache

Für die Ziesel und die ebenso streng geschützten Feldhamster beim Wiener Heeresspital ist es fünf vor zwölf:

Kleinreden, Herunterspielen, Beschwichtigen, Pflügen und Lenken sind keine tauglichen Instrumente für ihren nachhaltigen Schutz.

Aus Protest gegen diesen zutiefst empörenden Umgang mit dem Artenschutz, ruft die überparteiliche Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal zu einer Mahnwache vor Ort auf.

Wir fordern die Errichtung eines Naturschutzgebietes auf den Flächen am und rund um das Wiener Heeresspital. Nur so kann der immense wirtschaftliche Druck, der unweigerlich zum Erlöschen der streng geschützten Ziesel- und Hamster-Populationen führen wird, ein für alle Mal gebannt werden.

Wann: Samstag, 2. Juni 2012, 15:00 Uhr
Wo:     Ecke Weilandgasse / Johann-Orth-Platz, 1210 Wien

Ziesel-Mahnwache am 2..6.2012

Ablauf: Es erwartet Sie ein interessantes Programm mit hochkarätigen Sprechern, Kostenproben aus einem neuen Ziesel-Musical und eine fachkundige ökologische Führung. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Ankündigung.

Anreise: Mit der Straßenbahnlinie 31 bis Endstation Stammersdorf oder mit dem Fahrrad. Falls sie mit dem PKW kommen, bitte z.B. entlang der Johann-Weber-Straße parken, am Johann-Orth-Platz kann während der Mahnwache nicht geparkt werden.

Selbstverständlich findet die Mahnwache bei jedem Wetter statt. Von zahnlosem Schönwetter-Naturschutz, beschränkt auf die virtuellen Welten aufwändiger Hochglanzbroschüren, haben wir genug.

Ihre Teilnahme ist entscheidend!

Senden wir gemeinsam ein unübersehbares Signal, dass der Schutz von bedrohten Arten und Lebensräumen Priorität gegenüber wirtschaftlichen Interessen haben muss! Anders als beim Wiener Heeresspital, muss Artenschutz pro-aktiv im Zuge von Planungen stattfinden und nicht erst im Nachhinein zur bloßen Schadensbegrenzung auf Kosten geschützter Arten und deren Lebensräume.

Ihre Teilnahme an der Ziesel-Mahnwache kann dazu beitragen, die wertvollen Biotope am Marchfeldkanal rund um das Wiener Heeresspital vor einer Verbauung zu bewahren und so den Fortbestand der dort ansässigen Ziesel- und Hamster-Kolonie zu sichern. Kommen auch Sie hin!

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Beim Wiener Heeresspital lebt eine der letzten großen Ziesel-Kolonien Österreichs. Obwohl ihre Existenz schon Jahre dokumentiert war, wurden Teile des Habitats – ohne Berücksichtigung der streng geschützten Ziesel – in Bauland umgewidmet.

Da man seitens der Politik unverändert an der Errichtung von fast 1.000 Wohnungen festhält, drohen nun Eingriffe in den Lebensraum der zwischen Marchfeldkanal und Brünner Straße eingekesselten Tiere, deren absehbare Risiken und Folgen in der Fachwelt längst außer Zweifel stehen.

Dichtes Ziesel-Vorkommen spätestens seit 2007 bekannt

Aus dem Ziesel-Gutachten von 2011 geht hervor, dass im August 2007 am Gelände des Wiener Heeresspitals durch die Wiener Umweltschutzabteilung MA22 und die Universität Wien eine dichte Ziesel-Population festgestellt wurde. „Auf einen Blick waren mehrere Tiere sichtbar“, heißt es darin. Wortwörtlich sprach man seitens des Bundesheeres sogar von einer „Zieselplage“.

Soweit bekannt, wurden in der Folge keine Präventivmaßnahmen eingeleitet um das entdeckte Großvorkommen näher zu erforschen und dem drohenden Konflikt in einem Zielgebiet der Wiener Stadtentwicklung frühzeitig – noch vor ersten Investitionen – entgegen zu wirken.

Bereits seit 2006 weist das Wiener Arten- und Lebensraumschutzprogramm „Netzwerk Natur“ im Gebiet des Heeresspitals das Vorkommen der naturschutzrechtlich „prioritär bedeutenden“ Ziesel als bestätigt aus, was wohl auf Grundlage einschlägiger Beobachtungen erfolgt sein wird.

Flächenwidmung ohne Umweltprüfung

Im Februar 2010 beschloss der  Wiener Gemeinderat eine abgeänderte Flächenwidmung, die auch auf Teilen des Heeresspital-Areals, also dort wo die Ziesel-Population längst dokumentiert war, Wohnbau vorsieht. In den Begleitunterlagen zum Plandokument 7906 wurden die streng geschützten Ziesel jedoch mit keinem Wort erwähnt. Weder im Erläuterungsbericht zur öffentlichen Auslage, noch im Vorlagebericht zur Beschlussfassung, wird auf den absehbaren und planungsrelevanten Konflikt mit dem Artenschutz hingewiesen. Statt einer Umweltprüfung wurde lediglich ein „Screening“ durchgeführt, dessen Ergebnis die Berichte unter „Umwelterwägungen“ so zusammenfassen:

Durchwegs keine bis positive Auswirkungen konnten dabei den Schutzgütern „Biologische Vielfalt“, „Bevölkerung“, „Gesundheit“, „Fauna und Flora“, „Boden und Wasser“ sowie „Landschaft“ zugeordnet werden.

Angesprochen auf die offensichtliche Absenz der Ziesel in den Dokumenten, erklärte der zuständige leitende Beamte (MA 21B) gegenüber dem „Kurier“:

„Der Bericht der Kollegen ist wohl unter den Tisch gefallen.“

Heeresspital-Verbauung ist Teil des Bauprojekts

Bebauung beim Wiener Heeresspital - Stand Mai 2011

Seitens der Behörden wird betont, dass man von den Zieseln am Areal nördlich des Wiener Heeresspitals bis vor kurzem keine Kenntnis hatte, sondern nur von der Population innerhalb des Heeresspital-Areals wusste. Diese Argumentation geht jedoch ins Leere, denn aus den Widmungsunterlagen geht in fetten Lettern hervor, dass 140 Wohneinheiten auf Flächen des Wiener Heeresspitals, d.h. im damals bereits dokumentierten Ziesel-Habitat, zur Errichtung gelangen könnten.

Dass diese Planungen keineswegs abstrakt, sondern sehr konkret sind, zeigt zudem jene Kubatur, die im Mai 2011 bei einer Informationsveranstaltung offiziell vorgestellt wurde. In der präsentierten Visualisierung sind klar drei Objekte zu erkennen, die am heutigen Areal des Heeresspitals positioniert und aufgrund der gewählten Farbgebung offensichtlich Teil des beabsichtigten Gesamtprojekts sind.

Im Juli 2010, also nach Widmungsbeschluss und 10 Monate vor der öffentlichen Projektpräsentation, besichtigten Vertreter der MA 22 und der Uni Wien erneut das Areal des Wiener Heeresspitals und stellten dabei eine anhaltend dichte Ziesel-Population fest. Offenbar bewirkten diese Beobachtungen in der Folge jedoch keine Adaptierungen der Projektpläne.

Kritik an „Turbo“-Widmung

Schon vor Beschluss der Widmung wurde die ungewöhnliche, selbst auferlegte Eile bei der Begutachtung des Großprojekts kritisiert. In nur zehn Arbeitstagen des Augusts 2009, d.h. mitten in der Urlaubszeit, sollten von anderen Behörden Stellungnahmen zum Plandokument an die MA 21B abgegeben werden. So könnte es ein Hinweis auf den seinerzeitigen Zeitdruck sein, dass der von der MA 21B verfasste Erläuterungsbericht und die Stellungnahme der Wiener Umweltanwaltschaft, das gleiche Datum, nämlich den 24. August 2009, tragen, der zugleich auch der letzte Tag des vorgegebenen Zeitfensters war.

Ziesel-Vorkommen sind planungsrelevant

Die Ziesel stehen in Österreich an erster Stelle der Roten Liste. Sowohl die Tiere selbst, als auch ihre Lebensräume, sind nach der EU-FFH-Richtlinie und dem Wiener Naturschutzgesetz am gesamten Stadtgebiet streng geschützt. U.a. sind absichtliche Störungen, Fangen und Transportieren, absichtliches und unabsichtliches Töten der Tiere sowie Beschädigungen ihrer Fortpflanzungs- und Ruhestätten verboten.

Für erhebliche Habitats-Eingriffe bedarf es Ausnahmegenehmigungen, deren Erteilung aber nur für tatsächliche Ausnahmesituationen vorgesehen ist, d.h. keineswegs der Regelfall sein kann. Notwendige Voraussetzungen sind u.a. überwiegendes öffentliches Interesse, nachweisliche Prüfung von Alternativen und ein günstiger Erhaltungszustand der betroffenen Population.

Keiner dieser drei Gründe trifft jedoch auf das Projekt beim Wiener Heeresspital zu. Die dokumentierte Ziesel-Population wurde in den Planungen nicht berücksichtigt, d.h. aus Sicht des Artenschutzes keine Alternativen geprüft und es besteht auch kein öffentliches Interesse genau im Lebensraum einer vom Aussterben bedrohten Art Wohnbau zu betreiben. Auch ist der Erhaltungszustand der Relikt-Kolonie aufgrund ihrer isolierten Situation, ohne den vital notwenigen Austausch mit anderen Ziesel-Populationen, inhärent ungünstig.

Verbauung der Radio Austria Gründe wurde abgesagt

Es waren wohl die oben genannten Gründe, die im Jahr 2005 die Verbauung der ehemaligen Radio Austria Gründe verhinderten. Auf dem acht Hektar großen Areal in Wien-Favoriten, also vergleichbar zum Projekt beim Wiener Heeresspital, war der Fortbestand einer Ziesel-Kolonie durch ein Bauprojekt bedroht. Auf Antrag der SPÖ fasste der Wiener Gemeinerat den einstimmigen Beschluss, die Ziesel in ihrem Lebensraum zu schützen und die Planungen zu verwerfen.

Priorität für Ziesel- und Feldhamster-Schutz

Bedauerlicherweise ist die Situation rund um die Ziesel und  die ebenso streng geschützten Feldhamster beim Wiener Heeresspital verfahren. Naturgemäß stehen die involvierten Bauträger unter großem wirtschaftlichem Druck das Bauprojekt in der beabsichtigten Form durchzuziehen, denn es wurden bereits enorme Geldbeträge investiert, vermutlich ohne Kenntnis der großen Ziesel-Population im Widmungsgebiet.

Zudem ist zu bezweifeln, dass der Widmungsprozess beim Heeresspital optimal gelaufen ist. Wann und in welcher Projektphase  wären konkrete naturschutzrechtliche Maßnahmen zum Schutz der Ziesel und Feldhamster ergriffen worden? Am Feld nördlich des Heeresspitals wurden schon vor Widmungsbeschluss bei Stichproben mögliche Hinweise auf Ziesel- oder Hamsterbaue entdeckt und im Jahr 2010 wurde das dort befindliche Feldhamster-Vorkommen im Auftrag der MA 22 kartiert.

Aus Sicht der Bürgerinitiative IGL-Marchfeldkanal muss der strenge Schutz der vom Aussterben bedrohten Ziesel und der Feldhamster Priorität haben. Wir appellieren daher an die Politik eine Lösung im Interesse der Tiere zu finden und sie vor riskanten Eingriffen in ihren Lebensraum mit ungewisser Perspektive zu bewahren.

Um den nachhaltigen Schutz der Tiere zu gewährleisten, tritt die IGL-Marchfeldkanal für die Einrichtung eines geeigneten Naturschutzgebietes auf den Flächen am und rund um das Wiener Heeresspital ein. Bereits 4.300 Menschen unterstützten diese Forderung mit ihrer Unterschrift. Unterschreiben auch Sie!

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